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   Autor  Thema: Sala dwe'Lyr (Gelesen 1547 mal)
Nocturne

Sala dwe'Lyr
« am: Freitag 22 April 2016, 22:02 »


Runde 1


Antonio Lucio, Violiniste mysterieux aus Naha, der Stadt der Kanäle, Sohn eines Violinspielers und Instrumentenbauers, Komponist und nun Leiter des Opernhauses von Drachenauge, nebenbei Sternenvampir, hatte es geschafft, seiner Angebeteten den wohl ungeschicktesten Heiratsantrag der Geschichte zu machen. Ungeplant, einem Impuls des Augenblicks und unter dem Eindruck einer überwältigenden magischen Darbietung stehend, außerdem noch vor anwesenden Dritten, hatte er Sheherazade gebeten, seine Frau zu werden. Erstaunlicherweise hatte sie den Antrag trotzdem akzeptiert. Zusammen hatten sie danach getan, was sie schon lange geplant hatten: ein passendes Haus oder vielleicht ein kleines Gehöft in der Nähe Drachenauges zu finden, wo sie sich niederlassen konnten. Nicht weit der Mündung des Großen Flusses auf einer kleinen Anhöhe hatten sie schließlich den idealen Ort gefunden, an dem Sheherazade ihren Traum eines Schreins für El'Âhi und einer Schule für Tanz, Musik und Poesie verwirklichen konnte. In Sichtweite des Nordmeeres (es waren nur wenige hundert Schritt zum Strand) und der nördlichsten Ausläufer der Elfenwälder lag dort ein erst kürzlich verlassener Bauernhof: ein gut erhaltenes Hauptgebäude, aus Bruchsteinen und weißgetüncht, eine große Scheune und ein Stall umrahmten einen windgeschützen Innenhof und Küchengarten; hinter dem Haus, auf dem vom Meer abgewandten Südhang, hatten die ehemaligen Besitzer einen Blumengarten angelegt, der jetzt allerdings etwas verwildert war. Eine Weide gehörte noch dazu, die Platz für ihre Pferde bieten würde, sowie ein kleiner Gemüsegarten und ein paar Obstbäume – ansonsten schien der frühere Inhaber hauptsächlich von der Schafzucht gelebt zu haben, denn Getreidefelder gab es hier nicht. Das Ganze musste natürlich noch renoviert und umgebaut werden, aber sobald das Haupthaus eingerichtet und wohnlich gemacht war, stand der Hochzeit nichts mehr im Wege: an ersten Tag des Wonnemonats, der auch ein Festtag der El'Âhi war, sollte sie stattfinden, und Sheherazade hatte sich durchgesetzt: Es würde nicht, wie in Aramon üblich, eine eher private Angelegenheit der Brautleute werden, sondern nach Sitte der Beni Tahauri ein rauschendes Fest mit Gesang, Tanz und vielen Freunden auf Abal'Mahaila, dem neuen Wohnsitz von Antonio und Sheherazade.


~>@<~


Gelerial Ia' Lir'ten  von den Alch'Fey stand oben am Rand der Elfenwälder auf der Krone der Windklippen und sah über das graue Nordmeer hinaus. Der böige Wind zerrte an seinem dunkelblonden Haar und den Federn, die er hinein geflochten hatte. Er war unruhig: seit Tagen ließen sich in der Luft und im Wasser für den, der sie zu deuten wusste, besorgniserregende Zeichen lesen. Die Papageientaucher, Basstölpel und Eissturmvögel, die normalerweise in Scharen in den Klippen brüteten, hatten noch nicht begonnen, Nester zu bauen, sondern flogen in dichten Wolken über den Wellen, dicht unter der Wasseroberfläche schienen Fischschwärme orientierungslos herumzuirren, doch die üblichen Jäger – Delphine, Robben und Schwertwale – blieben aus. Seeotter hatten sich tief in ihre Höhlen zurückgezogen, und der letzte Fischer des Clans, der sich noch auf's Meer hinausgewagt hatte, hatte einen höchst seltsamen Fang mitgebracht: in seinem Netz befand sich ein merkwürdig geformter Fisch, vielleicht armlang, mit riesigem Maul, über dem eine Art Antenne mit leuchtender Spitze hing. Leuchtende Flecken zogen sich auch an seinen Seiten entlang – ein bizarres Tier wie aus den tiefsten Tiefen des Meeres empor geschleudert. Und erst gestern war ein Narwal am Fuß der Klippen gestrandet. Dazu kündigte sich ein Wetterwechsel an. Die letzten Tage war es sonnig und recht windstill gewesen, was das Verhalten der Tiere noch besorgniserregender machte, aber Gelerial spürte, dass sich das bald ändern würde. Wetterumschwünge waren im Ostermond so ungewöhnlich nicht, doch hier braute sich etwas zusammen, das über die üblichen Launen dieses Monats hinausgehen würde.

Gelerial wandte sich von den Klippen ab und ging in seine Sala zurück. Es war Zeit, einen Boten nach Sha'Nurdra zu schicken und den Rat der Windsängerin einzuholen.

~>@<~


Der große Tag war da.  Abal'Mahaila war herausgeputzt worden: Kübel mit blühenden Blumen und Blütengirlanden zierten den Innenhof. Ein Zelt war dort auch errichtet worden, das wie das Teezelt eines Bazars von Tasel mit Kissen, bunten Teppichen, niedrigen Tischen und gepolsterten Hockern üppig ausgestattet war. Überall hingen Laternen, die am Abend den Hof in märchenhaftes Licht tauchen würden. Die Köchin des Tâbyd Dârây und ihre Gehilfen hatten sich selbst übertroffen und eine Fülle dragonischer und auch exotischer Köstlichkeiten aus dem Alf Layla wa'layla zubereitet. Viele Freunde aus Dragonia waren versammelt, aber auch aus weiterer Ferne waren Gäste angereist:  Aline und Pierre de Gravillac aus Aramon waren da, aber auch Sheherazades Familie aus El Abd'Salir und ihre Lehrerin Dinarsad hatten den weiten Weg nicht gescheut. Aus Arapat Ash'Tamar war Harun ar'Rashid angereist, ebenso Djezir mit seiner Frau und einige Krieger der Beni Ash'Tamar. Varnayrah und Ancalagon waren aus den Elfenwäldern gekommen. Die versammelte Gesellschaft exotisch zu nennen, wäre wohl noch untertrieben gewesen. Schon seit dem frühen Nachmittag wurden süße Kuchen und Naschwerk und Tee aus Tasel gereicht, die Krieger aus der Wüste führten ihre unnachahmlichen Reiterkunststücke vor, und Musiker des Opernorchesters führten Kammermusik auf – abwechselnd mit Musikern aus der Sarafina, die die fremdartigen Melodien der Wüste erklingen ließen.

Als das Abendrot den Horizont küsste und die ersten blassen Sterne am Himmel erschienen, gaben Antonio und Sheherazade sich ihr Eheversprechen. Harun ar'Rashid rief den Segen der Götter auf die frischgebackenen Eheleute herab, und danach ging die Feierei erst richtig los. Ein Festmahl wurde aufgetragen, das eines Kalifen oder auch eines Herzogs aus Naha würdig war, und währenddessen tanzte Dinarsad für die Gäste, und obwohl sie nicht mehr ganz jung an Jahren war, tat dies der Strahlkraft ihres Tanzes keinen Abbruch, im Gegenteil: Jahre und Erfahrung hatten ihre Ausdruckskraft gesteigert.Danach spielten die Musiker aus Drachenauge zum Tanz auf, und zwischendurch zeigten auch immer wieder die Musiker der Sarafina ihr können. Einmal führten die Krieger aus der Wüste im flackernden Schein der Laternen einen Schattenkampf auf, und die ganze Zeit flossen Bier, Met und Wein in Strömen, dazu gab es Sharbat – ein erfrischendes Getränk aus der Sarafina – sowie Tee und feines Naschwerk. Gegen Mitternacht – die Sterne hatten sich hinter Wolken verzogen, aber das schien von den Feiernden niemanden zu stören – wurde es wie auf ein geheimes Zeichen still im Innenhof. Varnayrah sang mit Ancalagon ein Duett – vierstimmig – und die klaren Elfenstimmen schwebten in den Himmel hinauf wie Sternenlicht und durch die Nacht ziehende Vögel, waren wie das Wispern des Windes im Wald und wie das Murmeln eines klaren Baches, Sonnenschein auf grünen Blättern und Mondlicht auf dunklem Wasser, der Duft wilder Rosen und lebendiger Erde. Die Gäste aus der Sarafina, die noch nie Elfengesang gehört hatten, lauschten wie in Trance, und als der letzte Ton in die Nacht davon schwebte, herrschte einige Herzschläge lang tiefe Stille, bis die Beni Tahauri und Beni Ash'Tamar in tosenden Jubel ausbrachen. Einige von ihnen weinten offen. “Nun hat En'Halil mich wahrhaft gesegnet.“, murmelte Harun ar'Rashid ergriffen.

Danach war es Tradition, dass die Brautleute sich in ihr Gemach zurückzogen. Und ebenso traditionell wurde das Fest danach her noch ausgelassener und wilder. Der Morgen war so fern nicht mehr, als sich auch die letzten Gäste zurückzogen.

