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   Autor  Thema: Die Privatgemächer der Löwenfeste (Hier haben nur geladene Gäste Zugang) (Gelesen 1642 mal)
chriszweih

Re:Die Privatgemächer der Löwenfeste
« Antwort #30 am: Fr., 28. Nov 2003, 13:00 »

>>Ich kann euch wirklich nichts vormachen Liebste.<<

Krizz lächelt Sigrun wieder in seiner typischen Art und Weise an.

>>König Dunedian wollte mich tatsächlich nicht gehen lassen. Er besitzt die große Gabe des Verzeihens und sah sogar die positiven Ereignisse in meiner Gedankenlosigkeit überwiegen. Mein König behauptete, daß allein durch meine Verfolgung der Fimire bis in ihre Landen hinein, bis zum toten Canyon Krush' Kadarr, sie ihrer ganzen Struktur beraubt wurden und ihr Kampfeswille gebrochen wurde. Daß es nur dank mir zu einem Frieden kam; denn allein mit der Verteidigung könne man keinen Krieg gewinnen.

Er ist ein weiser Mann und der wohl größte Stratege des Erdenrunds, doch brachte dieser Sieg mir meine Familie nicht zurück.

Ich habe in den letzten Jahren viel gelernt und sehe heute einiges anders. Wenn ich nocheinmal vor der Wahl stehen würde, mich meinen Ängsten zu stellen oder andere zu suchen, ich würde nicht aus Wesrin fortgehen. Ich war... ich bin der jüngste General Minervas, den es seit der Gründung des Reiches vor etwa 3000 Jahren gab. Wohl zu jung.<<


Krizz legt sich zurück und betrachtet die glitzernden Edelsteine an der Felsdecke.

>>Ich habe zum ersten mal in meinem Leben festgestellt, daß ich fehlbar bin, wie es jeder Mensch in seinem Leben festzustellen hat. Doch als ich dies begriff kostete es tausenden Menschen das Leben. Ich ritt immer auf einer Erfolgswelle, nie flaute der Rückenwind ab. Ich bin eine der bekanntesten Persönlichkeiten Wesrins und war dann doch so allein.

Niemand machte mir einen Vorwurf, außer ich mir selbst. Jeder verstand meine Lage, außer ich selbst. Ich mußte einfach weg. Ich brauchte Abstand. Nun hinterließ mir mein Vater dieses eine Schriftstück, welches ich zum Anlaß nahm, auf seinen Spuren zu wandeln um mich zu finden, um ihm ähnlicher zu werden. Ich glaubte immer dadurch Heilung zu finden, doch nunmehr treibt mich die schiere Neugier in den Norden, denn mein Heil habe ich bereits gefunden.<<


Krizz schaut Sigrun aus leuchtenden Augen an und zieht sie wieder leicht zu sich heran, um mit ihr in einem innigen Kuß zu versinken. Es ist schön so mit ihr reden zu können, schön in ihrer Nähe zu sein. Er hat nicht vor sich bei ihr auszuweinen, denn irgendwie kommt er sich schon etwas sehr lächerlich vor. Noch nie klagte er anderen sein Leid, doch verspürt er das Bedürfnis, sie über alles im Klaren zu halten, sie nicht zu belügen.

Als sich ihre Lippen wieder voneinander lösen streicht er ihr durchs Haar und fährt mit seinen Fingern sanft ihre immer weicher erscheinenden Gesichtszüge ab.

>>Ich würde euch gerne meine Heimat zeigen, die Weiten von Genever und was euch sicher besonders interessieren würde, die Pferdezucht der Botenreiter. Noch weiß ich nicht, wie lange ich hier in diesem Lande verweilen werde, doch sicher ist, daß ich zurückkehren muß. Nicht zuletzt, weil ich es meinem König gelobte.<<
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sigrun

Re:Die Privatgemächer der Löwenfeste
« Antwort #31 am: Do., 04. Dez 2003, 20:29 »

Sigrun bemerkte, wie schwer es Krizz fiel, über diese Umstände und seine Beweggründe zu sprechen, fast bereute sie es, gefragt zu haben und dennoch fühlte sie, wie gut es ihm tat, sein Herz auszuschütten, auch wenn er das selbst vielleicht verdrängte. In seinen Streicheleinheiten völlig versunken, war sie nicht in der Lage, zu antworten. Nun, es gab auch andere Wege als die des Wortes. Sie drückte ihn ein wenig zurück und versank wieder in einem langen Kuß. Nach einer halben Ewigkeit lagen sie wieder nebeneinander auf dem Rücken und schauten auf die Edelsteine am Himmel des Gewölbes. Sigrun hielt seine Hand fest und flüsterte:

"Seht Ihr alle diese Diamanten, so herrlich sie sind, würde ich sie nicht gegen den Anblick Eurer Augen eintauschen wollen, könnte sie jemand herunterholen.
Die geistige Reife eines Menschen läßt sich glücklicherweise - oder vielleicht ist dieses Factum auch bedauerlich - kaum an Lebensjahren messen, Liebster. Mir ist die Rückkehr zu meiner leiblichen Familie auf Lebenszeit verwehrt, es sei denn, ich wollte Unglück über sie bringen. Über Eure Familie ist das größte Unheil bereits hereingebrochen und Eure Rückkehr ändert daran nichts, sondern wendet allenfalls das Schicksal Eurer Heimat zum Guten. -

Ihr habt Eurer Liebstes hergegeben, um die Firmire von Gormokk besiegen zu können, mehr darf kein Mensch von einem anderen verlangen, dies ist das höchste Opfer. Ich verstehe sehr gut, daß Ihr gehen mußtet, sicher hätte ich an Eurer Stelle dasselbe getan. Sich dieser Verantwortung, Schuld kann man es schlecht nennen, sofort stellen zu können, wäre - entweder kaltblütig oder übermenschlich.

Ja, Stärke und Macht scheinen unsere menschlichen Gelüste zu befriedigen, in Wirklichkeit machen sie uns einsam und verbittert. Wo waren die weisen Lehrmeister und Strategen, als ich auf eine mutmaßliche Verräterin hörte? Als ich auf dem Wagen des Heilers erwachte, wollte ich nie in meine Heimat zurückkehren. Inzwischen zog meine Sehnsucht mich einmal dorthin und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, wenn die Götter uns wohlgesonnen sind. Wir werden das Vermächtnis Eures geliebten Vaters einlösen, wenn die edelsten Recken Dragonia's gen Norden ziehen - Liebster. Und auch mein Fernweh nach dem westlichen Kontinent ist erwacht, nicht nur wegen der Pferde..."


Dann kam ihr ein Gedanke, sie ging zum Ufer und hielt die Hand in das Wasser.

"Ahh!" machte sie überrascht, denn das Wasser war fast handwarm. Es mußte von einer tiefen Quelle gespeist sein. Mit schräggelegtem Kopf verschmitzt lächelnd, sah sie Krizz an und sagte:

"Dieser See ist ein wenig größer als Euer Bad, meint Ihr, wir könnten ihn durchschwimmen?"

Sigrun wußte nicht, was Krizz nun dazu sagen oder von ihr halten würde... aber schließlich waren sie allein hier und im Norden ging man mit diesen Dingen sehr freizügig um. Nach dem Besuch der Schwitzhütte wälzten sich Angehörige beiderlei Geschlechts und jeden Alters im Schnee oder sprangen in ein Gewässer. Eine Schwitzhütte war trotz innerer Wärme hier nicht vorhanden und in Dragonia, wahrscheinlich auch in Wesrin, herrschten ganz andere Sitten... vielleicht war sie einmal wieder zielsicher in's große Fettnäpfchen getreten?
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chriszweih

Re:Die Privatgemächer der Löwenfeste
« Antwort #32 am: Fr., 05. Dez 2003, 12:09 »

Hatte sie das gerade wirklich gesagt? Wahrlich, sie ist sehr direkt. Doch in irgendeinerweise fasziniert ihn diese Direktheit. Ist es doch zum Großteil auch das, was sie so begehrenswert macht.

