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   Autor  Thema: Waldhaus am See (Cailíns und Merdarions Refugium) (Gelesen 5029 mal)
Cailín

Waldhaus am See
« am: Sa., 29. Jul 2017, 17:22 »

von hier kommend

Das Reittier war ein brauner Hengst, wie man ihn hierorts als Last- oder Zugpferd einsetzte. Cailín mochte Pferde, auch wenn sie selbst keines besaß. Wie schon in Drachenauge, als sie auf ein wildfremdes Tier aufsitzen sollte, streckte sie erst die Handfläche vor, um das Ross an ihr schnuppern zu lassen. Die Bardin löste sich von Merdarions Arm, trat auf die Stute zu und strich ihr behutsam von der Stirn bis zu den Nüstern. Leise flüsterte Cailín ein paar beruhigende Worte und streichelte mit der Hand den Hals des Tieres. Lächelnd zog sie sich schließlich zurück und begab sich zurück an Merdarions Seite. Ihr Blick fiel auf den Widerrist, der höher lag als sie groß war.

"Ich schätze, du wirst mich hochheben müssen." Um im Herrensitz hinter Merdarion im Sattel sitzen zu können, würde sie - vor allem beim Aufsitzen - den Rock bis zu den Oberschenkeln hochziehen müssen. "Jetzt keine schamlosen Gedanken, werter Herr. Diese Freizügigkeit ist bloß der Bequemlichkeit des schnellen Reisens geschuldet."

Cailín lachte, zog den Rock bis übers Knie, raffte die Rockschöße so, dass sie mit einer Hand zu fassen waren - die zweite würde sie brauchen um sich am Pferd festhalten zu können -, und ließ sich auf den Rücken des Pferdes hieven. Hinter Merdarion sitzend richtete sie sich so bequem wie möglich ein und schlang die Arme um den Oberkörper vor ihr. Kopf und Brust schmiegten sich an den Rücken des Reiters, als sie sich gegen ihn lehnte. Die Beine baumelten frei links und rechts des breiten Pferdekörpers. Sehr lange wollte sie auf diese Weise nicht reisen.

"Da ich von hier hinten wenig sehe, wirst du den Weg leider allein finden müssen. Der Pfad von der Straße aus führt vom Waldrand weg durch die Wiesen. Ich bin schon sehr gespannt, was wir vorfinden werden. Sollten wir Pech haben, ist das Blockhaus längst verfallen. Sollten wir Glück haben und das Häuschen erweist sich als praktikabler Unterschlupf, möchte ich es gern behalten. Für den Fall, dass es dich gelüstet mir öfters irgendwelche Geheimnisse zu verraten."

Auch wenn Merdarion die Bardin in seinem Rücken nicht sehen konnte, war ihre gute Laune deutlich zu hören. Cailín schloss die Augen und genoss die Nähe des Minenbesitzers.

« Letzte Änderung: Sa., 29. Jul 2017, 20:49 von Silvana »   Gespeichert  
Merdarion Ni Hawk

Re:Waldhaus am See
« Antwort #1 am: Sa., 29. Jul 2017, 19:50 »

Normalerweise ließ Merdarion sein Pferd auf dem Gelände der Mine frei umherlaufen. Die beiden hatten sich im Laufe der Jahre aneinander gewöhnt und trotz der merkwürdigen Anfälle seines Besitzers war es ihm treu geblieben. Beim verlassen der Hütte gab Merdarion einen kurzen lauten Pfiff von sich und kurz darauf kam das Pferd hinter den Bergehaufen angetrabt, scheinbar war es beim Löschteich gewesen.

Während Cailin sich daran machte sich mit dem Tier vertraut zu machen, sattelte Merdarion auf. Mit einem zufriedenen Grinsen nahm er das Raffen der Röcke zur Kentniss und half der Bardin auf das Pferd. Für schamlose Gedanken war es soweiso zu spät, die hegte er bereits seit Tagen. Nachdem er auch im Sattel saß schmiegte sich Cailin an ihn, diese Nähe allein entschädigte für das tagelange Warten.

"Ich versuche mein Bestes. Und damit dir nicht langweilig wird, frag mich was immer du willst. Einzig zu der Münze oder dem was ich dir Zeigen will werde ich noch nichts verraten."

