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   Autor  Thema: Unbill eines Heldenlebens (Gelesen 1815 mal)
Elina von Shanu

Unbill eines Heldenlebens
« am: Samstag 02 Januar 2016, 19:20 »

Runde 1


Mit gerunzelter Stirn blickte Elina von Shanu von ihrem Bürostuhl aus auf die Söldnertruppe, die sich für die Forschungsexpedition gemeldet hatte. Aufmerksam hatte die Burgverwalterin Nightons die Bewerbungsschreiben studiert, um die passenden Begleiter für das Fräulein Georgeta auszuwählen. Georgeta war die aufgeweckte Tochter eines einflussreichen Landadeligen aus Aramon und zart besaitet.

Es war schon eine ganze Weile her, dass Elina von Shanu in den Kreisen derer von Hengl verkehrt war. Umso überraschter war sie gewesen, dass sich Lord von Hengl mittels Eilboten an sie gewandt hatte. Mit einer Bitte. Die abenteuerlustige Georgeta wünschte sich vor ihrer Vermählung eine Forschungsreise über die Zwergenberge. Lord von Hengl bat um Unterstützung. Abenteuerreisen konnten nämlich recht – wie sollte man sagen – nervenaufreibend werden. Eine komfortable Kutsche hatte die junge Dame bis nach Nighton gefahren. Der Bergpass verlangte allerdings nach einem unbequemeren Fortbewegungsmittel. Lord von Hengl hatte dafür gesorgt, dass eigene Sättel für die Damen besorgt wurden. Der Aufschrei Georgetas "Was, ich soll Hosen tragen und ordinär wie ein Mann auf einem Pferd sitzen?" hatte jegliche weitere Diskussion über ortübliche Reitsättel ausgeschlossen.

Die Augenbrauen hochgezogen, den Rücken durchgestreckt, die Miene ein wenig hochmütig - wie es sich für einen Adelsspross geziemte - thronte Georgeta in einem der aktuellen Mode entsprechenden Kleid aus teurem Brokat neben der Burgverwalterin von Nighton und ließ mit gerümpfter Nase den Blick über ihre zukünftigen Begleiter wandern.

„Wie bereits dem Ausrufer auf dem Marktplatz zu entnehmen war, handelt es sich hierbei um eine äußerst heikle Mission“,  hob Elina an zu sprechen. „Eine Zivilistin zu begleiten ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Darum seid ihr hier, werte Damen und Herren. Forschungsreisen sollen der Erkundung dienen und zu keinem unkontrollierbaren Abenteuer werden. Neben der jungen Dame an meiner Seite wird eine Gouvernante die Expedition begleiten.“

Von zusätzlichem Dienstpersonal hatte Georgeta nach langem Hin und Her dann doch abgesehen. Elina hielt es für übertriebenen Aufwand, mit Kleiderfrau, Friseuse, Köchin, Knecht und Masseur in die Zwergenberge zu ziehen.

„Was die Ausrüstung betrifft, überlasse ich die Beschaffung Eurer Erfahrung, werte Herrschaften. Soviel ich gehört habe, besteht auf dem Pass bereits die Möglichkeit von Schneefall. Ich habe Lady Georgeta gebeten, sich mit einem dicken Fellmantel und Schneeschuhen auszurüsten. Alles weitere wie Decken, Wasserschläuche usw. überlasse ich Euch. Die Unkosten werden selbstverständlich von Burg Schwarzenfels getragen. Bei den Pferden der beiden Damen handelt es sich um wesensfeste Wallache. Man versicherte mir, die Tiere wären Kälte gewohnt. Habe ich etwas vergessen?“  Elina überlegte. „Ja doch, ich weise darauf hin, der jungen Dame gegenüber allen Respekt walten zu lassen, wie es  sich von den werten Herren gegenüber der Damenwelt geziemt.“

Doch damit war die Mannschaft noch nicht entlassen. Georgeta, die sich auf die Abreise vorbereiten wollte, verließ wortlos die Besprechung. Elina wartete, bis die Tür ins Schloss gefallen war, ehe sie sich nach vorne lehnte und sich erneut an die Heldentruppe wandte.

"Nun, da wir unter uns sind, gibt es noch folgendes zu sagen: Es gilt, das gnädige Fräulein…“  Kam es unseren Helden nur so vor, oder klang Elina ein klein wenig abschätzig? Ihr Tonfall wurde schärfer.  „… sicher an das Ziel zu bringen. Weder soll sie in Gefahr geraten noch unnötiger Aufregung ausgesetzt werden. Sie soll heil zu ihrem Vater, Lord von Hengl, zurückgebracht werden. Nur der kleinste Kratzer mindert meinen Ruf und euren Verdienst, werte Herrschaften. Die junge Dame möchte sich gut unterhalten. Also sorgt gefälligst dafür. Jegliche Schummelei sei euch erlaubt, doch lasst euch bloß nicht erwischen. Möchte das Fräulein ein Adler streicheln, dann besorgt ihr diesen Adler. Will sie einen Räuberhauptmann sprechen, dann schleppt ihr einen solchen heran. Gebt ausführliche Antworten, egal welchen kindischen Unsinn sie euch fragt. Welches Seemansgarn ihr verbreitet, mag mich nicht kümmern. Hauptsache, die junge Dame ist zufriedengestellt. Verstehen wir uns?"

Ein Anführer wurde bestimmt, der die Reise leiten und die Verantwortung tragen sollte. Darauf bestand Elina. Schließlich war es immer gut einen Sündenbock zu haben, wenn etwas schief gehen sollte.
« Letzte Änderung: Freitag 08 Januar 2016, 15:46 von Silvana » Gespeichert
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Phelan

Re:Unbill eines Heldenlebens
« Antwort #1 am: Montag 04 Januar 2016, 22:02 »

Als er den hochmütigen Blick der kleinen Adeligen auf sich ruhen spürte, fragte sich Phelan, ob es ein Fehler gewesen war, den breitkrempigen Hut, den er neulich gekauft hatte, aufzusetzen, um nicht schon auf den ersten Blick wie ein Monster zu wirken. Sein inzwischen geübtes Raubtierlächeln hätte vielleicht geholfen der Truppe den nötigen Respekt zu verschaffen. Denn zu seiner eigenen Überraschung war er nicht der einzige brauchbare Kämpfer, den dieser Baron hatte anwerben lassen. Besonders über das unerwartete Treffen mit Landolin freute sich der Wolfsmann. „Was verschlägt Dich denn hierher, alter Knabe“, raunte er dem inzwischen landesweit anerkannten Heiler aus dem Mundwinkel zu.

Auch Asarra, eine Kriegerin aus seiner Gilde, hatte er inzwischen als recht tüchtig im Umgang mit ihrer Waffe kennengelernt und die Frau mit dem Bogen hatte er auch schon irgendwo gesehen. Sie schien ebenfalls über etwas Erfahrung zu verfügen. Nur der Welpe störte ihn ein klein wenig, aber hatte nicht auch er auf seinen ersten Abenteuern so angefangen?

Während der Lykantroph noch damit beschäftigt gewesen war, die weniger vertrauten Mitglieder der Gruppe einzuschätzen, hatte das werte Fräulein Elina schon zu reden begonnen. Der Teil, den er mitbekommen hatte, war mehr als genug. Eine heikle und verantwortungsvolle Aufgabe, die nicht zu einem Debakel ausarten sollte. Es fiel Phelan schwer sich einen Kommentar dazu zu verkneifen, doch er wollte die Verwalterin nicht vor jemanden ihres Standes provozieren, da er ihretwegen noch ein etwas schlechtes Gewissen hatte.

Stattdessen nickte er, als es um die Ausrüstung ging. Vor allem als Elina zu dem Punkt kam, dass sie die Kosten nicht selbst tragen mussten. Selbst als sie zu dem Punkt mit dem nötigen Respekt vor der Damenwelt kam, gab er sich redlich Mühe sein boshaftes Grinsen unter der Krempe seines Hutes verborgen zu halten.

Erst nachdem die Kleine draußen und Elina offensichtlich mit ihrer Ansprache fertig war, meldete sich Phelan zu Wort: „Ein verlorener Finger oder eine abgetrennte Hand sollten wohl kaum ein Problem sein, solange wir sie ohne Anzeichen für solch einen Zwischenfall zurückbringen.“ Mit einem selbstgefälligen Lächeln klopfte er Landolin auf die Schulter. Der Hohentürmler würde derartige Missgeschicke schon zu korrigieren wissen. „Und ich habe das Gefühl, dass ein wenig Aufregung und Todesangst diesem verhätschelten Gör nicht schaden können. Außerdem ist es etwas viel verlangt zwei nutzlose Weiber über das Gebirge und zurück zu schleifen, ohne dass die Lage mal etwas außer Kontrolle gerät. Dennoch ist sie bei uns so sicher, wie sie auf einer solchen Reise nur sein kann und wir werden schon darauf achten unseren Verdienst nicht zu sehr zu gefährden. Sollte die tatsächliche Aufregung dem Fräulein dennoch nicht reichen sind Räuberhauptmänner eine meiner einfachsten Übungen.“

Ihm war klar, dass er dem Burgfräulein damit nicht gerade nach dem Mund geredet hatte, aber es war nicht seine Art Versprechungen zu machen, an die er selbst nicht glaubte. Daran sich als Anführer anzubieten hinderte ihn dieser Mangel an Diplomatie auch nicht. „Das halte ich für keine so gute Idee!“, fuhr er dazwischen, als die Schützin Asarra vorschlug. „Ich denke niemand wird anzweifeln, dass ich der erfahrenste Kämpfer in dieser Runde bin. Ich sollte das machen.“ Ein kleiner Teil von ihm verfluchte ihn dafür, vor allen weil er die Ereignisse bei den Noxx noch nicht ganz vergessen hatte. Aber in diesem Moment war er ja gerade dabei sich von den anderen in seiner Rolle als Anführer bestätigen zu lassen und damit lag der Fall doch hoffentlich anders.
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Dyrksen

Re:Unbill eines Heldenlebens
« Antwort #2 am: Mittwoch 06 Januar 2016, 12:28 »

Lykhe konnte leider seine Aufregung nicht ganz verbergen. Eigentlich wollte er cool erscheinen, selbstsicher und ein bisschen grimmig. Aber er hechelte, die Ohren waren unsicher nach hinten gedreht und noch dazu wedelte seine Schwanzspitze die ganze Zeit freudig umher.
Er war auch nicht der einzige Lykantroph, der für diesen Auftrag angeheuert worden war. Dadurch war der Posten des pelzigen Außenseiters auch schon vergeben. Und der andere sah mit seinem dunklen Fell und den stechenden gelben Augen - und nicht zu vergessen, die Größe und der kräftige Körperbau - leider auch viel furchteinflößender aus als Lykhe, das halbe Hemd. Noch dazu verriet die Körperhaltung des Anderen, dass er sich vor nichts und niemanden zu fürchten brauchte. Und er stand so breitbeinig da, als ob ihm die Eier zu dick waren.
Das hatte Lykhe schon einmal gesehen. Und zwar als die Magierin Myriel sich damals in einen Lykantrophenweibchen verwandelt hatte, sah sie ganz genauso aus, nur kleiner. Auch der Geruch kam Lykhe irgendwie vertraut vor, obwohl er sich sicher war, diesem Lykaner noch nie begegnet zu sein.
Und dann dieser Hut. An den würde er sich bestimmt erinnern. Der Hut war riesig. Er war auffällig. Er sah irgendwie - total bescheuert aus.