~>@<~


Am Abend des vorletzten Tages des Ostermondes kam Gelerial in Sha'Nurdra an, galoppierte auf seinem Elfenpony direkt bis zum Fuß des Aiyona und glitt erst dort vom Rücken des kleinen Hengstes, den er dann sich selbst überließ. Lúthien Númenessë  von den Var'Aiyeona sah ihm überrascht entgegen. Sie schien zu einer Frage anzusetzen, aber Gelerial kam ihr zuvor. “Varnayrah Elentari – ist sie da?“, fragte er ein wenig atemlos. “Ich fürchte, im Norden braut sich Unheil zusammen...“ Doch Luthien konnte nur mit dem Kopf schütteln. “Du kommst leider zu spät.“, erwiderte sie. “Sie ist heute morgen nach Drachenauge oder irgendwo da in die Nähe abgereist – zu einer Menschenhochzeit. Kann vielleicht Elessar Eledhwen weiterhelfen?“ Und nun war es an Gelerial, zu verneinen. “Wir brauchen die Windsängerin. Das Lied des Nordmeeres ändert sich – es macht uns Sorge. Wir brauchen die Windsängerin!““
« Letzte Änderung: Freitag 22 April 2016, 22:08 von Varnayrah Elentári » Gespeichert
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Fjalladis Radran

Re:Sala dwe'Lyr
« Antwort #1 am: Montag 25 April 2016, 14:06 »

Der ehemalige Bauernhof, auf dem die Hochzeitsfeier stattfinden sollte, erwies sich in seiner Mischung aus traditionellem Baustil und exotischer Ausschmückung als durchaus faszinierend. Schon zuvor hatte Fjalladis die Gelegenheit gehabt, die Kultur der Wüstenvölker aus nächster Nähe zu erleben, doch deren Art zu leben, zu speisen, zu feiern erschien ihr doch noch immer als relativ fremd, und auch die Hochzeitsbräuche waren relativ verschieden von jenen, mit denen die Hochelfe beruflich regelmäßig zu tun hatte. Ihr Kontakt zur Braut hatte sich im Wesentlichen auf die üblichen Höflichkeiten beschränkt, derer man sich bedient hatte, wenn man sich in Nighton im Ordenshaus, auf dem Marktplatz oder – sehr selten – im Teehaus begegnet war, und umso überraschender für die Hochelfe war denn auch die Einladung zur Feier gewesen. Eine ganze Weile hatte sie überlegt, wie sie sich als Ordensschwester wohl zu verhalten hätte – doch spätestens, als sie bei dem Gehöft anlangte und den dort bereits herrschenden Trubel gewahrte, war sie zuversichtlich, in der Menge einfach untergehen zu können.

Doch zunächst einmal wollte sie natürlich dem glücklichen Paar ihre Aufwartung machen – was bei der Vielzahl an Gratulanten gar nicht mal so einfach war. Schließlich jedoch erwischte sie die beiden, dankte für die Einladung, pries die prachtvolle Herrichtung des Hofes sowie die aufwändige Gestaltung des Festes und wünschte ihnen allerlei Gutes für ihre gemeinsame Zukunft und ihre neuen beruflichen Pläne. Als Geschenk hatte sie ein relativ dickes Buch mitgebracht, dessen Ledereinband mit aufwändigen Prägungen verziert war, die sowohl Elemente der Musik als auch Ornamente im Kunststil der Wüstenvölker miteinander verbanden.

„Ein kleiner Anreiz, den einen oder anderen schönen oder bedeutungsvollen Moment Eures gemeinsamen Lebens zu Papier zu bringen, auf dass er nicht nur in Euren Herzen, sondern auch für Eure Nachkommen – und mögen Euch die Götter nach Eurem Willen mit solchen segnen – ungetrübt erhalten bliebe...“

Die untersten Seiten des Buches waren zusammengeleimt worden und aus deren Mitte hatte man ein rechteckiges Stück entfernt, sodass etwas wie ein kleines Fach entstanden war, das sich mit einer noch kleineren Klemme verschließen ließ und etwa der Aufbewahrung irgendeines wertvollen Gegenstandes dienen mochte. Was in diesem Falle als wertvoll zu erachten war, lag natürlich im Ermessen des Besitzers. In jenem Moment befanden sich darin vorerst eine recht edel wirkende Schreibfeder und ein kleines Tintenfass mit filigran verziertem Deckel.

Anschließend widmete sich Fjalladis erneut den Feierlichkeiten. Einige bekannte Gesichter ließen sich erspähen und wo es sich ergab, grüßte die Elfe und tauschte die eine oder andere Höflichkeit aus. Ansonsten hielt sie sich jedoch im Hintergrund, verfolgte die verschiedenen Darbietungen – mal fasziniert, mal eher befremdet – und versuchte, allzu seltsam aussehende kulinarische Spezialitäten aus den Wüstenlanden zu meiden. Zwischendurch holte sie einige Male eine schon etwas mitgenommen aussehende Kladde hervor, machte sich Notizen und zeichnete Skizzen, die später aufgearbeitet Eingang in die von ihr geführten Chroniken finden würden.

Als das Brautpaar sich schließlich zurückgezogen hatte und die Stimmung immer hemmungsloser und stürmischer zu werden begann, wurde es der Priesterin jedoch zu viel und diskret zog sie sich zu den dankenswerterweise zur Verfügung gestellten Nachtlagern zurück. Dem Lärm der Feier ließ es sich natürlich nur schwerlich entkommen, doch zumindest war er nur noch gedämpft und es stank nicht mehr so stark nach alkoholischen Getränken, schweren exotischen Düften und menschlichen Ausdünstungen. Bevor sie einschlief, nahm sich Fjalladis noch vor, am nächsten Morgen möglichst zeitig aufzubrechen, um nicht übermäßig mit verkaterten, sich übergebenden Horden von ehemals Feierwütigen zu kollidieren.
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Naveen

Re:Sala dwe'Lyr
« Antwort #2 am: Montag 25 April 2016, 16:28 »

"Auf gar keinen Fall! Nein."
Es hätte so einfach sein können. Naveen war auf das Anwesen "Abal'Mahaila" gerufen worden um dort einigen einfacheren Schneiderarbeiten nachzukommen. Einige Stuhlhussen mussten für ein Hochzeit hier und dort erneuert werden, an einigen Tischtüchern war die Spitzenborte bedrohlich dünn geworden und die Kleidungen der Bediensteten sollten für diesen ehrwürdigen Tag auf Vordermann gebracht werden.
Der Elf hatte sich auf diese Arbeiten gefreut. Sie waren bodenständig, einfach, zeigten schnell Resultate und er kam endlich mal wieder aus seiner Schneiderstube heraus.

Gerade eben hatte er noch schnell einem Serviermädchen den Saum ihres Kleides geflickt und gekürzt - sie war sich selber drauf getreten, etwas das auf keinen Fall während der Feierlichkeiten passieren durfte - als die Köchin vor ihm stand. Ihr Aufzug war tadellos gewesen und so hatte der Schneider eigentlich damit gerechnet, dass sein Dienst hier nun getan war - doch er sollte sich irren.

"Ich kann euch nicht helfen - ich habe noch nie serviert. Nein, ich bin Schneider und kein Kellner!"
Die Köchin hatte sich verzweifelt gezeigt. Einer der Weinausschenker hatte sich verletzt und sie suchte dringend Ersatz. Ob er nicht doch helfen könne.. es wäre doch so ein großer Tag für die Herren des Anwesens. Und er müsse ja auch nur Wasser und Wein zu Tische reichen.

So entsetzt, wie der Schneider auch zu Anfang gewesen war - am Ende hatte er sich von der redegewandten Köchin überreden lassen. Es würde schon nicht so schwer sein Getränke auszuschenken und brachte sicherlich auch ein paar Münzen extra.

Und tief in seinem Inneren musste der Schneider sich auch eingestehen, dass er neugierig war auf eine Feier, deren Vorbereitungen so akribisch durchgeführt wurden, deren Mahlzeiten so verführerisch dufteten und deren Dekoration märchenhafter kaum sein konnte.

Wenig später fand sich der Elf also in der Garnitur eines Servierkellners wieder und sprach mit den anderen durch, wo und was er zu tun hatte.. und er tat es. Den ganzen Abend murrte Naveen Nebeltau nicht einmal. Er vergriff sich (erstaunlicherweise) nicht selbst am Wein und war höflich und freundlich zu den Gästen. Er bejubelte das Brautpaar aus der Ferne und erlag der Magie des Festes - obwohl er selbst nicht mal als Gast da war.

Erst als die Nacht schon längst Einzug gehalten hatte, das Brautpaar und die ersten Gäste verschwunden waren, hatte auch Naveen seine Aufgabe als beendet angesehen und mit den Verbliebenen gefeiert. Eines der Serviermädchen hatte ihm für die Nacht eine Lagerstätte besorgt - und Naveen hatte sich dafür dankbar gezeigt.