Bald schon kam der Waldrand in Sichtweite.
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Cailín

Re:Waldhaus am See
« Antwort #2 am: Sa., 29. Jul 2017, 21:11 »

"Spielverderber", maulte Cailín gespielt beleidigt und fing an, eine Melodie zu summen. Der wiegende Rhythmus des Pferdes, die Wärme von Merdarions Körper, machten sie träge. Sie hatten den Waldrand erreicht und bogen von der Straße auf einen Pfad ein, der zwischen satt blühenden Wiesen hindurch führte. Sie musste an das Plateau auf den Gräberhöhen denken.

"Do ut des", wisperte sie halblaut. Im Gegensatz zu Darius, der alles von ihr wissen wollte, stellte Merdarion kaum Fragen. Ein Drache, der die Zweibeiner studierte. Cailín grinste und sang das Lied, das Hibernus ihr zu Ehren auf der Feier in der Roten Laterne vorgetragen hatte.

"Eines Morgens ging ich so für mich hin,
im warmen Sonnenschein
den Wiesenpfad, den Hang hinab,
[...]
Und mit schmeichelndem Blick versuch ich mein Glück
um das Herz dieser pechschwarzen Maid.
Führ sie aus zum Tanz unterm Sternenglanz
bis tief in die Nacht hinein.
Und zu diesem Lied sie sich an mich schmiegt
jene Maid mit dem pechschwarzen Haar.

Oh vom Drachenberg bis zum Krähenpass und vom Malye bis zum S'inh'awa
keine Maid wurd gesehen wie die schöne Cailin, wie die mit dem pechschwarzen Haar."



"Woher stammst du?", fragte sie unvermittelt. "Bist du hier geboren, in Nuru oder Nighton? Wolltest du schon in deiner Jugend Soldat werden?
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Merdarion Ni Hawk

Re:Waldhaus am See
« Antwort #3 am: Sa., 29. Jul 2017, 22:28 »

Das Spielverderber ließ das Grinsen in Merdarions Gesicht nur breiter werden, natürlich war dies für die Bardin hinter ihm nicht sichtbar. Als sie das Lied sang überraschte sie den Minenbesitzer mehr als mit der Offenbarung eine Druidin zu sein.

"Du Cailin scheinst aber auch voller Geheimnisse zu stecken. Bist du schon einmal dem Fahrenden Volk begegenet? Und wenn ja welchem der Sänger dort hast du es so angetan das er eines ihrer Lieder extra für dich umgedichtet hat?"

Wenn sie wirklich schon so lange auf dieser Welt wandelte war die Wahrscheinlichkeit gar nicht so gering.

"Ich kann dir gar nicht genau sagen wo ich geboren wurde. Meine Kindheit verbrachte ich beim fahrenden Volk. Wir zogen von Stadt zu Stadt in Aramon und Dragonia. Wir waren zwei Großfamilien mit jeweils einem Karren."

Der Waldrand war den Wiesen gewichen, Merdarion hoffte das er grob die Richtung eingehalten hatte.
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Cailín

Re:Waldhaus am See
« Antwort #4 am: Sa., 29. Jul 2017, 23:04 »

Ach so ist das, Hibernus, du Schelm, dachte Cailín amüsiert.

"Dem Fahrenden Volk bin ich mehr als ein Mal begegnet", gestand sie und dachte an die Zeit zurück, die lange zurück lag. "Als ich noch in den Kinderschuhen steckte wollte ich unbedingt Schaustellerin werden. Ich träumte von den fabelhaften Künsten wie Seiltanzen, Jonglieren, Messerwerfen, doch leider bin ich ungeschickt in diesen Dingen. Das Messer im Oberschenkel meines furchtlosen Jugendfreundes lehrte mich, dass ich mich besser als Taschenspielerin versuche. Wahrsagen hätte mich auch gereizt, doch ich wurde letztlich keines davon. Auf meiner erste Reise traf ich eine Gruppe von Gauklern. Es war die Musik, die mir das Fahrende Volk näher brachte. Dieses Lied jedoch...", schmunzelte die Bardin, "...wurde mir erst kürzlich zuteil. Du hattest du Laterne gerade erst verlassen, an jenem Tag, an dem wir meinen Einstieg feierten."

