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   Autor  Thema: [Abenteuer] Miasma (Gelesen 2985 mal)
Phelan

[Abenteuer] Miasma
« am: Mo., 25. Feb 2019, 23:57 »

Ein Gespenst ging um in Drachenauge. In Krakingen, nahe des Hafens, musste es an Land gekrochen sein. Es hatte Umraschkor, wo die Zwerge lebten, eingenommen und machte sich in Sahlhausen zwischen den Handwerkern breit. Auch in Larindar, dem Viertel der Händler, war es schon gesehen worden. Die höheren Lagen der Hauptstadt, die sich den Drachenberg hinauf zogen, schien es zu meiden. Vor dem Badehaus, der Kathedrale und den Stadtpalais Eldanors schreckte es ebenso zurück, wie vor den Hecken der Hochelfen in Shiya’taî. Hoch oben in Ynis Eldea, hatten die Berater des jungen Königs vielleicht noch nicht einmal davon gehört.

Der Fluch, die Seuche, das Miasma – das Gespenst, das die Hauptstadt heimsuchte, hörte auf viele Namen. In den ehrwürdigen Hallen der Akademie saßen die Weisen der Stadt beisammen und grübelten über der Krankheit wie über einem theoretischen Problem. Sie brachten ihr Fachwissen über Magie, Kräuter, Forschung, Religion und die Natur mit ein. Doch einer Lösung kamen sie damit nicht näher. Es brauchte Leute der Tat, darin war man sich einig. So wie die junge Apothekerin, die inzwischen wohl mehr über die Symptome wusste, als sie zusammen. Doch man hatte sie nicht gerufen, da jetzt nicht der Zeitpunkt war sie von ihrer Arbeit abzuhalten. Nicht solange die Gelehrten selbst nichts zur Heilung beizutragen hatten. „Wir müssen Hilfe von außerhalb rufen“, sagte die Amazone Ejana entschieden und erntete das zustimmende Nicken ernst dreinblickender kluger Köpfe.

„Wir sollten Priester anfordern“, ergänzte Perndra. „Vielleicht vermögen sie diesen Fluch zu brechen.“

„Wir brauchen mehr Heiler“, entgegnete Surabel. „Vielleicht kennt eine Kur für diese Kranheit.“

„Wir sollten kühne und entschlossene Männer rufen“, meinte Andriel. „Vielleicht gelingt es einem von ihnen den üblen Dunst zu vertreiben.“



Runde I


“Also gut”, stimmte Anduil zu, nachdem er reiflich über den Vorschlag nachgedacht hatte. „Schicken wir Boten aus.“ Oinus hatte schon Feder und Pergament zur Hand.

Sehr geehrte…,
die Stadt Drachenauge bittet um Hilfe. Eine rätselhafte Seuche gibt mehr Rätsel auf, als wir derzeit beantworten können, und die Bevölkerung leidet darunter…


„Schreibt rein, dass die Elfen die Brunnen vergiften!“, verlangte ein greiser Zwerg und erschlug eine Mücke, die sich dreist auf dem Rücken seiner linken Hand niedergelassen hatte. Sie fand einen blutroten Tod. „Wilde Spekulationen und Gerüchte haben in einem solchen Schreiben nichts verloren, Gevatter Erzherz“, widersprach der Leiter der Akademie. „Ihr habt leicht reden hier in eurem rausgeputzten Eldanor. Unten in Umraschkor leiden meine Söhne und Töchter“, als Ältester der Zwergengemeinde betrachtete er alle Zwerge der Stadt in gewisser Weise als seine Kinder, „an juckendem Hautausschlag.“

„Und damit sind sie viel besser dran, als wir Menschen“, wandte Ejana ein. „Bei uns löst die Krankheit zudem noch gefährlich hohes Fieber aus.“ Das entlockte Gmoin Erzherz nur ein verächtliches Schnauben. „Ihr seid ganz einfach weich.“ Die Augen der Amazone funkelten gefährlich und ihre Hand zuckte zum Heft ihres Schwertes.

„Aber bitte meine Dame, meine Herren“, machte sich Andriel bemerkbar. „Dies ist doch kein Wettbewerb, in dem es darum geht, wer am meisten leidet.“ Damit zog er die Blicke zweier Paar wutblitzender Augen auf sich. „Sagt der Elf“, grummelte der Gevatter verdrießlich. „Was treiben sich überhaupt so viele Spitzohren in der Akademie herum?“ Eine Geste von ihm schloss den Halbelfen Rendras mit ein. „Es ist ja nicht so, als hätten die Baumknutscher das Wissen für sich gepachtet. Warum gibt es hier keinen Zwerg? Man sollte meinen in der Hauptstadt würde auf etwas mehr Ausgewogenheit geachtet.“

Andriel wollte gerade entgegnen, dass den goldfixierten kleinen Kerlen das Gelehrtengehalt wohl zu gering war, als Anduil damit fortfuhr das Schreiben zu diktieren.

… leidet darunter. Bislang sind vor allem die unteren Viertel betroffen, da sich die Krankheit vom Hafen her auszubreiten scheint. Über die Art der Verbreitung besteht noch keine Einigkeit. Dies zu untersuchen und die Patienten zu behandeln sind die wichtigsten anstehenden Aufgaben.
Für zügiges Eingreifen und Mithilfe jeder Art wären wir zutiefst verbunden.
Im Auftrag der Stadtverwaltung
Anduil, Direkor der Akademie zu Drachenauge


„Ich überlasse es Dir, guter Oinus, den Text ein wenig an die Empfänger anzupassen. Und füge hinzu, dass wir sie übermorgen zur Mittagsstunde in der Akademie erwarten. Und Worte wie Fluch oder Gift sollten ihren Weg nicht in die Schreiben finden.“ Der Seitenhieb war eher an Herrn Erzherz gerichtet, denn auf Gabilus war Verlass. „Einen Boten schicken wir nach Nighton. Wir brauchen Schreiben für den Orden der Weisen, die Apotheke und die Kirche. Ein Bote wird nach Nuru entsandt. Er sollte die Weihehalle, die Apotheke und die Schola aufsuchen. Dann brauchen wir einen Reiter für Sha’Nurdra…“

„Auf keinen Fall“, mischte sich Gevatter Gmoin ein. „Nicht zu diesen spitzohrigen Brunnenvergiftern.“ Der Direktor konnte seine Verwunderung kaum verbergen. „Aber Sir Christian und der Hohenturm…“, wandte er ein. Der Zwerg schüttelte vehement den Kopf. Einen Moment lang spielte der Druide mit dem Gedanken seine Meinung einfach zu übergehen, entschied sich dann aber dafür, dass die Bewohner Umraschkors derzeit auch so schon wahnhaft genug waren. „Gut, keine Briefe für den Elfenwald“, stimmte er schweren Herzens zu. Hoffentlich würde wenigstens Landolin ihrem Ruf folgen. Auf den Rat mindestens eines erfahrenen Hohentürmlers wollte er in dieser Sache nicht verzichten. „Die Briefe für die Kathedrale und die hiesige Apotheke können morgen ausgeliefert werden. Dort haben sie wohl auch so schon alle Hände voll zu tun.“

***

Dort hatten sie tatsächlich alle Hände voll zu tun. Vor der Apotheke hatte sich auch heute wieder eine lange Schlange gebildet und es wurden alle Register gezogen, die vielleicht dabei helfen könnten schneller an die Reihe zu kommen. Mütter trugen blasse, schreiende Kinder auf dem Arm, alte Leute kamen trotz ihrer Gehstöcke bedenklich ins Wanken, ein Mann in feiner Kleidung bot jedem, der ihn vor ließ, eine Goldmünze. Im Moment diskutierte er gerade mit einer Mutter, ob er für das Kind auf ihren Arm ein zweites Goldstück zu bezahlen hatte, oder nicht. Zwerge waren in der Reihe allerdings kaum zu sehen. Und das obwohl Umraschkor mit am stärksten betroffen sein sollte.

Dafür drängten sich etliche Angehörige dieses Volkes in die Kathedrale. Und das obwohl sie nicht unbedingt für ihren strengen Glauben an die Sänger bekannt waren. Überhaupt war das Gotteshaus so gut besucht, wie es nur in schwierigen Zeiten der Fall war. Jetzt wurde mit einer Inbrunst gebetet, welche die Priester in den fetten Jahren bei ihren Schäfchen vermissten. Ja, die Kathedrale war ein beliebter Ort in diesen Tagen. Schließlich hieß es, dass allein sich darin aufzuhalten den Fluch, der das Fieber auslöste, fernhielt. Doch blasse Gesichter, unterdrücktes Husten und mancher roter Fleck, der unter einem Ärmel oder hinter einem Kragen hervorlugte, stellten diese These in Frage.

***

Nicht nur diese offiziellen Anlaufstellen waren gut besucht. Auf dem Marktplatz hatte sich vor einem Mann, der einen abgestellten Karren als Podium nutzte, eine Menschentraube gebildet:

…Tag des Untergangs fast gekommen. Zu lange habt ihr auf eure zu weichen Götter gehört. Nun trifft euch der Zorn Zarkarons! Doch noch ist es nicht zu spät zur Umkehr, wendet euch von den Sängern ab, zeigt Zarkaron wie ernst es euch ist und ihr könnt Herren anstelle von Sklaven in seiner Hölle sein…

Ein Beispiel dafür, wie so ein Vertrauensbeweis an seinen Dämonengott aussehen konnte, lieferte der Prediger, der mindestens halbverrückt und zugleich halbverhungert aussah, eindrucksvoll, indem er sich den eigenen, nackten Rücken blutig schlug. Ein paar Stadtwächter beäugten ihn aus einiger Entfernung und wussten wohl nicht genau, wie sie auf den Spinner reagieren sollten.

Nur einen Steinwurf entfernt pries eine der Aaskrähen lautstark das einzig wirksame Mittel gegen die Seuche an. Niemand wusste genau zu sagen woher diese Leute in ihren schwarzen Mänteln und den großschnäbligen Rabenmasken vor ihren Gesichtern gekommen waren. Sie seien Seuchenärzte aus Aramon, war die verbreitete Antwort auf diese Frage. In vielen Häusern in Sahlhausen und Larindar gingen sie ein und aus, als wären sie dort zuhause. Und manch einer wollte sie – oder Menschen in ähnlicher Tracht – inzwischen dabei gesehen haben, wie sie mit wesentlich volleren Beuteln daraus hervor kamen, als sie beim Eintreten bei sich gehabt hatten. Der Vorwurf sie wären – oder unter ihnen wären – Diebe, wurde laut.

