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   Autor  Thema: Mäusejagd (nur für zwei Greifvogelbesitzer) (Gelesen 319 mal)
Silvana

Mäusejagd
« am: So., 26. Jun 2005, 23:13 »

kurze Vorgeschichte

Silvana schob die Augenbrauen die Stirn hinauf und sah Elessar erst etwas irritiert an. Dann brach sie in ein herzliches Lachen aus. "Ein Bauer namens Phobos. Oh nein, nicht doch, Phobos, das ist ..." Krampfhaft versuchte sie sich zu beruhigen und deutete mit einer Geste an, dass sie Elessar keineswegs auslachte. "Entschuldigt, aber allein die Vorstellung ..."

Schon lange hatte sie sich nicht mehr so sehr über eine harmlose Bemerkung amüsiert. "Ihr werdet es sehen", zwinkerte sie und streckte den rechten Arm in die Höhe, ehe sie einen scharfen Pfiff ausstieß und den Blick gen Himmel richtete. Ein Schatten tauchte über dem Dach der Apotheke auf, der sich langsam tiefer schraubte und alsbald als herrlicher Greifvogel zu erkennen war.

Phobos stieß einen spitzen Schrei aus, stürzte sich geradezu auf den ausgestreckten Arm hinab, zog erst recht spät die Schwingen nach innen, um mit kräftigen Flügelschlägen und vorgestreckten Klauen auf dem verstärkten Lederarmschutz zu landen. Der Habicht bewegte den Kopf vor und zurück, als nicke er seiner Herrin zu. Silvana ließ den Arm sinken und reckte ihn Elessar entgegen.

"Darf ich vorstellen. Das ist Phobos, ausgebildeter Mäusejäger, und was es sonst noch an Kleingetier zu erbeuten gibt. Ich lasse ihn regelmäßig auf Befehl Beute schlagen, auch wenn er sich tagsüber recht frei bewegen kann. Aber mir ist wichtig, dass er mir dennoch gehorcht. Auch wenn er vielmehr Gefährte ist denn Sklave."

Zärtlich strich sie dem Vogel über den Kopf, und er schien es zu genießen, denn er schloss für einen Moment die Augen.

"Es wäre mir eine Freude, wenn Ihr mich begleiten würdet, aber ich fürchte als Mäusefänger eignet Ihr Euch nur bedingt", grinste sie, ging auf ihre Norikerstute zu und schwang sich - den Habicht immer noch auf dem Arm - geschickt in den Sattel. Thalna tänzelte zur Seite, so dass die Wallonin rasch nach den Zügeln greifen musste. "Aber auch so wäre es mir eine Ehre."
« Letzte Änderung: Mi., 31. Aug 2005, 21:00 von Silvana DaRemyth »   Gespeichert  
Elessar Eledhwen

Re:Mäusejagd
« Antwort #1 am: Mo., 27. Jun 2005, 10:03 »

Elessar schaute Silvana verwirrt an, als diese in Gelächter ausbrach; er konnte sich nicht vorstellen, dass er dazu einen Anlass geliefert hatte, bis die Amazone einen Pfiff ausstieß, der von einem Greifvogel beantwortet wurde, der sich kurz darauf auf dem ausgestreckten Arm seiner Herrin niederließ. Elessar bewunderte den Habicht und erwiderte dann mit einem Augenzwinkern:

"Nun wird mir einiges klar! Fast sollte ich mich bei Eurem Gefährten entschuldigen, dass ich ihn für einen Bauern gehalten habe."

Als sie sich dann in den Sattel ihrer Stute schwang und meinte, sie wäre über seine Begleitung erfreut, entgegnete er:

"Fürwahr, ich eigne mich wohl kaum als Mäusefänger, aber da Ihr selbst wohl auch nicht an der Mäusejagd teilnehmen werdet, könnte ich Euch ein Stück begleiten und wir könnten uns ein wenig unterhalten, wenn Ihr nichts dagegen einzuwenden habt."

Mit einem Lächeln fügte er noch hinzu:

"Und wer weiß, möglicherweise wird Euer gefiederter Freund nicht alleine jagen..."

Daraufhin gab Elessar einen halblauten Ruf von sich, der von einem freudigen Wiehern aus der Nähe beantwortet wurde; einen Augenblick später trabte Shi'ouya um die Ecke des Apothekengebäudes und der Paladin schwang sich auf ihren Rücken, nachdem er sie sanft zwischen den Ohren gekrault hatte. Mit einem leichten Schenkeldruck lenkte er die Stute neben Silvanas Stute und schaute die Amazone erwartungsvoll an.
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Silvana

Re:Mäusejagd
« Antwort #2 am: Mo., 27. Jun 2005, 11:10 »

Ein Schimmel mit einem seltsam silbrigen Färbung kam auf einen Ruf des Paladins aus dem Schatten der Apotheke getrabt. Silvana war ehrlich überrascht, denn sie wäre nie auf die Idee gekommen, Thalna genau wie Phobos oder Shanja abzurichten. Aber vielleicht war das bei Elfen ja anders. Hieß es nicht, dass sie zu Tieren eine ganz eigene Beziehung hatten?

Silvana wartete schweigend, bis Elessar sich an ihre Seite gesellte, ehe sie anerkennend den Kopf neigte. "Ein schönes Tier habt Ihr da. Es passt zu Euch, hell und edel."

Sie schmunzelte, gab Thalna mit einem leichten Fersendruck zu verstehen, dass sie losschreiten sollte, und lenkte die Stute auf die Straße Richtung Osttor. Ein Bewegung des Arms reichte aus, um Phobos zurück in die Lüfte schwingen zu lassen. Das Klappern der Hufe auf dem Pflaster hallte von den Hauswänden wider.

"Es ist ja nicht so, dass ich vorhabe den Bauern von der Mäuseplage zu befreien. Dazu wird ein einzelner Greifvogel kaum in der Lage sein. Was meintet Ihr vorher Phobos würde nicht alleine jagen?"

Gemächlich ritt sie neben Elessar her und warf ihm einen fragenden Blick zu. Es war das erste Mal, dass sie sich Zeit nahm ihn eingehender zu betrachten. Er hatte ihre Größe, aber ansonsten war er das genaue Gegenteil von ihr. Alles an ihm wirkte auf sonderbare Art licht, selbst seine Haut war viel heller als ihre. Die Sonnenstrahlen brachen sich auf seiner Rüste und ließ ihn nahezu mit dem gleißenden Licht verschmelzen.