Ob die Richtung stimmte, konnte Cailín nicht genau sagen, aber es fühlte sich richtig an. Sie warf einen Blick auf den Sonnenstand und auf die Landschaft, die an ihr vorüber zog. Sie erreichten erneut den Waldrand und drangen in das Dämmerlicht des Waldes ein. Cailín lauschte auf das Zwitschern der Vögel.

"Warum bist du Soldat geworden? Mir waren die Abende am Lagerfeuer der Gaukler stets sehr angenehm."
« Letzte Änderung: Sa., 29. Jul 2017, 23:04 von Silvana »   Gespeichert  
Merdarion Ni Hawk

Re:Waldhaus am See
« Antwort #5 am: Sa., 29. Jul 2017, 23:46 »

Jetzt wurde der ehemalige Soldat hellhörig. In der roten Laterne? Wirklich niemand der Anwesenden hatte auch nur im Entferntesten nach einem Barden des fahrenden Volkes ausgesehen. Wäre eine Frage verräterisch? Ein kleiner Stich der Eifersucht hatte sich bemerkbar gemacht und seine Neugier war geweckt. Nachfragen kam nicht in Frage, zumindest nicht bei ihr.

"Wirklich? Ich hätte zu gern dein Gesicht gesehen. Ich lief weg als ich etwa zwölf Sommer alt war, wollte nicht mehr Reisen, wollte ein geregeltes Leben. Es klingt verrückt aber meine Kindheit war die pure Freiheit, das bedeutete aber auch kein Festes Dach, kein geregeltes Einkommen und die Unsicherheit wo man unterkommen konnte. Die Städte waren im Gegensatz dazu eine Art Verlockung von Reichtum und Wohlstand. Also lief ich weg und wollte Händler werden."

Kurz lachte Merdarion auf, seine eigene Unentschlossenheit und Torheit in jungen Jahren war nach so langer Zeit auch erheiternd.

"Wie nicht anders zu erwarten hielt ich es aber auch dort nicht lange aus, eingesperrt in ein Haus und am Schreibtisch. Die Abenteuer als Soldat lockten und ich habs durchgezogen, trotz Drill und Ausbildung."
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Cailín

Re:Waldhaus am See
« Antwort #6 am: So., 30. Jul 2017, 00:12 »

Wieder meinte sie in einen Spiegel zu schauen. "Ja, auch die Freiheit kann zu einem Gefängnis werden. Je öfters man wegläuft, umso erschöpfter kommt man im nächsten Lebensabschnitt an."

Vor ihnen tat sich eine Lichtung auf. Cailín lehnte sich zur Seite und versuchte an Merdarion vorbei nach vorn zu blicken.

"Sind wir da?"

Hinter einem verwilderten Garten wurde auf einer Waldlichtung eine Holzhütte sichtbar. Sie war nicht allzu groß, und es ließ sich bereits von außen erahnen, dass sie lediglich aus zwei Zimmern bestand. Sie wirkte genau so unbewohnt wie sie angeblich war. Moos hatte sich auf den Schindeln angesiedelt. Das einzig Auffällige waren die schweren Fensterläden, die außen angebracht waren, und so gut wie kein Licht durchlassen würden.

Cailín wartete, bis Merdarion aus dem Sattel gestiegen war, und streckte ihm dann beide Hände entgegen, um sich vom Pferderücken ziehen zu lassen. Sie stützte sich auf seine Schultern und ließ sich in seine Arme sinken, bis sie wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Ihre Augen wanderten über das dichte Unterholz, das die Lichtung säumte.

"Es ist tatsächlich niemand hier." Cailín sah zu Merdarion auf. Es war soweit. Ihre Neugierde würde gestillt werden, und mit Glück auch ihr Verlangen. Wenn sie sich nicht irrte.

"Hier bin ich nun, bereit dir zu vertrauen."
« Letzte Änderung: So., 30. Jul 2017, 00:13 von Silvana »   Gespeichert  
Merdarion Ni Hawk

Re:Waldhaus am See
« Antwort #7 am: So., 30. Jul 2017, 01:32 »

Die Zeit war erstaunlich schnell verflogen und so war Merdarion überrascht als vor ihnen eine Holzhütte sichtbar wurde. Ob es sich um die beschriebene handelte war nicht ganz sicher. Solange sie verlassen war spielte dies auch keine besondere Rolle.

"Es scheint so."

