Spiel | Homepage | Regeln | Einloggen | Registrieren

News:

Willkommen, Gast. Bitte Einloggen oder Registrieren.

Legends of Aylann  |  Legends of Aylann - Das Spiel  |  Abenteuer in Legends of Aylann |  Abenteuer  |  Thema: [Abenteuer] Fadenspiele - Die Hauptstadt << zurück weiter >>
Seiten: [1] 2 3 4 Alle | Nach unten Antwort
   Autor  Thema: [Abenteuer] Fadenspiele - Die Hauptstadt (Gelesen 939 mal)
Secundus M Hora

[Abenteuer] Fadenspiele - Die Hauptstadt
« am: Mo., 23. Mär 2020, 19:48 »

Runde I


Die Sonne hatte fast ihren höchsten Punkt erreicht und schien hell und freundlich auf die Dächer, Gassen und Plätze der Hauptstadt herab. Es war Frühling, in den Parks und Gärten trieb frisches Grün aus und der Gesang von aus dem Süden heimgekehrten Vögeln lag in der Luft. Eine Frau mittleren Alters betrat den Apothekenturm und grüßte freundlich. Sie trug ein schlichtes aber sauberes Kleid und sah aus, als habe sie in letzter Zeit nicht allzu gut geschlafen.

„Ich mache mir Sorgen um meine Nachbarn“, erklärte sie Shikra, die sich gerade alleine hinter dem Verkaufstisch befand. „Meine Tochter spielt oft mit ihrem Jüngeren. Heute hat sie vergeblich auf ihn gewartet und dann hat sie mir erzählt, dass er beim letzten Mal krank gewirkt hat. Ich wollte nach den Selms sehen, aber es hat mir niemand aufgemacht und im Haus war auch nichts zu hören. Vielleicht sind meine Sorgen übertrieben, aber ich dachte… Also ich habe gehört, dass in diesem Turm eine Hohentürmlerin arbeitet. Wenn sie vielleicht nach dem Rechten sehen könnte?“

Im Moment war die Waldelfe allein im Laden, aber bald würde Mareika kommen, um sie zu unterstützen. Dann stand einem Hausbesuch eigentlich nichts im Wege.

***

Unweit der Kaserne von Drachenauge, an der Flanke des Drachenbergs, befand sich die Soldgasse. Hier waren Familien von Stadtwächtern und Angehörigen des Heeres untergebracht. Am oberen Ende der Gasse, nahe der Drachenburg, hatten die blaublütigen Offiziere des Heeres ihre kleinen Stadtvillen, etwas tiefer bewohnten hochrangige Mitglieder der Stadtwache kleine aber gepflegte Häuschen, und am unteren Ende der Straße, an dem das Kopfsteinpflaster manche mit Schlamm gefüllte Lücke aufwies, lebten die Familien einfacher Soldaten und Wachen in ein oder zwei Räumen großer, schlichter Häuser, die sie sich mit fünf oder sechs weiteren Parteien teilten.

Eine Gruppe von drei Leuten erreichte von der Kaserne kommend die Soldgasse. Ihr Ziel war eines der kleinen Häuschen. Darin lebte der Leutnant der Bogenschützen mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. Eigentlich hätte sich der Offizier schon seit dem frühen Morgen im Dienst befinden sollen und weil das nicht der Fall war, ja weil er sich nicht einmal entschuldigen hatte lassen, war Hauptmann Asarra nun unterwegs zu ihm. Die beiden Begleiter der Amazone wirkten nicht wie typische Wächter und das waren sie auch nicht. Sie waren überhaupt keine Wächter oder Soldaten. Der eine war Schneidermeister und der andere ein Edelmann und seiner Kleidung nach zu schließen ein guter Kunde des Schneiders. Der Baron gehörte auch sicher nicht zu den Adelssprössen, die sich dazu berufen fühlten im Heer Karriere zu machen. Er konnte zwar mit seiner Waffe durchaus umgehen und war sicherlich kein Feigling, aber der entbehrungsreiche Lebensstil auf dem Rücken eines Schlachtrosses war ebenso wenig das Seine wie das Tragen schwerer und unbequemer Rüstungen.