"Interessant, dass wir bereits mehrmals zusammen unterwegs waren und sich nie die Gelegenheit ergab ein paar Worte zu wechseln." Er wirkte auch jetzt noch unnahbar, als wäre er dieser Welt völlig entrückt, aber das war bei ihr kaum anders. Die Mauer, die sie anderen gegenüber aufbaute, war nur schwerlich einzureißen.

"Seid Ihr in Dragonia geboren? Ihr unterscheidet Euch von den anderen Elfen, die mir in Sha'Nurdra sonst über den Weg laufen", fragte sie ohne jegliche Scheu, ihm durch eine zu persönliche Frage unabsichtlich zu nahe zu treten.
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Elessar Eledhwen

Re:Mäusejagd
« Antwort #3 am: Mo., 27. Jun 2005, 21:40 »

Elessar gewahrte Silvanas überraschten Blick, mit dem sie die Stute betrachtete, bevor sie ihrer Bewunderung durch entsprechende Worte Ausdruck verlieh und neigte das Haupt, um ihr seinen Dank zu bezeugen. Während sie nebeneinander her ritten, sprach er:

"Fürwahr, Shi'ouya ist ein edles Pferd und ich schätze mich glücklich, dass ich sie, sozusagen gerade im letzten Moment, bei einem Züchter erstehen konnte. Wisset, sie ist tatsächlich ein Elfenpferd, doch sie geriet wohl verletzt in Gefangenschaft und wurde dann zu jenem Züchter gebracht, der in seiner Unwissenheit wohl einige Tage, nachdem ich sie gekauft hatte, mit der Ausbildung begonnen hätte und ihre Einzigartigkeit damit auf ewig zerstört hätte.

Doch um die unausgesprochene Frage zu beantworten, die ich in Euren Augen las: es ist nicht Gehorsam, der sie dazu brachte, auf meinen Ruf hin herbei zu eilen, sondern vielmehr eine besondere Art der Verbundenheit. Wir sind Gefährten, die füreinander da sind, und mein Ruf war mehr eine Bitte um Hilfe, denn ein Befehl. Diese Verbundenheit ist ein ständiges Nehmen und Geben und so wie mir zum Beispiel die Ehre erweist, mich zu tragen, würde ich ihr nie die Bürde eines Sattels auferlegen. Auch ist sie mutig und treu bis in den Tod, selbst ohne spezielle Ausbildung, doch ziehe ich es vor, sie möglichst aus lebensbedrohlichen Situationen herauszuhalten, statt ihr eine unnötige Ausbildung und die Last eines Pferdeharnisches, der ihre Bewegungsfreiheit einengte, zuzumuten."


Langsam näherten sie sich dem Stadttor, als sie auf seine Bemerkung zu der Jagd zu sprechen kam und er entgegnete:

"Nun, da mein zweiter tierischer Gefährte ebenfalls stets in meiner Nähe ist, mag es sein, dass er sich Eurem Habicht anschließt und die beiden gemeinsam einige der Mäuse erbeuten. Doch wie Shi'ouya ist auch Var'sha ein ganz besonderes Tier und auch wenn ich ihn nun herbeirufen könnte, könnte ich ihm dennoch nie befehlen, das Eine oder das Andere zu tun. Um den Falken beziehungsweise unsere Freundschaft ranken sich inzwischen ein paar erstaunliche Geschichten; alleine die Geschichte unseres Kennen Lernens könnte die Zeit eines Abends am Lagerfeuer wie im Flug verstreichen lassen, zumindest, wenn man ein wenig für Magie und Götterglaube übrig hat."

Inzwischen hatten sie das Stadttor passiert und ritten über die Felder zwischen den Stadtmauern und den Wäldern rings um Nuru, als sie bemerkte, dass sie, obwohl sie einander nun bereits länger kannten, nie die Gelegenheit für ein ausführlicheres Gespräch hatten und fragte ihn dann geradewegs nach seiner Herkunft. Der Elf warf ihr einen langen, bedächtigen Blick zu und er erkannte jenes Verhalten, mit der Angehörige ihres Volkes anderen begegnen. Er hatte dies auch bei Emathelyos beobachtet, mit der er nun bereits mehrmals unterwegs gewesen war und war sich noch immer nicht sicher, ob es sich nun generell um Reserviertheit oder einfach Misstrauen gegenüber alles und jedem handelte, doch in seinen Augen lagen nur Offenheit und Freundlichkeit, als er ihre Frage mit einem Lächeln beantwortete:

"Nein, ich wurde nicht in Dragonia geboren; ich stamme aus den Ostlanden und gehöre zum Volk der Lichtelfen. Und da die Lichtelfen Dragonias bereits vor Hunderten von Jahren in eine neue Heimat, das sogenannte Land des Sommers ausgewandert sind, werdet Ihr hier nur noch äußerst selten Vertretern dieses Volkes begegnen."

Mit einem etwas ernsten Unterton fügte er hinzu:

"Unglücklicherweise trifft man auch in meiner Heimat immer seltener Vertreter meines Volkes, doch das ist eine andere Geschichte..."

Sein Blick verlor sich kurz in der Ferne des Horizonts, doch dann schaute er Silvana wieder in die Augen und fuhr lächelnd fort:

"Doch wie steht es um Euch? Woher stammt Ihr und was veranlasst eine Eures Volkes, sich ausgerechnet in der Enge einer Stadt niederzulassen, wo Ihr doch bekanntermaßen die freie Natur bevorzugt?"
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Silvana

Re:Mäusejagd
« Antwort #4 am: Di., 28. Jun 2005, 16:53 »

"Ein Elfenpferd, sieh an. Ich wusste gar nicht, dass es diese Rasse überhaupt gibt." So distanziert die Wallonin fremden Personen gegenüber war, so interessiert war sie an fremden Kulturen und neuem Wissen. Daher kam es wohl auch, dass so mancher ihre Abneigung gegenüber ungewollte Annäherung gehörig unterschätzte, denn ihrem offenen Gesichtsausdruck war nichts davon anzumerken. Wem das Gespür fehlte, wie weit er ihr gegenüber gehen durfte, trug nur zu leicht Blessuren davon. [OT: da gibt es einen gewissen Apotheker ... Diabolisches]

Umso entsetzter war sie, dass Elessar in ihren Augen zu lesen schien wie in einem offenen Buch. War sie so sehr verweichlicht, dass sie ihre Mimik nicht mehr unter Kontrolle hatte? Oder lag es daran, dass er ein Elf war? Was wusste sie schon von diesem Volk? Außer dass es spitze Ohren und zumeist helles Haar hatte?