In Minerva war es undenkbar so etwas auszusprechen, doch überrascht ihn dies gar nicht so sehr, wie seine Reaktion es vermuten läßt. Denn viel hatte er schon in Dragonia gesehen, was nicht wesrinsch war.

>>Ich habe doch keine Schwimmbekleidung dabei. Und ihr wohl auch nicht? Oder könnt ihr schnell wieder eine aus eurer Satteltasche zaubern? Aber ich denke ihr benötigt wohl auch keine?<<

Krizz beginnt sich die Schuhe auszuziehen und entledigt sich dann seiner Oberbekleidung.

>>Vielleicht sollt ich wirklich einmal neues ausprobieren.<<

Er nimmt einen großen Anlauf und stürzt sich in den See. Die glatte Oberfläche wirft große Wellen auf, die sich aber schnell wieder beruhigen. Dann ist er verschwunden.

Kurze Zeit später taucht er dicht neben Sigrun wieder auf und zieht sie in das Wasser. Als sie zusammen wieder auftauchen, hält er sie in den Armen und blickt tief in ihre Augen.

>>Meinetwegen könnte das Wasser doch ein wenig kälter sein.<<

Mit diesen Worten taucht er ihren Kopf unter und schwimmt in die Mitte des Sees. Dort angelangt beginnt er sich unter Wasser etwas umzuschauen.

Er holt tief Luft und begibt sich Richtung Grund. Das Wasser ist herrlich warm und auch unter der Oberfläche funkeln die Edelsteine wie Sterne und erhellen das kristallklare Wasser.

Auf einmal fällt sein Augenmerk auf eine Art Ruine. Er taucht tiefer um sie zu erreichen und schwimmt durch eine Öffnung hinein. Ein riesieger saal eröffnet sich ihm. Er muß in der Vergangeheit prachtvoll gewesen sein. Der große Kronleuchter schwankt noch leicht in der lauen Strömung.

Jetzt aber schnell wieder hoch, mir wird die Luft sonst zu knapp. Mit einem lauten Luftjapser erscheint er wieder an der Wasseroberfläche. Sigrun schwimmt direkt neben ihm.
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sigrun

Re:Die Privatgemächer der Löwenfeste
« Antwort #33 am: Di., 09. Dez 2003, 15:40 »

"Wie schade, meine magischen Künste lassen wohl zu wünschen übrig, ich kann die Packtaschen aus Eurem Speisegemach nicht herbeizaubern. Jedoch möchte ich Euch auch nicht zumuten, diese zu holen, Teuerster."
schnippte Sigrun, immer noch verschmitzt lächelnd, mit den Fingern in die Luft und sprach die Worte mit gespielter Verblüffung. So hatte sie sich, wie sie glaubte, geschickt, der Verantwortung entledigt.

Ehe sie sich versah, sprang Krizz schon in's Wasser und war unter der spiegelnden Oberfläche verschwunden. Bewundernd hatte die Amazone verfolgt, wie sich sein muskulöser Körper im Sprung straffte.

'Oh nein, bei allen Nixen und Wassergeistern, sollte seine Andeutung, etwas Neues zu probieren, etwa heißen, er könne nicht schwimmen?!' schoß ihr mit Erschrecken ein Gedanke durch den Kopf. Bei Krizz mußte sie mit so etwas rechnen, schließlich war er auch ohne Zögern mit "Sarlik" in den Teich... So schnell es eben ging, zog sie sich ihre Kleider über den Kopf und hechtete hinterher.

"Wißt Ihr, was Ihr mir für einen Schrecken eingejagt habt?" fragte sie mit einem Unterton der Empörung, aber Krizz sah sie dabei so an, wie noch nie ein Mann in ihrem Leben es gewagt hatte. Doch sie hielt diesem durchdringenden Blick stand, sie wandte sich weder ab noch schämte sie sich, was sie selbst am meisten verwunderte. Sie ließ es geschehen, daß Krizz ihren Kopf unter Wasser drückte und tauchte nach unten weg. Oft hatte sie dies in der Kindheit selbst mit ihren Spielgefährtinnen getan, sie würde sich schon "rächen" ... beide schwimmen nebeneinander, als hätten sie nie etwas anderes getan.

Sigrun sieht auch die alten bewachsenen Gemäuer am Grund und muß hinunter. Durch das Funkeln der Gesteine läßt sich die Tiefe nicht abschätzen, doch der Druck auf den Ohren ist stark. Durch ein fensterähnliches Loch kann sie den Saal sehen, darin eine langer steinerner Tisch, auf dem noch Geschirr zu stehen scheint. Eigentlich mußte sie jetzt nach oben, aber... An jedem Platz der Tafel steht ein lichter Kelch, ein mineralischer Schimmer geht davon aus. Ihr gelingt es, einen davon zu packen und zwischen die Zähne zu nehmen, hoffentlich kam sie jetzt noch an die Oberfläche, bevor der Luftmangel ihr die Besinnung raubte, langsam wurde es ringsum schwarz und mit Mühe fand sie die Fensteröffnung... mit einem pfeifenden Atemzug tauchte sie neben Krizz auf und hielt triumphierend den Kelch in die Höhe. Obwohl es in dem Gewölbe bereits hell war, ging ein fluoreszierendes Strahlen davon aus.

"Habt Ihr schon einmal so einen wundervollen Kelch gesehen? Ein Geschenk der Götter, fürwahr. Taucht nicht noch einmal hinab, Menschen sollten deren Gunst nicht zu sehr strapazieren, es ist zu gefährlich. Als junges Mädchen fragte ich eine weise Druidin meines Stammes, ob sie mir die Lungen eines Fisches geben könne. Das könnte sie wohl, aber dann müsse ich auf ewig im Wasser leben, antwortete sie mir, und ob ich das wirklich wolle. Darauf bekam ich Angst vor ihr und lief ohne ein Weiteres davon." -

Sigrun nahm ein Lederband aus ihrem Haar und band damit den Pokal am  Handgelenk fest.

"Daraus möchte ich mit Euch zusammen Honigwein trinken, nachher..." sagt sie leise, wieder in Krizz' Augen seine Gedanken suchend, und fügt belustigt hinzu:

"So viel wie heute habe ich noch nie gebadet, obwohl ich nicht gerade wasserscheu bin, Lieber! Aber Ihr scheint mir im Schwimmen und Tauchen ebensowenig nachzustehen wie in der Reitkunst. Habt Ihr einst im Dorfteich von Baszake Eure Spielkameraden gedümpelt?" fragte sie neckend.
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chriszweih

Re:Die Privatgemächer der Löwenfeste
« Antwort #34 am: Di., 09. Dez 2003, 23:58 »

>>Nun eigentlich ist das Schwimmen nun wirklich nicht meine Stärke.<<

Krizz paddelt an Land und schmeißt sich neben seine Kleider.

>>Ich habe noch nicht viel dieser Höhlen erforscht, aber sie scheinen noch so einige Überraschungen und Wunder zu verbergen. Doch heute haben wir genug gesehen.<<

Krizz steht auf und wirft sich seine Bekleidung über den entblößten Oberkörper. Noch ist er sehr feucht, doch wird er auf dem bevoerstehenden weg genügend Zeit zum Trocknen haben werden.

>>Laßt uns wieder nach oben gehen. Ich denke, daß ich euch noch etwas zeigen muß.<<

So schreiten sie den gesamten Weg wieder nach oben. Irgendwann, nachdem Krizz seine Sigrun lange genug betrachtet hatte, beginnt er leise und ruhig zu sprechen.

>>Wie wird es denn weitergehen? Was werden wir zu den anderen sagen? Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll? Ich möchte euch nun nicht beleidigen, aber euch steht nunmal mein größter Respekt zu und deshalb bewege ich mich wahrscheinlich etwas ungeschickt in jenem mir so fremden Terrain.<<

Dabei mußte er selber etwas über seine Ausdrucksweise schmunzeln.