Der Beschreibung eines Wächters aus der Bogenabteilung folgend erreichten sie schließlich ein kleines Häuschen. Doch auch nach mehrmaligen Klopfen was kein Mucks aus dem Inneren zu hören. Versteckten sich die Bewohner des Gebäudes und wollten sie den Eindruck erwecken es sei niemand zuhause? Doch das war nicht der Eindruck, den Asarra hatte. Ein unbestimmtes Gefühl sagte ihr, dass das Haus tatsächlich leer, unbewohnt und verlassen war.

***

„Ah, unserem Boten ist es tatsächlich gelungen einen Experten im Kampf gegen Dämonen zu finden.“ Tamir von Salis wirkte zufrieden. In den letzten Jahren waren die Paladine nicht sonderlich aktiv in Dragonia gewesen und er hatte schon gefürchtet, dass sich kein namhafter Krieger im Tempel befinden würde. „Es freut mich sehr, Elessar Eledhwen.“ Der Freiherr war ein gepflegter Mann, dessen dunkles Haar und Bart allmählich von Grau durchzogen wurden. Er stand im Ruf immer auf seinen eigenen Vorteil bedacht zu sein, doch da das Wohl, der Wohlstand und die Sicherheit Drachenauges in seinem Interesse lagen, war er ein hinreichend loyaler Diener der Stadt. Nun streckte er dem Elfen mit einem höflichen Lächeln seine Hand entgegen.

Neben ihm befanden sich zwei weitere Männer am ovalen Tisch des sogenannten kleinen Salons im Stadtpalais der Familie von Salis. Der große Raum geizte nicht mit Beispielen für erlesenes Kunsthandwerk. Imposante Wandgemälde, Vorhänge, die ein Vermögen gekostet haben mussten, feinstes Porzellan auf verschnörkelten Möbelstücken und Kerzenhalter aus massiven Gold.

Bei einem der Herren handelte es sich um den theoretischen Magier Anduil, der die Akademie von Drachenauge leitete. Er sah keineswegs alt aus, eher zeitlos. Selbst für einen Elfen war es schwer abzuschätzen, in welchem Jahrhundert der Druide geboren sein mochte. Der andere Mann sah alt aus, wie ein gutmütiger Großvater, doch eine gewisse Härte in seinem Blick störte diesen Eindruck. Er war es, der nun das Wort ergriff: „Wenn ich mich vorstellen dürfte – mein Name ist Suitbald. Ich bin darauf spezialisiert Informationen zu beschaffen.“ Solange es die Sinne gegeben hatte, hatte er für den Vater des heutigen Monarchen gearbeitet. „Einer meiner alten Kontakte hat mich davon in Kenntnis gesetzt, dass sich Wechselbalg – wohl eine Art dämonisches Wesen – in Drachenauge eingeschlichen hat.“ Da sich der Paladin mit dem Thema besser auskannte als er, verzichtete der Alte auf weitere Erklärungen. „Die Quelle ist relativ vertrauenswürdig. Der Mann arbeitet für die Krone Aramons, das konnte ich vor einigen Jahren persönlich bestätigen. Und er ist noch hier, falls Ihr ihm selbst noch Fragen stellen wollt.“
« Letzte Änderung: Mo., 23. Mär 2020, 19:51 von Phelan »
  Gespeichert  
Herr von Muesig

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Die Hauptstadt
« Antwort #1 am: Di., 24. Mär 2020, 16:31 »

Ich dachte wir sind zur Ausbildung hier und nicht einen verlorenen Leutnant zu suchen.“ moserte Herr von Muesig. Aber wenigstens war es eine schöne Gegend, musste er zugeben. „Soldgasse - kaum zu erwarten, dass sehr viele Kaufleute hier wohnen. Und für Amazonen ist das auch nichts hier. “ fügte er launig noch hinzu.