Seine Worte allerdings interessierten sie brennend. Silvana sah an sich hinab und schämte sich beinahe dafür, dass sie Thalna mit einem Sattel belastete. Aber die Menschen hatten es sie nicht anders gelehrt.

"Eure Worte zeigen, dass Ihr ein ganz eigenes Verhältnis zur Natur habt. Naturverbunden ist mein Volk auch, und Tiere werden sorgsam behandelt und nur getötet, wenn Nahrung benötigt wird. Aber wir halten keine Tiere, weder zur Zucht noch zur Nutzung. Erst bei den Menschen habe ich gelernt auf einem Pferd zu reiten und einen tierischen Gefährten an meiner Seite zu akzeptieren. Wie mir scheint, habe ich in dieser Beziehung noch viel zu lernen, denn mir gefällt, wie Ihr Eure Tiere betrachtet und Ihr müsst mir schon verzeihen, wenn ich in Euren Augen meine Gefährten falsch oder gar mit zu wenig Achtung behandle. Die Göttin Sereme Nuriade würde mir nie verzeihen, würde ich Thalna oder Shanja ein Leid zufügen, aber alles was ich über Tierhaltung weiß habe ich von den Menschen erfahren." Sie lächelte und sah sich nach Phobos um, der über ihnen seinen Kreise zog. "Ich weiß selbst, dass dies nicht die besten Lehrmeister sind." Sie zwinkerte und zuckte mit den Schultern. "Aber man ist nie zu alt oder gesellschaftlich zu hoch gestellt, um noch Neues zu erlernen. Sagte schon meine Mutter, und sie als alternde Königin muss es ja wissen."

Sie hatten inzwischen das Stadttor passiert, und Silvana ließ Thalna antraben. Die Wallonin bemerkte Elessars forschenden Blick, als sie ihn nach seiner Herkunft fragte. Offenbar versuchte er sie einzuschätzen. Auch wenn er sich ihr gegenüber offen gab, befand sich doch ein breiter Graben zwischen ihnen. Silvana konnte dieses Gefühl nicht genau einordnen. Vielleicht hatte er mit ihresgleichen schon schlechte Erfahrungen gemacht.

"Lichtelfen? Es gibt unterschiedliche Elfenrassen?" Die Frage war so dumm, dass die Wallonin die Worte am liebsten zurückgenommen hätte.  Schließlich gab es auch unterschiedliche Amazonensippen, die sich deutlich in ihrem Verhalten und ihrer Kultur unterschieden. Sie hoffte, dass er nicht darauf eingehen würde. Zu ihrer eigenen Überraschung schien sie ganz deutlich seinen Schmerz zu empfinden, als er davon sprach, dass sein Volk vom Aussterben begriffen war. Fast hätte sie die Hand ausgestreckt, um sie ihm tröstend auf den Arm zu legen. Sie stoppte mitten in der Bewegung und wandte sich rasch ab, ließ ihren Blick über die Felder schweifen und sagte stattdessen nur: "Euch ergeht es nicht anders als mir. Von den Wallonen ist nichts geblieben als ein paar verstreute Sippen."

Es schmerzte sie, das zu sagen, vor allem da ihr Volk einst so mächtig gewesen war. Ein wehmütiges Lächeln huschte über ihre Züge. "Ich frage mich manchmal selbst, warum ich hier bin. Lange Zeit habe ich mir etwas vorgemacht, versucht so zu werden wie die Menschen, weil mein Vater auch ein Mensch war. Die Wallonen halten sehr viel von der Reinheit des Blutes. Jegliche Vermischung schwächt uns nur noch mehr. Ich verstehe das, aber es ist wesentlich schwerer damit zu leben. Versteht Ihr? Ich dachte, das wäre der Grund, warum ich meine Sippe verlassen habe. Aber das allein war es nicht. Sie hatten mich akzeptiert, mit all meinen menschlichen Schwächen. Es ist ihre Gesinnung. Dieses sinnlose Töten, dieser Hang zu Gewalt und Herrschaft über andere. Aber Ihr habt schon Recht, das Leben in der Stadt macht mich nicht sonderlich glücklich. Aber soll ich hier leben und mich tagtäglich mit Diebsgesindel herumschlagen?"

Silvana breitete die Arme aus, als wolle sie die weiten Felder und den Wald umfassen und lachte. "Aber Ausritte wie diese machen das Leben wesentlich erträglicher." Sie ließ die Arme wieder sinken und musterte Elessar von der Seite. "Wie macht Ihr das? Ihr bringt mich dazu, mein Innerstes vor Euch auszustülpen, während Ihr mir über Euch nichts Nennenswertes verraten habt?"

Eine leichte Brise wehte ihr das dunkelblaue Haar über die Wangen, und ihre Augen funkelten in der Abendsonne und nahmen einen schelmischen Ausdruck an. Dann presste sie Thalna die Fersen in die Flanken und galoppierte ohne Vorwarnung los.
« Letzte Änderung: Di., 28. Jun 2005, 17:05 von Silvana »   Gespeichert  
Elessar Eledhwen

Re:Mäusejagd
« Antwort #5 am: So., 03. Jul 2005, 23:36 »

Silvana schien über die Bezeichnung Elfenpferd sehr verwundert; sie fragte, ob dies eine besondere Rasse sei, und Elessar lachte leise auf, als er antwortete:

"Eine Pferderasse? Mitnichten, Teuerste! Es ist lediglich eine Bezeichnung, die sich im Laufe der Jahrhunderte eingebürgert hat. Tatsächlich mag es durchaus möglich sein, dass die Elfenpferde verschiedener Kontinente auch verschiedenen Rassen angehören. Das weiß niemand so genau. Bei meinem Volk erzählt man sich folgendes: in meiner Heimat liegt am östlichen Rand der Elfenwälder eine weite Steppe, in der wilde Pferde leben. Sie sind schnelle und stolze Tiere, die ebenso schön, wie edel sind und sich normalerweise weder einfangen, noch zähmen lassen. Manchmal geschieht es, dass ein Elf, der die Steppe durchqueren muss, diesen Tieren begegnet und eines davon den Elfen auserwählt, um ein besonderes Band der Freundschaft zu schließen. Sie werden Gefährten und das Pferd trägt den Elfen fortan auf seinem Rücken, wohin sein Weg ihn auch führen mag.