>>Es gab in der Tat einen kleinen See in Baszake. Als Kinder trafen wir uns immer regelmäßig, doch irgendwann ließ ich mir einreden, nicht mehr mit den Bauersjungen zu spielen. Mein Vater sah dies mit Skepsis, er sagte immer, daß kein Adelstitel einen ehrbaren Menschen macht. Heute weiß ich was er meinte, aber damals gierte ich auf die Anerkennung der anderen jungen Lords.

Ich wechselte sogar die Schule, nahm in kauf jeden Morgen 20 Meilen zu wandern, um nicht mit den Bauerntölpeln zusammen die Schulbank drücken zu müssen. Was würde ich dafür geben, diese Entscheidung rückgängig zu machen.

Ich lebe noch zu sehr in der Vergangenheit, nicht wahr? Ich weiß es selber. Aber ich verspreche euch, mich zu bessern.<<
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sigrun

Re:Die Privatgemächer der Löwenfeste
« Antwort #35 am: Mi., 10. Dez 2003, 13:44 »

Sigrun glaubte, Krizz stelle sein Licht wieder einmal unter den Scheffel, er mußte nach ihrem Empfinden mindestens dreißig Fuß tief getaucht sein, das sollte ihm erst einmal ein anderer nachmachen... Doch diese Bescheidenheit stand einem Manne wie ihm gut an, befand sie. Eigentlich mußte auch sie das Schwimmen auf dragonischem Boden irgendwie verlernt haben, aber hier unten fiel ihr alles wieder ein... dies war ein magischer Ort, das durfte nicht vergessen werden, strenggenommen gehörte er vielleicht gar nicht zum Reiche? Ach, wie müßig, darüber zu grübeln... sie schien wieder in der alten Wunde gestochert zu haben, da Krizz nun schnell zurück zum Ufer schwamm.

'Dabei habe ich noch gar nicht gesagt, was es bei den Amazonenzöglingen für Tauchwettkämpfe gab, zynisch Erziehung zur Härte betitelt. Aber im Norden werden sich diese einstigen Mutproben vielleicht noch als nützlich erweisen,' dachte sie grimmig und ließ sich in langen Zügen gleiten.

Als Krizz angelegentlich beschäftigt war, seine Kleidung auf die feuchte Haut zu bringen, zog sie ebenfalls zügig ihre Sachen über. Zunächst war das sehr unangenehm, aber am Körper trocknete die Nässe am schnellsten auf.

Auf dem Wege durch die schier endlosen Gänge nach oben mußte Sigrun über Krizz' drollige Fragen schmunzeln. Sie schätzte seine Aufrichtigkeit, aber diese Fragen konnte sie beim besten Willen nicht beantworten, sondern nur er selbst. Sie hakte sich bei ihm unter, drückte seinen Arm und sagte ebenso leise wie fest:

"Folgt Eurem Herzen und Ihr werdet jemals weder fehlgehen noch jemanden, der Euch etwas bedeutet, beleidigen. Einmal habe ich in diesem Land mich lächerlich gemacht - mit einer überschwenglichen Begrüßung - und, ob Ihr es glaubt oder nicht, es war mir später völlig gleich. Anerkennung verschafft man sich durch andere Dinge als Etikette, obwohl ein geschliffenes Betragen zur richtigen Zeit und am rechten Ort nur vorteilhaft sein kann. - "

Als sie Krizz' skeptischen Blick bemerkt, setzt sie augenzwinkernd hinzu:

"Keine Angst, ich werde Euch nicht bloßstellen vor anderen, zumindest werde ich alles versuchen, das zu verhindern. Wir können nicht immer Ausflüchte erfinden, oder sollen unsere Leiber von Narben übersät sein - von den Übungseinheiten?" lachte sie und fuhr sanft mit den Fingerspitzen den feinen Strich über der Augenbraue entlang, der von jener Schnittwunde herrührte, die Krizz sich mit der scharfen Klinge seiner "Isabella" selbst beigebracht hatte.

"Wer uns wohlgesonnen ist, wird erraten, was wir empfinden. Es läßt sich in etwa so gut verbergen wie ein Husten. Genauso wie es immer Geschöpfe geben wird, die anderen ihr Glück neiden, damit müssen wir leben, Teuerster ... Was schert uns der Tratsch des Pöbels, möge er auch im Adelskleid stecken, zur Hel mit ihm!"

Zum Ende hatte sie nachdrücklicher gesprochen und gleichsam als Siegel unter die Worte küßte sie ihn und strich ihm dabei zärtlich das nasse, nun fast schwarz wie Ebenholz glänzende Haar aus der Stirn. Sie spürte seinen schneller gehenden Atem und flüsterte in sein Ohr:

"Die Liebe hemmet nichts;
sie kennt nicht Tür
noch Riegel und dringt
durch alles sich;
sie ist ohn Anbeginn,
schlug ewig ihre Flügel
und schlägt sie ewiglich.*"


'Wer gibt mir solche Gedanken ein und vor allem die Dreistigkeit, sie auszusprechen? Wird Krizz nun wieder Schlechtes von mir denken? Ach, so vieles möchte ich ihm sagen, das sich der menschlichen Worte entziehen will...'

"Was - wollt Ihr mir noch zeigen, Liebster? Ihr versteht, mich verdammt neugierig zu machen - pssst, verratet es besser nicht..." legte sie einen Finger auf seine Lippen, "in der Bibliothek habe ich auch etwas Interessantes entdeckt, wenn meine Augen mich nicht getäuscht haben bei dem flüchtigen Hinsehen..."

*little "c" by Matthias Claudius
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chriszweih

Re:Die Privatgemächer der Löwenfeste
« Antwort #36 am: Do., 11. Dez 2003, 12:07 »

Sigruns Rat behagte ihm sichtlich wenig. Er ist ein Krieger, gibt es denn keine Handlungsanweisung für solche Fälle. Gibt es kein Zweckmäßig und Unzweckmäßig, wo bleibt es die Vor- und Nachteile abzuwägen, um einen Entschluß zu fassen und diesen dann in die Tat umzusetzen. Die Liebe scheint scheine größte Schlacht zu werden. Hoffentlich würde er hier nicht versagen.

>>Ihr versteht es wahrlich mich stets zu ermutigen, könntet ihr doch für immer an meiner Seite sein, aber ich denke dies ist ein zu eigennütziger Gedanke in Belangen, die nur das Herz betreffen. Und ihr habt Recht, sicher möchte ich nächsten Monat nicht narbenübersäht sein. Ganz zu schweigen von dem ständigen Blutverlust.<<

Wieder muß er lachen. So oft wie in den letzten Monaten hatte er sich lange nicht amüsiert. Die Gesellschaft der Bürger Dragonias hat ihn sichtlich gut getan. Langsam gehen sie ihren Weg weiter nach oben und gelangen gerade aus dem Keller, als Ysenbarth um die Ecke kommt.

>>Sir Krizz, es ist alles so vorbereitet, wie ihr es uns aufgetragen habt. Doch benötigt der Ingenieur noch einige Stunden. Er kämpft noch mit ein paar technischen Problemen.<<

Krizz winkt ab.

>>Diese paar Stunden können wir uns noch gedulden, nicht wahr Liebste?<<

Er schließt sie fest in seine Arme und begibt sich nun zu dem Turm der Löwenfeste, den Zarush nicht okupierte. Am Treppenaufgang ist ein riesiges Loch in die Mauer gehauen. Viele Seile und Holzlatten ragen hervor. Einige Arbeiter sind schwer beschäftigt.