Als sie die gesuchte Behausung erreicht hatte, wurde mittels Klopfens an der Türe signalsiert, dass da jemand davorstand. Doch Signal hin oder her, hinter der Tür waren weder Schritte zu vernehmen noch öffnete jemand dieselbe. Während Asarra noch unschlüssig davorstand, hatte der Adelige kurzerhand einen Entschluss gefasst, mit dem er auch nicht lange hinterm Berg hielt.

So weit so schlecht….ich habe bis jetzt diese Kasperliade einer Ausbildung mitgemacht, aber damit ist jetzt Schluss. Ich werde in der Kaserne die Gebühr bezahlen, aber es wird eine Bewertung abgeben, die sich gewaschen haben wird. Wasserspielchen und Verstecken…nicht das, was ich gesucht habe. Aber ich hätte es mir vorher denken können. Danke für die übergroße ‚Mühe'.“ Er sah zu Naveen „Kommst Du mit auf einen Frühschoppen? Lass doch die amazonige Amazone ihre Jugendgruppenspiele alleine spielen. Weil' wahr ist.“ hätte er nicht die Antwort des Schneiders  abgewartet, wäre er sofort abgezogen. Er war wirklich verärgert.

  Gespeichert  
Shikra

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Die Hauptstadt
« Antwort #2 am: Sa., 28. Mär 2020, 16:50 »

Es war ein ruhiger Arbeitstag im Apothekenturm von Drachenauge. Das schöne Wetter lockte die Bewohner der Hauptstadt eher ins Freie, als in die Läden und so konnte sich die junge Waldelfe auf einen freien Nachmittag, freuen, da sie ihre liebe Nachbarin und Verkäuferin mit gutem Gewissen alleine im Verkauf lassen konnte. Für die wenigen Kunden konnte sich Shikra gut Zeit nehmen und das lud die eine oder andere Besucherin zu einem kleinen Plausch ein.

„Schönen guten Tag, wie kann ich euch helfen?“
fragte sie die nächste Kundin, die ein wenig erschöpft wirkend den Verkaufsraum betrat. Ein wenig überrascht, das Erscheinungsbild der Frau hatte die Heilerin etwas anderes erwarten lassen, hörte sie, dass sich ihr Gegenüber um die Nachbarn, besonders um den Spielgefährten ihrer Tochter sorgte.
Mit einem sanften Lächeln beantwortete sie die Bitte:
„Besagte Hohentürmlerin bin ich und ich sehe gerne bei euren Nachbarn vorbei. In etwa einer halben Stunde kommt meine Mitarbeiterin und dann kann ich bei den Selms vorbeikommen. Habt ihr eine Adresse oder Wegbeschreibung für mich?“
Wobei ihr eine Adresse deutlich lieber wäre, damit sie, falls sie den Weg nicht finden würde, noch einmal bei Passanten nachfragen konnte.
„Bitte verzeiht meine vielleicht unangebrachte Frage: Bei euch selbst ist alles in Ordnung? Ihr wirkt, wenn ich das sagen darf, erschöpft, müde, angeschlagen?“


Nachdem sie mit Mareika eine kurze Übergabe  gemacht und ihr versprochen hatte, auf sich aufzupassen, hatte sie ihren fertig gepackten Rucksack geholt. Die Lederrüstung und den Langbogen ließ sie liegen, doch nach kurzem Zögern, steckte sie die beiden Langdolche in die Schlaufen, die am Gürtel angebracht waren. Vielleicht hatte sie nach ihrem Besuch in der Soldgasse noch Zeit für einen Spaziergang im nahegelegenen Wald und ein paar Übungen mit den neuen Waffen. Natürlich packte sie auch ihren Umhang, um einer Predigt ihrer mütterlichen Angestellten aus dem Weg zu gehen.