Die anderen Leute im Raum hatte er ebenfalls noch nie gesehen. Halt, bis auf Asarra, die aber auf der anderen Seite stand und deshalb nicht von ihm begrüßt werden konnte, ohne die Ansprache dieser Herrin Elina zu stören. Also winkte er Asarra lässig mit der Pfote zu, als sie kurz zu ihm herüber schaute, und schickte ihr per Gedankensprache ein paar nette Worte herüber. Natürlich hatte er überhaupt nicht daran gedacht, dass diese Gedankensprache ohne den Drachen Darius überhaupt nicht funktionierte.

Dann musste er sich auf die Ansprache der Herrin Elina konzentrieren. Die ersten Anweisungen waren für ihn etwas verschwommen. Es wurden viele Fremdworte benutzt und ihm war nicht ganz klar, was er nun konkret zu tun hatte. Außer dass er immer ganz nett zu der jungen Dame sein sollte. Aber als diese hochnäsige Adelstussi den Raum verlassen hatte, sprach Elina endlich etwas mehr Klartext. Das verwöhnte Adelsmädchen sollte sicher zum Ziel gebracht werden. Keine Kratzer. Aber mit Unerhaltungsprogramm. Und Schummeln war dabei offenbar nicht nur erlaubt, sondern, wie es den Anschein hatte, regelrecht erwünscht. - Na schön, dass dürfte wohl kein Problem sein.

Dann meldete sich dieser dunkle Lykaner zu Wort und redete über abgehackte Finger und Hände. Weil er dabei dem einen Menschenmann anerkennend auf die Schulter klopfte, konnte Lykhe nur vermuten, dass dieser Typ dafür berüchtigt war, ständig irgendwelche Gliedmaßen abzuhacken. Deshalb bekam er den heimlichen Spitznamen, der Schlächter.  Lykhe lief ein Schauer über den Rücken. Vor dem sollte er sich besser in Acht nehmen.

Als der Dunkelgraue dann sich selber als Anführer vorschlug, konnte Lykhe nur anerkennend mit dem Kopf nicken. Der war das geborene Alphamännchen. Leider. Aber immerhin, so dachte sich Lykhe, wenn ein Lykaner die Truppe anführte, dann wäre der zweite Lykaner ja automatisch sein Stellvertreter. Und er konnte sich des gedanklichen Bildes nicht erwehren, in dem der Dunkelgraue in eine tiefe Schlucht stürzte, er selber sich den Hut schnappte, ihn aufsetzte und zu den anderen sagte: Mögen seine Knochen Frieden finden. So Leute, lange genug herumgetrödelt. Es geht weiter. Ich übernehme das Kommando. 
Ja, das würde ihm gefallen. Deshalb rief er schnell:

"Ja genau, der Stärkste sollte auch das Kommando haben."

Und weil er das Gefühl hatte, dass seine Meinung allein vielleicht nicht reichen könnte, fügte er noch mit tieferer Stimme hinzu:

"Ich bin auch für dich."

Dann dreht er den Kopf zu Seite, als wollte er nachschauen, wer das eben gesagt hätte. Und um dem noch eins draufzusetzen, presster er wie ein Bauchredner mit halb geschlossenem Maul und piepsiger Stimme hervor:

"Ja, er soll den Hut aufhaben."


So, das müsste doch eigentlich reichen, dachte er sich. Und hey, schließlich hatte diese Elina ja Schummeleien sogar ausfrücklich erlaubt.
« Letzte Änderung: Mittwoch 06 Januar 2016, 12:34 von Dyrksen » Gespeichert
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Landolin

Re:Unbill eines Heldenlebens
« Antwort #3 am: Mittwoch 06 Januar 2016, 22:56 »

An irgendeinem Punkt war die ganze Sache schief gelaufen; vermutlich schon, als sein Vertreter diese verfluchte Anmeldung abgeschickt hatte, allerspätestens aber, als der Hohentürmler zur Burg geschritten war, um besagten Brief zurückzufordern und stattdessen das Antwortschreiben in die Hand gedrückt bekam. Und offensichtlich war man sehr angetan davon, dass er sich so sehr für die Reise interessierte, dass er seine Einladung sogar persönlich abholte…

“Viel beschäftigt – genau, verdammt nochmal! Da steht es doch! Ist denn niemand auf die Idee gekommen, dass diese Anmeldung nicht echt war?“, grollte Landolin auf dem Heimweg. Dass diese Anschuldigung ungerecht war, da sein Ruf als beschäftigte und oft nicht greifbare Person genau von derartigen, manchmal sogar mehrwöchigen Abenteuerreisen herstammte, war ihm momentan egal. An und für sich war alles Schimpfen sowieso zu spät. Man hatte den gefälschten Brief ernst genommen und ihn für die Expedition eingeplant – jetzt zurück zu rudern würde seinen Ruf nur unnötig gefährden und ihn ins Gerede bringen. Es half alles nichts: Er würde bis zum nächsten Mond seinen Rucksack packen und die geschäftlichen Angelegenheiten regeln müssen, um sich pünktlich zu dieser Versammlung einfinden zu können.

[cente]***[/center]
Es wurde alles noch viel Schlimmer als gedacht. Was war das nur für ein Biest, auf das sie da aufpassen sollten? Echte Abenteuer wollte die kleine Zicke erleben? Sollte sie doch lieber zuhause mit ihren Puppen spielen und ihrer Fantasie freien Lauf lassen! Vielleicht kam dann auch ein ordentlicher Prinz auf weißem Ross daher, um die Adelige in Nöten zu retten. Denn ein solcher fehlte in der Gruppe offenbar. Zwei Damen, zwei Lykaner und er selbst… Hoffentlich hatte die junge Dame nicht zu viele Abenteuerromanzen gelesen und behielt im Hinterkopf, dass sie bald vermählt werden sollte. Nicht dass sie noch auf absonderliche Gedanken kam und jeden dahergelaufenen Reisenden, der das Pech hatte dieser Expedition zu begegnen, bezirzen wollte. Oder schlimmer noch: den Hohentürmler selbst.
Der einzige Lichtblick in dieser Versammlung war Phelan – wobei man mit ihm dringend über darüber diskutieren musste, ob die neuesten Hutmoden wirklich auch für Lykantrophen empfehlenswert waren. Asarra und die andere Frau mochten kämpferisch auch nicht zu verachten sein, allerdings kannte Landolin die beiden zu wenig, um ein klares Urteil fällen zu können.

Die ersten Meinungsverschiedenheiten begannen jedenfalls schon mit der Wahl des Gruppenleiters. Warum musste Phelan in letzter Zeit nur immer das Alphamännchen heraushängen lassen! Sie hatten nun wirklich dringendere Probleme zu besprechen.
“Was spricht denn nun gegen Asarra als Anführerin, Phelan?“, fragte der Heiler, der eine rasche Einigung erzielen wollte, ohne selbst für diesen Posten vorgeschlagen zu werden. “Du magst der erfahrenste Kämpfer sein -  aber offenbar soll es auf dieser Reise im besten Falle gar nicht zu Kämpfen kommen. Das junge Fräulein will sicher und gut unterhalten ans Ziel gebracht werden, das ist alles. Und dafür scheint mir eine andere junge Dame, die sich gut mit Pferden auskennt und sicherlich leichter geeignete Themen für angeregte Gespräche findet als unsereins, wunderbar geeignet.“ Mit einem gedämpften Raunen, dass der Wolfsmensch mit seinem feinen Gehör aber sicherlich klar verstand, fügte er hinzu: “Tut mir leid, wenn ich Dir in den Rücken falle, aber dieser Anführerstatus klingt für mich nach einem Haufen Ärger ohne Gegenleistung. Und Du willst doch sicher nicht dafür verantwortlich sein, dass dieses Gör die Reise genießt, oder? Sollten wir das Pech haben in einen Kampf zu geraten, darfst Du sicher die Führung übernehmen. Der andere Lykan gibt Dir dafür sogar drei Stimmen…“

Der Hohentürmler hoffte, dass sein alter Freund nicht auf stur schalten würde. Sicher war er sich allerdings nicht, dass Phelan nachgeben würde…

“Viel wichtiger fände ich, dass wir uns auf die zu besorgende Ausrüstung einigen. Wie sieht es mit Zelten aus? Zunder und Brennmaterial, Proviant? Damit sollten wir nicht sparen, für den Fall, dass sich die Reise um ein paar Tage verzögert.“
Als er dieses Thema anschnitt, wurden sogleich diverse Vorschläge vorgebracht, von Hafer für die Pferde bis hin zu Tränken. Hoffentlich kam keiner auf die Idee, dass er diese ja für den ‘guten‘ Zweck stiften könnte. Wenn er schon bei dieser Farce mitmachen musste, sollte auch gefälligst genug dabei herausspringen, um ihn zu entschädigen!
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Sacajawea