Liebevoll half er Cailin vom Pferd und setze sie behutsam auf dem Boden ab. Bereits beim Eintreffen hatte er sich einen kurzen Überblick verschafft.

"Sieht so aus, ich gehe trotzdem einmal kurz ums Haus."

Gesagt, getan. Beim Umrunden fielen weitere mächtige Fensterläden auf. Kurz rüttelte Merdarion an einem, sie mussten innen mit einem Riegel verschlossen worden sein. Wieder an der Vorderseite angekommen sah er kurz fragend zu Cailin herüber.

"Hinten war auch keine Spur von Bewohnern zu sehen, vielleicht lässt sich die Tür ja öffnen, bei den Fenstern hatte ich kein Glück."

Es grenzte an ein Wunder, aber die Türe war nicht veriegelt, lediglich klemnmte sie im Rahmen. Ein beherzter Ruck ließ sie unter schabenden Geräuschen aufschwingen. Im Inneren herrschte Dunkelheit, nach einem Schritt hinein blieb der ehemalige Soldat daher stehen und wartete bis sich seine Augen an die anderen Lichtverhältnisse gewöhnen konnten.
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Cailín

Re:Waldhaus am See
« Antwort #8 am: So., 30. Jul 2017, 10:02 »

Während Merdarion die Umgebung inspizierte, konzentrierte sich Cailín auf die Aura des Platzes. Die Augen geschlossen, den Kopf leicht in den Nacken gelegt, breitete sie die Arme aus. Eine Weile verharrte sie in dieser Haltung auf der Stelle, spürte den magischen Linien nach, die tief in der Erde flossen. Es war ein energiereicher Ort, wie geschaffen für eine Druidin. Cailín drehte sich ein Mal um sich selbst, hielt in jeder Himmelsrichtung inne und lauschte auf den Atem der Windes. Die Geister der Natur flüsterten ihr zu und versicherten ihr, dass ihr an diesem Ort kein Leid geschehe.

Merdarions Stimme holte sie zurück in die Wirklichkeit. Cailín ließ die Arme sinken, öffnete die Augen und sah ihm mit flackerndem Blick zu, wie er die Tür aufstieß. Hinter dem ehemaligen Soldaten trat sie über die Schwelle, strich ihm dabei mit einer Hand über den Rücken und lehnte sich gegen seine Schulter. Kein Lichtstrahl verirrte sich durch die Fenster in den Raum. Es roch muffig, aber zumindest trocken. Cailín schob sich langsam die Wand entlang zum ersten Fenster, tastete nach dem Riegel und schob die Läden auf. Die Strahlen der Sonne erhellten einen Teil der Dunkelheit. Erleichtert, keine stinkende Leiche vorgefunden zu haben, machte sich die Bardin daran, alle Fenster zu öffnen, um frische Luft einzulassen.
Das Innere der Hütte bestand tatsächlich aus zwei Räumen. In dem ersten größeren Zimmer gab es eine Feuerstelle, vor der ein großes Fell lag, einen großen Tisch mit sechs Stühlen und diverse Schränke, Regale und Halterungen, an denen man Töpfe, Pfannen, Geschirr und sonstige Utensilien finden konnte. Im kleineren Nebenraum befand sich lediglich ein Bett, ein Schrank, ein kleines Tischchen mit einer Waschschüssel darauf und ein Stuhl, auf dem man seine Kleider ablegen konnte. Alles war staubig und von Spinnweben verhangen. Eingetrocknete schwarze Kügelchen ließen darauf schließen, dass auch Ratten hier eingedrungen waren, solange es noch Lebensmittel hier gegeben hatte.

"Hübsch hier." Es gefiel ihr tatsächlich. Auch wenn die Aura des Raumes schwer und von den Vorgängern belastet war. Cailín würde bei Gelegenheit eine Räucherung mit diversen Kräutern vornehmen, um die Hütte von den fremden Energien zu säubern.

Erwartungsvoll blickte die Bardin zu Merdarion hin. Ihr Herz schlug schneller. Das Verlangen ihn ganz nah bei sich zu spüren wurde übermächtig.