Nun brach der Morgen an und der Elf wachte von den Geräuschen auf, die die ersten früh aufstehenden Gäste von sich gaben.
Er sprang schnell in seine Hosen (oder waren es noch die des Kellners?) und suchte die Köchin auf. Es würde Zeit, dass er schnell seinen Lohn abholte, bevor er auch noch zu Aufräumarbeiten herangezogen würde...
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Syrena

Re:Sala dwe'Lyr
« Antwort #3 am: Montag 25 April 2016, 22:14 »

Wie hatte Syrena sich gefreut, als sie die Einladung erhalten hatte. Sheherazade und Antonio wollten heiraten! Völlig aufgeregt war sie mit wehenden Röcken zu Suffix gerannt um ihm die frohe Botschaft brühwarm zu erzählen. Wie schön, das die zwei sich gefunden hatten, immerhin hatte Syrena selbst erlebt wie lange es der Tänzerin schlecht gegangen war und wie sehr sie gelitten hatte. Antonio war an einem Abend mit in ihrem Gasthaus gewesen, und er war sehr darum bemüht gewesen Sheherazade aufzuheitern. Geendet hatte das Ganze in Gesangsunterricht für Sheherazade und Tanzunterricht für Syrena und Antonio, was bereits nach kurzer Zeit zu einigem Gekicher und reichlich Spaß in der Taverne geführt hatte. Danach konnte man dabei zusehen, wie Sheherazade sich langsam aber sicher erholte, das Lächeln in ihrem Gesicht wirkte immer weniger erzwungen und die Lebensfreude kehrte allmählich in ihre Augen zurück.

Nun jedenfalls war der große Tag gekommen und Syrena war so aufgeregt wie ein kleines Kind das darauf wartet sein Weihnachtsgeschenk auszupacken. Auf der Reise zum Gutshof, auf dem das Brautpaar in Zukunft leben wollte, stand ihr Mund nur still wenn Suffix etwas sagte. Als sie ankamen wurden ihnen Zimmer zugewiesen, in denen sie später schlafen konnten, und Syrena fing an sich für die Feier zurecht zu machen. Sie hatte ihr bestes Kleid mitgenommen, das aus einem cremefarbenen langem Unterkleid mit weiten Ärmeln und weit geschnittenem Rock bestand, über das ein laubgrünes Obergewand ohne Ärmel kam, das am Mieder mit einer silbernen Kette verschnürt wurde. Natürlich sah sie längst nicht so prachtvoll aus wie die Braut selbst, aber das gehörte sich schließlich auch nicht. Gemeinsam mit ihrem Liebsten schlenderte sie über das Fest, nachdem Sheherazade ihr strengstens untersagt hatte ihre Nase in die Küche zu stecken, und probierte von all den Köstlichkeiten, die serviert wurden.

Herrjeh, ist das vielleicht lecker. Gut, dass es nicht jeden Tag soviel zu essen gibt, ich würde sonst bald so rund sein wie eine Weihnachtsgans. Meinst Du die Köchin verrät mir das Rezept für diese Küchlein?

So vertrieben sie sich die Zeit, bis es Abend war und das Brautpaar vermählt wurde. Syrena konnte einige Tränen nicht unterdrücken und schluchzte vor Rührung leise in ihr Taschentuch. Ob sie und Suffix wohl auch eines Tages vor einem Priester stehen würden? Wenn, dann wünschte sie sich nur eines: dabei genauso glücklich auszusehen, wie es ihre Freundin gerade tat.

Eine Schlange von Gratulanten bildete sich vor den Frischvermählten, in die sich auch Suffix und Syrena einreihten. Zwischen sich trugen sie ein herzförmig ausgesägtes Brett, auf dessen Rand Syrena Dutzende von Kerzen befestigt hatte, die jetzt in der Dämmerung ihr warmes Licht verbreiteten. Herzlichst gratulierte sie dem Brautpaar, wünschte ihnen alles Gute und sagte dann:

Wir haben noch ein anderes Geschenk für Euch. Ich hoffe sehr, der Herr Zwerg hat nicht übertrieben, und er versteht sein Handwerk so gut, wie er behauptet hat. Und ich hoffe noch mehr, dass es Euch gefällt und Ihr viel Freude daran haben werdet.

Damit winkte sie Cranneg zu, damit er heran kam und sein Werk überreichte.
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Christian

Re:Sala dwe'Lyr
« Antwort #4 am: Montag 25 April 2016, 23:48 »

Auch das Magierpärchen aus Sha'Nurdra hatte eine Einladung zu der Hochzeit von Sheherazade und Antonio erhalten, was aufgrund der Verbundenheit zwischen den beiden Pärchen kaum verwunderlich war. Und da die Feier auf einem Bauernhof stattfinden sollte, würde sich vielleicht auch Yolmena zurechtfinden können, denn dort sollten genug Tiere zum Spielen sein. So steckte Neome das Töchterchen in ein hübsches - aber dennoch robustes - Kleidchen, während Christian sich selbst ebenfalls herausputzte. Während die Erzmagierin sich dann selbst ankleidete, kümmerte der Hohentürmler sich noch mit Nathan darum, dass Abadan vor die Kutche gespannt wurde und Daodra wie meistens bei solchen größeren Reisen hintendran angebunden wurde. Und dann ging es los, vorbei am Hohenturm weiter in Richtung Nordwesten, bis sie etwas außerhalb der Elfenwälder in Sichtweite des Meeres den Bauernhof erreichten.

Hoffentlich war Yolmena nicht das einzige Kind hier, sonst musste man doch die ganze Zeit auf sie aufpassen, damit sie nachher nicht zu viele Tiere mit ins Bett nahm. Einem der wohl dafür eingeteilten Bediensteten übergab man Abadan, Daodra und die Kutsche, bevor sich die kleine Familie in Richtung der eigentlichen Feier begab. Damit auch Yolmena etwas sah, hob Christian sie dann doch hoch und erzählte ihr kurz etwas zu der Person, auf die sie zeigte, sofern er sie kannte. Aber da er die meisten der Gäste kannte, konnte er so schon einige Zeit verbringen. Natürlich bediente auch er sich nebenbei an den dargebotenen Speisen, bevorzugt an den etwas exotischeren, die man hier sonst nicht an jeder Ecke fand.

Doch dann stand auch die Magierfamilie aus Sha'Nurdra vor dem Brautpaar und überreichte neben ein paar von Yolmena gezeichneten Bildern auch noch einen Topf mit einer noch nicht erblühten Tarnele darin und einen weiteren mit einer weißen Rose, deren intensiver Duft darauf hindeutete, dass sie wohl aus den Elfenwäldern selbst stammte.


Möge Eure Liebe allzeit so stark sein wie der Duft dieser Rose. Und falls es doch einmal schlechte Zeiten geben sollte, hilft Euch die Tarnele wieder auf die Beine.

Ob sie jemals Kinder haben würden, wie es Fjalladis ihnen wünschte? Immerhin war Antonio ein Vampir, wenn auch anders als die anderen. VIelleicht schadete es nicht, Kementari dahingehend um Rat zu fragen, immerhin war sie die Herrin der Wälder und damit quasi des Lebens selbst. Aber dazu blieb auch später noch Zeit, jetzt galt es erstmal, die Vermählung der Beiden zu feiern. Allerdings seinerseits eher mit weniger Alkohol, weswegen er selbst nur verdünnten Wein trank. Zwischendurch suchte er dann mit Yolmena nach geeigenten Hoftieren, mit denen sie recht gefahrlos spielen konnte. Doch auch dieser Tag ging vorbei und während Neome mit Yolmena recht früh ins Bett ging, gesellte sich der ehemalige Statthalter doch noch etwas länger zu den anderen Gästen, bis er selbst ebenfalls müde genug für seine Schlafstatt war.
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Silvana

Re:Sala dwe'Lyr
« Antwort #5 am: Mittwoch 27 April 2016, 18:16 »

Es war reiner Zufall, dass Silvana DaRemyth, die Statthalterin von Nighton, das Gespräch zwischen den beiden Elfen am Fuße des Aiyona belauschte. Die Amazone hatte einen Abstecher nach Sha'Nurdra unternommen, um die hiesige Tischlerei aufzusuchen. Dabei war sie dem Sirannon vom Großen Fluss aus gefolgt, um ihre neu gewonnene Fähigkeit, mit den hiesigen Ottern zu kommunizieren, zu festigen. Dabei hatte sie festgestellt, dass umgekehrt auch die Tiere sich bei ihr melden konnten, wenn ihnen Gefahr drohte. Oder wenn die Wasserfrau eine Mitteilung an die Blutsschwester hatte.

Und jene Gedanken, die unterwegs in ihrem Kopf entstanden waren, kamen Silvana nun wieder in den Sinn, während sie auf dem Weg zu Elessar Eledhwen war, dem sie einen Besuch abstatten wollte. Die Kriegerin hatte den wirren Bildern und Worten, Gefühlen und Gerüchen vorerst keine große Bedeutung beigemessen, weil Seeotter fremd für sie waren, ebenso wie das Nordmeer.

"Auch die Wassergeister sorgen sich", erwiderte sie daher ungefragt und blickte den beiden Elfen unverwandt in die Augen, sobald sie sich zu ihr umdrehten. Sie mochten verwundert sein oder verärgert, weil sie sich einmischte, doch sie sprach einfach weiter, als kämen die Worte ohne ihr Zutun aus dem Mund.