Shikra schaute fleißig nach rechts und nach links, um das gesuchte Häuschen nicht zu übersehen. Dabei hätte sie besser auch mal nach vorne geschaut, denn dann hätte sie den Zusammenstoß mit dem Baron vielleicht vermeiden können, der selbst gerade mehr mit der Antwort des Schneidermeisters beschäftigt war.
„Bitte entschuldigt.“
rief sie sofort, noch ehe sie erkannte, wenn sie getroffen hatte.
„Martin?“
Lachend fiel sie ihm um den Hals.
„Was treibt dich denn in diese Ecke der Hauptstadt? Und dann auch noch mit einer solch schlechten Laune?“
Als sie Asarra und Naveen bemerkte, begrüßte sie die beiden ebenfalls recht erfreut mit einer dezenten Verbeugung.
„Seid gegrüßt an diesem wunderbar sonnigen Tag.“
Mit unverkennbarer Neugier in den elfischen Gesichtszügen musterte sie die drei und überlegte, wieso sich ein Schneidermeister, eine Frau Hauptmann und ein in eine Fliederduftwolke gepackter ehemaliger Pferdezüchter zusammen in einer Wohngegend wie dieser treffen würden. 

„Ich wurde gebeten bei einer Familie Selm nach dem Rechten zu sehen. Die Nachbaren sorgen sich ein wenig.“
erklärte sie ihr eigenes Erscheinen. Ziemlich schnell war der kleinen Gruppe klar, dass sie nach demselben Haus beziehungsweise nach denselben Leuten gesucht hatten, doch allesamt vor verschlossener Tür standen.
„Das Fenster sieht offen aus.“
entdeckte die zierliche Waldelfe und deutete nach oben. Zwar wusste sie nicht, ob es eine gute Idee war, im Beisein der sich im Dienst befindenden Amazone in eine Behausung einzusteigen, doch wollte sie sich ja nur vergewissern, dass die Bewohner wohl auf waren.
„Ich könnte hineinklettern und von innen die Tür öffnen?“
Sie nahm ihren Rucksack von den Schultern, stellte ihn neben die Eingangstür, streckte die Arme, beugte die Knie und sprang hoch, bekam aber den unteren Rand des Fensters nicht zu fassen.
« Letzte Änderung: Sa., 28. Mär 2020, 17:11 von Shikra »
  Gespeichert  
Herr von Muesig

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Die Hauptstadt
« Antwort #3 am: So., 29. Mär 2020, 10:55 »

Während er noch eine Antwort von Naveen abwartete, wurde er schon einmal über den Haufen gerannt. Torkeln vernahm er dann das vertraute „Martin? und bevor er hinfallen konnte schlagen sich 2 elfische Arme um seinen Hals, mit der berechtigten Frage, was er denn hier mache.

Mit einem Schlag war seine miese Laune verflogen und er strahlte übers ganze Gesicht. „Shikra, immer wieder eine Freude Dich zu treffen. Lass Dich ansehen“ er löste sich aus der angenehmen Umarmung. „Lass Dich ansehen.“ um dann schelmisch festzustellen „Gut schaugst aus – für eine praktizierende Apothekerin

Während sich nun Shikra den beiden anderen zuwandte, erklärte Herr von Muesig, warum sie zusammen waren und dass er auch nicht so genau wusste, was er da solle, das wüsste einzig und allein Asarra.

Zumindest die Waldelfe wusste, was sie hierher geführt hatte und ließ es die 3 wissen. Während er das noch verarbeitete und es klar war, dass hier niemand öffnen würde, hatte Shikra ein offenes Fenster ausgemacht und nach einigem Zögern versucht es hüpfend zu erreichen, was aber kläglich scheiterte. Die Kleinen sind eben nicht größer.