"Willst du erst sauber machen oder...?" Die Frage blieb offen im Raum hängen.
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Merdarion Ni Hawk

Re:Waldhaus am See
« Antwort #9 am: So., 30. Jul 2017, 10:45 »

Cailin brachte wieder Helligkeit in die Hütte. Diese war abgesehen von Staub und etwas Dreck erstaunlich gut erhalten. Ein kurzer Rundgang machte ihn mit der Einrichtung vertraut, die bardin hatte recht mit etwas Aufräumen und Säubern wurde dies wieder ein sehr wohnlicher Ort.

"Ich glaube ich habe dich lang genug warten lassen komm mit vor die Türe in den Schatten."

Er nahm die Bardin bei der Hand und führte sie wieder vors Haus. Dort ließ er sich auf das weiche Moos nieder und bedeutete ihr sich neben ihn zu setzten. In Gedanken versuchte er das Geschehene zu ordnen, damit er bei der Erzählung nicht durcheinander kam.

"Vor etwa zwölf Jahren nahm ich zusammen mit einigen anderen an einer Rettungsaktion für einen Lichtelfen teil. Die genauen Umstände sind verblaßt und wirst gleich auch verstehen warum. Es kam zu einem Hinterhalt, einige Wesen griffen uns an. Manche mit Waffen andere mit Klauen und Zähnen. Überall war schwefliger Nebel. Kein guter Platz für einen unerfahrenen Soldaten. Schnell wurde ich überwältigt und eins dieser Biester biss mich."

Seine Hand kratzte über die Stelle wo unter dem Gewand die Narben zum Hals verlief.

"An den Rest des Kampfes erinnere ich mich nur undeutlich, nur an eine Wut und Mordlust in mir die ich zuvor nie erlebt hatte. Etwas veränderte sich in mir, es dauerte aber bis ich es verstand und dann war es schon zu spät. Wie du wahrscheinlich vermutet hast wurde ich von einem Vampir, sehr wahrscheinlich einem Elfenvampir erwischt. Es setzte eine Verwandlung ein, meine Haut wurde bleicher, die Zähne etwas länger, mein Appetit auf normales Essen schwand und ....."

Kurz stockte er in der Erzählung um sich zu sammeln. Gedankenverloren blickte er auf das Moss vor sich. Sein sonst so offener Gesichtsausdruck war ernster und nachdenklicher geworden. Diese Erinnerungen gehörten zu den unangenehmsten die er besaß.

"Die folgende Zeit war eine einzige Qual, ich verlor mehr und mehr die Kontrolle über mich selbst, hatte nächtliche Aussetzter ohne zu wissen wo ich gewesen war. Ich wurde eine Gefahr für mich und die um mich herum. Irgendwann hatte ich den Punkt erreicht an dem ich beschloss zu gehen. Es war zu unschönen Zwischenfällen gekommen, das durfte sich nicht wiederholen. Ziellos wanderte ich durch Dragonia, Aramon in Richtung Taros. Das Tier in mir nahm weiter überhand, doch draußen in der Wildniss wurden nur einige Tiere Opfer meines Leidens. In einem verzweifelten Moment schnappte ich mir die Klinge des Schwertes und versuchte das Fleisch herauszuschneiden in das der Vampir gebissen hatte."

Während Merdarion erzählte rieb er sich wieder unbewusst an der Stelle am Hals.
« Letzte Änderung: So., 30. Jul 2017, 13:00 von Merdarion Ni Hawk »   Gespeichert  
Cailín

Re:Waldhaus am See
« Antwort #10 am: So., 30. Jul 2017, 14:21 »

Der Ernst, mit dem Merdarion sie bei der Hand nahm und in den Schatten der Hütte führte, machte Cailín die Bedeutsamkeit dessen bewusst, das nun folgen sollte. Die Fröhlichkeit in ihrer Miene wich mulmiger Anspannung. Mit wild klopfendem Herzen ließ sie sich neben ihm nieder und wählte eine Sitzhaltung, die es ihr ermöglichte aufzuspringen ohne sich im Stoff des Rockes zu verheddern. Argwöhnisch beobachtete die Druidin Merdarion von der Seite. Ob er ihre Hand immer noch festhielt oder während seiner Erzählung losließ, entzog sich ihrer Aufmerksamkeit. Sie ließ ihm jede Freiheit und vermied es ihm näher zu kommen als ihm selbst angenehm war.