***

Unbemerkt von all den aufgeregten Leuten nagten große Ratten an den sterblichen Überresten, des ersten Seuchentoten. Sie mageren Tiere wirken, als hätten sie diese Mahlzeit dringend nötig. Welche Wirkung hätte die Nachricht über das erste wirkliche Opfer, einen alten Bettler aus Krakingen, wohl auf die Bewohner der Stadt gehabt, die auch ohne dieses Wissen schon so beunruhigt waren?“

***

Dort wo eine Hecke Eldanor von der Unterstadt trennte, stand eine blasse junge Frau mit braunen Locken und schien nicht zu wissen, wohin sie sich wenden sollte. Sie sah sich nach einer sauberen Stelle um, an der sie den leeren Korb abstellen konnte, um die Hand frei zu haben. Sie musste sich dringend kratzen.

Was würde ihr Vater sagen, wenn sie so zurückkehrte, nachdem sie sich ohne sein Wissen vom Anwesen geschlichen hatte? Wenn ausgerechnet sie die Seuche in die Oberstadt trug? Es war sein ausdrücklicher Wunsch gewesen, dass sie schon zum Landsitz vorausreiste, während er noch die Dinge in der Stadt regelte. Sie hatte sich geweigert. Und sie hatte heimlich die Angestellten, die unbezahlt freigestellt worden waren, mit den verderblichen Lebensmitteln, die sonst weggeworfen worden wären, versorgt. Und nun… Sie unterdrückte ein Husten und wandte dem Drachenberg ihren schmalen Rücken zu. Nein, das hier hatte sie sich selbst eingebrockt und nun musste sie es allein durchstehen.

  Gespeichert  
Landolin

Re:[Abenteuer] Miasma
« Antwort #1 am: Mi., 27. Feb 2019, 08:00 »

Der Abend war noch fern, als ein eher träger, gewöhnlicher Arbeitstag durch das Auftauchen eines drachenaugener Boten unterbrochen wurde.
Landolin musterte den abgekämpften Burschen einen Moment lang und entschied sich dann dazu, ihm erst einmal einen Stuhl und einen Becher Wasser anzubieten, ehe er das Schreiben entgegennahm…
Das Siegel wies auf die Akademie der Hauptstadt hin – und der offizielle Charakter wurde durch die geschwungene Unterschrift auf den ersten Blick deutlich. Mit ernster Miene überflog der Hohentürmler den Brief und sah dann über das Pergament hinweg zu dem Boten auf.
“Habt Ihr mehr als einen Brief für Nighton erhalten?“, fragte er ohne Umschweife und nickte zustimmend, als er die Antwort vernahm. Die Kirche und der Orden der Weisen waren nicht nur räumlich gesehen naheliegende Anlaufstationen, wenn es um rätselhafte Vorkommnisse aller Art ging.
“Ihr könnt Euren Auftraggebern von mir ausrichten, dass ich dem Ruf folgen werde. Aber das nächste Mal, wenn sie von einer Seuche berichten, die alle außer Elfen befällt, sollten sie vielleicht einen Elfen als Boten wählen.“

***

Landolin mochte es nicht, den Kräuterkasten ohne ausreichende Vorbereitungszeit an seinen Verwalter übergeben zu müssen, auch wenn er im Grunde wusste, dass seine Angestellten eine Weile lang ganz gut ohne ihn zurechtkamen.
Bereits vor dem Aufbruch nach Drachenauge befürchtete er, die Hälfte an Dingen, die er vor Ort brauchen würde, zu vergessen – und konnte nur hoffen, dass die Arzneivorräte seiner Gildenschwester bei seiner Ankunft noch nicht völlig ausgeplündert sein würden.
Mit prüfendem Blick musterte er die Ladung seines Karrens: Er hatte nach einer kurzen Absprache mit Fjalladis einen Großteil seiner desinfizierenden Substanzen verladen, den bauchigen Trankkessel, einige Kräuter und Grundstoffe, die erfahrungsgemäß saisonbedingt schwer zu bekommen waren – und genug Lebensmittel, um nicht nur die kleine Gruppe aus Nighton sondern auch etliche andere Helfer für einige Tage versorgen zu können, ohne auf drachenaugener Produkte zurückgreifen zu müssen…
Einen Teil der Ladefläche hatte er für das Gepäck der Priesterinnen freigehalten, mit denen gemeinsam er noch vor Morgengrauen in Richtung Hauptstadt aufbrechen wollte, um den Seuchengeplagten schnellstmöglich Hilfe zuteilwerden zu lassen. 

***

Der direkte Weg in die Akademie, den Landolin zusammen mit der Hochelfe wählte, brachte nicht allzu viele neue Erkenntnisse. Die Stadt befand sich sichtlich im Ausnahmezustand: An vernünftiges Handeltreiben und Arbeiten war nicht zu denken, die üblichen Anlaufstationen für Kranke waren längst überlastet, Gerüchte und Verschwörungstheorien breiteten sich unkontrolliert aus – ebenso wie die mysteriöse Krankheit, die immer weitere Teile der Stadt fest in ihrem Griff hielt, obwohl sie glücklicherweise nicht allzu tödlich erschien.
Das meiste davon hatte man sich anhand der Briefe und der ersten Eindrücke bereits zusammenreimen können…

“Gibt es Übersichten über die Brunnen und die Kanalisation der Stadt? Und wenn es möglich ist, hätte ich gerne bis heute Abend möglichst genaue Aufzeichnungen darüber, wann und wo die ersten Krankheitsfälle in den jeweiligen Stadtvierteln aufgetreten sind“, teilte er den Akademikern mit. “Wir werden für meine Pläne auch große Mengen an abgekochtem Wasser brauchen… und Seife. Soviel wie möglich.“

Da es sich abzeichnete, dass ihn sein Weg an dieser Stelle vorerst von Fjalladis trennen würde, nutzte er die Gelegenheit, um ihr noch einige Phiolen zuzustecken.
“Ich bin mir nicht sicher, ob Schutztränke wirklich gegen Krankheiten helfen, oder ob ich es mir nur einbilde – aber hier: Für Dich und Barbelin.
Ogerwurz dagegen hilft gewiss, so scheußlich er auch riechen und schmecken mag. Nach jedem Kontakt mit Patienten in großzügiger Menge auf die Hände aufgetragen, vor allem vor dem Essen, erspart das Zeug einem so manche Unannehmlichkeit.“

Er zwinkerte der Priesterin mit einem angedeuteten Lächeln zu, als er hinzufügte: “Wir sehen uns hier spätestens morgen Mittag wieder. Und dass Du mir ja kein Fieber und keine roten Flecken anschleppst!“
Fjalladis hatte auf der Hinreise seine Grübeleien darüber, ob die vorherrschende Seuche Elfen - wie so viele menschliche Krankheiten - überhaupt nicht befallen konnte, oder ob sie bei dieser langlebigen Rasse einfach nur eine verlängerte Inkubationszeit hatte, gewiss ausgiebig genug über sich ergehen lassen müssen, um diese Aussage richtig einordnen zu können…

***

Es erwies sich als etwas langwierig, aber nicht unmöglich, um bis zur Apotheke ‚Zur Quelle der Heilung‘ vorzudringen. Der Name des Geschäftes verkörperte in diesen Tagen wohl mehr denn je den Wunsch der Einwohner Drachenauges…
Landolin selbst fühlte sich nicht nur wegen der schieren Menge an Patienten dazu verpflichtet, Shikra einen Besuch abzustatten und ihr seine Hilfe anzubieten. Neben der Tatsache, dass die Waldelfe vermutlich eine ausgesprochen fundierte Meinungen über die Art der Krankheit abgeben konnte, trieb ihn die Solidarität seiner Gildenschwester gegenüber in den Apothekenturm.
Er würde in einer fremden Stadt keine Heiltätigkeit aufnehmen, ohne sich mit den angestammten Heilern abzustimmen, denn schlechte Zusammenarbeit oder gar Missgunst konnte allen Beteiligten nur schaden.
Zwar hätte Shikra ihm als ihrem Ausbilder womöglich zugestanden, ihr ungefragt Arbeit abzunehmen, aber sie selbst hatte sich vor einiger Zeit in Nighton unbekannterweise so loyal und kooperativ gezeigt, dass er sie keinesfalls übergehen wollte.

“Paladin zum Gruße, werte Shikra“, meinte er in ruhigem Tonfall, der nach allem, was er in der Schlange der Wartenden gehört hatte, in starkem Gegensatz zu dem stehen musste, was die Elfe in den letzten Stunden von ihren Patienten zu hören bekommen hatte. “Ihr habt nicht zufällig ein wenig Arbeit für einen Heiler aus Nighton übrig?“
Der Anblick des nur mühsam kontrollierten Chaos im Verkaufsraum, das zwangsläufig entstand, wenn zu viele Patienten in zu kurzer Zeit uneingeschränkte Aufmerksamkeit forderten, ließ Landolin seinen letzten Satz bereuen.
“Verzeiht meinen Unernst, Shikra. Sagt, wie kann ich Euch am besten zur Hand gehen? Wenn Ihr mir zeigt, wie man diese Krankheit behandelt, kann ich Euch vielleicht ein paar Stunden Pause verschaffen.“



+ 3 Schutztränke
+ 3 Stärketränke
+ 10 Kräuter
+ 20 Desinfektionsmittel aus der Apotheke

- 2 Schutztränke, - 6 Desinfektionsmittel an Fjalladis

  Gespeichert  
Domitia di Asturien

Re:[Abenteuer] Miasma
« Antwort #2 am: Mi., 27. Feb 2019, 11:29 »

Eine Seuche grassierte in der Stadt. Ein Fluch, wurde gemunkelt. Ging der Ausbruch der Erkrankung mit der Rattenseuche im Waisenhaus in Sahlhausen einher? Aller Voraussicht nach hatte die Krankheit in Krakingen sein erstes Opfer gefunden und nicht in Sahlhausen. Gerüchte verbreiteten sich beizeiten. Domitia sorgte sich um die Waisenkinder. Paladin sei Dank hatte die Priesterin die Kinder vor Ausbruch der Seuche auf Christians Schiff verlegen lassen. Früh morgens an diesem Tage wies sie die Schiffsmannschaft an, niemanden das Schiff betreten zu lassen noch es selbst zu verlassen bis die Epidemie eingedämmt war. Nahrungsmittel und Heilmittel wurden von den Mönchen überstellt.