Und ebenso schien mir die Begegnung mit Shi'ouya zu sein, denn ich hatte vom ersten Augenblick an ein Gefühl gegenseitigen Einvernehmens. Aber sorgt Euch nicht, was die
Behandlung Eurer tierischer Gefährten angeht; Es ist nicht an mir, Euch dafür zu rügen. Vielmehr bin ich der Meinung, dass es Euch die Tiere selbst entsprechend vergelten und die Tatsache, dass sie bei Euch sind, ist Zeugnis Eurer guten Behandlung."


Er lächelte der Amazone beruhigend zu und eine Zeit lang ritten sie nebeneinander her; wenig später, nachdem sie das Stadttor bereits passiert hatten und Elessar von seiner Abstammung erzählt hatte, fragte Silvana nach der Existenz verschiedener Elfenrassen. Der Paladin dachte einen Moment darüber nach, wie er diese bedeutungsschwere Frage in wenigen Sätzen beantworten sollte, denn die Geschichte der Elfen war eine lange und weit in die Vergangenheit, bis an die Anfänge des Seins zurückreichende Geschichte. Schließlich antwortete er langsam:

"Nun, von unterschiedlichen Rassen kann man eigentlich nicht sprechen, auch wenn die Unterschiede seit vielen Generationen sehr ausgeprägt sind. Eine genaue Ausführung würde auch zu weit führen, aber unterschiedliche Völker trifft es wohl besser, aus einem Volk hervorgegangen, drei Samen der gleichen Frucht, die sich dennoch sehr unterschiedlich ausgebildet haben."

Elessar hielt kurz inne; sein Gedanke galt in erster Linie den Hoch-, Licht- und Waldelfen, die sich aus jenen Elfen entwickelt hatten, die vor Urzeiten ihre dem Bösen verfallenen Brüder bekämpft und schließlich besiegt hatten. Aus jenen waren damals die Dunkelelfen entstanden, die nun in Höhlen tief unter der Oberfläche, in die sie nach der Niederlage verbannt worden waren, hausten und nur selten an die Oberfläche kamen. Und wenn, dann meist, um auch hier ihrem grausamen Tagewerk nachzugehen und den verschlungenen Pfaden des Bösen zu folgen. Doch so weit wollte er keineswegs ausholen und so fuhr er fort:

"Während die Waldelfen sich mehr oder weniger in ihre Wälder zurückgezogen haben und die Hochelfen ihr Leben weitgehend auf ihre befestigten Städte beschränkten, standen die Lichtelfen dem Wandel der Zeit immer offen gegenüber und zogen in die Welt, um ihr Wissen mit den anderen Völkern zu teilen. In früheren Zeitaltern waren Lichtelfen oft gerngesehene Berater an den Höfen großer menschlicher Herrscher, doch die Zeiten ändern sich. So verlassen immer mehr Angehörige meines Volkes die bekannten Länder und ziehen sich in das Land des Sommers zurück..."

Der Elf schwieg, gedankenverloren ritt er neben der Amazone her und dachte einen Augenblick daran, wann wohl seine Zeit kommen würde, als sie davon berichtete, wie und warum sie ihr Volk verlassen hatte. Nachdem sie geendet hatte, spürte er ihren Blick auf sich und plötzlich fragte sie ihn, wie er es wohl schaffe, dass sie alles von sich preisgebe, während er nichts von sich selbst erzählte. Elessar warf Silvana einen versonnen Blick zu, doch einen Moment später lächelte er und setzte zu einer Antwort an:

"Werte Silvana, das ist alles eine Frage des Standpunktes..."

Weiter kam er nicht, denn plötzlich trieb sie ihr Pferd zu einem Galopp an und war binnen weniger Sekunden weit voraus. Der Paladin lachte leise auf und beugte sich über Shi'ouyas Hals, um ihr zwei Worte ins Ohr zu flüstern:

"Asca, mellonamin!"

Die Stute antwortete mit einem erfreuten Wiehern und im nächsten Moment flogen Tier und Reiter regelrecht über die Wege, der Amazone und ihrem Pferd hinterher.
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Silvana

Re:Mäusejagd
« Antwort #6 am: Do., 07. Jul 2005, 21:28 »

Der schwere Tritt der Norikerstute dröhnte querfeldein über die Hügel. Jene Bauern, denen die Wiesen gehörten und die das Gras zum Füttern ihrer Tiere brauchten, würden wenig Freude über die aufgewühlte Erde haben. Es hatte erst vor kurzem geregnet und der Boden war noch weich. Doch darüber machte sich die Wallonin keine Gedanken. Warme Abendluft schlug ihr entgegen ? zusammen mit einem Schwarm Mücken - und verwandelte sich durch die Geschwindigkeit des Pferdes in ein kühles Streicheln auf erhitzter Haut. In Aramon hatte sie dieses Gefühl von Freiheit das erste Mal genossen, und es machte sie süchtig - eine Sucht, die ihr heftiges Heimweh beschert hatte. Dabei hatte sie in ihrer Heimat nie ein Pferd besessen. Aber sie brannte geradezu darauf, ihrer Sippe das Reiten näherzubringen.

Thalna war ein schweres Ross, und hatte gegen den leichtfüßigen Galopp des Elfenpferdes keine Chance. Ein Noriker war kein Rennpferd, sondern vielmehr für das Ziehen von Lasten oder Kutschen geeignet. Mit den zwar trittsicheren ? vor allem in felsigem Gelände -, aber kurzen Beinen, würde sie der Elf bald eingeholt haben.