Andächtig hörte sie ihm zu. Lauschte dem Tonfall, versuchte Merdarions Empfinden nachzuvollziehen und in sich aufzunehmen. Erzählungen waren mehr als bloße Worte. Eine Geschichte war wie ein lebendes Wesen: Sie ließ in Cailín Gefühle und Bilder entstehen, Zuneigung oder Widerwillen. Die Aufzählung reiner Fakten wurde schnell zur emotionsgeladenen Handlung, zur Chronik qualvollen Leidens, das mehr war als bloßer körperlicher Schmerz. Cailín meinte zu spüren, was in Merdarion vorging. Das Misstrauen, das sie gehegt hatte, verlosch und machte ehrlicher Zuneigung Platz. Der Drang, ihn zu trösten und ihm Halt zu geben, erwuchs in der Bardin, so mächtig, dass etwas in ihr zerbrach. Die Schale, die ihr Herz vor Verbundenheit und Hingebung schützte, bekam einen Riss. Es war etwas anderes, die Geliebte eines Mannes zu sein, oberflächlich und verspielt, oder zudem auch eine Freundin.

Ihre tiefblauen Augen suchten seinen Blick, doch Merdarion war in seine Erzählung vertieft. Er war dem Tod begegnet und hatte ihn in sich aufgenommen. Sie meinte seine Qual in sich selbst zu fühlen. Der tiefe Atemzug, den Cailín tat, bewahrte sie davor ihm die Hand tröstend auf die Wange zu legen. Heftig stieß sie die Luft aus als sie den Ursprung seiner Narbe erfuhr. Welche Verzweiflung musste in einem Menschen wühlen, dass er bereit war sich selbst zu verstümmeln? Mit einem Mal war es ihr egal, wie gefährlich er ihr werden konnte, sie würde sich zu schützen wissen ohne ihn dabei zu verletzen. Denn eines fehlte noch in dieser Geschichte: Er hatte angedeutet, ihr etwas zeigen zu wollen.

Ohne ihn zu unterbrechen schenkte die Bardin Merdarion ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Ihre Miene drückte jene Offenheit aus, die sich ein Erzähler von seinem Zuhörer wünschte: Sie nahm alles in sich auf und war ihm wohlgesonnen. Die blitzblauen Augen ruhten unverwandt auf seinem Gesicht. Noch etwas tat Cailín bewusst: Sie vermied jede Berührung von ihrer Seite. Es lag an ihm den ersten Schritt zu tun.
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Merdarion Ni Hawk

Re:Waldhaus am See
« Antwort #11 am: So., 30. Jul 2017, 15:50 »

Kurz blickte Merdarion zu Cailin herüber, sie schien ihn nicht unterbrechen zu wollen. Dankbar nickte er ihr zu, legte seine Hand auf ihre und fuhr langsam fort.

"Wie zu erwarten brachte mich der Versuch fast um blieb ansonsten aber ohne weiteren Erfolg. Dank der Hilfe einer Shamanin überlebte ich die Verletzung. Eine Zeit lang verfluchte ich sie dass sie mich gerettet hatte. Meine Wanderung führte mich wieder nach Dragonia mehr Tier als Mensch traf ich dort einige Ordensbrüder und ich kam etwas zur Ruhe. Statt mich zu offenbaren und um Hilfe zu bitten ließ ich mich nur aufpeppeln und verschwand kurz darauf wieder. Ich kam einfach nicht damit klar anders zu sein. Noch immer schritt die Verwandlung voran. Das helle Tageslicht wurde eine Qual."

Seine Hand strich langsam über ihre Haut und er lächelte sie an. Man sah ihm an dass es nicht einfach so einfach war über das Geschehene zu sprechen. Es fehlte jetzt nur noch der letzte Teil daher fuhr er fort.

"Dis Aussetzer wurden größer dauerten wahrscheinlich Tage, genau kann ich es dir nicht sagen, ich weiß es einfach nicht." Ein kurzer Seufzer entfuhr ihm. "Ich hatte den Punkt erreicht an dem ich nicht bereit war weiter zuzusehen wie das Tier in mir Überhand gewann. Ich band mich Abends fest um nicht wegzukommen, Meditierte um meine innere Ruhe zu finden und experiementierte. Es dauerte Jahre aber Schritt für Schritt erkämpfte ich die Kontrolle wieder zurück. Versteh mich nicht falsch, ich habe keineswegs gesiegt oder den Fluch gebrochen. Nur gelernt damit zu leben und das Tier nicht ausbrechen zu lassen."