Auf dem Rückweg zur Kathedrale, beim Überqueren des Marktes, vernahm Domitia das Geschrei des Wanderpredigers, der das Schreckgespenst des nahenden Untergangs proklamierte. Zu ihrem Bedauern mangelte es Domitia an Zeit den fehlgeleiteten Prediger zurechtzuweisen. Indes mangelte es auch an Zeit Christian einen Brief zu schreiben und um sein Kommen zu bitten. Seine Hilfe wäre von hohem Wert gewesen.

In der Kathedrale drängten sich die Sorgenvollen und die Kranken. Pater Eusebius kümmerte sich um eine adäquate Versorgung und Quarantäne, indes Domitia vor der Mittagsandacht zur Apotheke hastete, um Shikra um Ratschlag und Heilmittel zu ersuchen. Die Priesterin, an ihrer Robe als solche erkennbar, drängte sich – mit dem Segen Paladins für alle Wartenden auf den Lippen - an der Schlange vorbei in den Apothekenturm und begab sich ohne Umschweife zur Apothekerin.

„Paladin zum Gruße, werte Shirka. Verzeiht mein forsches Eindringen. Die Kathedrale quillt über von fiebergeplagten Leidenden, die außerstande sind aufrecht zu gehen. Nebst Fieber, Blässe, trockener Husten, rote Flecken an exponierter Haut. Was empfehlt Ihr zur Behandlung? Wir verlegen die Kranken in einen abgesonderten Bereich zur Verhinderung eines Übergreifens auf die bisher Verschonten. Viele flehen um den Beistand der Götter. Paladin möge alle segnen.“

Domitia ersuchte um Heilmittel für eine Erstversorgung. „Pater Eusebius sprach von Unterstützung, die aus den umliegenden Städten zu erwarten wäre. Sollte ein Medicus bei euch vorstellig werden, bitte, entsendet ihn zur Kathedrale um die Gepeinigten höchstselbst zu spezifizieren. Wir Priester können Leiden lindern, indes nicht kurieren.“

Eine Stunde später eilte die Priesterin zurück zur Kathedrale.

  Gespeichert  
Shikra

Re:[Abenteuer] Miasma
« Antwort #3 am: Mi., 27. Feb 2019, 18:08 »

Schon seit den frühen Morgenstunden stand die junge Heilerin im Verkaufsraum und versorgte die große Anzahl an kranken und schwachen Menschen. Schon in den letzten Tagen hatte sich eine schwere Erkältungswelle abgezeichnet, doch was sich in den seit vorgestern in der Apotheke abspielte, war damit kaum noch zu vergleichen.

Es waren so viele Hilfsbedürftige in ihrer Apotheke, es war laut und chaotisch. Während sich Shikra völlig auf die Versorgung der Erkrankten konzentrierte, unternahm Mareika immer wieder den Versuch für etwas Ruhe und Ordnung zu sorgen; meist vergeblich. Dennoch bedachte die Heilerin ihre Unterstützung in solchen Momenten mit sehr dankbaren Blicken. Immerhin hätte Mareika bei sich zu Hause genug zu tun und doch war sie ihr nicht von der Seite gewichen, seit die Seuche, wie die gehäuften Krankheitsfälle schon genannt wurden, ausgebrochen war.

Langsam kannte die Apothekerin auch die häufigsten Symptome und hatte sich relativ einfach umzusetzende Heilungsansätze zu Recht gelegt. Den Hautauschlag behandelte sie mit einer entzündungshemmenden Wundsalbe, die zu dem relativ einfach in großen Maßstab herzustellen war. Waren die Wunden größer oder tiefer, wirkte sie auch ab und zu einen kurzen Heilzauber. Gegen den Husten verabreichte sie Säfte mit Thymian, Eibisch oder Efeu.
Bei hohem Fieber riet sie zu kühlenden Umschlägen und bat die Patienten eindringlich genug zu trinken, da der Körper im fiebrigen Zustand viel Flüssigkeit verlor.
Was ihr besonders zu denken gab, war die extreme Schwäche, unter der so viele litten, denn mehr als Ruhe und nahrhaftes, leichtbekömmliches Essen konnte sie diesen Menschen nicht raten. Und zugleich wusste sie, dass viele von ihnen aus den ärmeren Vierteln stammten und sich ausreichend Nahrung gar nicht leisten konnten, geschweige denn abgekochtes Wasser in genügender Menge.

Viel Zeit, über solche und ähnliche Probleme nachzudenken, blieb ihr nicht, denn schon schrie die nächste Mutter, dass ihr Kind sterben würde, wenn sich Shikra nicht sofort um die Kleine kümmern würde.
Also legte sie zum Abschied dem alten blassen Mann nochmals die Hand auf die Schulter und drehte sich dann zu der besorgten Mutter um. Im Hintergrund schrie jemand. Neben ihr bekam eine junge Frau vor lauter Husten kaum noch Luft.


Shikra hatte gerade zwei kleinen Mädchen jeweils einen Löffel voll Hustensaft gegeben und dem Vater die restliche Flasche in die Hand gedrückt, als Domitia fast schon in ihre Apotheke gestürmt kam. Die Heilerin begrüßte die Priesterin recht knapp, überblickte die Runde der Erkrankten, die sich im Moment im Verkaufsraum aufhielten und kam zu dem Schluss, dass sie es wagen konnte, sich mit der Paladin-Anhängerin kurz in ihr Arbeitszimmer zurückzuziehen.
Unter Protesten der Hilfesuchenden und unter Entschuldigungen der Waldelfe führte sie ihren Besuch nach nebenan.
„Ich bin ja gleich wieder zurück. Versprochen. Und dann schaue ich sofort nach deinem Mann und nach den Kindern.“

Sie bot Domitia einen Stuhl, ein Glas zu trinken und die Obstschale an.
„Werte Domitia, ich freue mich über euren Besuch. Wie ihr sehen konntet, sieht es hier in der Apotheke nicht anders aus. Die gleichen Symptome, nur dass die Gesunden bei mir nicht vorbeischauen. Das Fieber versuche ich mit nassen Umschlägen zu senken, für den Husten habe ich ein paar Säfte in großer Menge hergestellt. Ansonsten helfen am besten Ruhe und ausreichend Wasser und kräftige Suppen und Eintöpfe für die Schwachen und Erschöpften.“
Da wurde sie von Mareika unterbrochen und zurück in die Offizin gebeten.
„Könnt ihr noch einen Moment erübrigen, werte Domitia? Ich würde euch gerne noch ein paar Tränke und Salben mitgeben. Nutzt die Zeit um ein bisschen was zu essen.“
Sie hatte den Eindruck auf dem Gesicht der jungen Priesterin ebenfalls Anzeichen einer leichten Erschöpfung zu erkennen. Es war sicher ebenso kräftezerrend  den Kranken und Gesunden Tag und Nacht Mut zu zusprechen und für das Seelenheil zu beten, wie die Symptome der Erkrankten zu behandeln.

Wenige Minuten später kehrte sie zurück und nahm das unterbrochene Gespräch wieder auf.
„Die roten Flecken und seltsamen Ausschläge versuche ich mit einer Salbe zum Abheilen zu bringen. Ob das von Erfolg gekrönt ist, kann ich im Moment noch nicht beurteilen. Es scheint jedoch zumindest den Juckreiz ein wenig zu lindern.“
Wenn auch vielleicht nur deswegen, weil die Patienten sich nicht trauten, die Creme gleich wieder abzukratzen.
„Sehr umsichtig von euch, eine Ausbreitung der Krankheit durch die Trennung der Gläubigen einzudämmen.“
Die angesprochene Unterstützung aus den umliegenden Städten bezog die junge Elfe vor allem auf die Priesterschaft. Dennoch versprach sie, falls sich die Möglichkeit bot, einen Heiler zur Kathedrale zu schicken. An einen zweiten, wie er kurze Zeit später in der Apotheke auftauchen würde, oder dritten Hohentürmler, dachte sie in diesem Moment sicher nicht; eher an einen Heilkundigen aus der Nachbarschaft.
Nach fast einer Stunde, die Apothekerin wurde nur noch einmal aus dem Gespräch gerissen, verabschiedete sie Domitia und hatte ihr einige Flaschen des Hustensaftes und ein paar Tiegel mit der beruhigenden Wundsalbe mitgegeben.


Immer wieder verschwand die junge Heilerin für ein paar Minuten in ihrer Tränkeküche, um Nachschub an Salbe, Saft und Wundbinden zu holen. Und diese Momente nutzte sie ebenfalls, um ein paar Schlucke zu trinken, ein bisschen was zu essen und sich kurz mal hinzusetzen. Ebenfalls nötigte sie Mareika immer wieder zu solchen kurzen Pausen. Sie hatte bei ihrer Reise nach Isua gelernt, dass es nichts brachte, wenn sich der Heiler schon in den ersten Stunden völlig aufarbeitete. In einer dieser Pausen nahm sie zusätzlich einen großen Schluck Manatrank, um für die nächsten tieferen Verletzungen gerüstet zu sein.

Beladen mit neuen Vorräten kehrte sie in den Verkaufsraum, der mittlerweile eher einem Krankenlager glich, zurück und wurde sogleich von zwei Männern umringt, die ihren Hautausschlag behandeln lassen wollten.
„Einer nach dem anderen, bitte.“
sprach sie mit ausdruckloser Stimme, legte ihre Sammlung an Tiegeln und Fläschchen ab und wandte sich dem einen der beiden zu, als sie jemand von der Seite her ansprach. Irritiert blickte sie sich nach dem Mann mit der ruhigen Stimme um, bis sie Landolin erkannte.


Ungläubig blickte sie den Hohentürmler an. Sie bekam Unterstützung aus ihrer Gilde? Warum hatte sie nicht daran gedacht dem Hohenturm zu schreiben, als sich ausufernde Krankheit zu mehr als einer normalen Erkältungswelle entwickelt hatte. Sie war so von ihren Patienten beansprucht worden, dass sie über weitere Maßnahmen gar nicht nachgedacht hatte. Doch anscheinend war die Gilde anderweitig verständigt oder informiert worden.
Ein Lächeln zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab, ein müdes und doch glückliches Lächeln.
Mit den Worten
„Landolin, wie gut, dass ihr gekommen seid.“
fiel sie ihm dankbar um den Hals. Etwas, dass sie sich vielleicht vor ihren gemeinsamen lehrreichen Stunden und vor Christians Besuch hier in der Apotheke nicht getraut hätte, doch im Moment war sie einfach nur glücklich, dass kompetente Hilfe da war.
Auf seine Frage allerdings nach Arbeit für einen weiteren Heiler blickte sie ihn kurz verständnislos an. Im Hintergrund wurden die Schreie nach Behandlung wieder lauter, denn immerhin standen nun zwei Apotheker untätig in mitten vieler Kranke herum.