>>Ich beabsichtige einen Pater Noster in diesen Turm zu integrieren, doch wird das wohl noch einige Monate dauern. So müssen wir mit den 800 Stufen vorlieb nehmen.<<

Stufe um Stufe arbeiten sie sich gemeinsam nach oben. In regelmäßigen Abständen sind kleine Öffnungen in die Wand des runden Turmes eingearbeitet, die wohl mal als Schießscharten für die Bogenschützen gedient haben. Zwar war es schon seit einiger Zeit Dunkel, doch der runde Vollmond steht bereits hoch am Firmament und erhellt die Nacht. Bis hier her kann man das laute zirpen der Nachtgrillen Nurus vernehmen.

>>Es ist nicht mehr sehr weit, gleich sind wir dort angekommen, wo ich jeden Morgen über Nuru wache und mir einen täglichen Überblick verschaffe. Stets mit wachem Blick nach Taros.<<

Krizz hält Sigrun an ihrer Hand zurück und zieht sie sanft zu sich herüber. Sie lehnt nun gegen die Innenwand der Wendeltreppe und blcikt verdutzt zu ihm rüber. Mit einem hämoschen Grinsen beugt er sich zu ihr rüber und genießt den vollmundigen Geschmack ihrer Lippen. Es ist ein wunderschönes Gefühl, diese Frau zu liebkosen, ihre zarte Seite zu erforschen, die sonst jedem verschlossen bleibt.

Doch dann gehen sie weiter hinauf und gelangen endlich die Turmspitze. Es ist kein Turm mit einem Dach, nein eher ein Wachturm, mit regelmäßigen Vertiefungen in der Turmmauer, um den Soldaten die Sicht zu ermöglichen. Eine riesige alte Kanone steht verrostet in einer Richtung.

>>Eine herrliche Nacht, nicht wahr Liebste?<<

Krizz schreitet zur mauer und schwingt sich auf sie herauf. Weit breitet er die arme aus und blickt über die weiten des Kontinents. Er atmet teif durch und brüllt aus voller Kehle.

>>Das nenne ich Freiheit!<<

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sigrun

Re:Die Privatgemächer der Löwenfeste
« Antwort #37 am: Do., 11. Dez 2003, 19:00 »

Sigrun lacht nun laut mit ihrer hellen Stimme, kleine Freudentränen aus den Augenwinkeln fortwischend.

"Ja, ständige Aderlässe machen die Medici nur, wenn ihnen nichts besseres einfällt. Damit überspielen sie ihre Unwissenheit, die meisten dieser Scharlatane können nicht einmal eine Wunde besser behandeln als Ihr oder ich. Da lobe ich mir die druidische Heilkunst meines Stammes oder auch unseren ehrenwerten Xanatos in Nighton. Von dem Axthieb des hinterhältigen Schmiedes, der die Händler von Nuru fernhielt, habe ich nicht einmal eine Narbe zurückbehalten, seht Ihr?", schiebt sie den rechten Ärmel ihres Kleides etwas herunter. Dabei grinst Krizz sie seltsam an, was sie etwas irritierte. Sah sie etwa auch so komisch aus, wenn sie greinte? - Wahrscheinlich. Unvermittelt mußte sie wieder losprusten, gerade als Ysenbarth um die Ecke kommt. Sie stand hier, mit einem berühmten Feldherrn in noch halbnassen Kleidern und rätselte mit ihm an den Orakeln des menschlichen Herzens. Hätte jemand das vor einigen Monden prophezeit, er wäre nur Opfer ihres Spottes geworden. Ysenbarth ignoriert ihrer beider Aufzug in seiner höflichen Art und seine Worte lenken Sigrun's Gedanken auf etwas anderes. Schnell drückt sie ihm den mineralisch fluoreszierenden Kelch in die Hand.

"Wollt Ihr diesen wunderbaren Pokal, gefüllt mit Met, für uns auf die Tafel stellen? Habt Dank, werter Ysenbarth! Natürlich haben wir alle Zeit der Welt, jede Minute in Eurer Nähe ist mir wertvoll genug, liebster Krizz."

Statt einer Antwort entfernt sich der Kammerdiener mit einer stummen Verbeugung.

Gemeinsam nehmen sie die Stufen, sodaß nur ein gleichförmiges "tapp- tapp' zu hören ist. Achthundert Stufen - der Turm schien kein Ende zu nehmen, achthundert Stufen, woran erinnerte sie das? Vom Burghof sah der Turm bei weitem nicht so hoch aus.

"Jeden Morgen steigt Ihr hier herauf? Dann seid Ihr wach!", fuhr sie in scherzendem Ton fort.
"Hört Ihr die Grillen, sie scheren sich einen feuchten Kehricht um die Tarosianer..." ehe sie noch etwas sagen konnte, hatte Krizz sie schon in seine Arme gezogen. Das durch die Schießscharten fallende fahle Mondlicht lag auf seinen Zügen und ließ sie noch edler erscheinen. Doch war wieder dieses seltsame Lächeln in seinem Gesicht, das in ihr ein klein wenig Mißbehagen auslöste. Vielleicht sollte sie ihm doch etwas sagen, daß sie noch nie... sein inniger Kuß löschte diese Gedanken aus.

Inzwischen waren sie oben auf dem riesigen Wehrturm angelangt. Sigrun lehnte sich an die alte Kanone und fuhr mit den Fingern über das rostschartige Eisen. Was mochte der alte Festungsmörser schon gesehen haben? Plötzlich fiel ihr das Buch von vorhin ein und jetzt gab es einen Sinn... sie hatte sich nicht getäuscht.

"Ja, herrlich, dieser klare Sternenhimmel..." sagte sie gedankenversunken und blickte zum Sternbild des Drachen, das gerade im Zenit stand. Als sie sich wieder zu Krizz sah, war er auf die Zinnen geklettert und weit trug die klare Nachtluft seinen Ruf in's Land. Sigrun stellte sich zu ihm und nahm wieder seine Hand.

"Solange dieser Kontinent Männer wie Euch trägt, ist mir um die Freiheit nicht bange, Liebster! Wir haben heute die tiefsten und die höchsten Punkte Nurus durchmessen, das ist die Freiheit und ein Frevel, sie nicht zu genießen." Auf den höchsten Zinnen Nurus versanken sie in einem Kuß und jegliche Furcht vor den Mauern dieser Stadt verließ die Amazone für immer.

Als ihr schwindlig zu werden drohte, sprang sie schnell zurück auf den Burgfried und zog Krizz an der Hand mit, es war einfach fast alles irgendwie gefährlich, was sie taten, liebten sie diese Gefahr etwa?

Sigrun zeigte auf die Kanone und fragte:

"Meister Sun berichtete mir von solchen Feldschlangen, sie speien Feuer wie ein Drache und große Steinkugeln, weit wirkungsvoller als jeder Katapult. Ich habe in Dragonia nie so etwas gesehen, aber schon ein Buch in der Bibliothek machte mich stutzig. Habt Ihr es gesehen? Es liegt halb verdeckt unter einem Haufen alter Kartenrollen. Wenn es das ist, was ich vermute...", bei diesen Worten stockte sie und sah den Erdgeneral Minervas fragend an. Gab es auf Wesrin diese mächtigen Waffen? Man könnte sie auf einen mit Jähzayern bespannten Wagen montieren... oder träumte sie das hier jetzt tatsächlich? Mehr als einmal war sie heute im Zweifel, ob sie ihre Sinne und ihren Verstand beisammen hätte und doch hatte sie alles körperlich gefühlt.
« Letzte Änderung: Fr., 12. Dez 2003, 10:26 von Sigrun von Burgund »   Gespeichert  
chriszweih

Re:Die Privatgemächer der Löwenfeste
« Antwort #38 am: Fr., 12. Dez 2003, 10:12 »

>>Die Sashannen, ein Zwergenvolk, was zurückgezogen in den Bergen lebt sind sehr erfahren im Umgang mit solchen Feuerwaffen. Sie benutzen sie um kleine Eisengeschosse aus Büchsen zu verschießen, auch habe sie solche großen, wie habt ihr so süß bemerkt, Feldschlangen in ihren Gebirge und Mauern platziert. Doch zu schwer um transportiert zu werden.