Silvana warf einen raschen Blick über die Schulter. Elessar war immer noch ein Stück hinter ihr, aber sie hatte nicht den Eindruck, dass sich sein Schimmel sonderlich anstrengte um den Abstand zu verkürzen. Langsam, aber stetig, kamen sie näher.

Die Wallonin lachte auf und ließ Thalna einfach laufen. Hügelauf- und ab preschten sie dahin, in gerader Linie durch kleine Wäldchen und mit einem gestreckten Satz über einen schmalen Bach hinweg. Was für ein herrliches Spiel, und Elessar hatte sich dazu entschlossen dabei mitzumachen. Es gab kein Ziel, und an dem Hügel, den Silvana ursprünglich aufsuchen wollte, waren sie längst vorbei. Als der Elf zu ihr aufschloss, lenkte sie mit sanftem Zug ihre Stute in schrägem Winkel von ihm weg, ritt einen großen Kreis und lenkte Thalna dann in die Gegenrichtung zurück.

Es war ein herrlicher Abend, um sich ein wenig auszutoben, obwohl das sonst nicht Silvanas Art war. Die Reise nach Aramon hatte sie verändert. Inzwischen hatte sie sich damit abgefunden, ihr Leben ohne Etienne zu verbringen, aber es hatte nichts mit Resignation zu tun. Ihr Herz würde immer ihm gehören, aber sie würde ihm seine Entscheidung, aus Liebe zu ihr zu gehen, lassen. Endlich. Etwas loszulassen war schwerer als es zu erlangen.

Sie merkte nicht gleich, dass Elessar plötzlich wieder neben ihr war. Mit einem sanften Ruck drosselte sie Thalnas Geschwindigkeit. Die Stute sollte sich nicht bis zum Letzten verausgaben. ?Sieh an, Ihr seid ja immer noch hier.?
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Elessar Eledhwen

Re:Mäusejagd
« Antwort #7 am: Sa., 09. Jul 2005, 22:41 »

Leichtfüßig folgte Var'sha der Stute Silvanas über die feuchten Wiesen und Felder und aufgrund ihres grazileren Körperbaus und des geringeren Gewichts, das sie zu tragen hatte, dauerte es nicht sehr lange, bis sich die anfängliche Entfernung verringerte. Sie preschten mehrere Hügel hinauf und auf der anderen Seite wieder hinab und durchquerten immer wieder kleinere Wäldchen, so dass Elessar bald das Gefühl hatte, dass die Amazone kein bestimmtes Ziel mehr im Auge hatte, denn er konnte sich nicht vorstellen, dass hier in unmittelbarer Nähe zu Aramon noch Bauern ihre Höfe unterhielten. Abseits des Schutzes der Garnisonsstadt kam es bekanntermaßen immer wieder zu Grenzüberschreitungen und so lebte es sich dermaßen weit von Nuru entfernt nicht ungefährlich, denn kaum ein Bauer konnte sich Söldner zum persönlichen Schutz anheuern.

Nachdem sie zuletzt einen schmalen Wasserlauf mit einem gestreckten Satz übersprungen hatten, schloss Elessar zu der Amazone auf, doch erst, als er schließlich wieder an ihre Seite ritt, schien sie ihn zu bemerken. Anscheinend war sie in Gedanken versunken gewesen, denn fast überrascht merkte sie an:

"Sieh an, Ihr seid ja immer noch hier."

Etwas irritiert über diesen Ausspruch, musterte der Paladin sein Gegenüber genau, während er mit einer Hand Shi'ouyas Hals tätschelte, und antwortete erst nach einigen Augenblicken mit einem unverbindlichen Lächeln:

"Nun, ich bleibe niemandem gerne eine Antwort schuldig und mich dünkt, Ihr habt Euch eine Weile zuvor beklagt, ich würde mich mit Informationen zu meiner Person sehr bedeckt halten."
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Silvana

Re:Mäusejagd
« Antwort #8 am: So., 10. Jul 2005, 18:21 »

Elessar war ihr irgendwie nicht geheuer. Er sah sie auf eine Art und Weise an, die sie nicht definieren konnte. Es war, als versuche er sich etwas Bestimmtes einzuprägen, und gleichzeitig sah er durch sie hindurch.

Silvana sah ihn eine Weile stumm an. Sein Lächeln wirkte wie eine Fassade, welche die Verwirrung dahinter verdecken sollte. Offenbar konnte er mit ihr genauso wenig anfangen wie sie mit ihm. Daher zuckte sie nur mit den Achseln, ehe sie ihm antwortete. "Ihr habt mich missverstanden. Es sollte keine Klage sein, denn es liegt mir fern mich in das Leben anderer zu mischen. Erzählt, was Ihr erzählen wollt, und was verborgen bleiben soll lasst ruhen."

Ihr kühler Ton klang desinteressiert, obwohl sie das nicht war. ?Es sollte ein Scherz sein. Wieso sollte ich annehmen, Ihr wärt ohne Gruß einfach davon geritten?, zwinkerte sie und lachte. ?Eigentlich wollte ich damit ausdrücken, warum Euer Pferd Thalna nicht eher eingeholt hat. Es hätte dies spielend leicht gekonnt.?

Die Wallonin sprang vielmehr vom Rücken ihres Rosses als dass sie sich aus dem Sattel schwang, streckte den Arm nach Phobos aus und stieß einen Pfiff aus. ?Hier soll es sein, nach Auskunft des Bauern?, sagte sie mehr zu sich selbst denn zu Elessar.

Leichtfüßig spazierte sie ein Stück den Hang hinauf, sah sich aufmerksam um, bis sie sicher war, dass es hier tatsächlich Mäuse gab. Und die gab es, so viele sogar, dass sie die Scheu verloren hatten und trotz ihrer Anwesenheit quer durchs hohe Gras flitzten.

Mit einer Handbewegung schickte sie den Habicht los und überließ ihm die Jagd. Die Dämmerung senkte sich inzwischen über das Land, malte orange-violette Muster auf Himmel und Wolken und ließ den halbvollen Mond bereits vor dem endgültigen Sonnenuntergang hell erstrahlen. Ohne sich von der Stelle zu bewegen drehte sie den schlanken Oberkörper zu Elessar herum und stemmte die Hände in die schmale Taille. "Wenn Ihr ein Lichtelf seid, macht Euch die Dunkelheit dann Angst? Ich meine, weniger dass Euch des Nachts die Knie schlottern ? aber ich denke, es gibt im Unterbewusstsein jeder Rasse einen Punkt, den zu überwinden schwer fällt. Seid Ihr deshalb ein Paladin geworden? Weil Ihr das Dunkle auszumerzen hofft?"