„Eure Hilfe ist hier mehr als willkommen. Vor allem Husten, Fieber, Schwäche und Hautausschlag dominieren die Symptome. Zuerst dachte ich, es wäre eine typische Erkältungswelle, doch es werden jeden Tag mehr, die nach Behandlung verlangen.“
Während sie schon wieder damit begonnen hatte, einen unschönen blutigen Unterarm zu reinigen, mit Salbe einzureiben und danach zu verbinden, erzählte sie ihrem Gildenbruder alles, was sie in den letzten Tagen über die Krankheit erfahren hatte und wie sie versuchte diese zu behandeln: Salben für die Ausschläge, Säfte für den Husten, Umschläge gegen das Fieber und Ruhe für die Schwachen.

Sein Angebot für eine Pause lehnte sie ab. Immerhin hatte sie es trotz der vielen Arbeit geschafft, jede Nacht ein paar Stunden zu schlafen. Dafür schickte sie Mareika für ein paar Stunden nach Hause. Sie sollte dort nach dem Rechten sehen und sich etwas Ruhe gönnen.

Bei einer kurzen Pause fiel der jungen Heilerin ihr Versprechen ein, dass sie Domitia gegeben hatte. An Landolin gewandt sprach sie:
„Heute Mittag war eine Priesterin aus der Kathedrale da und hatte um Beistand durch einen Heiler gebeten, falls es sich einrichten ließe. Vielleicht sollte einer von uns drüben mal nach dem Rechten sehen?“
Dabei hoffte sie fast ein bisschen, dass ihr Gildenbruder das übernehmen würde, denn ihr selbst war das riesige Gotteshaus nicht ganz geheuer.


-12 Mana
- 1 Manatrank
« Letzte Änderung: So., 10. Mär 2019, 10:21 von Shikra »
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Barbelin Krapper

Re:[Abenteuer] Miasma
« Antwort #4 am: Do., 28. Feb 2019, 13:24 »

Hastige, näher kommende Schritte rissen Barbelin aus ihrer stillen Andacht. Sie schätzte diese Zeit der Ruhe in der gerade nicht angepackt werden musste und die Bürger Nightons selbst mit Arbeiten beschäftigt waren. Diese war nun aber vorbei und die junge Priesterin erblickte einen gehetzt wirkenden Mann der eine Botschaft für die Kirche von Nighton hätte. Es schien etwas wichtiges zu sein, denn es handelte sich um ein Pergament mit Siegel, so viel konnte sie erkennen. "Wartet doch bitte einen Monent und ruht euch aus werter Herr." bot sie ihm an Platz zu nehmen und steuerte mit raschen Schritten die Kammer von Fjalladis an. "Priesterin Fjalladis? Ein Bote aus Drachenauge ist eingetroffen, er scheint wichtige Neuigkeiten mitzubringen." klärte sie ihre Mentorin soweit auf und folgte ihr dann zurück in das Hauptschiff.

Die Neuigkeiten waren beängsitgend, eine Seuche wütete in der Stadt und es brauchte dringend Hilfe. Trotz der Aufregung verhielt sich Barbelin erst einmal ruhig und überließ es der erfahreneren Hochelfe den Boten weiter auszufragen, erst als dieser wieder gegangen war erlaubte sie es sich sich zu äußeren. "Wir sollten alsbald aufbrechen wenn so viele Leben auf dem Spiel stehen." Das die Priesterin nicht gerade erbaut von der Idee war das sie selbst mitreisen wollte verstand Barbelin, es stoppte aber nicht ihren inbrünstigen Wunsch zu helfen wo es nötig war. Und so kam es das sie Fjalladis doch folgte als diese den Hohentürmler Landolin aufsuchte, der ebenfalls benachtichtigt worden war. Dank diesem hatten sie auch ein Gefährt für die Reise, welches mit Vorräten und Arzneimitteln befüllt worden war. Auf der Reise versuchte Barbelin zumindest das wichtigste zu lernen wenn es um den Umgang mit Seuchenopfern ging.

Am Ende der Reise lag die Hauptstadt vor ihnen, für die Halbelfe war es das erste Mal das sie eine Stadt dieser Größe sah, von aussen gab es keinen Hinweis auf das Übel welche die Bevölkerung befallen hatte. Alles war so viel Größer als in Nighton. Doch bereits beim Näherkommen fielen die ersten Hinweise auf, es waren weniger Einwohner auf der Straße hinein. Kurz hinter dem Stadttor trennte sich Barbelin von den Beiden die weiter in Richtung Akademie wollte. "Ich werde zur Kathedrale gehen und uns ein Zimmer vorbereiten lassen." verabschiedete sich die Halbelfe als der Weg zu besagtem Bauwerk bereits eindeutig zu finden war. Der Weg dorthin wirkte bizarr und unwirklich, menschenleere Gassen und dann traten plötzlich dunkel gekleidete Personen mit noch merkwürdigeren Masken aus einem Haus und marschierten an ihr vorbei. Sie würde später ihre Mentorin fragen müssen worum es sich da handelte.

Schließlich erreichte sie das imposante Bauwerk gegen das die Kirche in Nighton einfach nur schlicht wirkte. Doch das Bild welches göttliche Kraft übermittelete war getrübt. Überall befanden sich vermeindlich Kranke wie behandelt werden wollte, es waren so viele das Barbelin nicht sogleich Einlass erhalten konnte, geschweige denn sich ausweisen. Hilfesuchend blickte sie sich um und erblickte eine bekannte Gestalt, Domitia. Erfreut darüber ein bekanntes Gesicht erblickt zu haben eilte die Halbelfe auf die Paladin-Pristerin zu. "Paladin zum Gruße Domitia, wir erhielt in Nighton einen Hilferuf aus der Akademie und sind sogleich hergekommen." dabei beugte sie leicht das Haupt zum Gruße. Auf Grund der Reise trug Barbelin keine Priesterrobe sondern recht einfache Pilgerkleidung, unter dem Mantel blitzte aber das Kettenhemd auf. "Priesterin Fjalladis und ich suchen noch einen Schlafplatz, daher bin ich eigentlich hergekommen, aber..." Dabei blickte sie hinüber zu den Kranken und vermutete das es wohl kaum viele freie Betten geben würde. "Was könnt ihr denn über die Seuche erzählen und wie kann ich helfen, wenn ich schon einmal hier bin?"
« Letzte Änderung: Do., 28. Feb 2019, 13:30 von Merdarion Ni Hawk »
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Domitia di Asturien

Re:[Abenteuer] Miasma
« Antwort #5 am: Do., 28. Feb 2019, 18:05 »

Am Kirchenportal wurde Domitia des Ausrufs ihres Namens gewahr. "Paladin zum Gruße, werte Barbelin. Wie bin ich erfreut Euch zu sehen. Pater Eusebius sprach demnach wahr. Es wurde nach Hilfe aus den Städten gesandt. Paladin schickt Euch. Bitte, tretet ein."

Domitia, im Gegensatz zu Barbelin die Robe tragend, geleitete die Priesterin aus Nighton ins Hauptschiff. "Wir versuchen die Betenden von den Kranken zu scheiden um weitere Ansteckung zu unterbinden." Sie wies auf die Bereiche in den Seitenschiffen, die mit Liegen ausgestattet waren.

"Eine frei stehende Kammer für Euch und die werte Fjalladis wird sich gewiss bei den Priesterunterkünften finden lassen. Pater William hat uns kürzlich verlassen."

Eindringlich schilderte Domitia die Symptome der Erkrankung und welche Ratschläge zur Kur Apothekerin Shikra erteilt hatte. Die Freiin verwies auf die Salben und Säfte, welche ihr übertragen waren.

"Seid bedankt für Eure helfende Hand. Hier, nehmt die Heilmittel an Euch. Die andere Hälfte überbringe ich Pater Eusebius. Fangt doch bitte gleich hier an." Domitia wies nach links.

"Ich war bestürzt zu hören wie schändlich und schamlos die Verzweifelten verunsichert werden. Am Markt befindet sich ein Wanderprediger, den Untergang der Welt proklamierend, sollten die Furchtsamen den Weg seines Gottes verschmähen. Eines Gottes, dessen Name ich in keiner Schrift je fand."


Eilig begab sich Domitia rechter Hand zur Kapelle und überreichte Pater Eusebius die Apothekenware. Mit einem qualmenden Weihrauchfass kehrte die Priesterin zu Barbelin zurück, schlug über den Kranken das Zeichen des Paladin, schwenkte das Gefäß und sprach ein mutspendendes Gebet.

"Soll ich Euch eine Robe ausleihen, werte Barbelin?",  fragte sie da sie des Kettenhemds gewahr wurde. Welch unpassende Gewandung in Ausübung der priesterlichen Pflicht. "Indes Ihr fürchtet einen Hinterhalt?"
« Letzte Änderung: Do., 28. Feb 2019, 18:10 von Domitia »
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Shikra

Re:[Abenteuer] Miasma
« Antwort #6 am: Fr., 01. Mär 2019, 12:16 »

Wie viel Zeit seit Landolins Ankunft schon wieder vergangen waren, konnte die Waldelfe nicht genau beantworten. Und obwohl nun zwei Heiler ihre volle Aufmerksamkeit für die Hilfsbedürftigen aufbrachten, riss die Schlange vor der Apotheke nicht ab. Dafür wurden die Geschichten und Gerüchte, die in den Turm getragen wurden immer fantastischer. Von fremden Ärzten, merkwürdigen Gottheiten und unterschiedlichsten Thesen  über die Ursache der vielen Krankheitsfällen wussten die Patienten und ihre Angehörigen zu berichten. Shikra hörte höchstens mit einem halben spitzen Ohr zu und behielt daher nur sehr wenig von dem Erzählten im Gedächtnis.

Einmal horchte sie jedoch auf, als ein junger Mann, wahrscheinlich ein Hafenarbeiter, über verhängnisvolle Nebelschwaden sprach. Das erinnerte sie an die Notiz, die vor Martins Tür gelegen hatte. Doch sofort forderte die ältere Dame, die sich gerade in der Obhut der elfischen Heilerin befand, wieder ihre ungeteilte Aufmerksamkeit.