Re:Unbill eines Heldenlebens
« Antwort #4 am: Donnerstag 07 Januar 2016, 13:18 »

Sacajawea konnte es kaum glauben, als Aleeza ihr die Antwort aus Nighton vorlas. Sie würde in die Zwergenberge reisen! Mehr von der Welt sehen, hurra! Dass dabei noch eine Belohnung herausspringen würde, war eigentlich nur eine angenehme Nebensache, denn zum Glück hatte sie es ja mittlerweile mit ihrer Bognerei zu Wohlstand gebracht. und was ein Glück, dass sie die Aufnahmeprüfung bei den Waldläufern noch grade rechtzeitig geschafft hatte. Was sie dabei gelernt hatte würde sicherlich noch nützlich werden. So, nun aber für die reise gepackt... die junge Frau gin in ihre Werkstatt und überlegte, was sie wohl mitnehmen sollte. Wie lange die Reise wohl dauern würde? Als sie ihre Besitztümer durchging, fiel ihr auf, dass sie reichlich geschlampt hatte, was eine ordentliche Reiseausrüstung anging. Das musste sie nun dringend nachholen. Wenn sie Anfang des nächsten Monats in Nighton sein sollte, musste sie sich beeilen... aber aus der Werkstatt wanderten schonmal Pfeile, Ersatzbogensehnen und Reparaturwerkzeug für Pfeile und Bogen ins Gepäck, das konnte keinesfalls schaden. Und ihren Vorrat an Heiltränken nahm sie auch mit. Dann blieb ihr Blick am Wolfsfell hängen. Sollte sie...? Es konnte in den Bergen wohl noch nützlich werden, also rollte sie es zusammen und ab ins Gepäck damit. Ein geschickter Schneider konnte es vielleicht sogar zu einem Umhang umschneidern. Und dann waren da noch diverse Talismane, die sie während ihrer Abenteuer in Dragonia errungen hatte, die mussten sowieso mit. Dazu noch ein Satz Ersatzkleidung... und das war es dann auch schon. Ja, sie musste wirklich dringend einkaufen gehen. Nun, vielleicht würde sie den Lohn für die Reise doch noch gut gebrauchen können.

~@~


geraume Zeit später und rundum mit neuen Dingen ausgestattet - unter anderem einem wunderschönen, dunkel- blaugrauem  und mit Rabenfedern verziertem Waldelfenkleid aus weichem Wildleder, das für eine solche Reise wohl eher unpraktisch war. Es lag sorgfältig gefaltet unten in den ebenfalls neuen Satteltaschen - vielleicht ergab sich ja bei den Zwergen mal eine Gelegenheit - oder so.

In der Burg Schwarzenfels, wo sie sich nach Elina von Shanu durchfragte, war schon ein illustres Trüpplein versammelt, die wohl alle die Expedition ebenfalls begleiten wollten. Sacajawea kannte schon einige von ihnen und begrüßte Phelan, Asarra und Landolin fröhlich, um sich dann Lykhe vorzustellen. Da sie mit Serafina gut befreundet war, hatte sie Lykantrophen gegenüber keine Vorurteile, und mit einem strahlenden Lächeln im dunklen Gesicht trat sie auf ihn zu. “Hallo!“,l sagte sie. “Wir kennen uns noch nicht, oder? Ich bin Sacajawea von den Kangi'Yuha unter dem Totemn des Raben...“

Und dann ergriff auch schon Elina das Wort und erklärte den anstehenden Auftrag genauer. Sacajawea glaubte zunächst, nicht richtig zu hören. Es war gar keine Forschungsexpedition? Sie sollten ein Adelsfräulein und seine Aufpasserin begleiten, weil das Mädel - nein, die war bestimmt noch keine richtige Frau - mal Lust hatte, über die Berge zu spazieren... Sacajawea sog hörbar die Luft ein, verkniff sich aber grade so noch eine Bemerkung. Erst als das Fräulein Georgeta hinausgerauscht war, machte sie ihrem Herzen Luft - weil Asarra zufällig neben ihr stand, wandte sie sich an sie: “Ist nicht wahr, oder? Das Mädel sieht aus, als hätte sie nie im Leben etwas Nützliches getan oder mal über die Mauern ihres Märchenschlosses hinausgeschaut, und die sollen wir über die Berge bringen und dabei alle Launen bedienen, die sie so haben mag? Das kann noch heiter werden - da hoffe ich nur, dass Frollein Ich-bin-so-vornehm ihre Reiselust nicht noch bedauert...“ Respekt war an der Stelle leichter gefordert als gewährt, denn in den Augen der jungen Kriegerin von Anpetuwi musste der sich verdient werden. Aber sie hatte sich nunmal für den Auftrag gemeldet, und nun war sie eben drin.

Sie schüttelte den Kopf und wandte sich lieber praktischen Fragen zu. Zunächst - wer sollte die Reise anführen? “Ich denke, Asarra wäre geeignet!“, schlug Sacajawea spontan vor. Sie selbst kam natürlich nicht in Frage, sie war ja noch jung, aber... “Asarra ist schließlich eine erfahrene Kriegerin, und außerdem denke ich, dass sie auch genug Ahnung von Reisen und so hat...“ Da kam aber sofort Widerspruch, Phelan beanspruchte die Führung für sich selbst. Scajawea entfuhr ein lautes, überraschtes „Uff!“ Der Lykaner musste schon sehr von sich eingenommen sein, dass er sich so in den Vordergrund drängelte. Sacajawea fand das jedenfalls ungehörig. Außerdem war er ein Mann, wenn solche Dinge hier auch keine große Rolle spielten, es würde ihr definitiv schwerer fallen, Anweisungen von einem Mann entgegenzunehmen als von einer Frau. Aber sie war zu jung, um sich in die Debatte weiter einzumischen. Der junge Lykantroph unterstützte jedenfalls Phelan und der Heiler Asarra - damit standen zwei Meinungen gegen zwei, und Asarra selbst hatte sich noch nicht geäußert.

Als nächstes musste sich um Ausrüstung gekümmert werden. Schnell hatte Phelan eine umfangreiche Liste zusammengestellt - naja, vielleicht wäre er doch ein geeigneter Anführer (aber er war eben ein Mann, und überhaupt, in ihrer Heimat hätte es an der Stelle zwei Anführer gegeben, was in ihren Augen immer besser war). Da blieb Sacajawea nicht viel zu ergänzen. Angelschnüre wären vielleicht noch eine gute Idee, sowie ausreichend Pfeile, um zur Not jagen gehen zu können, sollte der Proviant nicht reichen. Futter für Pferde und tauben wurden benötigt, sowie warme Kleidung. Sacajawea fiel aber noch etwas ein und wandte sich mit diesem Anliegen direkt an Elena von Shanu. “Vielleicht wäre es gut, wenn wir Gastgeschenke für die Zwerge dabeihaben?“, fragte sie. “Hast du eine Idee, was da geeignet sein könnte?“

Und dann wurde zuguterletzt noch aufgeteilt, wer sich um was kümmern sollte, und Sacajawea fiel es zu, warme Kleidung zu besorgen. Außerdem würde sie wohl für zwei der Packpferde und die Brieftauben (bitte was? Georgeta nahm Tauben zum Briefeschreiben mit?) verantwortlich sein. Nunja, mit dem lieben Federvieh und den Pferden würde sie möglicherweise besser zurecht kommen als mit dem adeligen Dämchen selbst.
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Asarra

Re:Unbill eines Heldenlebens
« Antwort #5 am: Donnerstag 07 Januar 2016, 18:17 »

Ohne grosse Umschweife wurde Asarra in das Büro der Elina von Shanu geführt, als sie in der Burg vorstellig wurde. Die Amazone hatte ihr Streitross und das Packpferd einem Stallburschen überlassen, nachdem sie sich kurz überlegt hatte, die beiden wieder bei Silvana in der Schmiede zu lassen. Doch wahrscheinlich war es besser, die Tiere in der Nähe zu haben. Abgesehen davon, dass sie ihre Amazonenschwester nicht einfach so überrumpeln wollte. Vielleicht fände sich ja die Zeit, sie nach ihrer Rückkehr zu besuchen.

So stand die grosse Schwarzhaarige nun in besagtem Büro und musterte den Adelsspross, den sie begleiten sollte. Ihre Haltung war ganz passabel, es würde sich allerdings zeigen, wie lange dieser Rücken so gerade bleiben würde, sobald das Mädel ein paar Stunden im Sattel sass.
Die ersten Sätze wunderten Asarra wenig, sie fühlte sich allerdings auch nicht wirklich angesprochen. Respekt bekam jeder so viel, wie er verdient hatte. Spannend wurde es allerdings, nachdem das Mädel den Raum verliess. Die Irritation war Asarra deutlich anzusehen. Was genau versprach sich dieses Mädel eigentlich von der Reise?

"Soll sie sie nur bedauern, solange sie auch was draus lernt. Ist wohl nicht ihre Schuld dass sie so behütet aufgewachsen ist. Spricht doch für sie, dass sie mal raus in die Welt will. Wenn sie allerdings in dem Fummel aufs Pferd steigen will, könnte es lustig werden", meinte die Amazone leichthin zu der Kangi'Yuha. Auch wenn die Dame Georgeta auf sie auch nicht gerade den besten Eindruck gemacht hatte, war die Amazone um einiges weniger schnell mit Vorurteilen zur Hand, wenn es um Frauen ging.

Die Schwarzhaarige wurde jäh aus ihren Gedanken gerissen, als es um die Frage des Anführers ging und plötzlich sie selbst vorgeschlagen wurde. Allerdings drängte sich Phelan sofort an die Spitze, und das der andere Lykan ihrem Gildenmeister nicht gleich die Lefzen leckte war schon beinahe ein Wunder.
Vollends vor den Kopf gestossen war sie dann allerdings, als der Heiler sich ebenfalls für sie aussprach. Eigentlich wäre sie selbst ja für Landolin gewesen, aber dieser schien nicht dazu geneigt, seinem Kumpanen die Stirn zu bieten. Seine Argumentation allerdings brachte sie dann doch noch dazu, laut zu lachen.