Unsere Gelehrten in Zendyrth forschen schon seit Jahren an eigenen Kanonen, so wollen wir sie nennen, doch gelang ihnen bisher nicht die Nachbildung des Feuerpulvers.<<


Krizz sinkt an der Kanone gelehnt zu Boden und Blickt in den Sternenhimmel. Alles war so friedlich.

>>Bislang jedoch habe ich eine solche Waffe nie auf meiner Seite wähnen dürfen. Doch habe ich das Unheil, welches sie in den eigenen Reihen anzurichten vermag, mehr als einmal deutlich erfahren müssen.

Ja es gibt schon viele Pläne, diese Waffen einzusetzen. Unter anderem sogar beweglich, von Pferden gezogen. Das alles waren aber geheime Forschungen unter meiner militärischen Obhut. Einige Gelehrte glaubten sogar, man könne die großen Steinkugeln aus mit Feuerpulver gefülltem Stahl machen, um noch mehr Schaden im Ziel anrichten zu können.

Viele gute Männer ließen bei diesen Untersuchungen ihr Leben. Das Feuerpulver hat seinen eigenen Willen und den darf man nicht mit Gewalt lenken.<<


Krizz nimmt Sigrun in seine Arme, sodaß sie mit ihrem Kopf bald auf seinem Schoß zu liegen kommt. Zärtlich streicht er ihr während er spricht durchs Haar oder fährt ihre Gesichtskonturen mit dem Finger nach.

>>Was habt ihr denn alles in der Bibliothek zu erforschen gesucht. Ihr macht mich sehr neugierig. Es ist viel Wissen dort gelagert, sogar einiges, was besser verschlossen bleiben sollte. Lange habt ihr über Kartenwerke und Bücher gehangen, wollt ihr mich nicht aufklären?

Hat dies alles vielleicht auch mit euren Träumen zu tun, die euch so real erscheinen. Was sind das für Träume. Laßt mich bitte nicht allein mit meine Unkenntnis.<<


Die Grillen Nurus dringen nur sehr leise bis hier hoch, doch werden sie stets vom leichten Winterwind, der hier in Nuru sehr mild ist, überdeckt. Die beiden Kriegerseelen, halten sich unter dem Antlitz des Mondes und geben ihre innersten Gefühle preis, etwas, was der Seele eines Kämpfers im Normalfall widersprochen hätte. Doch dies alles ist eine besondere Situation.

Krizz lauscht Sigruns Ausführungen und beobachtet dabei genau, wie jedes einzelne Wort von ihren Lippen geformt wird. Das Mondlicht taucht ihr Gesicht in sanfte Schatten und läßt es geheimnisvoll und liebreizend erscheinen. Den ganzen Tag lang hat sie sich schon weiblicher als jemals zuvor gezeigt. Das Kleid und ihre weichen Gesichtszüge trugen ihr eigenes dazu bei.

Morgen früh würde sie wieder ihre Kampfeskleider tragen und morgen früh würde der mystische Liebreiz, der diesem Moment innewohnt wieder verflogen sein. Dies befürchtet zumindest Krizz. Waren sie morgen wieder Hauptmann und Leutnant der Miliz. Traut er sich zu, seine Gefühle auch vor anderen zu zeigen, würde sie es tun?

Der Tag der Abreise in den Norden rückt nun unaufhaltsam weiter. Warum konnte er niemanden von dem berichten, was er herausgefunden hatte. Gut die Gründe und das Umfeld kennen seine Gefährten und über die Gefahren sind sie sich ebenso bewußt, aber diesen einen Punkt verschwieg Krizz. Will er sie nicht beunruhigen oder hat er Angst, alleingelassen zu werden? Obwohl er sich nicht vorstellen konnte, daß sie das zweitere unternehmen würden.

Krizz schüttelt diese Gedanken aus seinem Schädel und gibt Sigrun einen innigen Kuß. Sofort sind alle seine Befürchtungen verflogen und seine Gedanken gelten wieder nur diesen einem Moment der Liebe. Momente können ewig dauern und das schätzt er auch an ihnen, doch ist jeder Moment irgendwann zuende.


« Letzte Änderung: Fr., 12. Dez 2003, 11:06 von Krizz Zweihandschwinger »   Gespeichert  
sigrun

Re:Die Privatgemächer der Löwenfeste
« Antwort #39 am: Fr., 12. Dez 2003, 13:06 »

Mit Erstaunen hörte Sigrun Krizz' Worte - dies hatte wohl alles mit den seltsamen Vorfällen zu tun, die sich in der Stadt und im ganzen Reich ereignet haben sollten. Unter den Bergleuten der Erzmine waren immer noch Gerüchte über Hexenwerk im Umlauf, ganz Nuru sollte unterwühlt sein... das war eine leichte Übertreibung von Geschöpfen, die, sich ständig unter Tage aufhaltend, Nachtgedanken ausgesetzt waren...

"In Eurer Erzmine, die von Gevatter Drax geführt wird, soll es gespukt haben. In den Schänken und auf dem Markt reden die Leute nur unter vorgehaltener Hand davon. Aber, durch meine Warenträger, Ihr wißt, von wem ich spreche, konnte ich erfahren, was es damit auf sich hat. Einem Jungen, der inzwischen gejagt wird gleich einem Phantom, soll es gelungen sein, Feuerpulver herzustellen, oder wie das einfache Volk es ausdrückt, er hat aus einer schwarzen Asche große Flammen hervorgezaubert. -

In einem Wohnhaus in Drachenauge bewahrte er wohl etwas von dem Pulver auf, der aufgebrachte Pöbel hat es angesteckt und hofft nun, daß der "Hexer" mit verbrannt ist. In der Tat, so ein Feuer hat man noch nicht gesehen in der Kaiserstadt, nur weil das Haus sehr abgelegen am Stadtrand lag, gerieten keine anderen Gebäude in Brand. Es gab eine riesige, funkensprühende Stichflamme gen Himmel unter der das Holzhaus auseinanderbarst. Die Brandstifter hatten sich nicht weit genug entfernt und wurden in den Tod gerissen. Für die aufgebrachten Bewohner war es natürlich das Werk des Schwarzmagiers... Nunja, ich bin wahrscheinlich zu viel in der Welt herumgekommen, um an diesen Schwindel zu glauben. Das Kind soll sich jetzt in Nighton aufhalten -"


Sigrun stockt. Jetzt muß sie wohl alles sagen... eigentlich wollte sie diese Bürde allein tragen, aber Krizz hatte nicht nur als ihr Hauptmann ein Recht, es zu erfahren. Jedes weitere Schweigen käme einem Vertrauensbruch gleich, der den geliebten Menschen tief verletzen und sie selbst beschämen würde.

"Kurzerhand - habe ich den Bengel unter dem falschem Namen 'Veit' als Trommlerbuben in die Milizkaserne gesteckt. Er hat so lange gebettelt, ihn als Bogenschützen anzunehmen und in der Tat ist er sehr geschickt. Die Soldaten kümmern sich wie eine Familie um ihn. Nach einem Tag auf dem Exerzierplatz marschierten sie zu seinen Trommelschlägen. Doch halte ich nichts davon, Kindern Waffen in die Hand zu geben und wie sollen wir es mit unserem Gewissen vereinbaren, wenn wir gegen Taros' Kreaturen zu Felde ziehen müssen... hoffentlich können die Häscher des Königs ihn nicht aufspüren, denn sie sind sehr gerissen und der Pöbel will den Jungen hängen sehen, wenn es herauskommt, daß er noch lebt."

Die Amazone schwieg wieder, denn Krizz mußte nur zu gut wissen, worüber sie sprach. Die Entscheidung eines Offiziers über Leben und Tod anderer, die Krizz in der Vergangenheit fällen mußte und vor der er vielleicht wieder stehen wird. Auch über ihr Schicksal...