Kurz darauf drängte sich ein Bote durch die Menschen. Er hielt einen Brief hoch über den Kopf und informierte jeden, der es wissen wollte und jeden, dem es egal war, dass er von der Akademie war und sofort den örtlichen Apotheker sprechen wollte.
Kurz schaute sie sich ratlos nach ihrem Gildenbruder um, zuckte dann mit den Schultern und führte den Boten nach nebenan, um ungestört mit ihm sprechen zu können. Doch viel mehr, als ihr das Pergament in die Hand zu drücken und dann fluchtartig den Turm zu verlassen, schaffte der wichtige Bote der Akademie dann nicht.

Immerhin war der Brief ausführlich genug, sodass Shikra nach dem Lesen wusste, dass es sich nach offiziellen Maßstäben um eine Seuche handelte, dass man nach Unterstützung bei der Behandlung und Bekämpfung bat und dass sie morgen um die Mittagszeit in der Akademie erwartet wurde.

Sie kehrte nicht gleich in die Offizin zurück, sondern stieg die Stufen zum ersten Stock hinauf und klopfte an dem Gästezimmer, das im Moment den Baron von Muesig beherbergte. Sie hoffte, dass er gerade da war. Sie wollte ihm erzählen, was sie von dem vermeintlichen Hafenarbeiter gehört hatte und ihm den Brief, der eben vorbeigebracht worden war, zeigen. Vielleicht half ihm das bei seiner Suche und vielleicht wollte er sie morgen dorthin begleiten, um dort nach dem Urheber der Notiz zu forschen.

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Barbelin Krapper

Re:[Abenteuer] Miasma
« Antwort #7 am: Fr., 01. Mär 2019, 13:16 »

Aufmerksam zuhörend folgte Barbelin Domitia hinein in die Kathedrale. Von innen war diese noch beeindruckender als von aussen, was Barbelin dazu veranlasste einen Moment stehen zu bleiben und das Ganze auf sich wirken zu lassen. Sogleich schloss sie aber wieder zu der Priesterin auf. Das es wohl doch einen Schlafplatz für die beiden Nightoner geben würde

Als Domitia dann von einem Wanderprediger erzählte erinnerte sie sich an die Panik die vor noch nicht allzulanger Zeit in Nighton geherrscht hatte als ein Komet die Bevölkerung verunsichert hatte. Vielleicht war es auch besser wenn man nicht wusste um welchen fremden Gott es sich handelte. "Ich bin sicher mit der nötigen Fürsorge seitens der Priester der vier Sänger wird er wenig Erfolg haben. Ihn zu vertreiben erscheint mir aber nicht ratsam, solange er sich an geltendes Recht hällt."

Während Domitia dann die Heilmittel wegbrachte trat Barbelin vorsichtig an einen der Hilfesuchenden heran, grüßte ihn höflich und wies sich als Priesterin aus die helfen wollte. Dann ließ sie sich die Symptome nochmals schildern, nur um sicher zu gehen ob er sich wirklich mit dieser Seuche angesteckt haben sollte. Kurz darauf kehrte die Pristerin dann wieder zurück. "Oh gerne. Nein hier im Hause Paladins fürchte ich keinen Hinterhalt, doch die Straßen im Reich sind nicht immer sicher und ich bin gerade erst angekommen."

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Ardir Wintersturm

Re:[Abenteuer] Miasma
« Antwort #8 am: So., 03. Mär 2019, 12:09 »

Ardir war unterwegs in die Unterstadt. Obwohl man in Eldanor hinter vorgehaltener Hand über die Seuche tuschelte, sah der Bezirk immer noch tadellos aus. Vielleicht mochte einem als langjähriger Einwohner auffallen, dass weniger los war auf den Strassen, Botengänge hastiger erledigt wurden und erstaunlich viele Häuser seltsam verlassen wirkten. Die Ratten verliessen das sinkende Schiff, dachte der Halbelf kopfschüttelnd. Aber konnte er es ihnen verdenken?
Würde er seine Familie - so er denn eine hätte - nicht auch wegschicken, um sie in Sicherheit zu haben? Wahrscheinlich schon. Allerdings hatte er keine, und das war auch gut so.

Der bezaubernde Anblick einer hübschen jungen Frau holte ihn augenblicklich aus seinen trübseligen Gedanken. Doch nur für einen kurzen Moment. Dann bemerkte er dass ihre Blässe nicht nur edel war. Und der Husten klang auch nicht gerade nett.

"Verzeiht, Teuerste, darf Ich Euch helfen?", er bot der Braunhaarigen galant den Arm und nahm ihr den Korb ab. "Ardir Wintersturm, vom hiesigen Gestüt der von Müsig. Ihr verzeiht meine direkte Art, aber Ihr scheint mir etwas blass um die Nase." Was natürlich eine dezente Untertreibung war, aber wer war er einer hübschen jungen Dame zu sagen, dass sie fürchterlich aussah?

"Dürfte ich Euch vielleicht in die Apotheke geleiten? Die Geschäftsführerin dort ist eine hervorragende Heilerin, sehr professionell" redete der Rothaarige weiter und versuchte die junge Tochter aus gutem Hause, so ihrer Kleidung nach zu urteilen, möglichst Richtung Apotheke zu lotsen. Die Seuche hatte nun wohl auch die Oberschicht erreicht.

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Kaira

Re:[Abenteuer] Miasma
« Antwort #9 am: Mo., 04. Mär 2019, 23:57 »

Das sanfte Klirren des Klangspiels über der Tür kündigte einen Besucher an. Kaira, die gerade Einkäufe für die Apotheke erledigte, sah weder sein abgehetztes Gesicht, noch lauschte dem Gespräch zwischen ihm und Coan. Als sie das Tor der Apotheke passierte, sah sie einzig einen Reiter am Ende der Straße geschwind über das Kopfsteinpflaster reiten. Mit einem neugierigen Blick öffnete sie die Einganstür und fragte Coan aus wie eine neugierige Alte. "War das Besuch bei uns?" Was sich anschloss war eine langwierige Diskussion ob und wer sich auf nach Drachenauge machen sollte. Kairas wilder Enthusiasmus siegte und so ritt sie alsbald los, um die Lage zu überprüfen und sich in der Akademie zu melden.

Immer wieder dachte sie auf ihrer Reise über den Brief nach. Keine Erwähnung der Symptome - war kein kundiger Heiler anwesend gewesen? Sie hätte bessere Vorbereitungen treffen können, hätte sie diese gekannt. Vom Hafen her breitet sie sich aus - wurde ein Schiff mit Kranken empfangen? Wurden Vorkehrungen getroffen, sie zu isolieren oder zumindest zu verhindern, dass Kranke mit ihnen reisaus nehmen? Und Shikra...ob sie wohl noch Schlaf bekommt? Seuche, das hörte sich sehr alarmierend an...

Sie trieb ihr Pferd ein wenig mehr an und so bog sie bereits wenig später in eine schmale Gasse ein, die direkt auf den Marktplatz führte. Bevor sie in der Akademie einkehrte, wollte sie sich selbst ein Bild machen.

Die auffälligen Kostüme der Aaskrähen zogen ihre Aufmerksam stärker auf sich als das Bild des sich selbst schindenden Mannes. Unruhig bewegte sich ihr Pferd von einer Seite auf die andere und zurück. War es die Menschenmenge oder doch das Gejammer des Dämonenbeschwörers, das ihr sonst so ruhiges Tier etwas aus der Fassung brachte? Kaira hielt die Zügel fest und lauschte dem Krähenmann ein paar Momente und schnappte dann das Getuschel zweier runder Marktfrauen am Rande des Geschehens auf. "Sagt, werte Damen,"sie beugte sich etwas in ihre Richtung herunter, "hat denn einer dieser Herren schon Erfolge erziehlt mit ihren Heilmethoden?" Würde dies verneint werden, käme eine Nachfrage ihrerseits, ob denn mit einer anderen Methode bereits Kranke erfolgreich auskuriert wurden. "Und wofür diese seltsamen Kostüme? Aasfressende Kreaturen und Kranke, das scheint mir keine sehr schöne Verbindung zu sein. Wenn schon eine Verkleidung, dann warum nicht eine hoffnungsvollere?" sie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Sie musterte die Verkleidung der schwarzen Kreaturen und ihre Art sich zu bewegten. Dass sie sich nicht die Mühe machte von ihrem nervösen Tier abzusteigen mochte von den Damen als Zeichen gedeutet werden, dass sie von Außerhalb zu kommen schien und es recht eilig hatte. So hoffte sie zumindest, denn mit unnötigem Tratsch wollte sie nicht ihre Zeit vergeuden. "Welches Mittel wollen sie verkaufen?" Sie nickte freundlich auf die Antwort der Damen bevor sie an sie richtete, "Eine letzte Frage habe ich noch, dann mache ich mich wieder auf, ich muss zum Hafen. Welche Symptome plagt die Kranken hier?" Sie dankte den beiden und verabschiedete sich mit dem guten Wunsch sie mögen gesund verbleiben.

Der junge Friese war froh sich wieder bewegen zu dürfen. Es ging zum Hafen. Eine Abzweigung nahm sie hier falsch eine dort - ganz wie in alten Zeiten... Sie brachte ihr Pferd kurz zum Stehen als sie an einer Kneipe vorbei kam, bei der sie sich ganz sicher gewesen war, dass Beerlis Cousin oder Bruder oder wer es doch gleich war, dort heraus gekommen war. Ein bisschen hoffte sie, einen von ihnen über den Weg zu laufen. Schnell raffte sie sich wieder zusammen, jetzt war der falsche Zeitpunkt um in Erinnerungen zu schwelgen.

Am Hafen angekommen band sie ihren Friesen an und suchte das Gespräch mit Christopherus Pfenningfuchser. Als sie Eintrat vermied sie ein formales Händeschütteln wie es typisch für diese Sippe war, während sie sich und das Anliegen knapp vorstellte, welches sie nach Drachenauge gebracht hatte. Welchen Eindruck das wohl auf ihr Gegenüber haben dürfte war der hochgewachsenen Amazone dabei herzlich egal, es war Vorsicht geboten. Mit einem abgeklärten Blick musterte sie ihr Gegenüber und hielt nach einem der beschriebenen Symptome Ausschau. "Wie schlimm hat es den Hafen erwischt? Haben vor Ausbruch Schiffe mit Kranken angelegt und falls dem so war, wo waren diese her? Ihre Antworten sind dringend benötigt, um den Menschen hier bessere Hilfe leisten zu können. Wir müssen zügig handeln."