"Vielen Dank Meister Landolin, aber ich glaube da täuscht Ihr euch ganz gewaltig. Ich mag zwar durchaus dasselbe Geschlecht wie unsere Schutzbefohlene haben, aber das waren dann wohl auch schon die Gemeinsamkeiten." Die grossgewachsene Schwarzhaarige schmunzelte immer noch, dann wandte sie sich mit einem Grinsen an ihren Gildenmeister. "Häng ruhig den Alpha raus Phelan, auch wenn ich dir die "keine so gute Idee" nicht so schnell vergessen werde. Sorg doch bei Gelegenheit dafür, dass dein kleiner Freund da merkt, dass wir nicht ganz so dämlich sind wie er denkt." Sie nickte zu Lykhe rüber. Sie hatte ja bereits bei Serafina gemerkt dass junge Lykaner durchaus für einen Spass zu haben waren, aber diese Stimmennachamerei war einfach nur lächerlich.

Nach erfolgter Besprechung machte sich Asarra auf den Weg, die Pferde und das restliche Material zu begutachten. Die beiden 'wesensfesten' Wallache machten einen guten Eindruck auf die Amazone. Auch die restlichen Pferde schienen in Ordnung zu sein. Die beiden Ruhigsten teilte sie in Gedanken dem Heiler zu, die restlichen Packpferde würde sie selbst und Sacajawea führen. Die Schwarzhaarige liess sich auch die Sättel, Satteltaschen, Packgeschirre und die restliche Ausrüstung zeigen und gab ihrerseits bekannt, was sie an Futter und restlichem Material benötigte.
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Phelan

Re:Unbill eines Heldenlebens
« Antwort #6 am: Freitag 08 Januar 2016, 09:56 »

Phelan warf in rascher Folge dem anderen Lykan und Landolin einen irritierten Blick aus den Agenwinkeln zu. Der eine meinte gleich mit drei Stimmen für ihn sprechen zu müssen und der andere, mit dessen Unterstützung er fest gerechnet hatte, sprach sich gegen ihn aus. Einige Herzschläge später blitzte Verstehen in den bernsteinfarbenen Augen des Kriegers auf, doch dafür war es nun zu spät. Denn Asarra, die andere Kandidatin, stimmte für ihn. Auch wenn ihr nicht zu gefallen schien, wie er sich ausgedrückt hatte.

„Entschuldige meine unbeholfene Wortwahl, vielleicht wärst doch Du die klügere Wahl gewesen“, ruderte er ein wenig zurück obwohl im klar war, dass das nichts mehr bringen würde. „Dennoch hoffe ich, dass Du noch ein wenig von mir lernen kannst. Wenn schon nicht aus meinen Tugenden, so zumindest aus meinen Fehlern, denn das werte Fräulein Elina wird Dir sicherlich gern bestätigen, dass ich ein hervorragendes Beispiel für einen gescheiterten Offizier abgebe. Und was meinen kleinen Freund betrifft: Den kenne ich gar nicht.“

Danach ging es daran sich über die Ausrüstung Gedanken zu machen und nachdem sich Phelan ja schon persönlich ein wenig auf die Reise vorbereitet hatte, fiel es ihm nicht schwer einiges dazu beizutragen. Recht schnell hatte man sich darauf geeinigt, dass sich Asarra um die Pferde kümmern wollte, während die Bogenschützin den örtlichen Schneider und Landolin seine Apotheke aufsuchen würden. „Dann kaufe ich den Proviant und Du erledigst die übrigen Besorgungen“, wandte sich der Alpha an den unsicher wirkenden Wolfsmenschen. Sollte der ruhig seine schnellen Beine für etwas gebrauchen. Er selbst würde ja vermutlich auch sämtliche Wirtshäuser Nightons abklappern müssen, um genug Fleisch für seinen Geschmack aufzutreiben.


Etwas später fand sich die angeheuerte Gruppe wieder in der Burg ein und irgendwie schien man es für angemessen zu halten ihm als Anführer mitzuteilen wie viel man wofür ausgegeben hatte, damit er es an die Verwalterin weitergeben konnte. Vor allem als die Waldläuferin ihre Summe nannte, musste der Lykan schlucken. Der Betrag überstieg doch seine kühnsten Erwartungen. „Schneider müsste man sein. Nun, wir werden ja vieles zurückbringen und in der Kaserne werden sie schon etwas damit anzufangen wissen.“

Mit einiger Mühe rechnete der Krieger alles zusammen und gab sowohl das Endergebnis als auch die Zwischensummen an das Burgfräulein weiter. Hoffentlich würde sie ihm nicht den Kopf abreißen, weil sie gar so großzügig mit dem städtischen Geldreserven umgingen. Allmählich dämmerte ihm auf was für einen Posten er sich da eingelassen hatte, als er sich zum Anführer aufgeschwungen hatte.
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Silvana

Re:Unbill eines Heldenlebens
« Antwort #7 am: Freitag 08 Januar 2016, 16:43 »

Runde 2
Reisetag 1 Mittag


Es hatte ein paar Tage gedauert, bis alles besorgt und verladen war. Unsere Helden waren derweil in Burg Schwarzenfels untergebracht und verköstigt worden. Die Aufstellung der Kosten, welche Phelan der Burgverwalterin überreichte, entlockte Elina noch nicht einmal ein Zucken ihrer Augenbrauen.

"Gold spielt keine Rolle, war Lord Hengls ausdrückliche Anweisung. Brillante Arbeit, Herr Phelan. Nun sollte gar nichts mehr schief gehen. Bringt mir das Fräulein um der Götter Willen in einem Stück wieder. Behaltet einfach die Nerven, das wird allen die Reise um einiges erleichtern." Elina lächelte schief. Ihre Stimme senkte sich zu einem halblauten Raunen. "Ich weiß, wir hatten in der Vergangenheit so einige Zusammenstöße zu verzeichnen, dennoch möchte ich Euch um einen Gefallen bitten. Dieser Herr von Muesig, ein Adelsmann zwar, aber ein Filou wie er im Buche steht. Er hat die letzten Tage mit sämtlichen Zimmermädchen und Küchengehilfinnen getändelt. Achtet bitte darauf, dass er dem Fräulein nicht unsittlich zu nahe tritt. Entmannt ihn meinetwegen, wenn es sein muss. Hauptsache, das Fräulein kommt - wie ich schon sagte - unversehrt zurück."

Inzwischen wurden die letzten Vorbereitungen getroffen. Georgeta bestand darauf, jedes interessante Reiseereignis ohne Umschweife Elina zur Kenntnis zu bringen. Um dies zu gewährleisten gab es nur eines: Brieftauben. Und zwar ein ganzes Dutzend davon, für nahezu jeden geplanten Reisetag eine. In kleinen Käfigen wurden die geflügelten Boten vom hiesigen Taubenmeister überbracht und von Sacajawea auf eines der Packpferde verstaut.

"Ah, Ihr seid also die Taubenwächterin. Wieso habt Ihr so dunkle Haut? Wart Ihr zu lange in der Sonne? Da tut dem Teint gar nicht gut und macht grässliche Falten. Ihr solltet besser einen Hut tragen", gab Georgeta gute Ratschläge zum Besten. "Und diese Hosen, die stehen Euch gar nicht. Das ist völlig unweiblich. Noch dazu dieses billige Material. Ist das Leder?"

Das Adelsfräulein, höchstens fünf Jahre älter als die Kangi'Yuha, ließ den Blick über den schlanken Leib der Bogenschützin gleiten. Sie selbst trug ein schmal geschnittenes, eher schlichtes Reisekleid in Flieder, das die wohlgeformte Gestalt der jungen Dame betonte. Eher hätte man meinen können, sie war auf dem Weg zu einem Landhaus denn zu einem Gebirgspass. Als der Rabe mit einem lauten Krächzen auf Sacajaweas Schulter landete, zuckte Georgeta erschrocken zurück.

"Huch, was ist denn das für ein Vieh?"

Die zweite Frau in ihrem Gefolge - von Jungfer Lisbeth einmal abgesehen - war die Pferdemeisterin. Dass auch Asarra in diese schrecklichen Männerhosen gekleidet war, übersah Georgeta geflissentlich. Immerhin war die Dame eine Soldatin.

"Ach, Ihr da, Frau Dragoniter. Das ist doch Euer Titel, nicht wahr? Jedenfalls deutete Lady Elina soetwas an. Wärt Ihr so freundlich meiner Gouvernante und mir in den Sattel zu helfen? Welches sind denn unsere Pferde? Ich reite eher selten, müsst Ihr wissen. Das eine oder andere Mal habe ich Vater auf einen Jagdausflug begleitet. Sie riechen nicht besonders gut, diese Tiere. Man sollte sie mit Parfüm einreiben, ehe man sich auf sie setzt, findet Ihr nicht auch?"

Ein Packpferd wurde mit allem beladen, was Georgeta für die tägliche Toilette so brauchte. Und das war nur das absolut Nötigste. Die Gouvernante Lisbeth, eine gestrenge Jungfer, war indes äußerst bescheiden. Alles, was sie mit sich führte, passte in ihre eigenen Satteltaschen. Sie tat sich schwer, in den Sattel zu gelangen, denn sie war nicht mehr die Jüngste. Ihr verbissener Gesichtsausdruck ließ vermuten, dass Jungfer Lisbeth keinesfalls davon begeistert war eine Nicht-Abenteuerreise zu begleiten.

Auf selbiges Packpferd passten zum Glück noch die Geschenke für die Zwerge. Nebst eines höflichen Schreibens mit der Bitte um Unterkunft und Verpflegung wurde Landolin die ehrenvolle Aufgabe übertragen, unter anderem Glasbläserkunst aus Jeldorf, Kürschner- und Lederarbeiten der Waldelfen, einen kleinen Käfig mit einem Singvogelpärchen aus Finkelnest, Wein aus Taura, Wolle aus Relat, Klöppelspitze aus Maill und einen kunstvollen Dolch aus der Schmiede der Statthalterin Silvana DaRemyth zu verstauen und den Rest der Reise ein Auge auf die Wertstücke zu haben.

Währenddessen füllte Lykhe die Wasserschläuche am Burgbrunnen mit kühlem Grundwasser und verteilte diese an die Pferde der Reisegruppe.