Für solche Probleme gibt es eine Lösung, sie heißt ‚Räuberleiter'. Haben wir als Jungen erfunden, weil wir zu kurz waren, um über die Mauer zu sehen, hinter der die leichtbekleideten Jungdamen badeten. War natürlich bei Strafe verboten, aber…egal….Einer faltete die Hände ineinander – so“ er stellte sich unter das Fenster und verhakte die Finger vor seinen Beinen „Du steigst da mit einem Fuß hinein, wie in einen Steigbügel und kletterst auf meine Schulter, das sollte dann reichen. Die Fräuleins wussten damals natürlich, dass wir…haben aber so getan, als ob nicht. Das gehörte zum Spiel. Eine verrückte, schöne Zeit. Nun mach…, aber erkunde vorher das Terrain, bevor Du einsteigst“ wiewohl ihm klar war, dass sie selbst auch so schlau war.

  Gespeichert  
Elessar Eledhwen

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Die Hauptstadt
« Antwort #4 am: So., 29. Mär 2020, 13:17 »

Als ihn der Bote aus der Hauptstadt erreichte und er das ihm überbrachte Pergament gelesen hatte, das ihn als Experte zur Dämonenbekämpfung zu Hilfe rief, sagte Elessar sofort seinen Beistand zu und versprach, sich umgehend auf den Weg zu machen. Während er seine Rüstung anlegte und seinen Rucksack mit den wichtigsten Dingen packte, dachte er kurz an Domitia, die eigentlich in der Hauptstadt weilen sollte und eigentlich auf dem besten Weg gewesen war, sich im Kampf gegen Dämonen zu bewähren. Eigentlich, denn unglücklicherweise war sie von ihrer letzten Reise nicht zurückgekehrt. Warum sein Herr seine gelehrige Novizin so früh an seine Seite gerufen hatte, würde er nie erfahren und wohl auch nie verstehen und so verwarf er den Gedanken an die junge Frau wieder, auch, weil sofort eine weitere Erinnerung in ihm aufwallte. Er erinnerte sich an das Gespräch mit Myriel vor einigen Wochen, sie hatten sich darüber unterhalten, dass dunkle Tage bevorstünden, aber er hätte nicht erwartet, dass es so bald geschehen würde. Er seufzte, als er sich daran erinnerte, dass sie gesagt hatte, dass sie wohlmöglich auf verschiedenen Seiten kämpfen mochten und schlug das Zeichen Paladins vor seiner Brust und bat ihn im Stillen, dass es nicht soweit kommen möge.

Sobald er zum Aufbruch bereit war, trat er vor die Tore des Tempels und stieß einen schrillen Pfiff aus, der wie immer augenblicklich von einem fröhlichen Wiehern beantwortet wurde. Er lächelte bei dem Gedanken, dass Shi'ouya ihn jedes Mal regelrecht zu erwarten schien, als wüsste sie im Voraus, dass es auf eine Reise ging. Als die Stute herangetrabt war, streichelte er ihre Nüstern und flüsterte ihre eine Begrüßung ins Ohr, dann schwang er sich auf ihren Rücken und gab ihr mit einem Schenkeldruck zu verstehen, dass sie sich auf den Weg machen konnten. Die Stute merkte, dass der Paladin in Eile war und so flog sie in schnellem Galopp die Straße entlang, begleitet vom schrillen Schrei eines Greifvogels hoch über ihnen. Dies entlockte Elessar ein weiteres Lächeln, denn auch auf Var'Sha konnte er immer zählen, wenn ein neues Abenteuer bevorstand. Sie verließen die Stadt des Lichts durch das nördliche Stadttor und ritten weiter nordwärts in Richtung Drachenauge.

Da er Shi'ouya und sich keine Pause gönnte, hatte die Sonne erst kurz den Zenit überschritten, als er am Stadtpalais in der Hauptstadt ankam. Beim Studium des Pergaments war es ihm seltsam erschienen, dass er nicht zur Drachenburg kommen sollte, aber er hoffte, dass man ihn über diesen Umstand zeitnah aufklären würde. Er ließ sich vom Rücken seiner Stute gleiten, bat einen der Knechte, sie mit etwas Heu trockenzureiben und mit Wasser und Futter zu versorgen, sie aber keinesfalls in den Stall einschließen sollte, dann ließ er sich zum kleinen Salon führen, wo er von drei Herren erwartet wurde, von denen er lediglich einen kannte. Er verschwendete keinen Blick auf den Prunk und Pomp in dem Raum und beantwortete Tamir von Salis Begrüßung mit einem Nicken und einer angedeuteten Verbeugung, dann richtete er das Wort an alle drei und sprach:

"Paladin zum Gruße, werte Herren! Ich bin Eurem Ruf gefolgt, so schnell es möglich war, womit kann ich Euch dienen?"