Wieder sah er Cailin lange an, er hoffte sie nicht verschreckt zu haben. Vorsichtig legte er seine Hand auf ihre Wange.

"Ich will nur das du weißt worauf du dich einlässt, solange ich gewissen Vorkehrungen einhalte wird dir nichts passieren. Und damit du wirklich weißt worum es geht möchte ich dir zeigen was da in mir schlummert. Wenn du magst nimm das Schwert, du wirst es nicht brauchen, aber falls es dir hilft."
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Cailín

Re:Waldhaus am See
« Antwort #12 am: So., 30. Jul 2017, 16:22 »

Sie drückte sanft seine Hand, als sich diese auf die ihrige legte. Sie lächelte, als er lächelte. Schmiegte ihre Wange in seine Hand, als diese sie berührte. Fragend suchte sie in seinen Augen, was sie nun erwartete. Fragen brannten auf ihrer Zunge. Doch sie zügelte sich, schob die Sehnsucht beiseite ihn an sich zu ziehen und fest zu umschlingen.

Cailín griff nach seiner Hand, die auf ihrer Wange lag, streichelte darüber, um sie dann an ihre Lippen zu führen und zärtlich die Handfläche zu küssen. In ihrem Lächeln lag Verständnis und eine Spur Besorgnis, welche sie nicht gänzlich zu unterdrücken vermochte. So wie er sie nicht verletzen wollte, wollte auch sie dies umgekehrt verhindern.

"Was soll ich mit einem Schwert, das ich nicht zu schwingen weiß, Falke? Ich bin hier, weil du mein Vertrauen erhofftest, und das werde ich dir uneingeschränkt schenken. Es gibt vieles, das ich noch zu erfahren wünsche, um mit deinem Tier umgehen zu lernen. Welche Vorkehrungen ich zu treffen habe."

Der Blick in seine Augen versicherten ihr, dass sie es wagen durfte sich ihm zu nähern. Cailín beugte sich vor und küsste Merdarion zärtlich wie nie zuvor. Ihr Blick verlor sich in seinem.

"Ich bin bereit."
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Merdarion Ni Hawk

Re:Waldhaus am See
« Antwort #13 am: So., 30. Jul 2017, 17:12 »

"Danke das du mir so viel Vertrauen entgegenbringst Cailin. Dann bleib einfach sitzen und sieh zu."
Merdarion beugte sich nach vorne und gab Ihr einen kurzen Kuss. "Hab keine Angst."

Anschließend richtete er sich auf und trat einen Schritt zurück. Zunächst fielen Schwert und Gürtel zu boden als er sie löste, kurz danach folgte das Obergewand und das Leibhemd. "Es wird für mich etwas anstrengend." erklärte er nur kurz sein Verhalten. Danach setzte er sich wieder hin, die Beine überkreuzt, den Oberkörper aufrecht. Ein kurzes Lächeln schenkte er der schönen Bardin ehe er die Augen Schloss.

Schwärze, überall um ihn herum, langsam formte sich in seinem Geist die bekannte blaue Kugel. Wie bereits im Orden des Seins war das ursprünglich helle leuchtende Blau schmierig und von dunklen Schlieren durchzogen. Mühsam und mit aller Kraft die Merdarion aufbringen konnte trennte er die beiden Phasen in der Kugel. Äusserlich war lediglich zu sehen wie sich der Brustkorb gleichmäßig hob und senkte. Kleine Schweißperlen traten auf der Stirn auf, die Hände lagen ruhig auf seinen Schenkeln.

Die Zeit abzuschätzen wie lange er in der Meditation verbrachte fiel ihm schwer, aber nach einer gefühlten Ewigkeit war es geschafft. Das dunkle schmierige Etwas bildete eine kleinere Kugel innerhalb der blauen die wieder ihre helle Farbe erreicht hatte. Innerlich lächelte Merdarion über die Leistung die ihm so viele Jahre abverlangt hatte. Der entscheidende Moment war gekommen, die helle Kugel wurde immer kleiner, dünner bis sie nur noch ein Hauch auf dem schwarzen Inneren bildete. Die Atmung Merdarions wurde schneller, langsam verschwand die sowieso schon helle Hautfarbe und machte einer leichenartigen Blässe Platz. Die Hände hatten sich zu Fäusten geballt und Schweiß war nun auf dem gesamten Oberkörper zu sehen. Ganz langsam und unter Zittern hob sich
der Kopf des Halbvampires und die Augen öffneten sich, statt der braunen Augen starrten zwei Rote die Bardin an, so als würde ein Raubtier seine Beute fixieren. In dem sich öffnenden Mund wurden die beiden Reißzähne sichtbar, die nun sogar noch größer wirkten. Der Rest des Körper bewegte sich nicht, ein schwaches Zittern schien ihn erbeben zu lassen.