Herr von Muesig indes stand dekorativ herum und ließ sich von seinem Kammerdiener die Haare richten.

Kurz nach Mittag setzte sich der Tross in Marsch. Die Sonne lachte unserer Forschungsexpedition. Bis zu den Ausläufern der Drachenberge ging es ruhig über Wiesen und Felder dahin. Georgeta rückte ihren Hut zurecht und entzückte sich an Blumen, Bienen, Schmetterlingen und Vögeln. Immer wieder ließ sie halten, um sich Notizen zu machen. So kam der Trupp vorerst nur schleppend voran.

Da das Trinken von Wasser bekanntlich den Erleichterungstrieb fördert, bestand außerdem von Zeit zu Zeit die Notwendigkeit, für kleine Fräuleins ins Gebüsch zu entschwinden. Jungfer Lisbeth musste Georgeta stets begleiten, um die Rockschöße hochzuhalten. Bei jedem Halt mokierte sich das Adelsfräulein hinterher über die unmögliche, unwürdige, erniedrigende Weise, sich erleichtern zu müssen. Das gehörte sich nicht für junge Damen. "Männer!", schimpfte sie. "Nur weil ihr im Stehen Bäume markiert ist das kein Grund, keinen Abort mitzuführen."

Bis zum frühen Abend begleiteten die warmen Sonnenstrahlen unsere Gruppe bis an die Ausläufer der Drachenberge. Erst als die Reiter zwischen die Felsen eintauchten und sich erste Schatten über sie legten, wurde es kühler. Georgeta und Jungfer Lisbeth zogen die Umhänge enger. In Kehren wand sich der Aufstieg höher ins Gebirge, die Schatten wurden tiefer und der Mond zeigte sich hinter den hohen Gipfeln. Zeit, sich einen Unterschlupf zu suchen. Nur leider war es für Zelte in der schmalen Aufstiegsrinne kein Platz.

Da sich Höhlen bekanntlich immer dann am Wegesrand finden lassen, wenn man sie gerade braucht, tauchte auch für unsere Reisegruppe eine passable und trockene Unterkunft hinter der nächsten Biegung auf. Bis auf den Geruch, der ließ zu wünschen übrig. Fand zumindest Georgeta.

„Es mieft. Riecht ihr das? Nein, natürlich nicht, wie könntet Ihr auch. Ihr riecht ja selbst kaum besser. Was ist das? Tote Mäuse? Hier gefällt es mir nicht. Können wir nicht eine andere Höhle nehmen? Es gibt doch sicherlich genug davon. Eng ist es noch dazu. Wie sollen wir hier alle hinein passen? He, hört auf zu schubsen! Auf keinen Fall schlafe ich auf dem Fußboden!“

Da auch das Mittagsmahl schon eine ganze Weile zurück lag, meldete sich Georgetas Magen ebenfalls zu Wort. „Was gibt es zum Diner? Ich habe Hunger. Lisbeth, schaff die feinen Schüsseln herein. Ich speise doch nicht aus diesen Hundenäpfen", deutete sie auf eine Blechschüssel in den Händen eines ihrer Begleiter.
« Letzte Änderung: Freitag 08 Januar 2016, 16:55 von Silvana » Gespeichert
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Dyrksen

Re:Unbill eines Heldenlebens
« Antwort #8 am: Samstag 09 Januar 2016, 21:03 »

Dieser Begleiter war wohl Lykhe. Der ging gerade ganz glücklich an der jungen Dame vorbei und zeigte ihr noch das hübsche Schälchen, dass er ganz vornehm vor sich hertrug. Er hätte die Ration, die Phelan ihnen zugestanden hatte ja auch locker in die Pranken nehmen können. Doch er wollte sich von seiner besten Seite zeigen und ließ sich Fleisch und Brot artig in die Schale legen.
Doch als er die abfällige Bemerkung mit dem Hundenäpfen hörte, ließ er die Ohren hängen und trollte sich wieder raus aus der Höhle.

Überhaupt hatte Lykhe an diesem ersten Tag nicht viel richtig machen können. Zumindest, was der Umgang mit dieser adeligen Georgeta anbelangte. Immer wenn er ihr behilflich sein wollte, wandte sie sich von ihm ab. Und dann wedelte sie angewidert mit der Hand vor ihrer Nase herum. Dabei hatte er extra noch ein Bad genommen. Mit Wasser! Im Ententeich.
Und dann dieses peinliche Missverständnis, als er der jungen Dame und ihrer Guver... Gover... Guover... na, Aufpasserin eben, in die Büsche hinterhergelaufen war, um sie vor seinem Häufchen zu warnen, dass er zuvor dort hinterlassen hatte. Das gab vielleicht ein Gezeter. Und er wusste ja nicht einmal, was impertinent überhaupt bedeuten sollte. Bestimmt was ganz Schlimmes.

Und die Blumen zum Beispiel, die Lykhe pflückte, um sie der Dame auf's Pferd hoch zu reichen, rochen angeblich alle nach Hund. Na, das hätte er ja wohl merken müssen.
Und auch mit diesem Schmetterlin, den Lykhe ganz vorsichtig in seinen Pranken hielt erging es ihm nicht besser. Bei der Übergabe wurde der eine Flügel zerknittert. Das war natürlich auch einzig und allein Lykhes Schuld. Na klar, immer auf den Typen mit den beharrten Fingern!

Ansonsten kam der junge Lykaner aber ganz gut mit den anderen zurecht. Vor allem war Phelan gar nicht so ein grießgrämiger Miesepeter, wie Serafina immer behauptet hatte. Er war natürlich auch nicht unbedingt eine Ausgeburt an Fröhlichkeit, aber er führte die Unternehmung souverän und klar an. Und auch wenn er immer etwas angespannt und ernst wirkte, so war er weder gemein noch unnötig roh zu Lykhe gewesen. Zumindest bis jetzt. Das hätte er bei einem Alpha der Wilden Jagd gar nicht erwartet.
Auch dieser Schlächter machte einen ganz normalen Eindruck. Er war sachlich und klug und Lykhe half gerne mit, die Sachen zu bauen, die der sich für diese Adelige ausgedacht hatte. Auch wenn sich sein Beitrag meist darauf beschränkte: "Hier, halt das mal fest."
Das Ergebnis war in Lykes Augen auch nicht so der Knaller. Tragbares Abort! Völliger Menschenquatsch.
Die Pferdefrau Asarra war wie gewohnt, militärisch geradeaus und kurz angebunden. Sie hatte mit den vielen Pferden alle Hände voll zu tun und Lykhe hatte das Gefühl, dass sie immer froh war, wenn er sich möglichst von den Tieren fernhielt. Einige wurden immer noch unruhig, wenn er sich ihnen zu sehr näherte. Dabei brachte er ihnen schon seit Tagen das Wasser hin. Undankbare Viecher.
Die Bogenschützenfrau mit der braunen Haut hingegen fand er richtig nett. Ihren Namen konnte er nicht richtig aussprechen. Suckerdjahia? Sie war aber sehr freundlich und ihr Rabe war nützlich. Man sah schon von weitem, wenn er in der Ferne was ungewöhnliches entdeckte. Und sie kümmerte sich auch um diese leckeren Täubchen. Die waren zwar gar nicht als Wegzehrung vorgesehen. Aber man konnte ja nie wissen...

Als sie am Abend an der Höhle angekommen waren, half Lykhe wortlos, das abgeladene Gepäck in die Unterkunft zu tragen. Allerdings wollte Phelan nur einige der Vorräte drinnen haben. Also musste Lykhe die anderen Sachen wieder rausbringen, denn Phelan wollte sie draußen an die Bäume hängen. Und weil Lykhe ständig die falschen Sachen umhertrug, wurde er schließlich zum Feuerholz sammeln abgestellt. Da hatte er seine Ruhe und konnte ein bisschen umherstreifen. Als er zurückkam, brannte das Feuer bereits und die Wachen waren eingeteilt. Hoffentlich bekam er die Bogenschützenfrau. Mit der konnte man sicher lustige Geschichten austauschen.

+ 2 Leben
« Letzte Änderung: Dienstag 19 Januar 2016, 18:58 von Dyrksen » Gespeichert
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Landolin

Re:Unbill eines Heldenlebens
« Antwort #9 am: Montag 11 Januar 2016, 23:37 »

Phelan wurde letztendlich doch zum Anführer der Gruppe, da Asarra den Braten wohl schneller gerochen hatte als der Lykaner. An sich hatte der Heiler damit ja kein Problem, allerdings würde er nun seinem alten Freund zuliebe wirklich darauf achten müssen, das gnädige Fräulein bei Laune zu halten und von allem Ärger fern zu halten. Einem Wolfsmenschen würde man nur zu schnell einen Strick daraus drehen, sollte auf dieser sogenannten Abenteuerreise etwas schief gehen…

Zunächst hielt sich der Schwierigkeitsgrad der ihm zugeteilten Aufgaben aber noch in Grenzen: Landolin sollte in der Apotheke einige Tränke und Wundbinden besorgen. Dass er das notfalls auch innerhalb einer Stunde erledigen hätte können, band er seinen Mitstreitern, die zum Teil deutlich zeitintensivere Aufträge hatten, nicht unbedingt auf die Nase. Er könnte ja immer noch seine Hilfe anbieten, wenn er seine Ausrüstung und die Einkäufe in der Burg untergebracht hatte…

Einige Tage später waren schließlich alle Vorbereitungen zur Zufriedenheit der Reiseveranstalterin Elina getroffen worden – und wider Erwarten schien auch das kleine Fräulein beinahe reisefertig.
Landolin, der sich der adeligen Gesellschaft wegen etwas feiner gekleidet hatte als üblich, kontrollierte noch einmal die Befestigungen der Gastgeschenke für die Zwerge. Die meisterlichen Stücke sollten besser nicht schmutzig werden und besonders die Glasbläserkunst und die Weinvorräte mussten richtig gelagert werden.
Obwohl sich der Hohentürmler auf seine Aufgabe konzentrierte, entging ihm der besorgniserregende Umgangston Georgetas nicht. Das konnte ja noch heiter werden, wenn das Gör bereits am ersten Tag alles daran setzte, ihre Begleiter gegen sich aufzubringen…

Mit mehrstündiger Verspätung brachen sie schließlich auf und da sie ein ausgesprochen mäßiges Tempo anschlugen, damit der zu behütende Adelsspross sich jedes Blümelein einzeln ansehen konnte, hatte Landolin auch keine Probleme mit seinem Reittier und dem Packpferd. Die Tiere schienen sich beinahe genauso sehr zu langweilen wie er.
Nachdem sie schon auf den ersten Wiesen mehrfach anhalten mussten, damit sich Georgeta Notizen zu Flora und Fauna machen konnte, ging der Apotheker dazu über, nach Heilpflanzen Ausschau zu halten. Vielleicht könnte er ja das ein oder andere interessante Vorkommen entdecken. Von Nighton aus war diese Gegend auf jeden Fall noch gut zu erreichen.
Irgendwann würden sie das Gebirge schon noch erreichen und ob die Reise nun am Ende einen Tag kürzer oder länger dauerte, spielte keine große Rolle. Höchstens vielleicht für die Geldgeber, denen er seine Dienste in Rechnung stellen würde...