"Wahrscheinlich nehme ich das alles zu schwer, Liebster. In den Kartenwerken der Bibliothek habe ich gesucht, wo solche metallischen Salze lagern könnten, die für die Herstellung des Feuerpulvers notwendig sind. Die Erzlagerstätten der dragonischen Städte vermögen sie nicht hervorzubringen. Nach den Aussagen des Jungen hatte er das Salz", bei diesen Worten legt sich ein Schatten auf Sigrun's Miene, "von Händlern, die aus dem Reiche Taros kamen. Eure Forschungen sind eine zweischneidige Sache, die ich nicht bedenkenlos gutheißen kann, aber wehe uns, wenn die Feinde vor uns über diese Feuerwaffen verfügen.

Und das alchimistische Buch, mögen Odin's Raben wissen, woher Than es hatte, ist in jener geschwungenen komplizierten Schrift verfaßt, die mein Lehrmeister Sun verwendete. Than konnte es wohl kaum lesen, es gibt tausende Zeichen und alle haben mehrere Bedeutungen, so konnte ich nicht viel davon entziffern. Aber es handelt von Versuchen mit dem Feuerpulver - außer dem Salz wurde mit Schwefel und Holzkohle hantiert...

aber laßt uns nun nicht mehr sprechen, Liebster."


Warum mußten sie in einer so friedvollen Nacht wieder über Waffenhandwerk reden? Diese Dinge ließen ihren Kriegerseelen keine Ruhe, mit Feuerpulver gefüllte Eisenkugeln, sie mußten eine unvorstellbare Sprengkraft haben..., aber genug davon... noch früher als ihr lieb war, würde sie wieder im Sattel sitzen, "Freimut" in der Faust oder die schwere Armbrust an der Schulter... war es nicht genau andersherum, bevor sie ihn kannte? Nicht schnell genug konnte sie auf den Pferderücken kommen, Kriegerinnen ihres Stammes gegen die Orks führend.

Sie sah Krizz' Silhouette gegen den hellen Nachthimmel klar gezeichnet, als er sich zu ihr hinabbeugte. Wie sanft konnten seine Hände, die sonst grob den Schmiedehammer packten oder die mächtige "Isabella" schwangen, berühren, daß wohlige Schauer durch ihren Körper rannen. Ihr schoß Schamesröte in's Gesicht über ihre eigenen Gedanken, aber diese ließen sich einfach nicht abschütteln. Wie weit würden sie ihre Sinne noch tragen, was war Traum, was Wahrheit? War es gar dasselbe? Jetzt kam ihr ein Geistesblitz von vorhin wieder ein.

"Achthundert Stufen führen zum höchsten Hochplateau der Welt und auf den Berg des Propheten, wie auf diesen Turm. Laßt uns wieder hinunter gehen, Liebster, Ysenbarth hat sicher schon das Nachtmahl angerichtet." flüsterte sie, ihm durch das braune dichte Haar und über den Nacken streichend. Nur widerwillig erhob sie sich, zog Krizz an der Hand mit sich auf die Wendeltreppe und gemeinsam gingen sie die unendlich scheinenden Stufen wieder nach unten. Sigrun verschwendete nun nicht mehr einen Gedanken an das Morgen, wie sie es sonst gewohnt war und hatte auch das aufgetafelte Essen in's Blaue hinein vermutet. Ihr war jegliches Zeitgefühl abhold geworden.
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chriszweih

Re:Die Privatgemächer der Löwenfeste
« Antwort #40 am: So., 14. Dez 2003, 18:06 »

>>Ja der Spuk in den Erzmine und die anschließende Feuersbrunst.<<

Krizz hört ihr aufmerksam zu und nimmt sie in die Arme.

>>Von mir erfährt niemand über eure Entscheidung. Der arme Bengel verdient eine zweite Chance auf ein gutes Leben.<<

Dann stockt er etwas. Er blickt zu den Sternen, um sich anschließend in den hellsten zu verlieren. Im Glitzern Sigruns Augen.

>>Ich möchte, daß ihr das Buch über jene mächtige Alchemie an euch nehmt. Ihr scheint noch am ehesten die Lettern erfassen und begreifen zu können. Doch gebt niemanden bescheid, was ihr hier erhalten habt.<<

Arm in Arm begeben sie sich wieder nach unten. Stufe um Stufe schmiegen sie sich fester an sich. Noch niemals zuvor kam Krizz dieser Weg so kurz vor wie in diesem Augenblick. Fast zu kurz für ihn. Unten angelangt, begegnet ihnen Ysenbarth.

Sire darf ich ihnen ausrichten, daß das Essen angerichtet ist. Und der Ingenieur läßt verkünden, daß er mit seiner Arbeit ebenfalls fertig ist. Möchtet ihr zuerst speisen oder seine Arbeit begutachten?<<

Krizz überlegt ein wenig, entscheidet sich aber, da Sigrun ebenfalls schon auf das Essen spekuliert hatte für das Abendmahl.

>>Ich denke wir nehmen ersteinmal einen Happen zu uns, Teuerste. Danach bleibt immer noch genügend Zeit, für die Vorführung.<<

Sie begeben sich wieder in das kleine Hinterzimmer, wo immer noch ihre Ausrüstungsgegenstände an der wand lehnen. Der Löwe ist immer noch zugehangen. Auf dem Tisch war nun eine leichte Abendkost im mediterranen Stil angerichtet. Süße Honigmelonen mit Schinken, schwarze und grüne Oliven, hauchdünne nur leicht abgehangene Rindfleichscheiben, backfrisches Schrotbrot und knackige Salate mit saurer Rahmsoße.

>>Ich hoffe ich habe euren Geschmack getroffen. Des Abends ißt man in Minerva niemals schwere Kost. Und das Mittagsmahl wird oft nur sporadisch wahrgenommen, doch zum Frühstück nehmen wir uns am meisten Zeit. So kurz vor dem Bett, liegt mir schweres immer unangenehm im Magen.<<

Krizz läßt Sigrun wieder auf demselben Kissen platz nehmen, auf wechem sie schon vor einigen Stunden Platz genommen hatte. Nur sein Kissen schiebt er diesesmal etwas näher heran. Krizz setzt sich und beobachtet Sigrun stillschweigend. Dann ergreift er das Wort.

>>Erst als ich euch fand wurde mir klar, daß ich euch stets vermißt habe. Mir war niemals bewußt, daß mein Leben unvollständig gewesen war. Nun breitet sich allerdings die nächste Angst in meinem Körper aus. Ich weiß, ihr würdet mir wiedrum raten, den Augenblick zu fröhnen und dies werde ich auch beherzigen, doch möchte ich euch trotzdem nicht mehr missen und eweiglich an eurer Seite weilen.<<

Diese Worte fallen Krizz ganz widererwartend überhaupt nicht schwer. Er sehnt sich zum erstenmal in seinem Leben nach der Geborgenheit, die ihm nur das andere Geschlecht vermitteln kann. Zu sehr abgelenkt war er in der Vergangenheit, zu sehr mit dem Leid und den Bedürfnissen anderer beschäftigt, als daß er seine eigenen beachtete.

Doch dieser Augenblick gehört ganz ihm und Sigrun allein. Niemand wird sich zwischen sie stellen können. Dies ist ein Abenteuer, welches mit keinem was er zuvor erlebt hatte vergleichbar ist. Eines wo mehr auf dem Spiel steht und noch mehr zu gewinnen ist. Ist er bereit, dieses Wagnis einzugehen? Er wollte den Augenblick genießen, doch wollte er auch darauf acht geben, nicht nur an sich selbst zu denken. Sie  ist ihm einfach zu wichtig.