Mit all diesen Eindrücken verließ sie Pfennigfuchser und ließ ihr Pferd durch die Gassen Drachenauges zur Akademie traben. Auf halbem Weg jedoch änderte sie ihre Meinung und entschied sich für einen Abstecher bei Shikra. Vielleicht konnte sie ihr unter die Arme greifen bevor sie gemeinsam zur Akademie ritten. An dem romantischen Apothekerhäuschen angekommen erschrak sie dann doch ob der großen Anzahl an Kranken die sich hier versammelt hatten. Schnell sprang sie ab,  Band ihr Pferd an und drängte sich an der Menschenmenge vorbei, aufgrund einiger Beschimpfungen unter der Ankündigung sie sei eine Heilerin. Drinnen wollte sie sich  über die gewählte Medikation informieren und von ihren Erkenntnissen berichten.
« Letzte Änderung: Di., 05. Mär 2019, 13:25 von Kaira »
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Landolin

Re:[Abenteuer] Miasma
« Antwort #10 am: Di., 05. Mär 2019, 17:23 »

Shikras Reaktion auf sein Auftauchen in ihrer Apotheke überraschte Landolin. Dass Unterstützung gerne gesehen war, hatte er erwartet – aber dass man ihm gleich um den Hals fiel… Es musste am waldelfischen Naturell seiner Gildenschwester liegen. Auch darüber, dass sie sein Angebot, sie eine Weile lang zu vertreten, ausschlug, verwunderte den Heiler. Ein Mindestmaß an Ruhe war essentiell, um über Tage hinweg effektiv arbeiten zu können. Er selbst hatte diesen Grundsatz in früheren Jahren viel zu oft vernachlässigt… Da Shikra aber zumindest ihrer Angestellten frei gab und er selbst nur Gast in ihrem Haus war, vertraute er auf das Urteilsvermögen der Elfe.

Aufmerksam folgte der Hohentürmler den Ausführungen seiner Gildenschwester, was die genauen Symptome und erprobten Behandlungsmöglichkeiten der Seuche anging und sobald er davon ausgehen konnte, genug über die Erkrankung zu wissen, um Patienten gleichwertig behandeln zu können, winkte er den vordersten Wartenden zu sich.

Eine ganze Weile lang arbeiteten die beiden Heiler ohne sichtbaren Erfolg daran, die Schlange vor der „Quelle der Heilung“ zu verkürzen. Hin und wieder nutzte Landolin die kurzen Pausen, die beim Wechsel der Patienten oder beim Herbeischaffen weiterer Heilmittel entstanden, um einige Fragen loszuwerden – etwa nach der genauen Zusammensetzung der Salbe oder der Reihenfolge, in der die Symptome für gewöhnlich auftraten.
Als Shikra schließlich die Anfrage aus der Kathedrale nach einem Heiler weitergab, zögerte er einen Moment lang, ehe er antwortete. Es war nicht seine Art, eine direkte Bitte um Hilfe abzuschlagen, in diesem Fall jedoch musste er davon ausgehen, dass seine Anwesenheit an anderer Stelle der Stadt schlussendlich von größerem Nutzen sein würde.
“Heute Mittag, sagt Ihr? Nun, ich denke, in dem Fall ist die Anwesenheit eines Hohentürmlers in der Kathedrale nicht dringender erforderlich als hier.“ Er deutet auf die immer noch hohe Anzahl an wartenden Patienten vor der Eingangstür der Apotheke.
“Es gibt einige sehr versierte Heiler unter den Priestern. Pater Eusebius oder Rianna Mondschatten etwa…“ Letzere hielt Landolin für seine wichtigste Lehrmeisterin außerhalb des Hohenturms, was den Umgang mit Heilzaubern betraf. “Und meine beiden Begleiterinnen aus Nighton sind dorthin geeilt, um bei der Krankenpflege zu helfen. Sie würden wissen, wo ich zu finden bin, wenn ein Notfall eintritt. Das einzig Gute an dieser Seuche scheint mir, dass sie nur in sehr wenigen Fällen lebensbedrohlich verläuft, so erschreckend das Ausmaß auch sein mag…“

Als einige Zeit später ein Bote durch die Tür kam, hob Landolin den Blick, um zu überprüfen, ob tatsächlich andernorts ein Heiler benötigt werden würde – doch welches Anliegen den Mann auch immer in die „Quelle der Heilung“ gebracht hatte, es lag lediglich schriftlich vor.
Er nickte seine Gildenschwester kurz zu, um ihr zu bestätigen, dass er für den Moment alleine zurechtkommen würde – und registrierte mit einem leichten Lächeln, dass sie die Gelegenheit wohl doch für eine kleine Pause genutzt hatte, denn auch nachdem der Bote den Turm längst verlassen hatte, kehrte die Waldelfe nicht zurück.

Schließlich sorgte der nahende Abend dafür, dass der Zustrom an Kranken dünner wurde und der Hohentürmler sein Arbeitspensum als erfüllt ansah. Er verabschiedete sich für den aktuellen Tag von Shikra und wählte einen Umweg zurück zur Akademie, der ihn durch Umraschkor führte. Es waren verhältnismäßig wenige Zwerge unter den Patienten gewesen… vielleicht würde man ihm vor Ort erklären können, ob diese tatsächlich seltener oder schwächer von der Seuche betroffen waren – oder ob sie lediglich den Behandlungsmethoden der ‚Langen‘ misstrauten.

Es war bereits dunkel, als er die Akademie erreichte, doch man gewährte ihm dennoch Zutritt und stattete ihn mit genug Licht aus, um über Nacht die gesammelten Informationen über die Krankheitswelle durchzugehen.
Betraf die Erkrankung wirklich nur Menschen und Zwerge? Wie sah es mit Orks und Halbelfen aus? Gab es wirklich keinen einzigen Fall unter den Elfen?
Wo hatte es begonnen – und wie schnell stiegen die Zahlen der Erkrankten an? Leider hatte man es versäumt ein genaues Meldesystem vorzuschreiben – oder ein dahingehendes Vorhaben nicht umsetzen können.
Und was am Wichtigsten war: War die mysteriöse Krankheit wirklich nur eine lähmende Belastung für das öffentliche Leben der Stadt, das den tödlichen Schrecken ähnlich großer Seuchenausbrüche entbehrte?
Und wenn er schon einmal dabei war, konnte er bis zur Mittagsstunde des bevorstehenden Tages sicherlich herausfinden, wie man in der Vergangenheit in Drachenauge mit derartigen Katastrophen umgegangen war…

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Myriel

Re:[Abenteuer] Miasma
« Antwort #11 am: Di., 05. Mär 2019, 17:48 »

Die Lehrstunden mit Christian waren anstrengend gewesen, aber sie hatten sich gelohnt. Das Einzige, was ihnen beiden seltsam vorgekommen war, war das sie die Leiter und Lehrmeister der Akademie nicht gesehen hatten. Andererseits war es ihnen ganz recht gewesen in Ruhe und ohne Einmischungen ihren Studien nachgehen zu können. Am Abend war es spät geworden und so hatte Myriel sich ein Zimmer genommen um eine Nacht in Drachenauge zu verbringen. Weniger, weil sie nicht nachts unterwegs sein wollte, sondern eher weil sie sich von den Strapazen erholen wollte und es weit weniger Fragen gab, wenn man ein Zimmer für die Nacht als für den Tag bestellte.

Am nächsten Tag beschloss sie die Gelegenheit zu nutzen um dem Markt noch einen Besuch abzustatten, bevor sie nach Nuru zurückkehrte. Von der ausgebrochenen Seuche hatte Myriel bisher kaum etwas mitbekommen, da sie Klatsch und Tratsch wenig interessierte. Umso erstaunter war sie über sie Scharlatane mit Rabenmasken, die versuchten irgendwelche ominösen Mittelchen zu verkaufen. Sie hätte den verzweifelten Käufern raten können sich besser an einen Heiler des Hohenturms zu wenden, da die Aussichten geheilt zu werden dann unter Garantie besser standen. Das sie es nicht tat, lag schlichtweg daran, dass sie das Schicksal der Leute nicht interessierte. Wenn sie so dumm waren diesen Blendern zu glauben, so war das ganz allein ihr Problem.
Erst bei dem Anhänger Zarkarons blieb die Druidin stehen und sah ihn durchdringend an. Sie hatte diesen Namen schon einmal gelesen, in einer alten Schrift, doch es war nicht von einem Gott die Rede gewesen, sondern von einem Dämon, der sich von Schmerz ernährte. Und wenn man sich das Schauspiel länger ansah, dann schien er jemanden gefunden zu haben, der ihn nur zu gern ernährte.
Myriels Gesicht zeigte nichts von dem was sie darüber dachte. Doch das Blendwerk, das sie wirkte, sprach mehr als tausend Worte. Flammen loderten um den Prediger hoch, als ob er selbst in der Hölle schmorte. Es gab nur einen dunklen Gott, und es war besser ihm zu huldigen als seinen Handlangern.

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Shikra

Re:[Abenteuer] Miasma
« Antwort #12 am: Di., 05. Mär 2019, 18:34 »

„Das ist gut.“
antwortete sie dem Hohentürmler und meinte wohl damit sowohl die heilkundigen Priester, als auch das Wissen seiner Begleiterinnen um seinen Aufenthaltsort, falls in der Kathedrale weitere Unterstützung gebraucht werden sollte.
Mit einem müden Lächeln quittierte sie seine Feststellung, dass die Seuche etwas Gutes hatte: sie forderte (noch) keine Leben. So hatte sie darüber auch noch nicht nachgedacht.

Irgendwann kehrte Shikra in das Erdgeschoss zurück, wo ihr Gildenbruder weiterhin fleißig damit beschäftigt war, den Opfern der Seuche seine Fürsorge anzubieten. Kurz berichtete sie ihm, was in der Botschaft stand und erfuhr dabei, dass der Heiler aus Nighton morgen ebenfalls an der Versammlung teilnehmen würde.

Es dämmerte und die Anzahl der Patienten nahm langsam ab. Ihr Gildenbruder wollte noch zur Akademie, um weitere Informationen über die Seuche zusammen zu tragen und daher verabschiedete sich die Waldelfevon ihm  – ein wenig professioneller, als die Begrüßung ausgefallen war.
„Viel Erfolg, werter Landolin, bis morgen und vielen Dank für eure Hilfe hier. Alleine hätte ich es heute sicher nicht geschafft.“


Obwohl sich die Reihen der Hilfesuchenden schon ein wenig gelichtet hatten, beschwerten sich noch genug, als sich Kaira ihren Weg durch die Kranken suchte.
„Kaira, das ist eine schöne Überraschung. Ich freue mich, dich zu sehen.“
Auch ihre Gildenschwester wurde mit einer freundschaftlichen Umarmung begrüßt, eher diese ihren Besuch erklären konnte. Shikra informierte sie knapp über die Symptome und ihre Ansätze, diese zu behandeln.