Allerdings erreichte der Tross nicht einmal den Fuß der Zwergenberge, ehe massive Jammerei von Seiten Georgetas einsetzte. Alarmiert beobachtete der Hohentürmler die Reaktionen seiner Mitreisenden, ob des angeblich unzumutbaren Problems, sich in der Natur zu erleichtern. Die Soldatinnen würden kaum Verständnis für derartige Querelen aufbringen können, genauso wenig wie die Lykaner. Von Herrn von Müßig erwartete Landolin erst gar keine hilfreichen Vorschläge – den konnte man gleich mit in den allgemeinen adeligen Topf werfen.

Um eine frühe Eskalation der Situation zu vermeiden, beschloss der Apotheker sofort einzuschreiten. Es wäre schließlich besser für alle Beteiligten, wenn das Fräulein zufrieden war und möglichst wenig Ärger stiftete – und endlich damit aufhörte, ihre Begleiter zu beleidigen.
“Ich habe in Lazaretten schon öfter bewegliche Aborte gesehen und auch schon einmal beim Bau geholfen. Das Problem wird gleich gelöst sein, verehrtes Fräulein“, wandte sich daher an Georgeta und trieb sein Pferd anschließend an Asarras Seite. “Auf welchem Pferd sind denn die Werkzeuge und die Seile verstaut? Und wenn ihr mir dabei behilflich sein könntet möglichst stabile und gerade Äste und Astgabeln zu finden?“

Zwar brauchte der Hohentürmler etwas länger, als er gehofft hatte, doch das Endergebnis würde seinen Zweck erfüllen. Ein Ausmaß an Bequemlichkeit sah sicherlich anders aus, doch konnte man das Gestänge, das er mit Phelans und Lykhes Hilfe zusammengebastelt hatte, rasch aufbauen und zu Transportzwecken zusammenfalten. Mit ein paar Spatenstichen vor jedem Einsatz sollte die junge Dame keinen allzu großen Grund mehr zum Klagen finden – auch wenn sie nun noch länger anhalten mussten, wenn die Adelige einmal austreten musste.

Und leider fand sich bald der nächste Grund, um diese Abenteuerreise für unzumutbar zu halten. Dabei hätte Landolin eher von unverschämtem Glück gesprochen, eine so große, halbwegs saubere und unbewohnte Höhle zu finden.
“Ich fürchte, auf die Schnelle werden wir keine bessere Höhle finden. Es wird schnell dunkel in den Bergen – aber ist es nicht auch viel abenteuerlicher so? Gleich morgen könnt Ihr Herrin Elina in einem Brief davon berichten, wie tapfer Ihr selbst diesen widrigen Umständen getrotzt habt“, versuchte es der Heiler in beschwichtigendem Tonfall. “Freilich ist es eng hier, aber wir müssen ja nicht alle Platz finden. Die Wachen, die Pferde und Teile des Gepäcks können draußen bleiben. Und gegen den Geruch findet sich auch etwas. Erst einmal würde ich mich aber gerne um eine angemessene Schlafstatt für Euch bemühen. Vielleicht möchtet Ihr in der Zwischenzeit den Sonnenuntergang betrachten? So klare Sicht hat man nicht jeden Tag.“

Diesmal war es Lykhe, den Landolin losschickte, um weitere Äste aufzutreiben. Wenn sich nicht mehr genug starke Astgabeln finden ließen, würde er wohl Teile des tragbaren Aborts zweckentfremden müssen…
Am Ende stand mit Hilfe seiner Mitstreiter ein ordentlich verschnürter Holzrahmen auf vier Standbeinen, die aus Felsen und Getreidesäcken improvisiert waren. Darüber war zur Sicherheit eines der Netze gespannt – und darauf waren mehrere Decken ausgebreitet worden, um fast so etwas wie Komfort aufkommen zu lassen.
Zwei weitere Decken hatten sie nach einigem Tüfteln an einem Seil zwischen zwei Felsvorsprüngen befestigen können, um den Höhlenteil mit dem Feldbett abzuschirmen.
Blieb nur noch das Geruchsproblem. Ein paar Wasserschüsseln mit Fichten-, Kiefernadeln und Kräutern erzielten erste Erfolge und nachdem der Apotheker Georgeta sein Vorhaben geschildert hatte, durfte er auch auf ihre Vorräte an Duftwässerchen zurückgreifen.
“Es ist nicht ganz perfekt, aber schließlich ist das eine Abenteuerreise, bei der man auf manche Bequemlichkeit verzichten muss. Aber spätestens, wenn Ihr Euch zur Ruhe legt, werdet Ihr von dem Gestank der Pferde und dem muffigen Geruch der Höhle nichts mehr merken. Seht her!“ Dabei präsentierte Landolin seinen letzten Schachzug: Ein mit Kräutern gefülltes Kissen, das er mit einigen Nadelstichen aus einer Stoffbahn gefertigt hatte, die eigentlich der Herstellung von Wundbinden diente. “Träufelt vor dem zu Bett gehen zusätzlich ein paar Tropfen Parfum darauf, dann werdet Ihr fast vergessen können, dass Ihr in einer engen Höhle liegt!“

Mit einem unterdrückten Seufzer ließ sich der Hohentürmler schließlich am Lagerfeuer vor dem Höhleneingang nieder.
“Sagt ja nichts! Ich weiß, dass ich nach ihrer Pfeife tanze“, warnte er die anwesenden Mitstreiter, die sich um Tiere, Vorräte und Abendessen gekümmert hatten, während er das Kindermädchen spielte.
“Habt Ihr schon Wachschichten eingeteilt?“ Müde rieb sich Landolin die Stirn. Der verzogene Adelsspross bereitete ihm Kopfschmerzen – und er fürchtete, dass der heutige Tag nur den Anfang einer endlosen Reihe an Problemchen darstellte.

- 1 Stoff
-   2 Kräuter
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Phelan

Re:Unbill eines Heldenlebens
« Antwort #10 am: Dienstag 12 Januar 2016, 21:48 »

Phelan trat gegen einen Sack zu seinen Füßen und ein metallisches Klirren war zu hören. „Das kann ich doch gewiss in Eurer Obhut lassen“, fragte er die Burgverwalterin. Ohne den Ballast ließ es sich schließlich um einiges entspannter einkaufen. Man musste sich eh wundern, wie er das ganze Gepäck nach Nighton geschafft hatte und er hoffte inständig, dass auf einem der Packgäule noch Platz dafür war.

Bei seinen Besorgungen ging der Wolfsmensch recht großzügig vor. Schließlich bezweifelte er, dass sie mit ihrem Schützling an der Backe viel zum Jagen kämen und wer konnte schon sagen, wie viele Vorräte sie in den kleinen Bergdörfern für Fremde übrig hatten. Dazu kam, dass er ja nicht mit seinem eigenen Gold bezahlen musste. Von daher war auch der Wein, den er besorgte, nicht der billigste. Vor allem dieses eine Fässchen hatte es ihm angetan…


Am Tag der Abreise hatten sich wieder alle auf der Burg eingefunden und Phelan blinzelte. War das gerade ein Lob aus Elinas Mund gewesen? Er war so überrascht, dass er sogar vergaß sie zu ärgern. Stattdessen nickte er wie ein gut erzogenes Hündchen, als sie ihm eine besondere Aufgabe zuteilte. Dem Fräulein sollte also nichts widerfahren, das ihren Marktwert mindern würde. Nun, das hörte sich machbar an. „Ich werde mich wohl mal mit diesem Herrn von Muesig über gewisse Handlungen und deren Folgen unterhalten müssen.“ Man konnte auch sagen, dass er ihm offen drohen würde. Und dass er seinen Worten im Zweifelsfall auch Taten folgen lassen würde, musste er der Verwalterin nicht sagen. Die traute ihm ohnehin jede Niederträchtigkeit zu.

Da es sonst nicht mehr viel zu tun gab, begann Phelan damit den Wein in die Trinkbeutel, die jemand anderes besorgt hatte, zu füllen. Aus dem besonderen Fässchen erhielt er drei pralle Schläuche, von denen er gleich einen am eigenen Rucksack befestigte. Die anderen gab er an Asarra und Landolin weiter, ehe er mit dem nicht ganz so guten Wein fortfuhr, bis alle zwei Beutel hatten.

„Hat jeder seine Wasserschläuche von… ihm da bekommen?“ Eine Kopfbewegung in Lykhes Richtung zeigte wer gemeint war. „Dafür seid ihr selbst verantwortlich. Füllt sie auf wenn sich die Gelegenheit bietet und geht nicht zu verschwenderisch mit dem Wein um. Wenn sich mal ein paar Tage kein sauberes Wasser findet, seid ihr froh darum.“ In den Bergen war diese Gefahr zwar nicht allzu groß, aber man wusste ja nie.

Als dann schließlich sogar die beiden hilflosen Damen auf ihren Sätteln verstaut worden waren, konnte es endlich losgehen. Selbstverständlich setzte sich Phelan selbst an die Spitze des Trosses und versuchte ein angenehm flottes Tempo vorzulegen. Mit bescheidenem Erfolg, denn sobald sie die Stadt verlassen hatten war das Fräulein Georgeta zu beschäftigt damit jedes Unkraut zu beäugen.