"Die Seeotter sagen, die Muscheln schmecken falsch. Der Seetang hat die falsche Farbe und ist nicht mehr fest genug, um sich zum Schlafen darin einzuwickeln. Das Meerwasser riecht komisch. Möwen und Sturmtaucher sind zwar immer etwas irre, aber jetzt sind sie noch verrückter. Die Papageientaucher sind noch ungeschickter als sonst beim Landen. Die Robbenbänke bleiben leer. Irgendetwas flackert im tiefen tiefen Wasssssser...."

Die dunkle Stimme verstrich wie der Wind über den Klippen. Silvana blinzelte und lächelte die beiden Elfen freundlich an und neigte zum Gruß den Kopf.

"Der Göttin zum Gruße. Verzeiht, ich wollte Euer Gespräch nicht unterbrechen. Es schien mir nur, dass Euch die Beobachtungen der Seeotter interessieren könnten. Sie leben doch am Nordmeer, so viel ich weiß. Ach, ich vergaß mich vorzustellen: Gestatten, Silvana DaRemyth. Wenn ich Euch in dieser Sache behilflich sein kann, lasst es mich wissen."

Leichthändig schulterte Silvana die große Armbrust, die sie während ihrer Rede gegen das rechte Bein gelehnt hatte.
« Letzte Änderung: Donnerstag 28 April 2016, 16:21 von Silvana » Gespeichert
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svarog1

Re:Sala dwe'Lyr
« Antwort #6 am: Donnerstag 28 April 2016, 11:20 »

Wie durch Zufall erfuhr Svarog, dass noch Wachen für irgend einen grossen anlas gesucht werden. Da gutes Gold bezahlt wurde und er an diesem Tag keinen dienst in der Kaserne tat meldete Svarog sich.

Bei den Festlichkeiten wurde Svarog zum Wachdienst ein gutes Stück abseits aufgestellt. Offensichtlich wollte man nicht, dass man den Lykanthrop sieht. Dies war definitiv eine Intelligente Entscheidung. Auch Svarog stört sich nicht daran sondern ist zufriedener einsam auf seinem Wachposten entfernt von diesem Lärm und diesen widerwärtigen Gerüchen.

Pflichtbewusst hält er seine Wache Patrouilliert im vorgegebenen Bereich, hält sich von den Feiernden fern und benutzt seine scharfen Sinne um nach ungewöhnlichem Ausschau zu halten.

Wärmend er hört wie die Letzten besoffenen Gäste sich ins Bett begeben beginnen bereits die ersten Kreaturen des Lichtes zu erwachen. Bald wird seine Wache zu ende sein. Er erhält seinen Lohn und kann dieses Lächerliche Spektakel von Menschen und Elfen verlassen.
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Suffix

Re:Sala dwe'Lyr
« Antwort #7 am: Donnerstag 28 April 2016, 14:48 »

Es hatte sich wie ein Lauffeuer in Suffix‘ Umgebung verbreitet, die Schöne aus dem Süden hat einen Antrag von Antonio Lucio bekommen und angenommen. Tratsch und Klatsch hat immer Saison. Der Termin der Hochzeit war schon bekannt gegeben worden und zu ihnen war auch eine Einladung gekommen. Ja, Syrena und er sollten auch kommen. Seine Liebe war kaum weniger aufgeregt als er selbst. Ob sie wohl ahnte, dass alles anders hätte kommen können und dass Sheherazade keine unerhebliche Rolle darin spielte? Doch so sehr er sie schätzte, seine Entscheidung war seinem Herzen gefolgt und das schlug nun mal einzig und allein für Syrena.  Inzwischen hatte sich auch Syrena mit der zukünftigen Braut angefreundet, was ihn auch sehr freute. Er wusste das zwar schon, aber als es Syrena auf der Fahrt nochmals erzählte, langweilte ihn das kein bisschen. Er konnte ihr ewig lauschen, wenn sie erzählte. Und sie erzählte gerne.
Da er jetzt wieder im beinahe Vollbesitz seines Gedächtnisses war, kannte er sehr viele Leute. Er stellte den einen oder anderen Syrena vor und Syrena vielen anderen. Seine Freundin war zwar nicht so schön aufgemacht wie die Braut, was diese sicher neidisch gemacht hätte, aber ihre Schönheit und ihrer Natürlichkeit erzeugte überall Bewunderung, und manch einer fragte sich, wie wohl dieser wundersame Barde, das Herz dieser wunderbaren Frau erobern hatte können. Tja, wo die Liebe hinfällt.
Und wie es der Zufall so wollte, hatte er ja versprochen, wenn das mit dem Gedächtnis klappt, jeden zu besuchen, der ihm dazu verholfen hatte. Da ließe sich doch….ja, er glaubte Sheherazade zu seinen Freunden zu zählen, es ging gar nicht, dass er da nicht dabei sein würde. Flugs setzte er sich hin und fand ein paar schöne Verse.

Ich kann es gar nicht beschreiben wie ich mich freu
Scheherazade, die schöne, eine wahre Freundin treu
wird das Eheversprechen geben einem Ehrenmann
ich steh mit der Meinung nicht allein: welche ein Gespann!

Antonio, Du bist der wahre Glückspilz und zu beneiden
wie gerne würden andere hier stehen und beeiden
dass sie diese Frau für immer lieben und verwöhnen
werden – kein Grund Dich deshalb zu verhöhnen.


Euer treuer Freund: Der Barde Suffix

Der Höhepunkt war als sich beide das Eheversprechen gaben und ja, Suffix muss es zugeben, auch ihm quoll eine dicke, fette Träne aus dem Auge, so feste erfasste ihn die Rührung. Eines Tage würde er es wagen können Syrena zu fragen.

Sie hatten sich angestellt und sie waren jetzt an der Reihe dem Brautpaar zu gratulieren. Natürlich machte das Syrena zuerst und sie machte es ganz, ganz lieb und wie es eben ihre Art ist und überreicht ihr ganz entzückendes Geschenk. Ehe Suffix an der Reihe war. Sie hatten lange überlegt, was er anziehen sollte, aber am Ende hatten sie beide entschieden: in diesem schrillgelben Anzug mit den Schellen, kannte ihn Sheherazade von Anbeginn und auch Antonio kannte ihn nur so, sie würden sich auch heute nicht davon schrecken lassen. Als er dann an der Reihe war, brachte er anfangs kein Wort heraus, aber nach diesem kurzen Moment umarmte Sheherazade und ließ sie gar nicht mehr los. „Ich bin Dir so unendlich dankbar, ich weiß alles, was Du auf Dich und all die anderen auf sich genommen haben um mir zu helfen. Ja, ich bin wieder der, der ich war und - ich stehe für immer in Deiner Schuld. Ich habe zum Anlass entsprechend meine Talent ein wenig wieder belebt .“ Er gab Ihr das Gedicht. Und dann: „Hier habe ich noch einen kleine Beitrag für Eure Hochzeit, ich weiß, wie kostspielig so etwas ist, auch wenn Dein Liebster kein armer Schlucker ist. Und dann habe ich da noch eine Besonderheit: es ist der Trank der mich geheilt hat. Ja, da sind all die Zutaten drin – Ja, auch Deine Zeichnung …“ er zwinkerte ihr verschwörerisch zu „und ich habe keine Ahnung, was das bewirkt, vielleicht das Du mich besser kennst, ich weiß nur, es vergiftet einen nicht oder gar tötet, nein. Mach damit, was Du für richtig hältst. Ich wünsche Euch beiden, dass Eure Liebe ewig währt und alles Glück der Erde und eine zahlreiche, gesunde Nachkommenschaft !“

Als sie dann spät nachts in ihrem Zimmer waren, das sie zwar teilten, aber mit einer Faltwand voneinander trennte und keiner trachtete nicht einmal im Traum daran, die Abstandsregeln zu übertreten, meinte Suffix scherzhaft zu Syrena, „Ich denke, bevor Du kugelrund wirst von den Köstlichkeiten, dürften wir das bei er heutigen Braut viel eher erwarten und das wird dann nicht ausschließlich an den Dickmachern im Essen liegen. Hast Du gesehen, wie verliebt die sind ?" Allerdings hatte Suffix keine Ahnung, wie das bei Vampir so war. Es war ein wunderschöner Abend gewesen auch für sie beide – Syrena und Suffix. Andere würden sicher sagen, die beiden sind keinen Deut weniger ineinander verliebt.

Sheherazade bekommt:
- 1 Hochzeitsgedicht
- 3000 GM aus dem Abenteuer "Die Suche nach dem Trank der Erinnerung"
- 1 Flasche mit dem Trank der Erinnerung
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Cranneg Koglarn

Re:Sala dwe'Lyr
« Antwort #8 am: Donnerstag 28 April 2016, 15:43 »

Am Anfang dieser Woche hatte er das erste Mal das Land Dragonia betreten, zusammen mit einer Gruppe von Reisenden... Abenteurern... naja wie auch immer, es war sein erster Eindruck gewesen, abgesehen von einigen Händlern. Drachenauge, die Hauptstadt dieses reiches hatte jedenfalls Eindruck auf ihn gemach. Nicht immer einen guten, aber von den Langen erwartete er das auch nicht sofort. Seine Verwandten hatten ihn schließlich gewarnt.