Im Gegenlicht der letzten Sonnenstrahlen hob sich die gerundete Kontur ihres Körpers scharf vom bunten Hintergrund des Himmels ab. Wer je mit Amazonen zu tun gehabt hatte, konnte nun deutlich erkennen, dass sie anders war ? viel zu weiblich im Gegensatz zu den knabenhaften Vertreterinnen ihrer Rasse. Und mochte vermuten, wie sehr sie einst mit ihrem Schicksal gehadert hatte.



« Letzte Änderung: So., 10. Jul 2005, 19:58 von Silvana »   Gespeichert  
Elessar Eledhwen

Re:Mäusejagd
« Antwort #9 am: Di., 19. Jul 2005, 22:39 »

Als Silvana ihm zuzwinkerte und ihm lachend erklärte, dass sie nur einen Scherz gemacht hatte, lächelte Elessar erfreut und ließ sich ebenfalls vom Rücken seiner Stute gleiten, während er erwiderte:

"Ich konnte auch einfach nicht glauben, dass Eure Bemerkung ernst gemeint war, doch ich muss zugeben, einen Moment lang war ich verunsichert."

Der Elf folgte ihr schweigend, als sie mit dem Habicht auf dem Arm einen Hügel hinaufstieg, der laut den Worten des Bauern die Stätte der Mäuseplage sein sollte. Auf der Wiese auf dem höchsten Punkt des Hanges angekommen, bemerkten sie, dass die Mäuse hier tatsächlich ungeniert durch das hohe Gras flitzten und die Amazone sandte ihren Greifvogel auf die Jagd. Einen Moment lang schaute sie dem Habicht nach, bis sie sich zu Elessar umwandte und ihn nach seinem Verhältnis zur Dunkelheit fragte. Der Paladin lachte leise auf und erwiderte:

"Verzeiht meine Belustigung, aber, obwohl es durchaus naheliegend wäre, liegt Ihr mit Eurer Vermutung gänzlich falsch. Der Name meines Volkes bezieht sich nicht auf eine etwaige Abneigung gegen die Dunkelheit und die Liebe zum Tageslicht, sondern rührt daher, dass die Lichtelfen als die ersten Kinder der Götter unter dem Sternenlicht Aylanns erwachten, zu einer Zeit, als die Dunkelheit noch frei von Furcht und Sorgen war. Erst später schlich das Böse durch die Dunkelheit und mordete oder entführte viele der ersten Elfen und im Laufe der Zeit breitete sich auch Furcht aus, doch das war lange vor meiner Zeit.

Jedoch gab es auch in meinem Leben eine Zeit der Furcht vor der Dunkelheit, die Zeit nach der Nacht, in der meine Sippe und meine Familie von Dunkelelfen dahin gemetzelt wurden; ich überlebte schwerverletzt und wurde am nächsten Tag gefunden und gesund gepflegt, doch lange Zeit wachte ich fast jede Nacht schweißgebadet auf, weil ich diesen Albtraum immer und immer wieder durchlebte und die Dunkelheit ebenso sehr fürchtete, wie ich die Dunkelelfen hasste. Doch meine Retter - es waren Priester - lehrten mich, meine Träume und meinen Hass erst zu beherrschen und anschließend zu überwinden und nachdem ich mich entschlossen hatte, ihrem Orden beizutreten und ihre Lehren zu leben, wurde mir bewusst, was es heißt, dem Guten zu dienen. Seitdem diene ich dem Gerechten und bekämpfe das Böse überall dort, wo es mir entgegen tritt. Und glaubt mir, nicht alles Dunkle ist bereits unrettbar dem Bösen verfallen!"


Elessar betrachtete Silvana im Licht der untergehenden Sonne und bemerkte, dass sie den Amazonen, die er kannte, sehr wenig ähnelte; die Vertreterinnen dieses eher kriegerischen Frauenvolkes, denen er vor nicht allzu langer Zeit auf einer seiner Reisen begegnet war - sie waren von seinem edlen Pferd und seinen Reitkünsten derart begeistert gewesen, dass sie ihm zum Abschied einige besondere Federn überreicht hatten -, hätte man bei diesem Dämmerlicht eher für Männer, denn für Frauen halten können. Mit einem Mal kam ihm Silvana nicht nur weiblicher, sondern trotz ihrer offensichtlichen Kampfkraft auch verletzlicher vor und er fragte sich, ob dies der Grund sein mochte, dass sie sich so unnahbar gab. Er hatte nicht die Absicht, sie zu verletzen oder sie vor den Kopf zu stoßen und so fragte er fast zögernd:

"Verratet Ihr mir auch Euren wunden Punkt? Was ist mit Eurem Volk? Habt Ihr je daran gedacht, nach Hause zurückzukehren und Euer Erbe anzutreten, um damit eine Chance zu erhalten, dem Hang zur Gewalt und der Zuneigung zum Krieg, die Euer Volk auszeichnen, entgegen zu wirken?"
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Silvana

Re:Mäusejagd
« Antwort #10 am: So., 24. Jul 2005, 00:31 »

Gehorsam wollte trainiert sein. Daher nahm Silvana die ersten Beutetiere des Habichts an sich. Er sollte auf Befehle eine Beute schlagen, ohne sie sofort zu fressen. Erst ein Zeichen mit der Hand gab Phobos die Erlaubnis, von nun an mit den erbeuteten Mäusen seinen Hunger zu stillen.

Auch wenn sie mit dem Greifvogel beschäftigt war, lauschte sie aufmerksam Elessars Worten, nickte zwischendurch, damit er dies auch bemerkte, da sie ihm immer wieder den Rücken kehrte. Nur als er von Lichtelfen als die ersten Kinder der Götter sprach, drehte sie sich kurzzeitig ganz zu ihm herum.