So schnell wie das Schauspiel begonnen hatte endete es. Mit einem Knurren riss Merdarion die Kopf zur Seite und schloss die Augen. Als sie sich wieder öffneten waren es besorgte braune Augen die auf die Bardin sahen. Vor Anstrengung und Erschöpfung hob und senkte sich der Brustkorb des Minenbesitzers schnell.

"Geht es dir gut?" Fragte er noch völlig ausser Atem.
« Letzte Änderung: So., 30. Jul 2017, 17:17 von Merdarion Ni Hawk »   Gespeichert  
Cailín

Re:Waldhaus am See
« Antwort #14 am: So., 30. Jul 2017, 17:44 »

Mut außerhalb der Gefahr und echter Mut waren zweierlei. Es war schwierig sich vorzustellen wie man reagierte, wenn man eine Situation das erste Mal erlebte. Cailín hatte in ihrem Leben viele schwierige Situationen gemeistert, aber keine war wie diese. Ihr Herzschlag beschleunigte sich rasant, als Merdarion sich seiner Kleidung entledigte und in eine Art Trance versank wie sie es von ihren Meditationen kannte.

Cailíns Finger krampften sich vor Aufregung in den Stoff ihrer Rockschöße. Sie rief sich in Erinnerung, was sie zu tun gedachte, wenn die Situation außer Kontrolle geriet. Anspannt harrte sie der Dinge, bereit sich jederzeit außerhalb des Gefahrenbereichs zu begeben.

Schon bevor Merdarion die Augen öffnete, spürte sie die Finsternis, die einer unsichtbaren Wolke gleich seine Aura durchdrang. Die Bedrohung, die nach ihr griff, verstärkte sich mit jedem Atemzug. Cailín wurde unruhig. Ihr Atem ging schneller, synchron mit seinem. Während der Mann leichenblass wurde, schwand auch die Farbe aus ihrem Gesicht. Die Anspannung wurde greifbar. Um ein Haar hätte sie aufgeschrien, als er die Augen aufschlug und ein Raubtier sie fixierte, bereit ihr die Reißzähne in den Nacken zu schlagen. Cailín erstarrte wie das sprichwörtliche Kaninchen. Von ihrem Mut blieb noch eines: Purer Instinkt. In ihrem Inneren schrie alles nach Flucht. Doch sie konnte sich nicht bewegen. Sie starrte der Bestie geradewegs in die Augen, als könne sie das Tier damit bannen. Cailíns Puls raste und jagte ihr Angststöße durch die Adern.

Sein Knurren brachte sie dazu aufzuspringen. Ihr Brustkorb hob und senkte sich ebenso schnell wie seiner. Aus weit aufgerissenen Augen starrte sie Merdarion an, selbst noch, als diese besorgt zu ihr aufblickte. Cailíns Atem ging stoßweise und sie brachte keinen Ton hervor.

Ich muss mich beruhigen. Sie schloss die Augen und versuchte ihre Atmung unter Kontrolle zu bringen. Langsam. Ruhig. Es ist alles in Ordnung.

Als sie die Augen wieder öffnete, huschte ihr Blick nervös über Merdarions Körper, als wolle sie sichergehen, dass er derselbe war wie noch vor einer Stunde.

"Ich... das... bei den Göttern..." Cailín sank in die Knie. "DAS ist in dir? Und es hat dich nie gänzlich verwandelt? Du scheinst nicht wie einer dieser Vampire zu sein, wie ich sie aus den Büchern kenne. Sie sind kalt und gefühllos, heißt es."

Oh bitte, flehten ihre Augen, nimm mich in die Arme, damit ich weiß, dass du anders bist.
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