Dann war er dieser Menschenfrau, Syrena, auf dem Marktplatz der Stadt begegnet und sie davor bewahrt eine äußerst billige und schlechte Imitation einer Spieluhr zu kaufen. Stattdessen hatte er ihr angeboten eine eben solche bis zum Ende der Woche für irgendeine Hochzeit anzufertigen. Gesagt, getan war er zu der empfohlenen Schmiede in Nighton aufgebrochen, die von Syrena erwähnt worden war. Kurz gesagt war seine Woche danach ziemlich aufregend geworden, ein eigenes kleines Abenteuer.

Durch Stürme und Wolfsrudel hatte er es nach Abal'Mahaila, einem Hof außerhalb von Drachenauge zurück geschafft um sein versprochenes Werk rechtzeitig zur Hochzeit abzuliefern. Dass er ganz nebenbei an dieser exotischen Angelegenheit teilnehmen durfte, war dem manchmal stoischen Zwerg doch sehr willkommen. Ein ordentliches Geschenk, gutes Essen, interessante Gesellschaft - auch wenn er einen Bogen um die Elfen machte - und viel zu trinken.

Schließlich war sein Moment gekommen und Syrena winkte ihn herbei. Der Zwerg mit der, in einer Holzkiste verpackten, Spieluhr trat vor die frisch Vermählten, neigte ehrerbietig sein Haupt und
öffnete die Kiste für das Paar.

"Auf das euer Band so fest wie Stahl und so ewig wie die Berge sein möge." , beglückwunschte er sie feierlich, dann begann die Uhr zu spielen und die Musik mochte Sheherazade wohl bekommt vorkommen, denn er hatte sie sich aus dem Teehaus in Nighton zukommen lassen, alles frisch in das Band gestampft, welches vier Lieder enthielt. Gekrönt war das Ganze von zwei Figuren, für die er Hilfe und eine Menge Zeit von einem anderen Feinschmied gebraucht hatte. Die Figur eines Geigers und die einer Tänzerin drehten sich umeinander auf einer Platte zu dem Lied.

Noch ein Geschenk für Sheherazade und Antonio:
-Eine Spieluhr mit Figuren (zwergische Machart aus poliertem Eisen, der Spruch von Cranneg ist dort eingraviert, zusammen mit den Namen der Vermählten)
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Asarra

Re:Sala dwe'Lyr
« Antwort #9 am: Donnerstag 28 April 2016, 20:54 »

Es war ein langer Tag gewesen, als Asarra von einem Erkundungsritt rund um Drachenauge zurück in die Kaserne kam. Kaum abgestiegen und ihr Ross versorgt, da hatte man sie bereits wieder gerufen - einen Brief abzuholen. Mit schweren Gliedern war sie zum einen Ende der Kaserne gestapft um besagten Zettel abzuholen, um dann umzudrehen und wieder zurück in ihre Gemächer zu schlurfen. Dort liess sie sich mit einem Seufzen auf die Pritsche fallen, verschränkte die langen Beine vor sich und öffnete den ominösen Brief. Ihre Augen bewegten sich langsam über das Blatt, hie und da eine Zeile zweimal lesend. Eine Einladung? Und noch dazu zu einer Hochzeit?

So ganz erschloss sich ihr der Inhalt der Nachricht erst am nächsten Tag. Sie war eingeladen zur Hochzeit von Sheherazade und ihrem Vampirgeliebten, der aufgrund irgendeiner seltsamen Begebenheit um einiges umgänglicher war als seine Artgenossen. Asarra konnte sich sehr wohl noch an die gemeinsamen Abenteuer erinnern. Nicht nur hatten sie einen Angriff des Vampirgrafen in Drachenauges Oper überlebt und zurückgeschlagen, sondern die Tänzerin auch von ihren Entführern gerettet, als sie eigentlich die Wasserpriesterin gesucht hatten. Aber so wirklich kennen tat sie die Südländerin eigentlich nicht. Allerdings wäre es unhöflich gewesen die Einladung auszuschlagen und dank des zeitigen Eintreffens war es auch kein Problem, sich die Tage frei zu halten.

Im Gespräch mit ihrem Trupp wurde die Amazone über einige hiesige Bräuche rund um Hochzeiten aufgeklärt. Die Kleidung hatte festlich zu sein und es war Sitte, ein Geschenk mitzubringen. Letzteres verlangte der Amazone einiges ab, hatte sie doch lange keine Ahnung, was sie mitbringen sollte. Ersteres war ohnehin nur bedingt umsetzbar.

Das dunkle, braune Fell ihres Hengstes glänzte warm in der Sonne, die seidige Mähne kunstvoll eingeflochten. Die silbernen Beschläge an Zaumzeug und Sattel schimmerten frisch poliert. Die Amazone selbst trug schlichte, enge schwarze Lederkleidung, den silbernen Stirnreif mit den eingelegten Onyxraben und die kleine, leuchtend grüne Schlange lag um ihr Handgelenk. Das Haar hatte sie ausnahmsweise einmal beinahe ganz offen, nur zwei dünne Zöpfe führten von ihren Schläfen am Hinterkopf zusammen und hielten so das lange Haar aus dem Weg. Solchermassen - und für ihre Verhältnisse ausserordentlich - herausgeputzt machte sich die Amazone auf den Weg.

Asarra war zuerst beeindruckt und auch halbwegs erschlagen von der Pracht und Heiterkeit die auf dem kleinen Landgut herrschte. Dank des reichlichen Angebotes an Alkohol fand die Amazone aber bald zu einem lockereren Umgang und feierte mit den Anwesenden. Als es an der Zeit war das Brautpaar zu verabschieden brachte auch die Amazone ihr Geschenk und ihre Glückwünsche zu den frisch Vermählten.
"Die Mutter segne euch, Sheherazade. Mögen euch diese Armbänder Kraft, Unabhängigkeit, Ausdauer, Grossmut und Güte schenken, sowie es die Pferde sind."
Und damit überreichte sie dem Brautpaar zwei Armbänder aus Rosshaar. Jedes war kunstvoll geflochten, wobei es zu gleichen Anteilen aus weissem, schwarzem und fuchsfarbenem Schweifhaar bestand. Eines war fingerdick, mit einer silbernen Schliesse und nur einem breiten silbernen Zierband. Das andere, für die Braut, war viel filigraner und hatte immer wieder kleine Muschelperlen eingearbeitet. Bis auf die Schliessen hatte die Amazone die Dinger selbst gebastelt und war zugegebenermassen doch recht stolz darauf. Mit einem herzlichen Lächeln überliess sie das Brautpaar den nächsten Gratulanten und feierte mit der zahlreichen Gästeschar bis kurz vor den Morgen.
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Nocturne

Re:Sala dwe'Lyr
« Antwort #10 am: Freitag 29 April 2016, 23:44 »

Runde 2


Auch das schönste Fest ging einmal zu Ende. Die Gäste hatten gefeiert, geschlemmt, auf das Brautpaar angestoßen. Sheherazade und Antonio hatten zahllose Glückwünsche entgegen genommen und die Geschenke bewundert, mit denen sie bedacht worden waren. Das Buch von Fjalladis war wunderschön und forderte gradezu dazu auf, sofort die Feder in die Hand zu nehmen und etwas hineinzuschreiben, vielleicht auch zu zeichnen. Ob es allerdings je irgendwelche Nachkommen geben würde – ob das für sie beide möglich war – denen man das Buch hinterlassen konnte, wussten weder Antonio noch Sheherazade zu sagen.
Von Christian bekamen sie eine Rose, deren weiße Blüte einen derart intensiven Duft ausströmte, dass Sheherazade die Augen schloss und mit einem leisen Seufzen tief einatmete. “Sie ist wundervoll, Christian.“, sagte sie schließlich. “Und auch die Tarnele – wenn ich Euch wohl beizeiten auch um Rat fragen muss, wie man sie am besten einsetzt...“ Sheherazade und Antonio waren beide keine Heiler. Hoffentlich gedieh die Rose hier – abner der Südhang hinter dem Haus war bestimmt geschützt genug.
FürYolmena fanden sich allerdings noch nicht so viele Tiere hier, war der Hof doch erst seit Kurzem wirklich bewohnbar. Einen Stall mit Kaninchen gab es allerdings schon sowie Sheherazades Tauben – und dann war da natürlich noch Misha, der kleine Fennek.
Asarra hatte zwei wunderschöne Armbänder aus Rosshaar mitgebracht, über die sich Sheehrazade als begeisterte Reiterin sehr freute, und auch Antonio war von seinem sehr angetan.
Besonders freuten sich aber beide, dass Syrena und Suffix zusammen zu dem Fest gekommen waren. Erstens war Syrena für sie dagewesen, als es ihr wirklich schlecht ging, und hatte ihr sehr geholfen, wieder ins Leben zurück zu finden, und zweitens hatte Syrena selbst genug Kummer mit Suffix' Gedächtnisverlust gehabt, und es war schön, dass die beiden nun wieder glücklich miteinander sein konnten. Suffix' Gedicht brachte Sheherazade richtig zum Lachen. Ja, der Barde war eindeutig wieder der Alte. Syrena aber nahm sie in die Arme. “Danke für alles!“, sagte sie leise. “Ohne dich wären wir heute bestimmt nicht hier. Ich wünsch euch so, dass ihr vielleicht auch eines Tages...“ Sie zwinkerte Syrena zu und wandte sich dann neugierig an den Zwerg, der jetzt heran kam und eine wunderschöne Spieluhr überreichte. “Welch außergewöhnliche Arbeit, Meister.“, sagte Antonio tief beeindruckt zu dem Zwerg, während Sheherazade staunend den Klängen ihrer Heimat lauschte und den Figuren sich beim Drehen zusah: Solch ein Meisterwerk der Feinmechanik hatte sie noch nie gesehen.