Zumindest gab das dem Krieger die Gelegenheit sich in aller Ruhe mit Landolin zu unterhalten. „Hoffentlich ist dieser Adelsspross noch so jungfräulich, wie man uns gesagt hat. Sonst versucht man am Ende noch uns einen Strick daraus zu drehen“, raunte er dem Heiler einen Gedanken zu, der ihm unterwegs gekommen war. „Ob man im Zweifelsfall feststellen könnte wie lange…“

Doch schon bald war ihre Aufmerksamkeit anderweitig gefordert, denn wo keine Probleme waren, wurden schnell welche gefunden. Einen tragbaren Abort wollte die Dame haben, und so wurde selbstverständlich einer gebaut. Nicht Phelans Idee natürlich, aber er stellte sich auch nicht quer. Er stellte sogar seine Axt, sein Jagdmesser und mehr gute Ratschläge, als den anderen lieb sein konnte, zur Verfügung. Ansonsten beschränkte er sich seiner mangelnden Fingerfertigkeit wegen darauf Knoten richtig fest zu ziehen.

Wieder setzte sich der Trupp mit der Geschwindigkeit einer müden Blindschleiche in Bewegung und der Alpha überlegte einen Augenblick, den anderen Lykan, der wie ein aufgeregter Hundewelpe um das Fräulein herumschwänzelte, zurückzupfeifen. Er hätte ihn wegen seiner scharfen Sinne als Rückdeckung einteilen können. Nicht weil er hier im einstigen Fürstentum mit einer Gefahr rechnete, sondern weil er die Pferde scheu machte. Dann überlegte er sich allerdings, dass so ein Wachhund ganz nützlich sein könnte, wenn dieser Herr von Muesig wirklich einen Annäherungsversuch wagen sollte. Und außerdem konnte es nicht schaden, wenn sie die Rösser langsam an Wölfe gewöhnten.

Als der Weg schmaler wurde, erübrigte sich das Problem eh von allein und auch das Tempo konnte er jetzt ein wenig anziehen. Denn hier im Schatten des Gebirges war es deutlich kühler und damit ungemütlicher. Das Hochtal, das ihm als Lagerplatz vorgeschwebt hatte, würden sie dennoch nicht mehr erreichen. Eigentlich gab es für sie nur noch eine Alternative…


Georgeta schien das jedoch anders zu sehen. „Mir macht es nichts aus im Dunkeln weiterzuziehen. Ich sehe genug und wenn sie in den Abgrund stürzt ist das gewiss kein Verlust“, brummte der Krieger vor sich hin. Zu leise allerdings, um von dem Gör gehört zu werden. Er wollte die Früchte, die sich Landolin mit fast übernatürlicher Geduld hart erarbeitet hatte, nicht zunichtemachen.

Und offensichtlich war der Heiler mit seinen ‚glänzenden Einfällen‘ noch nicht am Ende. Jetzt ging es darum eine fürstliche Schlafstatt für die Prinzessin zu richten und Phelan verdrehte die Augen, als er sah wie viele Decken dafür benötigt wurden. Mit einem etwas gereizten Knurren verabschiedete er sich von dem Gedanken, dass er sich während der Wache in sein eigenes neu erworbenes Exemplar würde wickeln können. Dann musste es wohl wieder der alte Mantel tun. Aber wenn sie höher kamen und die Nächte kälter wurden, konnte ein solcher Deckenbedarf noch zum Problem werden…

„Keine Sorge, ich bin Dir deshalb nicht böse“, erwiderte er als der Hohentürmler selbst feststellte, dass er dem jungen Ding nach der Pfeife tanzte. „Ich weiß gar nicht wo Du so viel Geduld überhaupt hernimmst.“ Doch auch wenn er es nicht an seinem alten Freund ausließ, war dem Lykantrophen anzusehen, dass es mit seiner Stimmung nicht zum Besten stand. In der Höhle zu schlafen schied inzwischen auch aus, denn er hatte gehört, dass dort Duftwässerchen verschüttet werden sollten. Davon bekam er nur Kopfschmerzen und das wollte hier sicher keiner erleben.

„Ruh Dich ruhig aus und übernimm dann mit Asarra die letzte Schicht.“ Landolin hatte schließlich hart genug gearbeitet. „Die erste Wache darf dann der hochwohlgeborene Herr von Muesig mit mir verbringen.“ Da stand ohnehin noch ein Gespräch unter vier Augen aus.
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Herr von Muesig

Re:Unbill eines Heldenlebens
« Antwort #11 am: Mittwoch 13 Januar 2016, 13:14 »

Es war wenig verwunderlich, bei dem vielen blauen Blut, das in den Adern der wichtigen Persönlichkeiten floss, dass man ihn – und gerade ihn – auserkor, dieses Fräulein Georgeta zu begleiten. Georgeta war vor allem eines: unverschämt jung. Ob sie neben jung auch noch unverschämt sein würde, würde sich noch herausstellen. Eigentlich war das junge Ding einfach nicht seine Kragenweite, andererseits wenn sie schon Erfahrungen machen wollte, dann wenigstens mit einem Edelmann. Es würde sich ergeben – so oder so. Investieren würde er aber nichts. Allerdings stimmte er ihr vollkommen zu: Frauen in Hosen, das ging gar nicht. Da war die Gouvernante schon ein anderes Geschoß. Da war alles Frau, was man als Mann so liebte. Und dass sie eine gewisse Strenge ausstrahlte, schreckte ihn keinesfalls ab. Ein bisschen Erziehung hatte noch keinem geschadet.

Während die anderen endlose Palaver über die unwichtigsten Dinger veranstalteten, sogar einen Kapo wählten sie, hatte er besseres zu tun. Ihn fragte man erst gar nicht, aber das störte ihn nicht sonderlich.

Während das Gepäck gepackt und verstaut wurde (von den anderen natürlich), ließ er sich das Haar ondulieren. Es reist sich einfach besser mit frisch onduliertem Haar. Und in der Burg zu Nighton gab es fesche Mädels, die sich einem kleinen Techtelmechtel sehr aufgeschlossen gaben. So manch Kuss wechselte seinen Besitzer. Ach die Zimmer-Fräuleins waren einfach zu süß – und zu naiv.

Als es dann doch losging, flossen bei einigen dieser Mädels doch die Tränen, hatte der Adelige ihnen doch das Blaue vom Himmel gelogen. ("Für Dich hole ich die Sterne vom Himmel ...", das hatte schon genügt)


Das Früchtchen war anfangs ziemlich zahm und ließ sich von den neuen Eindrücken gefangen nehmen. Doch das währte nicht allzu lange. Herr von Müsig hatte das auch gar nicht erwartet. Er kannte sich mit diesen Geschöpfen schließlich aus. Ja, er konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Sollten sich seine Mitreisenden um diese Zickerei kümmern.

Zuerst war es das leidige Toiletten-Problem, dann das Essen und schließlich – sie hatten eine Höhle erreicht, in der es nicht gerade bestens roch. Landolin sorgte sich rührend um das garstige Kind. Er will doch nicht….nur ein Dummkopf glaubt, allein Edelmut treibt den Menschen an. Sogleich gab er sein Alternativ-Angebot ab: „Wenn Du das großzügige Angebot nicht berücksichtigen möchtest, ich habe stattdessen eine spezielle fliederige Duftmischung, aber seid vorsichtig, sie macht unwiderstehlich .“ Er lachte lauthals.

Dann wurden die Nachtwachen eingeteilt und es war leider so, dass er auch zum Handkuss kam. Und zwar mit Phelan. Kotz. Als er ganz in der Nähe der Gouvernante war gab er ihr zu verstehen: „Ich würde viel lieber über, neben, mit Euch wachen, Teuerste. Schade, da gäbe es bestimmt viel zu expedieren und zu begleiten ….“ Vielleicht könnte man das Fellbündel zum Schlafen schicken (oder gleich ganz in die Wüste).

Der hochwohlgeborene Herr von Muesig würde das schon deichseln.
« Letzte Änderung: Mittwoch 13 Januar 2016, 13:19 von Suffix » Gespeichert
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Phelan

Re:Unbill eines Heldenlebens
« Antwort #12 am: Mittwoch 13 Januar 2016, 20:55 »

Als die Zeit für die Nachtwache gekommen war, fand endlich auch Phelan Zeit sein Stück Braten und den Kanten Brot hinunterzuschlingen. Dann setzte er sich dem Adeligen gegenüber an die Reste des Feuers. Der Abstand war gerade genug, um keine tödliche Dosis der unwiderstehlichen Fliedermischung abzubekommen. Noch dazu hatte der Lykantroph feststellen müssen, dass das Opfer der gemeinsamen Wache völlig unnötig war, denn nachdem sie das Lager aufgeschlagen hatten, war nicht einmal ihm entgangen, wem der feine Herr schöne Augen machte und es war nicht Georgeta.

„Ihr beweist hervorragenden Geschmack“, log der Wolfsmensch im verzweifelten Versuch noch irgendeinen Nutzen aus der Zeit, die sie nun zwangsläufig gemeinsam verbringen würden, zu ziehen. Ein Wink in Richtung der Schlafstatt der Gouvernante, wies darauf hin worauf er anspielte. „Doch von einem von Muesig ist wohl nichts geringeres zu erwarten. Wenn ihr Hilfestellung benötigt, sagt es ruhig. Denn neben jemanden wie mir dürften Eure Vorzüge besonders gut zur Geltung kommen.“ Solange es ihn von gefährlicheren Gedanken ablenkte, konnte man den Kerl schließlich ruhig in seinen romantischen Gefühlen bestärken.