?Es ist interessant, da Ihr davon sprecht, aber in meiner Heimat Nedyra gibt es auch so ein Lichtvolk, und es ähnelt Eurem in gewisser Weise. Die Singh, heute Piraten, aber einst das Volk der Götter genannt, waren ebenfalls die ersten, die Nedyra bevölkerten. Gefolgt von meinem Volk, den Drachenkriegern ?und heute eine Horde weiblicher Barbaren, wie die Menschen zu wissen glauben.?

Sie zuckte mit den Achseln, achtete noch eine Weile auf Phobos, und wandte ihre Aufmerksamkeit dann ganz Elessar zu. ?Dunkelelfen?? Ihr Antlitz verdunkelte sich, während sie der Geschichte des Paladins lauschte. ?Dieses Volk löst seltsamerweise bei mir ähnliche Empfindungen aus. Was Ihr sagt irritiert mich allerdings. Wie könnt Ihr den Hass auf jemanden überwinden, der Euch solch fruchtbare  Dinge angetan hat? Und wie seid Ihr andererseits ohne diesen Hass imstande, das Böse zu bekämpfen? Hass blockiert, ich weiß, aber andererseits hält er ?? Sie stockte, als sie gerade sagen wollte mich, ersetzte das Wort aber dann durch eine allgemeine Formulierung. ??einem am Leben.?

Vielleicht war es dieses Zögern, das Elessar dazu veranlasste, sie nach etwas zu fragen, das sie noch niemandem erzählt hatte. Am liebsten hätte sie ihm ins Gesicht geschrieen: Ich habe keinen wunden Punkt, aber damit belog sie sich nur selbst. Ihr hübsches Antlitz nahm einen gequälten Ausdruck an.

?Ich habe Euch belogen was meine Akzeptanz bei meiner Sippe angeht. Meine Mutter hat mich gehasst, weil sie es gewagt hat einen Mann zu lieben anstatt ihren eigenen Grundsätzen als gestrenge matriarchalische Herrscherin treu zu bleiben, und ich stets das Zeugnis ihrer Schwäche war. Zudem bin ich die Jüngste von fünf Schwestern, die dem Thron nicht nur näher stehen, sondern auch reinen Blutes sind. Ihr glaubt doch nicht im Ernst, ich hätte nur den Funken einer Chance, ein Erbe anzutreten, das mir von Rechts wegen gar nicht zusteht.?

Ihr Pulsschlag schnellte hoch, während sie sprach und auch ihre Atmung beschleunigte sich. Sie schnaubte, fuhr sich mit beiden Händen übers Gesicht und strich das Haar glatt zurück. ?Seht mich an. Nicht einmal äußerlich gleiche ich meinen Schwestern.?

Was immer es war, lag es an dem Elfen oder war einfach die Zeit reif dafür ? plötzlich brach all das aus ihr heraus, was sie innerlich auffraß und sie im Orkan ihrer Gefühle von einem Abgrund zum nächsten schleuderte.

?Erst habe ich mich selbst gehasst, weil ich aussehe wie eine Menschenfrau und nicht wie eine Wallonin.? Sie klopfte sich erst auf die ansehnliche Brust und dann gegen die wohlgerundeten Hüften. ?Später habe ich meinen Vater dafür gehasst, weil sein Erbe in mir so stark ist. Und mit ihm alle Männer, die mir je über den Weg gelaufen sind. Doch als ich anfing, selbst einen Mann zu lieben, fing ich im selben Augenblick an, meine Mutter zu hassen. Versteht Ihr jetzt? Mein bisheriges Leben war ein einziger Pfad des Hasses. Ich hangle mich von einem Wegweiser zum nächsten, lerne, wandle mich, versuche zu verstehen, und scheitere bei der nächsten Kreuzung genauso kläglich wie an allen anderen zuvor. Meine Liebe für andere ist Besitz ergreifend und zerstörerisch, egal was ich versucht habe, es endete im Chaos, und mein Hass frisst mich innerlich auf bis ich eines Tages daran ersticken werde. Und doch gibt es keinen Ausweg. Ich bin wohl die Letzte, die ein Volk retten kann, das nicht mehr zu retten ist.?
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Elessar Eledhwen

Re:Mäusejagd
« Antwort #11 am: Mi., 27. Jul 2005, 23:27 »

Während Silvana sich mit ihrem Greifvogel beschäftigte, lauschte sie dennoch aufmerksam Elessars Worten und signalisierte dies immer wieder mit einem Nicken; erst als sie dem Habicht das Jagen zum Stillen seines Hungers erlaubt hatte, wandte sie dem Paladin ihre volle Aufmerksamkeit zu und merkte an, dass sie sich im Gegensatz zu ihm der Meinung war, dass Hass eine Person am Leben halte. Doch der Elf schüttelte den Kopf und entgegnete nachsichtig:

"Wenn Ihr tatsächlich der Meinung seid, dass Hass Euch am Leben hält, so seid Ihr, verzeiht, wenn ich das sage, sehr leichtsinnig! Ihr könnt von Glück sagen, dass Ihr noch in keinem Kampf unterlegen seid; Hass blockiert nicht nur, er mindert die Aufmerksamkeit und somit die Reaktionen in einem Kampf!

Nur, wenn Ihr vollkommen frei von jeglichem Hass in einen Kampf geht, kommen all Eure Kraft und all Euer Mut uneingeschränkt zum Einsatz und Ihr seid dem Feind gegenüber im Vorteil. Zugegeben, es ist nicht leicht, diesem Gefühl zu entsagen, und es bedarf einiger Jahre der Askese, aber es lohnt den Einsatz der Mühen."


Aus einem unerfindlichen Grund schienen diese Ausführungen und die anschließende Gegenfrage nach dem wunden Punkt der Amazone das Eis brechen zu lassen, denn plötzlich gab Silvana unumwunden zu, dass sie, was sie die Informationen zu ihrer Person betraf, nicht ganz ehrlich gewesen war. Sie berichtete dem Paladin Näheres zu den Familienverhältnissen in ihrer Sippe und verdeutlichte den Hass, der sie und ihr Leben erfüllte. Als sie geendet hatte, legte er ihr eine Hand auf den Unterarm und sprach beruhigend auf sie ein:

"Werte Silvana, zu Eurer Sippe und Eurem Erbe kann ich wenig sagen, doch lasst mich zwei Dinge anmerken: erstens, Ihr seid eine stattliche und ansehnliche Frau, die sich weder Ihrer Herkunft, noch ihres Aussehens schämen muss. Stattdessen solltet Ihr auf beides stolz sein!