Zusammen verarzteten die beiden die übrigen Patienten. Irgendwann spät abends hatte die Dunkelheit in den Gassen Mitleid mit ihnen und schickte keinen weiteren Erkrankten vorbei.
Zügig brachte die Apothekerin den Verkaufsraum in einen halbwegs ordentlichen Zustand, dann führte sie die Amazone in den dritten Stock, wo Abendbrot auf sie wartete.

Während sie gespannt war, ob sich Martin nach oben trauen würde, hörte sie aufmerksam dem Bericht der Nordländerin zu. Sie war erstaunt und überrascht, was sich alles in Drachenauge abgespielt hatte, immer noch abspielte und wie wenig sie in ihrem Apothekenturm davon mitbekommen hatte, bis auf die wenigen Gerüchte, denen sie zugehört hatte. Shikra ihrerseits erzählte Kaira ausführlich, was sie in den letzten Tagen über die Seuche erfahren hatte.


Kaira bekam das zweite Gästezimmer und nach einer viel zu kurzen Nacht und einem fordernden Vormittag, machte sich die junge Waldelfe zusammen mit ihrer Gildenschwester und dem Baron auf den Weg zur Akademie.
« Letzte Änderung: Mo., 11. Mär 2019, 23:36 von Shikra »
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Fjalladis Radran

Re:[Abenteuer] Miasma
« Antwort #13 am: Di., 05. Mär 2019, 18:39 »

In der Akademie schien man zwar allerlei neue Gerüchte und Fallbeschreibungen zum Besten geben zu können, doch weder über die Ursache der Krankheit noch über effektive Heilmethoden schien es neue Erkenntnisse zu geben. Bereits der Weg von den Stadttoren bis zur Akademie war mehr als beunruhigend gewesen, doch um sich noch einmal ein genaueres Bild von der Lage zu machen, beschloss die Hochelfe, eine Runde über der Stadt zu drehen. Wenig später glitt in weiten Kreisen ein weißer Gerfalke über die Dächer, beobachtete den Ansturm der Kranken auf die heilungversprechenden Häuser, lauschte den Hetzreden der falschen Prediger und hielt vor allem im Bereich des Hafens Ausschau nach hilfreichen Hinweisen.

Später kehrte er zur Kathedrale zurück und nahm wieder seine eigentliche Gestalt an. Mit aller gebotenen Höflichkeit begrüßte Fjalladis ihre Glaubensbrüder und -schwestern und ließ sich insbesondere von Domitia und Barbelin auf den neusten Stand bringen, bevor sie sich selber zu den Krankenlagern begab, um sich ein eigenes Bild zu machen. Ihre eigenen medizinischen Kenntnisse lagen mehr als weit hinter denen der Heiler oder gar Hohentürmler zurück, doch wenn auch nur der Hauch einer Gefahr bestand, dass Magie oder Götter im Spiel waren…

Die Erzmagierin suchte sich einen besonders krank wirkenden und durchaus behandlungsoffenen Patienten heraus, verlegte ihn in eine der kleineren Unterkünfte, um möglichst ungestört zu sein, und bereitete mithilfe von speziellen Kerzen und im Raum verteilten Runen ein Ritual vor, bei dem sie den Betroffenen auf kleinste Spuren von magischen oder übernatürlichen Spuren absuchte.

– 5 Mana für Morphologie auf Normal
« Letzte Änderung: Di., 02. Apr 2019, 20:33 von Fjalladis Radran »
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Phelan

Re:[Abenteuer] Miasma
« Antwort #14 am: Mi., 06. Mär 2019, 00:45 »

Runde II


In Nighton sah sich der Bote unerwarteter Kritik Seitens des Apothekers Landolin ausgesetzt. Es war nicht seine Entscheidung gewesen, aber es war nicht schwer nachzuvollziehen, warum man einen Menschen für diese Aufgabe gewählt hatte. „Man wollte wohl keinen Zwergenaufstand provozieren“, meinte er kryptisch, ehe er seinem müden Ross die Sporen gab. Er hatte noch weitere Schreiben abzuliefern.

So kam es, dass neben dem Heiler bald auch die Priesterinnen Fjalladis und Barbelin ihre Sachen für die Reise in die Hauptstadt packten. Die kleine Gruppe aus der Handwerksstadt war erfahren genug, dass sie nicht Hals über Kopf losstürzten. Stattdessen wurde ein Wagen mit Dingen vollgepackt, die sich in Drachenauge gewiss noch als nützlich erweisen würden.

Im Orden der Weisen erhielt der Bote nur das Versprechen, dass man sein Schreiben einer der Erzmagierinnen aushändigen würde, falls sich in den nächsten Tagen eine solche dort blicken lassen würde…

***

Die einfache Frage der Heilerin Kaira löste auf dem Markplatz von Drachenauge hitzige Diskussionen aus. „Diese Leute vermögen Wunder zu bewirken“, war ein Extrem der Meinungen, das lautstark kundgetan wurde. Einige der Marktweiber wollten sogar von Patienten wissen, die dank der seltsamen Arzneien wieder vollkommen genesen waren. „Natürlich haben diese Leute Erfolg“, erklärte eine resolute, stämmige Frau. „Bei einem Bäcker in Sahlhausen sollen sie im Haus eines Bäckermeisters fast 900 Goldmünzen und etwas Silberbesteck erbeutet haben. Also DAS nenne ich einen Erfolg…“ Andere zweifelten diese Summe an, ließen aber wenig Zweifel daran, dass sie diese komischen Vögel, oder zumindest einige Vertreter dieser Gattung, ebenfalls für diebisches Volk hielten. Schnell wurden im Sprachgebrauch aus Krähen Elstern.

Wenn man wirklich seriöse Hilfe suchte, wandte man sich am besten an die Quelle der Heilung war der allgemeine Konsens derer, die die Methoden der Seuchenärzte anzweifelten. Immerhin war dort eine echte Hohentürmlerin am Werk. Auch die Kathedrale stand dieser Tage hoch im Kurs. Da genug der anwesenden Leute kranke Verwandte hatten, konnten sie von Salben, Säften und Wickeln berichten, die Linderung wenn nicht gar Heilung versprachen. Doch über die genaue Zusammensetzung wussten sie wenig.

Zu der genauen Bedeutung der Kostüme dieser seltsamen Ärzte konnte niemand etwas sagen. Doch zumindest für die Schnäbel gab es eine einleuchtende Erklärung: In ihnen befanden sich stark riechende Kräuter oder in scharfen Essig getränkte Schwämme. Manche verbrannten sogar Räucherwerk in ihren Masken, wie aus dem aromatischen Rauch, der aus den Löchern an der Oberseite stieg, gefolgert werden konnte. Offenbar sollte so verhindert werden, dass die Heiler krankmachendes Miasma einatmeten.

„Der Hauptbestandteil ist getrockneter Hasendreck“, wollte ein Marktweib über die wundersamen Heilmittel, die hier feilgeboten wurden, wissen. Damit machte sie zugleich recht deutlich, was sie davon hielt. Andere wollten von exotischeren Zutaten wissen. Zermahlenen Einhornhörnern, Jungfernblut, Drachentränen oder den Blütenblättern seltener Blumen, die nur in entlegenen Regionen Aramons zu finden waren…

Bei der Frage nach den Merkmalen der Krankheit kamen wieder jene zu Wort, die betroffene Verwandte zuhause liegen hatten. Schwäche, Husten, Fieber und Ausschlag wurden am häufigsten genannt. Doch auch Übelkeit und Kopfschmerzen schafften es auf die Liste.

Unterdessen hatte Myriel ganz in der Nähe ihre Aufmerksamkeit auf den selbstgeißelnden Priester gerichtet. Dieser Schrie auf, als er sich plötzlich von Höllenfeuer umgeben sah und brach erst einige Augenblicke später ab, als die Erkenntnis, dass er keine Hitze, keinen Schmerz spürte, ihren Weg durch seine Hirnwindungen bis in sein Bewusstsein gefunden hatte.

Die Druidin konnte so etwas wie einen amüsierten Gedanken am Rande ihrer Wahrnehmung spüren. Dieser Mann würde nie wieder Schmerz fühlen und Zarkaron würde bald merken, dass es ihm sehr schwer fallen würde dieses Gefäß zu verlassen. Das kam davon, wenn ein niederer Dämon sich zu einem falschen Gott aufplusterte, um in einer Welt voller Schmerz von ihm persönlich gewidmeten Leid zu kosten. Fast verzweifelt prügelte der fanatische Priester nun auf sein eigenes Fleisch ein, doch der vertraute Schmerz, der schon ein Teil seines Seins geworden war, kehrte nicht zurück. Zugleich schien er auch seine schrecklich fesselnde Macht über sein Publikum verloren zu haben und schon bald verstreute sich die Menschentraube, deren Aufmerksamkeit Zarkaron genossen hatte, in alle vier Winde…

***

Das braungelockte Edelfräulein schien hin- und hergerissen zu sein. Einerseits sollte sie wohl Abstand wahren, Ardir also von sich stoßen oder zumindest vor ihm zurückweichen, andererseits hätte sie sich im Moment nur zu gerne von ihm verwöhnen lassen. Sie war nicht daran gewöhnt mit einer Krankheit allein zurechtkommen zu müssen.

„Ich weiß nicht“, antwortete sie unschlüssig. „Die Seuche, es heißt, dass die Kranken einen üblen Dunst ausstoßen, der das Fieber verbreitet. Ich möchte euch nicht anstecken.“ Als ihr der junge Mann den Korb abnahm, war die Entscheidung allerdings gefallen. „Ja, das mit der Apotheke ist eine gute Idee.“ Warum hatte sie diese nicht selbst schon gehabt? „Wie unhöflich, ich bin übrigens Njatescha von… ähm, ich bin Njatescha.“ Es war vielleicht besser ihren Nachnamen nicht zu nennen, wenn ihr Vater nicht gleich hören sollte, dass sie sich angesteckt hatte. Obwohl sie als Tochter des Grafen von Relat wohl ohnehin leicht genug zu erkennen war. „Ich komme mir so dumm vor. Vater wollte, dass ich die Stadt verlasse. Aber ich habe heimlich einige unserer Angestellten mit Lebensmitteln versorgt…“ Und nun brach die ganze Geschichte aus ihr heraus.