Doch damit hatten sich die Gesprächsthemen des Kriegers auch schon erübrigt. Jetzt lag es also ganz in den Händen des Edelmannes, ob die Unterhaltung noch eine Weile fortgeführt würde. Wenn nicht, dann war das auch kein Grund zur Trauer. Ein Becher mit verdünnten Wein diente dazu den letzten Brocken die Kehle hinunterzubefördern und zugleich die Gesellschaft erträglicher zu machen.
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Herr von Muesig

Re:Unbill eines Heldenlebens
« Antwort #13 am: Donnerstag 14 Januar 2016, 10:59 »

Herr von Muesig musste lachen. Lachen ist gut, baut Spannungen ab, wenn es denn welche gibt. Und mit Muesig gibt es eigentlich immer Spannungen. „Na ja, im ersten Moment dachte ich das, aber inzwischen, man hat ja Augen um zu sehen, ist es …kurz und gut die Gouvernante ist schlicht zu alt .“ Aber, Erziehen kann man in jedem Alter und da schadet eine gewisse Autorität auch gar nicht..
Aber vielleicht kommt man so besser an das Junggemüse ran, ich meine, ohne das es allzu sehr auffällt ….“ Dann wurde es eigentümlich still und der feine Herr nützte diese Pause gleich einmal für seine anderen Zwecke, der fein gesponnenen Intrige. „Sagt mal, ich habe rein gar nicht gegen Asarra, wirklich eine sympathische…äh Frau “ versuchte er sich in einem Tonfall, der Beiläufigkeit signalisieren sollte „aber, wenn ich Euch beide …“ er ließ es erst einmal sickern. Um dann nachzulegen: „Wisst Ihr was ich gehört habe…., aus zuverlässiger Quelle? Die ach so kühle Kriegerin…soll sich etwas zu intensiv um die Hengste kümmern .“ Er begann zu flüstern „Sie streichelt sie…ja, da …“ er bleibe absichtlich sehr vage, mochte die rege Fantasie den Rest besorgen, um aber gleich wieder sachlich zu werden „Ich weiß ja nicht ab das wirklich wahr ist, ich kann es mir kaum…andererseits, wer weiß schon…Amazonen haben ihre Eigentümlichkeiten. Woher ich? Als Züchter kommt man viel rum, redet mit diesem oder jener nachts am Lagerfeuer… und…aber von mir habt ihr das nicht “ stellte er schnell klar.
Ich meine, so als Anführer…ist eine gewisse Sittenlosigkeit und allzu lockere Moralauffassung…kaum tolerierbar, so etwas untergräbt...ja, die Moral. Also ich für meinen Teil sehe das ja nicht so eng, aber andere…und wie ich weiß, gibt es bei Euch keine solche dunkle Flecken “ denken tat er komplett anders: gibt es sehr wohl, und wenn man sie konstruieren muss, aber das musste man dem Wolf nicht auf seine feuchte Schnauze binden. „Was ist Eure Meinung…ich meine Ihr könnt vollkommen offen mit mir, wir sind unter uns, alle schlafen und ich schweige wie…eine einbalsamierte Mumie
« Letzte Änderung: Donnerstag 14 Januar 2016, 12:41 von Suffix » Gespeichert
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Sacajawea

Re:Unbill eines Heldenlebens
« Antwort #14 am: Donnerstag 14 Januar 2016, 18:41 »

Es dauerte natürlich ein paar Tage, alles herbei zu schaffen, aber schließlich hatte Scajawea einen ordentlichen Satz warme Kleidung für die Teilnehmer der Expedition beisammen. Die Anderen hatten ähnlichen Erfolg, so dass es  nun losgehen konnte - wie sich herausstellte, sollte noch jemand, irgend so ein adliger Schnösel (man konnte es bei dem Auftreten nicht anders sagen). Der KangiYuha sollte es recht sein. Der war bestimmt bestens geeignet, das Fräulein zu unterhalten, so dass sie da vielleicht nicht allzu viel mit zu tun haben würde.

Als sich alle zur Abreise einfanden, stellte Sacajawea außerdem fest, dass sie auch noch sage und schreibe ein Dutzend hübsche Brieftauben mitnehmen sollten. Ja, hübsch waren sie auf jeden Fall, aber was sollten sie bloß mit dem Gefieder? Trotzdem meldete sie sich freiwillig, für die Vögel zu sorgen. Erstens hatte sie da mit Tikoma schon etwas Erfahrung, zweitens war auch das ein willkommener Vorwand, kein Unterhaltungsprogramm parat haben zu müssen. Dem fühlte sich die junge Frau nämlich eindeutig nicht gewachsen. Dennoch, Georgeta schienen die Tiere in gewisser Weise am Herzen zu liegen, denn während Sacajawea noch dabei war, deren Käfige an einem ihrer Packpferde zu befestigen, wurde sie auf einmal von eben dem Fräulein angesprochen.

Auf deren Worte hin starrte Sacajawea sie erstmal einige Momente lang fassungslos an, dann brach sie in schallendes Gelächter aus. “Das war gut!“, rief sie. “Du hast mehr Humor, als ich dachte. Da wird die reise vielleicht doch noch unterhaltsam. Ob ich zu lang in der Sonne war? Weißt du, als ich das erste Mal so Bleichgesichter wie dich gesehen habe, habe ich mich nämlich gefragt, ob man euch nicht an die frische Luft lasst und ob ihr deswegen so ungesund und blass ausseht. Naja, aber daran kanns nicht liegen, die Elfen sind  schließlich ständig draußen und noch heller als du. Aber Hüte finde ich lästig...“, fuhr Sacajawea schon ernster fort, “da kann ich beim Bogenschießen nicht richtig mit sehen. Da halte ich mir lieber mit einem Stirnband die Haare aus den Augen. Und was Hosen angeht...“[/i] Sie musterte nun ihrerseits Georgetas Gestalt von oben bis unten, [i]“die sind doch zum Reiten viel praktischer. Das wirst du bestimmt noch merken. Dein Kleid ist ja sehr hübsch - ich hab auch eins in den Satteltaschen, falls die Gelegenheit mal kommt, wo man sich schön machen sollte. Aber zum Reiten und in der Wildnis...“ Sie schüttelte den Kopf. “Du scheinst noch nicht so oft unterwegs gewesen zu sein. Ich könnte die da einiges beibringen...“

In dem Moment kam Kitoma angeflogen und landete mit lautem Krächzen auf Sacajaweas Schulter. Sie lachte erneut, als sie sah, dass Georgeta zusammenfuhr. “Keine Angst, das ist nur mein Schutzgeist - oder vielmehr sein Gesandter - Kitoma, ein Rabe, ziemlich klug und ganz zutraulich. Er tut dir nichts. Aber entschuldige, ich muss mich jetzt weiter um diese Käfige hier kümmern...“ Damit wandte sie sich wieder ihrer Aufgabe zu.

Die Reise ging los, und es stellte sich schon schnell heraus, dass Georgeta wirklich wenig Erfahrung hatte. Allerdings zeigte sie zunächst große Lernbereitschaft, immerhin schien sie sich ja sehr für ihre Umwelt zu interessieren. Sacajawea erklärte ihr gern und ausführlich, was sie über die einzelnen Pflanzen und Tiere wusste, und das war nicht so wenig, immerhin war sie ja Waldläuferin. Besonders mit Vögeln kannte sie sich aus und konnte zu fast jedem Federvieh, das ihnen über den Weg flog, etwas sagen.

Irgendwann wurde es jedoch anstrengend, besonders als es einen Aufruhr um - was? Darum ging, sich im Gebüsch zu erleichtern? Wie bitte sonst? Sacajawea konnte nur noch mit dem Kopf schütteln, als Landolin da etwas wie ein tragbares Zelt oder so konstruierte, damit Georgeta das nicht im Freien tun musste. Und dann war auch noch die Höhle nicht gut genug, die sie abends fanden. Sie hatten großes Glück, dass die Höhle da gewesen war. Aber nein.. zu eng, zu muffig... Sacajawea beschloss, da noch einmal einen gutgemeiten Ratschlag loszuwerden. Sicher war die junge Frau müde und erschöpft, da konnte man schonmal missmutig werden. Sie ging zu Georgeta hinüber. “Ich weiß, dass das alles für die ungewohnt ist, alles unter freiem Himmel, und jeden Abend woanders lagern...“, meinte sie, durchaus freundlich, “aber ich muss dich besser beizeiten warnen, dass es, wenn wir höher kommen, eher noch anstrengender wird. Wir können zum Beispiel nicht damit rechnen, jede Nacht eine Höhle zu haben. Vielleicht muss auch einmal ein Zeltlager auf einem Bergsattel ausreichen oder was Ähnliches. Wir sind hier halt nicht in Drachenauge... du solltest dich besser darauf einrichten, dass es manchmal unbequem wird oder nicht immer alles möglich ist wie in einer großen Stadt.  Aber ich bin sicher, du schaffst das.“ Sie lächelte ermunternd und ging dann, sich um die Tauben und die drei Pferde, für die sie verantwortlich war, zu kümmern. Tikoma würde selbst zurecht kommen.

Später gab es dann ein kräftiges Abendessen, was für unterwegs nun wirklich nicht zu verachten war, und auch an den mitgebrachten Näpfen gab es nun wirklich überhaupt nichts auszusetzen, schließlich waren sie sauber...Sacajawea schüttelte betrübt den Kopf. Wie sehr musste man verwöhnt sein, um sogar am Essgeschirr etwas zu mäkeln zu finden? Welche Verschwendung...

Phelan teilte die Wachen ein, und da er die erste und die letzte Anderen zuteilte, ging Sacajawea automatisch davon aus, dass sie das undankbare Los der mittleren Wache hatte, zusammen mit dem jungen Lykaner, den sie noch nicht kannte. Da ging sie lieber früh zur Ruhe - möglichst weit weg von dem konstruierten Bett, weil es da wirklich ein wenig aufdringlich nach süßen Blumen roch - und war dann auch nicht sonderlich überrascht, als sie mitten in der Nacht geweckt wurde. Sie gähnte ausgiebig, ehe sie sich nach draußen vor den Höhleneingang zu Lykhe setzte. Um nicht einzuschlafen, gab es nichts Besseres als Gesellschaft, also versuchte sie, ein Gespräch in Gang zu bringen: “ Meinst du, sie wird sich noch an die Ungemach einer Reise im Gebirge, und mitten im Winter, gewöhnen?“, fragte sie etwas besorgt. “Sie scheint ja gar keine Erfahrung zu haben...“ Gedankenverloren kraulte sie Tikomas Gefieder.
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