Aber wie gesagt, irgendwann war jedes Fest zuende, die Kellner, unter ihnen auch Naveen, und die angeheuerten Wachen wie Svarog hatten endlich Ruhe. Zwar zog der Lykantroph weiter seine Runden, aber der Lärm der Feiernden war verebbt, alle hatten die eine oder andere Lagerstatt aufgesucht, und sogar das Brautpaar mochte irgendwann schlafen.

Dass am Himmel die Sterne nach und nach von rasenden Wolken verschluckt wurden, bemerkte so außer Svarog niemand mehr. Die Luft wurde schwer und schwül, wie es eigentlich nur im Sommer zu erwarten wäre, und Gewitterspannung lag in der Luft. In den frühen Morgenstunden brach der Sturm los: ein warmer Schirokkowind, der direkt aus der Serafina stammen musste – nur dass es ein Nordwind war... er heulte und pfiff und fegte über die Dünen und wühlte das Nordmeer auf. Wehe dem, der es in diesen Stunden mit Boot oder Schiff befahren wollte. Am Nordrand der Elfenwälder knickten Bäume um, und die Flut drückte er bis hoch in die Mündung des Großen Flusses hinein. Blitze zuckten zwischen den Wolken, doch regen blieb aus, und die Luft knisterte vor trockener Elektrizität.
Über die Wellen des Nordmeeres tanzten hochgewirbelte Wassersäulen, alle Seevögel hatten längst an Land Schutz gesucht. Unter der Wasseroberfläche wirbelten losgerissene Muscheln und Anemonen umher, der Meeresgrund wurde aufgewühlt und umgepflügt; riesige Brecher schlugen an den Strand und warfen ihre Last ab.

Christian träumte in dieser Nacht. Ein Fischotterweibchen tollte durch eine Bach und am waldigen Ufer entlang, offenbar auf der Suche nach einem gefährten udn nach einem Platz, wo sie ihre Kinder zur Welt bringen konnte, mit sich un der Welt ganz im Reinen. Die Sonne schien und glitzerte auf dem Wasser. Das Tier setzte sich auf und witterte, es schien etwas wahrzunehmen, dann wandte es sich Christian zu und schien zu zwinkern. Worte formtzen sich: Die Antwort auf deine Frage, Fey'ama, lautet...
Doch plötzlich verstummte das Otterweibchen, witterte noch einmal in die Luft. Meine Kinder sind in Gefahr! Das Lied des Meeres...! Ein erschrockener Aufschrei, dann war das Tier in einer plötzlichen Bewegung bachabwärts verschwunden. Der Wald lag immer noch im Sonnenschein, der Bach murmelte, die Vögel sangen. Der Traum verblasste.

Der Morgen zog rot und zornig herauf. Der Sturm war ein wenig abgeflaut, doch immer noch tanzten Wasserhosen weit draußen über das Meer, und der Wind kam böig, launisch und unangenehm warm. Dunkle Wolken jagten über den Himmel und kündigten an, dass es noch nicht überstanden war.

Abal'Mahaila jedoch war weit genug weg vom Strand, um in Sicherheit zu sein. Der Sturm fegte ein oder zwei lose Schindeln vom Scheunendach und warf zwei Blumenkübel um, doch die Hochzeitsgäste lagen ja geborgen in ihren Betten. Es dauerte ein wenig, bevor die ersten sich regten – die bedauernswerten Helfer, die nun aufräumen mussten. So fand sich auch Naveen recht früh bei der Köchin ein, um seinen Lohn abzuholen und dann möglichst schnell nach Hause zurück zu kehren. Das wurde schnell erledigt. “Gut, dass das Wetter wenigstens gestern noch gehalten hat, nicht wahr?“, bemerkte die Frau dabei, ehe sie sich weiter an den Abwasch machte. “Nun, habt Ihr es denn besonders eilig, Herr Elf, oder wollt Ihr noch zum Frühstück bleiben?“

Erst nach und nach kamen die ersten Gäste heraus, mehr oder weniger verschlafen; Sheherazade und Antonio ließen sich besonders viel Zeit und zeigten sich zunächst gar nicht. Die allgemeine Stimmung war ein wenig verkatert – vielleicht lag das am Wein, vielleicht aber auch an der drückenden Luft, die trotz des Windes immer noch unangenehm schwül schmeckte. Und so recht hell wollte es auch nicht werden.
“Wer weiß, was dieses Wetter gebracht hat.“ Leise und katzenhaft, wie es ihre Art war, war Varnayrah aus dem Haus getreten und musterte den Himmel. “Es liegt mehr darin als nur eine Laune des Ostermondes.“ Wie so oft zeigte die Mine der Windsängerin keine Regung, aber sie war unruhig, etwas stimmte nicht, und Tan'le, der Luchs, schlug mit dem kurzen Schweif, und ein leises Fauchen war tief in seiner Kehle.

In diesem Moment kam Ancalaon hinzu. Der Schattentänzer war draußen unterwegs gewesen und trat nun gradewegs auf seine Geliebte zu. “Der Sturm hat etwas an den Strand gespült, dass du dir ansehen solltest, I'ama.“, sagte er leise und ruhig, auch in seinem Gesicht deutete keine Regung darauf hin, dass ihn irgendwas beunruhigte. Aber Varnayrah musste wohl in der  Stimme ihres Gefährten etwas gehört haben, was den anderen entging, denn sie nickte, und unverzüglich machten die beiden Elfen sich auf den Weg zum Strand.

~>@<~


Svarog wollte von seiner letzten Wachrunde grade ins Haus zurückkehren. Die letzten Schläfer mussten nun ja auch langsam wach und seine Arbeit damit getan sein. Wurde Zeit, den versprochenen Lohn abzuholen und sich hier aus dem Staub zu machen.  Außerdem war das Wetter nach dem Sturm immer noch ziemlich unangenehm. Doch da wurde sein Blick von etwas angezoggen, das der Sturm an den Strand geworfen haben musste. Von hier oben war es nicht besonders gut zu erkennen, doch die feinen Lykantrophensinne ließen ihn vermuten, dass dort etwas Lebendiges war. Etwas, das nicht bloß ein großer, an Land gespülter Fisch war...

~>@<~


Luthien und Gelerial wandten sich zu Silvana um, als die Statthalterin die beiden Elfen plötzlich ansprach. Man sah Elfen ihre Überraschung selten an, aber Luthien zog eine Augenbraue leicht in die Höhe, was zeigte, wie sehr Silvanas Verhalten sie erstaunte: Nicht, dass die Amazone sich einfach ins gespräch mischte, sondern dass es fast schon wirkte, als spräche sie in Trance. Gelerial, der in seinem Leben mit Menschen noch nichts viel zu tun gehabt hatte, zog sich leise ein paar Schritte zurück und überließ lieber der Wächterin des Aiyeona das Wort. Die Lichtelfe musterte Silvana ein paar Herzschläge lang, dann huschte ein knappes Lächeln über ihre Lippen. “Sanya'Bha, Silvana DaRemyth. Kementari scheint Euch zu schätzen, dass ihr mit Ihren Kindern so eng verbunden seid. Was Ihr berichtet, ist beunruhigend. Im Nordmeer scheint eine Bedrohung aufzuziehen, doch wie Ihr helfen könnt, weiß ich nicht. Gelerial wollte Varnayrah Elentari, die Windsängerin benachrichtigen, aber sie ist nicht hier, sondern irgendwo in der Nähe von Drachenauge.“
An dieser Stelle mischte sich Gelerial doch ins Gespräch. “Aha'i a'amdhao e' Varnayrah !“, rief er in seiner Muttersüprache und fuhr dann recht holprig auf dragonisch fort: “Tala Silvana, du kennst  Menschenwelt. Kementaris Kinder deine Brüder und Schwestern, hilf ihnen... bring mich zu Varnayrah?“ Das klang ein wenig schroff, lag aber mehr daran, dass Gelerial des Dragonischen nur unvollkommen mächtig war. “... würdet Ihr das tun?“, setzte Luthien nach. “Sie ist bei einer Hochzeit auf einem Bauernhof, der Abal'Mahaila heißt.“

Die Reise zum Nordmeer dauerte ein paar Tage. Dann musste Abal'Mahaila gefunden werden, aber das war nicht so schwierig; da ein recht exotisches Pärchen den verlassenen Hof gekauft hatte, hatte  es einiges Gerede geben. Am ersten Tag des Wonnemonats waren sie schon recht nahe. In der Nacht fegte ein Sturm über das Land, und am nächsten Morgen lag das Nordmeer unter einem schweren Himmel vor ihnen, und auf einem kleinen Hügel etwas landeinwärts war auch ein kleines Gehöft zu sehen. Gelerial beschattete seine Augen mit seiner Hand und spähte hinunter. Einige Leute schienen den Hof grade zu verlassen und in Richtung Strand zu gehen, aber um genaueres zu erkenne, war das alles noch zu weit weg. Trotzdem rief der Elf aus:“Varnayrah!“, und deutete nach vorn. Wie auch immer er dies auf diese Entfernung hatte erkennen können...