>>Darf es noch etwas melone sein?<<

Ysenbarth erscheint im Zimmer und stellt eine weitere Platte mit zurechtgeschnittenen und entkernten Wassermelonen auf den Tisch.
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sigrun

Re:Die Privatgemächer der Löwenfeste
« Antwort #41 am: Mo., 15. Dez 2003, 15:10 »

"Ich danke Euch für Eure Entscheidung - und daß Ihr mir das Buch anvertraut, Liebster. Es wird niemals in falsche Hände gelangen, das verspreche ich Euch und ebensogut verwahrt werden wie einst Kardaz' Harnisch." sagte Sigrun, als Krizz unter dem klaren Firmament in ihre Augen sah. Am westlichen Horizont verdunkelten graue Wolken die Sterne und sie wußte sehr wohl, was dies bedeutete - der Winter hielt nun Einzug und sein weißes Tuch würde in Kürze über Dragonia liegen.

Ihr tat es sehr gut, als Krizz sie in den Arm nahm und das sollte auch er spüren... fest drückte sie ihn an sich, sonst nur gewohnt, ihre Entschlüsse mit Fäusten und Worten verteidigen zu müssen. Dampfend standen seine Atemzüge in der bereits frostschwangeren Luft und so wurde es Zeit, wieder hineinzugehen, obzwar Sigrun keine Kälte spürte. Unten begegnete ihnen der treue Ysenbarth.

"Vorführung? Ihr versteht es wahrlich, mich auf die Folter zu spannen...," zog sie eine Augenbraue hoch. Jene quälende Unrast, welche die Amazone manchmal befiel, keimte auf, in Krizz' Gegenwart aber anders als sonst, in einer abgeschwächten Form, die nur Vorfreude auslöste.

Das Hungergefühl war verschwunden, wurde aber beim Anblick der Leckereien wieder entfacht. Oder war es Hunger auf etwas anderes, nicht Sicht- und Eßbares? Ihre Blicke wanderten vom festlich mit Tannengrün und Honigwachskerzen gedeckten Tisch, auf dem neue Köstlichkeiten des warmen Südens bereitstanden, zum Fenster und von dort verstohlen lächelnd zu Krizz. Es roch förmlich danach... sie hatten sich schon auf die Kissen niedergelassen, aber Sigrun nahm seine kräftige Hand und zog ihn wieder empor. Schnell stieß sie das Fenster auf und hielt seine Rechte mit der offenen Handfläche nach oben hinaus. Und wirklich, eine dicke weiße Flocke, die sofort schmolz, fiel darauf. Ihr Gespür für Schnee hatte sie nicht getäuscht. Krizz schloß das Fenster, denn unangenehm feuchtkalte Luft zog jetzt herein und sie ließen sich auf den Kissen nieder, wo er das Wort ergriff.

"Wir werden die geheiligten Nächte der Rückkehr des Lichtes in weißem Gewand erleben, mein Liebster und ich werde bei Euch sein, wenn Ihr es wünscht, genauso wie Hugin Euch auf der letzten Fahrt begleitete. Nichts und niemand wird mich abbringen. Was denkt Ihr, wie oft ich es bereute, daß ich verzichtet habe wegen dieses ehrlosen..." sollte der widerwärtige Name erneut in ihre Zweisamkeit fallen? Nein, es war Zeit, einen Schlußstrich unter das traurige Intermezzo zu ziehen. Gegenwart und Zukunft gehörten ihnen, nicht diesen Schatten.

"Ja, diese Angst wandelt auch mich umso mehr an, desto besser ich Euch zu kennen glaube. Nur die Zeit läßt uns die Furcht überwinden, wie sie alle Wunden heilt, aber diese... wird wohl immer in uns Menschen wohnen. Sie ist Teil von uns, nur müssen wir achtgeben, daß sie nicht ganz von uns Besitz ergreift, sonst erdrückt sie die Freiheit des Herzens."

Wie eine Druidin mußte sie sich angehört haben und lächelte über ihre hochtrabenden Worte. Hehre Worte gewiß, aber deshalb nicht weniger wahr. Ihre Furcht war wohl nicht kleiner als die seine. War sie selbst in der Lage, ihren Wahrheiten gerecht zu werden? Feinde gab es ringsum, ohne Zahl, nur zu gern würden sie ihnen das gerade gewonnene Glück, den geliebten Gefährten, entreißen...

"Ist es unser Höchstes, glücklich zu sein?" fragte sie halblaut und reichte Krizz die Platte mit den Melonenstückchen an. Als sie aßen, fuhr die Amazone in leichtem Plauderton fort:

"Die Töchter Freya's liebten es, um die Mittagsstunde und auch am Abend kräftig und warm zu speisen, vor allem in der dunklen Jahreszeit. Manchmal wurde es mir zuviel und ich aß nichts, allerdings - Euren Leckerbissen kann ich selbst vor dem Schlafengehen kaum widerstehen, Teuerster."

In der Mitte der Tafel hatte Ysenbarth den Pokal aus dem unterirdischen See plaziert und bei dem Anblick seiner Schönheit mochte die Erinnerung an die Luftnot verblassen, die um seinetwillen gelitten wurde. Sigrun ergriff den mit süßem Honigwein gefüllten Kelch, prostete dem Recken damit zu und ließ einen großen Schluck des aus dem Nektar der Götter gebrauten Getränkes in ihre Kehle rinnen. Dann faßte sie den mineralisch in allen Farben der Himmelsbrücke schimmernden Pokal mit beiden Händen und reichte ihn zu Krizz...
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chriszweih

Re:Die Privatgemächer der Löwenfeste
« Antwort #42 am: Di., 16. Dez 2003, 23:00 »

Wie konnte sie sich so über den kalten Schnee freuen? Bislang hatte Krizz den Schnee immer nur als eisigen und gnadenlosen Begleiter in Schlachten oder auf Märschen erlebt. Nie empfand er etwas schönes beim Anblick von Schnee. Doch heute, wo er seine Liebste mit den Schneeflocken spielen sieht, wird ihm ganz anders ums Herz. Zum ersten mal konnte auch er sich über den Schnee erfreuen, sei es auch nur, weil sie es tat.

>>Was meint ihr mit der geheiligten Nächte der Rückkehr im weißen Gewand? Ist dies ein Fest, was hier bei Schneefall zelebriert wird? Ich kenne diesen Brauch nicht? Sagt mir doch mehr darüber und was macht es euch so wertvoll, daß ihr mir anbietet, diese Nächte mit euch zu verbringen?<<

Krizz mußte an den Raben denken, der ihn ins Reich Aramon gefolgt ist. Ein treuer Begleiter. Krizz hatte damals den selben Weg wie Eärendil, doch im Lande Aramon trennten sich seine Wege von ihm. Es gab wichtigeres zu erfahren. Wichtiger? Oder war es nur egoistischer? Ach was sollen diese Gedanken. Er kann es eh nicht mehr rückgängig machen und die Gesellschaft dieses zwielichtigen Hochelben mißfiel ihm sowieso.

Gerade reicht ihm Sigrun den Kelch, welchen er dankbar entgegennimmt. Ein leichter Schluck rinnt aus ihm in seine Kehle, dann setzt er das antike Trinkgefäß an Sigruns Lippen und wartet, bis sie ebenfalls ihre Kehle befeutet hat. Er stellt den Kelch wieder auf den Tisch und schließt sie fest in die Arme. Dieser Moment bedarf keiner weiteren Worte, dieser Moment sprach für sich selbst.

>>Hugin hat sehr gute Dienste geleistet, dabei fällt mir ein, wo ist er denn gerade? Oder habt ihr ihn weggschickt, weil ihr hofft seine Unterstützung nie mehr gebrauchen zu müssen?<<

Krizz geht zum Fenster und öffnet es wieder.

>>Da draußen muß er irgendwo sein, der Bote des Himmels.<<

Krizz schließt das Fenster wieder und dreht sich zu Sigrun, wobei ein schneller Schneeball in ihre Richtung geflogen kommt.

>>Und schaut Teuerste, was er uns mitgebracht hat.<<

Krizz muß wieder lachen, als der lockere Schnee an Sigruns Wange herunterläuft. Doch dann geht er zu ihr und befreit sie von dem kühlen Weiß.