***

Selten waren die Straßen, Gassen und Plätze der Hauptstadt bei Tageslicht so leer vorzufinden, wie sie der weiße Falke nun unter sich liegen sah. Natürlich waren sie trotz der Seuche nicht menschenleer, doch wo es ging wurden Botengänge und Geschäfte verschoben. Tätigkeiten, die nicht dringend notwendig waren, ließ man zum Teil ganz ausfallen und manches wurde in die eigenen vier Wände verlegt. Wer doch auf den Straßen unterwegs war, hatte es meist sichtlich eilig. Leute gingen näher als üblich an den Hausmauern und duckten sich in die Schatten, als hofften sie so der Aufmerksamkeit der Krankheit zu entgehen.

Vor allem zwei Gebäude stachen jedoch aus diesem Schema heraus: Die Apotheke und die Kathedrale. Hier hofften Kranke und Gläubige Hilfe und Zuflucht zu finden. Entsprechend konzentrierten sich dort und in den umliegenden Gassen die Bewohner der Stadt.

Auch die Tätigkeit mehrerer Dutzend Stadtwachen außerhalb der Stadtmauer blieb vor den scharfen Augen des Greifvogels nicht verborgen. Inzwischen war die kleine Zeltstadt, die sie dort in zwei sauberen Reihen zu beiden Seiten der Straße errichteten, fast fertig.

***

„… Sonderbehandlung des Adels“, hörte ein alter Mann, der sich gerade am hinteren Ende der Schlange, die sich vor den Toren der Apotheke gebildet hatte, anstellte. Als er näher nachfragte, war er sofort mitten in eine Lebhafte Diskussion verwickelt. Stein des Anstoßes war ein rothaariger Mann, in dem jemand den Baron von Muesig erkannt haben wollte. „Er musste nicht anstehen. Ist einfach an der Schlange vorbei. Und diese Elfe hat sich sofort für ihn Zeit genommen.“ Das war schon vor über einer Stunde gewesen und seither kochte das Thema immer wieder hoch, um auch die Neuankömmlinge daran teilhaben zu lassen.

„Also das ist wirklich ungerecht. Shikra kümmert sich aufopferungsvoll und scheint mir viel zu wenig Pausen zu machen. Das Mädchen muss auch an sich denken“, Mischte sich eine Dame vom Typ gutmütiges Mütterchen ein. „Und vielleicht ist der Baron ja hier, um zu helfen. Immerhin ist er jetzt schon recht lange da drin.“ Das sorgte für einige Belustigung. „Ein Adeliger und helfen. Eher friert das Meer bis zu den Singenden Inseln zu.“

Als einige Zeit später die Freiin Domitia Einlass in die Apotheke begehrte, verursachte das weit weniger Aufregung. Genug der Wartenden kannten sie aus der Kathedrale und glaubten daran, dass es ihr darum ging selbst den Kranken so gut wie möglich zu helfen. Die Segen, die sie auf ihrem Weg hinein großzügig spendete, bestätigten dies ebenso, wie die Tiegel und Flaschen, die sie auf dem Rückweg bei sich hatte. Die Apothekerin hatte ihr versichern können, dass sie inzwischen von den Vorteilen ihrer Behandlung überzeugt war. Es handelte sich dabei zwar nicht um „Wundermittel“, wie sie in engen Seitengassen und inzwischen sogar auf dem Marktplatz angepriesen wurden, doch sie linderten das Leid der Kranken erheblich und schienen auch positiven Einfluss auf den Verlauf der Krankheit zu haben.

Landolin musste sich auf dem Weg in die Apotheke anraunzen lassen, doch schon wenige Augenblicke später konnte jemand seinen Gildenstab richtig zuordnen und man bildete ihm sogar eine Gasse. Durch seine Hilfe entspannte sich die Lage in der Apotheke etwas. Doch Shikra ließ es sich nicht nehmen dennoch eisern die Stellung zu halten. Das Wohlergehen der sichtlich erschöpften Mareika schien für sie Vorrang zu haben.

***

Als Barbelin in der Kathedrale eintraf, musste sie feststellen, dass es derzeit mindestens ebenso sehr einem Krankenlager, wie einem Gotteshaus ähnelte. Doch genossen jene, die der Hilfe bedurften, nicht das besondere Wohlwollen der Sänger? Die Ordensleute waren dankbar für jede helfende Hand und auch für die meisten Patienten traf das zu. Es kam allerdings zu ein paar merkwürdigen Szenen, da sich ein paar zwergische Patienten partout weigerten sich von einem Spitzohr behandeln zu lassen.

Doch ganz egal, wer die Salben auftrug und die Säfte verabreichte, die Wirkung von der Shikra gesprochen hatte, zeigte sich bald. Und auch die nassen Wickel halfen dabei das Leid der Kranken zu lindern. Das sprach sich herum, was dazu führte, dass der Andrang auf die Kathedrale nur noch zunahm. Zugleich riss auch der Strom jener, die in diesen Zeiten seelischen Beistand benötigten, nicht ab.

***

„Jede Seuche trifft die Armen, die Alten und die Schwachen am härtesten“, erklärte Pfenningfuchser ohne von seinen Papieren aufzusehen oder besondere Emotionen in seiner Stimme mitschwingen zu lassen. „Und Krakingen ist das ärmste Viertel der Stadt. Ja, hier ist es schlimm. Was die Schiffe betrifft, ist nichts Besonderes aufgefallen. Gerade von langen Seereisen kehren Matrosen geschwächt und mit Skorbut zurück. Auch ein Zwicken a… in gewissen Körperregionen ist nicht selten. Aber nein, nichts was auf eine ausgewachsene Seuche hingewiesen hätte.“

Der grauhaarige Verwalter zögerte etwas und legte die Feder nun doch beiseite. „In der letzten Vollmondnacht ist angeblich ein Schiff mit schwarzem Segel gesichtet worden. Das übliche Schreckgespenst von Taros und bei Mondschein kann einen das Auge schon mal täuschen. Gnade uns, wenn auf jede solche Sichtung eine Seuche folgen würde.“

Keinen Steinwurf entfernt ließ ungesehen eine Gruppe besonders großer Ratte ein abgenagtes Skelett in einer schmalen Gasse zurück. Trotz des üppigen Mahles, das sie gehalten hatten, wirkten sie halb verhungert.

***

Auch Kaira hatte bei Shikra in der Apotheke ein Bett für die Nacht gefunden. Heute ließ es sich Martin von Muesig natürlich nicht nehmen die beiden Damen in die Akademie zu geleiten.

Dort herrschte gerade große Aufregung. „Wer war hier?“, musste sich ein junger Bursche, der in der Bibliothek aushalf, fragen lassen. „Lady Myriel von Alandyos und Sir Christian? Wir sitzen hier und diskutieren über eine Seuche und Du bist nicht auf die Idee gekommen mich zu informieren, bevor diese Spezialisten wieder abreisen?“ Nicht viele der Anwesenden hatten Anduil schon wirklich zornig erlebt. „Hört euch schleunigst um, ob sie vielleicht doch noch in der Stadt sind. Wenn ja, dann möchte ich, dass ihr sie höflichst einladet.“

Vor dem Leiter der Akademie lagen schon mit ziemlicher Sicherheit unvollständige Pläne zu den Brunnen und Kanälen der Stadt bereit. Neugierig beugte sich Gevatter Erzherz darüber. „In der Gegend gibt es mindestens doppelt so viele Brunnen und dieser Teil des Kanals wurde bereits vor 27 Jahren stillgelegt. Überhaupt scheißen die meisten Menschen dieser Stadt in Löcher, die sie selbst gegraben haben. Und das obwohl sie nicht sonderlich gut darin sind Löcher zu graben. Kann ich der Tatsache, dass diese Karten hier liegen, entnehmen, dass ihr uns endlich glaubt, dass die Elfen die Brunnen vergiften? Ich schicke gleich einen der Burschen draußen los. Wir haben besseres Material.“

Auf einer weiteren Karte waren die ersten Krankheitsfälle der jeweiligen Stadtviertel markiert und jede Marke wurde durch kleine, gestochen scharfe Buchstaben und Ziffern ergänzt. Diese gaben darüber Auskunft, wann welche Symptome aufgetreten waren. Doch auch diese war mit ziemlicher Sicherheit nicht gerade vollständig. Die Bewohner von Krakingen neigten dazu Krankheiten zuhause auszusitzen ohne irgendwem irgendwas zu melden. In Umraschkor regelte man die Sache unter sich und auch in Sahlhausen und Larindar sah die Sache wohl nur unwesentlich besser aus.

Inzwischen trudelten mehr und mehr Teilnehmer der Versammlung ein. „Ich danke euch, dass ihr so zahlreich erschienen seid“, eröffnete Anduil schließlich die Versammlung. „Ich entschuldige mich, dass ich euch nicht mehr Informationen zukommen habe lassen. Aber ich wollte, dass ihr euch selbst ein Bild machen könnt. Die Lage ist unübersichtlich und es ist schwer Gerüchte und Wahrheit zu trennen. Hier sind die Unterlagen, die ihr haben wolltet, Herr Dennhart“, er wies auf die Karten, die vor ihm ausgebreitet lagen. „Und das Badehaus hat sich bereit erklärt abgekochtes Wasser und Seife zur Verfügung zu stellen. Außerdem hat die Stadtwache inzwischen ein Krankenlager außerhalb der Mauern errichtet.“

Nachdem Landolin seine Fragen gestellt hatte, ergriff Surabel das Wort. „Beim Menschen treten in der Regel zuerst Husten und ein Schwächegefühl auf. Das Fieber und der Ausschlag kommen später hinzu. Ein erkrankter Elf ist bislang nicht aufgetreten. Vielleicht dauert es bei ihnen aber auch länger, bis die Krankheit ausbricht.“ „Oder es liegt daran, dass sie selbst die Brunnen vergiften“, mischte sich Gevatter Gmoin ein.

„Zwerge leiden vor allem unter Ausschlag und Mattigkeit“, sprach der Druide weiter, ohne auf den Einwand zu reagieren. „Über Halbelfen fehlen uns belastbare Daten und auch Orks gibt es in der Stadt zum Glück relativ wenige. Sie scheinen nämlich besonders stark betroffen zu sein.“

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