~>@<~


Viel Strandgut fand sich an diesem düsteren Morgen am Nordmeer; kahle Baumstämme, Schiffsplanken und sogar eine Galionsfigur, die ein Einhorn darstellte, Seetang und auch tote Fische, eine zerbrochene Flasche und ein alter Schuh... und auf einer kleinen Sandbank ein paar Meter draußen, die jetzt, da die Flut auslief, freilag, regte sich ganz leicht etwas. Zwei Kreaturen hatte das Meer dort angespült, das eine von der Größe und fast auch der Gestalt eines kleinen Ponies, nur dass es statt Mähne und Schweif und Hufen Flossen besaß und von blaugrüner Farbe war. An den Seiten des schlanken Halses zogen sich dunkle Kiemenspalten entlang. Verzweifelt schnappte das merkwürdige Tier nach Luft, doch seine Regungen wurden schnell schwächer.

Vielleicht noch seltsamer war das andere Wesen: wäre seine Haut nicht von bläulicher Farbe, die Haare nicht eher Stränge bunt schillernden Seetangs, hätte man ihn fast für einen kleinen Elfen halten können. Er  - es schien sich um ein männliches Wesen zu handeln – war nur wenig über anderthalb Schritt groß und in etwas gekleidet, das wie Fischhaut aussah. Seine Füße waren nackt und sehr lang, und zwischen den Zehen – wie auch zwischen den ebenfalls sehr langen Fingern – spannten sich Schwimmhäute. Sein Gesicht trug eine seltsame Zeichnung – ob natürlich oder aufgemalt, war schwer zu sagen – die an einen Fischschwanz erinnerte, und auch er hatte Kiemen, rechts und links am Hals, schien aber ebenso in der Lage zu sein, Luft zu atmen.

Neben dem … Mann... lag ein Dreizack, und im Gürtel trug er ein Messer aus Muschelschalen. Und er war verwundet: drei tiefe Schnitte oder Kratzer zogen sich über seine Rippen, aus denen immer noch Blut quoll. Dunkel lief es aus den Wunden und vermischte sich mit der Gischt, die über die flache Sandbank spülte.

Er musste wohl irgendwie gespürt haben, dass der Strand nicht mehr verlassen war. Mühsam versuchte er sich aufzurichten und spähte über die paar Meter Wasser – zu tief, um einfach hindurch zu waten – die ihn vom Strand trennten. “Saâma, zze'saâre leh'ia...“ Schwach und leise, wie das Wispern der Wellen auf dem Sand, wehte seine Stimme an den Strand. Dann brach er zusammen und regte sich nicht mehr.
« Letzte Änderung: Samstag 30 April 2016, 07:35 von Varnayrah Elentári » Gespeichert
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Fjalladis Radran

Re:Sala dwe'Lyr
« Antwort #11 am: Samstag 30 April 2016, 23:07 »

Es wurde eine unruhige Nacht – zunächst natürlich wegen der Feier, deren Anlass diesen Umstand mehr als rechtfertigte, doch später kam scheinbar ein Wetterumschwung dazu, brachte Sturm und Blitze und ließ Bäume und Balken bedrohlich ächzen. Da half es sehr, dass das Brautpaar sich jede Mühe gegeben hatte, es den Gästen auch für die Nachtruhe so angenehm wie möglich zu machen, und so fand auch Fjalladis noch etwas erholsamen Schlaf.

Als sie am nächsten Morgen aus dem Haus trat, zweifelte sie ob der Helligkeit – bzw. ob der fehlenden Helligkeit – kurz daran, ob es wirklich schon Vormittag war und nicht noch frühe Morgendämmerung. Die Luft war drückend und wollte so gar nicht zu dem strahlenden Wetter des Vortages passen. Während Fjalladis noch den Blick über die Überreste der Feier schweifen ließ, sah sie Varnayrah aus der Tür treten und grüßend neigte sie das Haupt vor ihr. Dass auch die Windsängerin ungute Vorahnungen hatte verhieß jedenfalls nichts Gutes. Es war nicht die Art der Priesterin, anderen Leute nachzuspionieren, und so unterließ sie es, den beiden anderen Elfen sofort zu folgen. Allerdings mochte sie den Anblick des Meeres von Zeit zu Zeit als Abwechslung zu ihrem Nightoner Stadtleben und so führte ihr Weg sie zunächst Richtung Norden, nachdem sie noch eine Weile vergeblich auf eine Möglichkeit, sich von ihrer Ordensschwester und deren Gatten zu verabschieden, gewartet hatte.

Als sie jedoch auf den Dünen vor dem Meer angekommen war, kam sie nicht umhin zu bemerken, dass dort etwas vor sich ging. Trümmer eines Schiffes lagen am Strand und trieben auf den Wellen und mehrere Gestalten waren aus der Ferne zu sehen, die der weißhaarigen Frau nicht ganz unbekannt vorkamen. Gab es möglicherweise Überlebende des Schiffsunglücks, die geborgen und versorgt werden mussten...?

Zügig schritt Fjalladis über den Sand zu einigen Anwesenden. „Den Göttern zum Gruße. Was geht hier vor sich? Gibt es Überlebende?“ Ihr Blick schweifte über die Trümmer und blieb an den beiden angeschwemmten Kreaturen hängen. „Was bei allen Göttern...?“
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Silvana

Re:Sala dwe'Lyr
« Antwort #12 am: Montag 02 Mai 2016, 18:44 »

Gelerial beherrschte das Dragonische nur mäßig und war auf der Weg zum Nordmeer dementsprechend ruhig. Möglicherweise lag es auch daran, dass er ein Elf war. Spitzohren waren für ihre stillschweigende Art bekannt. Geplauder, wie es die Menschen pflegten, lag nicht in ihrer Natur. Doch das störte Silvana nicht. Sie war eine Kriegerin, keine Marktfrau. Ihr Augenmerk lag darauf, auf Gefahren zu achten, ehe sie sichtbar wurden und über die Reisenden herein stürzten. Je näher sie dem Nordmeer kamen, umso ungemütlicher wurde die Reise. Erst ein Sturm, dem sie gerade noch entgingen, hernach hing der Himmel wie drohendes Unheil über dem Meer.

Auf einem Hügel machten sie Halt. Wotan, das Schlachtross, das Silvana ritt, trat unruhig von einem Huf auf den anderen und schüttelte die Mähne. Auch Shanja zeigte ein eigenartiges Verhalten. Sie hatte die Rute einklemmt und die Ohren flach an den Schädel gelegt. Die Wölfin fühlte sich unwohl. Genau wie es die Seeotter ihrer Blutsschwester vermittelt hatten: Etwas stimmte nicht mit dieser Gegend. Der Ausruf Gelerials ließ die Amazone den Kopf zu ihm umwenden. Er deutete nach unten auf ein paar Gestalten, die sich von dem Gehöft Richtung Strand bewegten. Die Kriegerin nickte ihm zu, gab Wotan mit den Schenkeln zu verstehen anzutraben und ritt Gelerial voran nach unten. Erst als sicher war, dass die Personen am Strand keine Gefahr darstellten, ließ sie den Elfen an ihr vorbei auf die ehemalige Königin zusteuern. Sie selbst blieb erst noch zurück um sich ein Bild von der Situation zu machen.

Ein paar Gesichter, die sie kannte, tummelten sich hier. Eines davon entlockte der Wallonin ein Lächeln, so dass sie Wotan direkt zu Asarra hin lenkte.

"Der Göttin zum Gruße", rief sie fröhlich der Soldatin von oben herab zu und nickte auch zu jenen Gesichtern hin, die sich ihr daraufhin - zumindest kurz - zuwandten. "Was für ein Zufall, dass wir uns hier treffen, Amazonenschwester. Es freut mich sehr Euch wiederzusehen. Gibt es etwas Bedeutsames hier?"

Den Grund, warum sie selbst hierher gekommen war, nannte sie nicht. Stattdessen stemmte sie sich in den Steigbügeln hoch, um besser sehen zu können, und warf einen Blick zur Sandbank hinüber. Leider besaß sie nicht mehr die Sinnesschärfe von Silva_Lykana, doch es reichte aus zu erkennen, dass sich dort etwas bewegte. Im Gegensatz zum Strandgut auf dieser Seite. Die Kriegerin sprang geschmeidig aus dem Sattel und reichte Asarra die Rechte zum Kriegergruß hin.

"Lasst uns nachsehen, was dort draußen ist. Lady Varnayrah, Sir Christian, ich nehme an, Ihr seid derselben Ansicht?"

Die Waffen, bis auf die beiden Dolche, sowie Rucksack und Rüstung ließ Silvana bei ihrem Schlachtross zurück. Shanja zeigte wenig Ambitionen auf ein kaltes Bad und legte sich demonstrativ neben Wotan in den Sand. Das Nordmeer war das, was man "höchst erfrischend"  nannte. Die Glieder wurden einem rasch steif, wenn man nicht schnell genug schwamm. Zum Glück hatte die Amazone die letzten Wochen mit der Fischotterdame Molalla auf spielerische Weise das Schwimmen und Tauchen erlernt und ausreichend geübt.