>>Ich habe diesen Schnee stets für eine schlechte Begleiterscheinung des Winters gehalten und ihm nie etwas positives abgewonnen. Doch ihr zeigt mir immer wieder neue Sichtweisen der Welt.<<

Er streicht ihr über die errötete Wange und küßt sie sanft auf den Mund. Dann nimmt er ihre Hand und schreitet mit ihr zum Fenster. Die Schneeflocken haben schon ein kristallenes Muster erzeugt welches sich bis zur Hälfte des Fensters hinaufgezogen hat. So friedlich liegt der Schnee über der Stadt und hüllt sie in Schweigen.

>>Die alten Taten werden begraben so scheint es und auch wir sollten sie vergessen. Eine kühle Zeit bricht an, doch nach jedem Winter kam noch immer ein Frühling, Liebste.<<
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sigrun

Re:Die Privatgemächer der Löwenfeste
« Antwort #43 am: Mi., 17. Dez 2003, 19:25 »

Reflexartig hielt Sigrun eine Hand vor sich, aber der lockere Schneeball zerstob und das kühle Weiß landete in ihrem Gesicht.

"Huh!" schüttelte sie den Kopf und zog die Schultern hoch, als der schmelzende Schnee ihr in den Kragen rann. Schnell langte sie sich einen größeren Tannenzweig vom Tisch und zog Krizz damit eins über die Verlängerung des Rückens, aber nicht so, daß es schmerzen mußte.

"Ihr seid unartig! Aber wahrscheinlich mag ich das an Euch," lachte sie. Dann betrachtete sie mit tiefem Ernst den Zweig.

"Unartigkeit damit zu strafen ist eigentlich bereits eine Verunstaltung des schönen Brauches, des Schlages mit der immergrünen Lebensrute, Teuerster. Ein jedes Volk, eine jede Sippe, begeht die geweihten Nächte auf andere Weise, die zwölf Tage, in denen die Sonne ihren Lauf zur Wiederkehr wendet. Nur den Wüstenvölkern ist dieser Licht- und Naturmythos unbekannt, verdorrt doch die Sonnenglut ihre Früchte und versengt ihr Land. Die Töchter Freya's entzündeten Feuer auf den heimischen Bergen und rollten mit Stroh umflochtene, hölzerne Feuerräder zu Tal. In dieser Nacht des 21. Julmondes begingen sie das Fest des Rades, der Verzauberung, den Sieg des Lichtes und der Wärme über Dunkelheit und Kälte. Gab es in Eurer Heimat keine solchen Bräuche? Das sollte mich wundern..." Sigrun schweigt eine Weile, in ihre Erinnerungen versunken. Bald werden auch ihre gefallenen Freundinnen sich erheben und die wilde Jagd, angeführt vom Göttervater, beginnt...

In dunkler Zeit die Flamme spricht - vergiß Dein Leid, es siegt das Licht! -

Ja, Ihr habt recht, jetzt ist die Zeit, den Schattengeistern und Todesdämonen zu begegnen, das abbauende Prinzip regiert. Aber wir sind auch auf geheimnisvolle Weise geborgen und behütet - meint Ihr nicht?"


Sigrun schaut aus dem halb zugefrorenen Fenster und zieht Krizz fest an sich. Den Tannenzweig, den sie immer noch in der Hand hält, legt sie auf das Fenstersims.

"Ja, Hugin und ich sind zu dem Schluß gekommen, daß andere seiner Hilfe derzeit mehr bedürfen. Doch wenn wir ihn brauchen, wird er da sein, dessen bin ich gewiß. Ach, ich möchte Euch mit der Lebensrute windelweich prügeln, wenn ich an die Fahrt nach Norden und an den Schwarzen Fürsten denke, Liebster..."

Plötzlich sieht sie aus den Augenwinkeln ein Funkeln und dreht sich um:

"Seht...," sagt sie und dreht das Antlitz ihres Krizz, das sie zwischen ihre Hände genommen hatte, zur Tafel. Der hell aufleuchtende Pokal zerstob in Funken, die alle Farben der Himmelsbrücke hatten, als hätte jemand ein Feuerwerk auf dem Tisch entfacht. Während Krizz noch gebannt dorthin sah, wo die letzten Funken gerade verlöschten, begann Sigrun, ihn zu küssen. Sie hatte eine sehr vermessene Frage auf den Lippen, doch besser, sie stellte sie noch nicht. Dies war ein Abenteuer anderer Größe, anders als alle Feldzüge gegen die Orks und selbst als die Freundschaft und Liebe in jener Gestalt, der sie bisher das Glück hatte, zu begegnen. Wie schwer war es doch, die Gefühle eines anderen zu erraten, mochte er dem eigenen Wesen noch so nahe sein...

Leise klopfte es an der Tür und schnell schaute Sigrun dorthin, hielt aber Krizz' Hand fest. Nachdem er hereingebeten hatte, erschien Ysenbarth mit besorgtem Gesicht. Er berichtete von der sicheren Kunde, die in Nuru umginge, daß ein tarosianischer Heerzug sich auf die dragonischen Grenzen zubewege.

"Dann müssen wir die Vorführung wohl um einige Stunden vorziehen, mein lieber Ysenbarth," sagte die Amazone mit gespielter Leichtigkeit zu ihm. Sie wollte nicht zeigen, wie ihr diese schlimme Botschaft zusetzte, sie drückte nur fester die Hand ihres Krizz. Als Ysenbarth mit einer stummen Verbeugung gegangen war, schaute sie Krizz an und flüsterte:

"Bei den Göttern, ausgerechnet jetzt! Sagt mir, Teuerster, hat das nie ein Ende mit diesem verfluchten Than? Ich will nicht gehen und erst recht will ich nicht, daß Ihr geht!" Mit einem tiefen Seufzer ließ sie sich wie ein trotziges Kind auf das Sitzkissen fallen und stützte den Kopf in die Hände. Ihr war hundeelend zumute, das mochte Krizz wohl bemerken, denn ihr tiefes Amazonengemüt gab schlimmste Ahnungen ein. So saßen beide eine Weile schweigend da, bis Sigrun's Blick auf Kardaz' Harnisch fiel, der immer noch an der Wand lehnte.

'Was soll sein Träger von mir denken? Nie hat er sein eigenes Glück in den Vordergrund gestellt und ich jammere um etwas - wohl die ungestörte friedliche Zweisamkeit, die es bisher nur in der Heimat für mich gab.'

"Verzeiht mir, Lieber, ich rede törichte Worte. Wenn es jemals aufhört, leben wahrscheinlich auch wir nicht mehr. Laßt uns tun, wie unser Gesetz es befiehlt!"
Die Freude auf die Vorführung war dahin, getrübt von den dunklen Wolken, die am Horizont heraufzogen.
« Letzte Änderung: Mi., 31. Dez 2003, 15:38 von Sigrun von Burgund »   Gespeichert  
chriszweih

Re:Die Privatgemächer der Löwenfeste
« Antwort #44 am: So., 04. Jan 2004, 15:11 »

>>Es ist wohl wahrlich besser sich nun um die Zukunft Dragonias zu kümmern, als um unsere eigene. Wir haben viel vor und nun drängt uns auch noch die Not zum Handeln. Ich verfluche diesen Than und ich hasse ihn so sehr, wie ich euch liebe.<<

Krizz steht auf und verläßt das Zimmer.

>>So gerne ich mit euch die nacht verbracht hätte, doch nun liegt das schicksal Dragonias ein Stück weit in Nurus Hände. wer hätte gedacht, daß diese Stadt, von Orks und gesetzlosen über Jahrhunderte hinweg dominiert, zum Schlüssel zur Freiheit werden würde. Ich danke euch für eure gesellschaft, doch nun werdet ihr wohl in Nighton gebraucht. Die Miliz zählt auf euch.<<

Krizz dreht sich nocheinmal um und nimmt Sigrun in die Arme, um sie noch ein letztes mal zu küssen.

>>Vielleicht sehen wir uns wieder, Nuru wird nicht kampflos untergehen.<<
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