Und zweitens, die Tatsache, dass Ihr trotz Eures vermeintlichen Scheitern stets Euren Weg beibehalten habt und nicht davon abgewichen seid, zeigt, dass Ihr keineswegs an jeder Kreuzung versagt, sondern vielmehr an den Erfahrungen, die Ihr macht, wachst und gedeiht. Wenn Ihr dies immer im Auge behaltet, so wird es Eurem Hass nie gelingen, Euch aufzufressen, sondern Ihr werdet eines Tages an den Punkt gelangen, wo auch Ihr Euren Hass abstreift wie eine alte Haut."


Elessar lächelte Silvana zu und nickte noch einmal, um seine Worte zu bekräftigen, dann nahm er seine Hand von ihrem Unterarm. Im gleichen Augenblick ertönte der durchdringende Schrei eines Falken aus dem Geäst eines nahestehenden Baumes und dann konnte man einen in den letzten Strahlen der untergehenden Sonne golden aufblitzenden Schatten erkennen, der wie ein flammender Pfeil durch die Luft schoss und sich dem Feld näherte, wo Silvanas Habicht noch immer Mäuse jagte. Der Paladin lachte leise auf und wandte sich erneut an die Amazone:

"Wie ich es mir gedacht hatte; Var'Sha würde mich nie alleine lassen und gegen ein, zwei Mäuse, um seinen Hunger zu stillen, hat er wohl auch nichts einzuwenden."
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Silvana

Re:Mäusejagd
« Antwort #12 am: Di., 06. Sep 2005, 19:07 »

Elessar klang wie die alte Amme, die Silvana in den ersten Lebensjahren aufgezogen hatte. Nachsichtig und sanft war ihre Stimme gewesen, kein Tadel war je über ihre Lippen gekommen, ganz im Gegensatz zu Silvanas Mutter, der Königin, die kein gutes Haar an ihrer Tochter zu finden vermochte.

?Askese? Ihr meint, abgeschieden in einem Wald zu hausen? Ich war jahrelang unterwegs, zog allein durch die Lande, aber geholfen hat es mir nichts. Vielleicht bedarf es eines Lehrers, um den rechten Weg zu finden.?

Die Wallonin zuckte mit den Schultern und hielt kurz die Luft an, als Elessar sie berührte. Alles was er sagte klang so einfach, so logisch, und doch ?

?Wenn es denn so leicht wäre wie Ihr es beschreibt. Denkt Ihr ich wünschte mir nicht jeden Tag, freien Herzens zu sein, meine Vergangenheit hinter mir zu lassen wie abgestorbene Haut? Aber was sich im Unterbewusstsein festgekrallt hat lässt nur schwer seine Klauen locker.?

Der Schrei des Falken lenkte sie ab. ?Was für ein schönes Tier. Eure Gefährten bewegen sich so frei, dass man meinen könnte, es wäre Eure Schwestern. Beneidenswert. Leider habe ich nie gelernt, mit Tieren in dieser Weise umzugehen. Stetige Kontrolle ist es, was mir meine Sippe mitgegeben hat. Ich denke, es hat viel mit Vertrauen zu tun, nicht wahr? Etwas, das mir ebenfalls nie gelehrt wurde.?

Phobos zog eine Weile ruhig seine Kreise, ehe er den Falken bemerkte und einen Schrei ausstieß. Rasch segelte er näher, um den Konkurrenten in Augenschein zu nehmen.
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Elessar Eledhwen

Re:Mäusejagd
« Antwort #13 am: Sa., 15. Okt 2005, 21:47 »

Als Var'Sha auftauchte, wurde Silvana für einen Moment abgelenkt; bewundernd blickte sie dem Flug des Falken nach und beneidete Elessar um sein Verhältnis zu Tieren.

"Fürwahr, Var'Sha ist in der Tat ein außergewöhnlicher Gefährte, wobei ich anmerken muss, dass wir uns unter ebenso außergewöhnlichen Umständen begegnet sind. Was jedoch das Verhältnis zwischen mir und meinen Gefährten betrifft, so spielt zwar auch Vertrauen eine gewisse Rolle, aber in der Hauptsache ist es mehr das Miteinander der Lebewesen, der Einklang von Natur und Elfen.

Seht, die Ausprägung eines jeden Geschöpfs ist wie eine Melodiebogen, ein Teile eines Liedes, das wir Elfen als Nurti'sandra, das Lied der Schöpfung bezeichnen. Dieses Lied ist in der ganzen Welt zu hören und gerade für uns Elfen, insbesondere die Waldelfen, ist Musik ein sehr großer Bestandteil des Lebens. Über diese Melodiebögen lassen sich - mitunter sehr enge und intensive - Bande zwischen Lebewesen knüpfen, die gemeinhin als Freundschaft oder Liebe bezeichnet werden mögen. Dies ist beispielsweise auch ein Grund dafür, dass Elfen meist nicht mehr als einen Gefährten in seinem Leben hat; ihre Liebe begründet sich auf diesem Gleichklang ihrer Lieder und ist gemeinhin eine Bindung für die Ewigkeit.

Doch die tieferen Zusammenhänge sind weitaus komplizierter und für einen Nichtelfen kaum zu verstehen..."


Inzwischen hatte Var'Sha sein Mahl beendet; als der Habicht seinen Schrei ausstieß und sich dem Falken näherte, stieß auch dieser einen durchdringenden Schrei aus. Um dem sich nähernden Tier zu zeigen, dass er ihm keineswegs sein Jagdrevier streitig machen wollte, erhob Var'Sha sich in die Luft und näherte sich dem Paladin. Elessar bemerkte dies und da er nicht wusste, wie Silvanas Stute auf die Anwesenheit eines fremden Greifvogels reagieren würde, lenkte der Paladin Shi'ouya mit einem leichten Druck seiner Schenkel einige Schritte zur Seite. Einen Augenblick später landete der Falke auf Elessars Schulter und äugte neugierig in Richtung der Amazone, während er Elf sein prächtiges Brustgefieder kraulte.
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