Barfuß watete die Kriegerin in die kalten Fluten und warf sich vorwärts. Sie tauchte mehr, als sie über Wasser schwamm, das schonte die Kräfte. An der Sandbank angekommen, entschied sie mit einem raschen Blick, wem sie ihre Hilfe angedeihen lassen sollte. Asarra gesellte sich triefend an ihre Seite und begleitete sie zu der Kreatur hin, die Ähnlichkeit mit einem Wasserpferd aufwies - sofern man es so nennen konnte.

"Es braucht Luft, doch nicht diese hier an der Oberfläche. Rasch, wir müssen es ins Wasser bringen. Hier..." Silvana löste einen Flachmann, der an ihrem Gürtel befestigt war, nahm einen Schluck von dem Met und reichte ihn Asarra hin. "Leert ihn, wie auch immer, und füllt ihn mit Wasser. Gießt es über seine Kiemen, das wird ihm helfen, bis ich es ins Wasser geschafft habe. Mal sehen wie schwer es ist oder ob ich Eure Hilfe brauche. Oder Ihr helft mir tragen, dann sind wir schneller. Was das wohl für ein Wesen sein mag? Es scheint sehr geschwächt zu sein, sonst wäre es wohl kaum gestrandet. Genau wie der Fischmann dort drüben."

Sie warf einen Blick zu der zarten Gestalt hin, um die sich Christian und die anderen Gefährten kümmerten.
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Syrena

Re:Sala dwe'Lyr
« Antwort #13 am: Dienstag 03 Mai 2016, 08:22 »

Lange hatten sie mit den anderen Gästen gefeiert. Jetzt, da Suffix sein Gedächtnis zurück hatte, kannte er wieder Gott und die Welt und ließ es sich auch nicht nehmen sie überall vorzustellen. Also plauschte man hier, tratschte da, und war sich allgemein einig das das Paar gut zusammen passte, und das Fest äußerst gelungen war.

Erst spät hatten sie sich zu Bett gelegt, doch Syrena konnte trotz allem kaum schlafen. Ein Gewitter lag in der Luft, es war drückend und unangenehm, doch der erlösende Regen wollte einfach nicht einsetzen. Immer wieder wurde sie davon wach, das eine Sturmböe einen Ast gegen ein Fenster schlug oder eine Dachschindel im Wind klapperte. Dann lauschte sie auf fallende Wassertropfen, die sie jedoch nie hörte, und fiel darüber wieder in einen unruhigen Schlaf. Irgendwann in den Morgenstunden gab sie es schließlich auf und kleidete sich leise an, um Suffix nicht aufzuwecken. Als sie mit verwuschelten Locken vor die Tür trat, bekam sie gerade noch mit, wie ein Elf sagte das etwas an den Strand gespült worden war. Auf dem Hof war es noch so ruhig, das sie ohnehin nicht viel tun konnte, und so ging sie neugierig hinter Varnayrah und Ancalagon her.

Als sie am Strand angekommen waren, riss Syrena vor Staunen die Augen auf. So viel Suffix ihr auch von seinen Abenteuern erzählt hatte, hatte sie doch immer geglaubt einiges davon läge in der dichterischen Freiheit und wäre von ihm erfunden worden. Doch nun sah sie mit eigenen Augen, dass es Wesen gab, die sich deutlich von ihnen unterschieden.

Was... was ist das? Versteht jemand, was es... er.. sagt?

fragte sie perplex, ohne darüber nachzudenken das sie gerade neben der Königsmutter stand, die sie normalerweise etwas förmlicher angesprochen hätte. Fest stand, dass zumindest dieser Meermann verletzt war und sein seltsames Pony wie ein Fisch an Land ersticken würde, wenn es nicht bald wieder ins Wasser kam. Lady Silvana kam heran geritten und beschloss einen Rettungsversuch zu starten, doch Syrena war unschlüssig. Was, wenn dieses Wesen nach ihr griff und sie mit in die Tiefe zog? Ein Schauder lief über ihre Haut. Doch als Varnayrah sich anschloss, und auch Asarra zusagte zu helfen, die sie von ihrer Ausbildung aus der Kaserne kannte, heftete sich Syrenas Blick fragend auf Christian.

Es ist unsere Aufgabe allen Wesen zu helfen so gut wir können, oder?

fragte sie ihn leise. Und als er zustimmte, zögerte die junge Frau nicht länger und zog rasch ihre Stiefel und das Oberkleid aus. Alles, was zusätzliches Gewicht brachte, würde ihr das schwimmen erschweren. Sie watete hinter den beiden Amazonen her ins Wasser und schwamm dann zur Sandbank hinüber. Das Wasser war nicht sonderlich warm, und als sie drüben ankam und der Wind durch ihre triefnassen Sachen fuhr zitterte sie trotz der Wärme des Windes. Langsam ging sie auf den Meermann zu und zeigte dabei ihre leeren Hände mit den Handflächen nach oben.

Ich will Euch nichts tun, ich will Euch nur helfen.

Sie warf noch einen Blick zu Christian, der zum Glück inzwischen in ihrer Nähe stand, dann kniete sie sich neben den Meermann und konzentrierte sich auf seine Wunden, und darauf, was sie im Hohenturm bereits gelernt hatte.

Er ist ein Wasserwesen, aber er scheint die Luft hier atmen zu können. Sein Körperbau ist dem der Elfen ähnlich, also müsste ich seine Wunden auf ähnliche Weise verschließen können. Ganz ruhig, ich muss Euch meine Hand auflegen.

murmelte die junge Frau vor sich hin, um nichts von ihrem Wissen zu vergessen. Noch fiel es Syrena viel leichter den Zauber zu wirken, wenn sie Körperkontakt zu dem Verletzten hatte. Sanft und vorsichtig legte sich ihre Hand auf die verletzten Rippen. Die Haut des Wesens fühlte sich nass und kühl an. Sie verdrängte den Gedanken daran und ließ ihre Magie fließen. Der Zauber gelang, dass konnte sie spüren, aber die Wunden, die das Meerwesen trug, waren tief. Viel zu schnell waren Syrenas Kräfte erschöpft und sie zog die Hand zurück und strich sich die nassen Haare aus dem Gesicht.

Christian, Du musst mir helfen. Ich glaube meine Kräfte reichen für solche Wunden einfach nicht aus. 
« Letzte Änderung: Dienstag 03 Mai 2016, 08:24 von Myriel » Gespeichert
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Naveen

Re:Sala dwe'Lyr
« Antwort #14 am: Dienstag 03 Mai 2016, 08:41 »

"Muss ich das Frühstück auch servieren?" Naveen zwinkerte der Köchin keck zu und nahm seinen Lohn in Empfang. Dann beschloss er zumindest eine kleine Stärkung mit auf den Weg zu nehmen. Das Wetter war rau und die Nacht war kurz gewesen, da schadete es nicht, etwas im Magen zu haben.

Schon auf dem Weg zu den Tischen, verfluchte Naveen das Wetter. Einen solchen Wind hatte er hier nicht erwartet. Das Elfenhaar flog in alle Richtungen und nahm ihm immer wieder die Sicht. Hastig versuchte er es am Hinterkopf zu bändigen. Und diese schwüle, drückende Luft.. er öffnete den Hemdkragen ein wenig und sah sich um. Auch die anderen Anwesenden schienen das Wetter unüblich zu finden. Die einen stöhnten, die anderen sahen sorgenvoll in den Himmel und plötzlich geriet eine kleine Gruppe in Bewegung.

Naveen sah ihnen hinterher. Die silberhaarige Elfe, die letzte Nacht gesungen hatte, ging mit einem kleinen Tross hinunter zum Strand. Ihre Gesichter sprachen Bände - irgendetwas musste dort passiert sein.


Der Schneidermeister konnte seine Neugierde nicht länger im Zaum halten und folgte der Gruppe. Er erkannte Christian, der ihn ihm Schwertkampf unterrichtet hatte, Syrena, die überaus attraktive Gefährtin des übergeschnappten Barden und.. wo hatte er die eine Frau denn schon mal gesehen? Nun, es tat jetzt nichts zur Sache und würde ihm schon wieder einfallen.

Hastig schloss Naveen auf, als sie am Strand angelangt waren.
Er kniff die Augen zusammen. Was, in aller Herren Länder, war das da auf der Sandbank? Naveen ging ein Schritt näher. Noch einen Schritt. Und beim dritten Schritt schwappte ihm das Wasser bereits um die Füße. Eilig ging er wieder zurück.
Es waren genug Leute da, die auf die Sandbank wollten. Er würde das Geschehen vom Strand aus beobachten. War das eine dort ein Pferd? Mit.. Fischschwanz?

Irritiert suchte der brünette Elf einen Platz zum Sitzen und fand sich auf einer Gallionsfigur in Einhornoptik wieder. Kein Wunder, dass bei diesem Wind Schiffe kenterten und Unterwasserwesen strandeten. Abermals sah Naveen besorgt in den Himmel und machte sich dann daran, den Strand abzusuchen. Wer konnte schon sagen, was dieses Wetter sonst noch angespült hatte.
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