Die anderen beiden Männer im Raum waren ein zeitlos aussehender Druide und ein großväterlich wirkender Mann, dessen Blick eine ungeahnte Härte erkennen ließ. Er war es denn auch, der das Wort ergriff und dem Paladin davon berichtete, dass sich laut eines - nach seinen Worten vertrauenswürdigen - Informanten ein Wechselbalg in der Hauptstadt aufhalten soll. Der Paladin lauschte den Worten Suitbalds aufmerksam und ließ sich dann mit der Antwort einige Augenblicke Zeit.

"Fürwahr, Wechselbälger sind mir ein Begriff, doch ihr Aussehen und ihr Wirken sind von so großen Unterschieden, dass wir zuallererst mehr über die Herkunft des Wechselbalgs in Erfahrung bringen sollten, bevor wir über ein weiteres Vorgehen sinnieren. Hat Euch Euer Informant weitere Einzelheiten genannt? Wenn nicht, dann würde ich in der Tat gerne selbst mit ihm sprechen wollen..."

  Gespeichert  
Asarra

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Die Hauptstadt
« Antwort #5 am: Mo., 30. Mär 2020, 22:47 »

Asarras lange Schritte führten sie zügig in die Soldgasse. Tatsächlich hätte auch der Hauptmann hier ein kleines, aber feines Häuschen zugestanden. Bisher hatte sie aber nie das Bedürfnis nach einer solchen Behausung verspürt, sie nächtigte lieber in ihrer kleinen Kammer in der Kaserne selbst. Vielleicht ein Überbleibsel des Burglebens, mit dem sie aufgewachsen war. Vielleicht auch einfach Bequemlichkeit - nebenbei noch einen Haushalt zu führen oder jemanden dafür anzustellen war der Amazone schlichtweg zu doof.

Die Faust der Amazone donnerte gegen die Tür, als gälte es einen Feind zu erschlagen. Subtil war sie eben noch nie gewesen. Ähnlich meisterte sie danach auch die schwierige Gesprächssituation mit dem Lokaladel. Hätten Blickte töten können, wäre vermutlich halb Drachenauge in diesem Moment zusammengeklappt.

"Macht was Ihr nicht lassen könnt. Aber natürlich, wenn Ihr lieber tagelang mit irgendeinem mittelmässigen Deppen Euren Degen schwingt, mit dem Ihr ohnehin schon leidlich umgehen könnt, um danach vielleicht mit ein oder zwei blauen Flecken stolz zu sagen Ihr habt jetzt was gelernt - von mir aus. Es finden sich genügend Kämpen, die Euer Niveau gerade halten können ohne an Eurem übergrossen Ego zu kratzen. Wenn Ihr Glück habt, ists ne Frau, und wenn Ihr ihr dann noch ein bisschen schmeichelt, wer weiss, vielleicht übt sie auch noch in eurem Bett weiter."

Das 'Aber' stand so gross im Raum, dass man damit wohl auch einen Troll hätte erschlagen können. Oder einen Eisriesen, falls einer sich mal von Nuru aus auf die Reise begeben hätte. Doch die Amazone schien daran nichts ändern zu wollen, sie drehte sich auf jeden Fall um als wäre der Adlige schon weg und klopfte erneut. Irgendetwas an der ganzen Situation schmeckte der Kriegerin überhaupt nicht. Ihre Instinkte schrien Alarm, und sie hatte gelernt auf sie zu hören.

Währenddessen schien der Baron auch Naveen von einem Abbruch der Ausbildung überzeugen zu wollen. Die Schwarzhaarige verbot sich auch darauf jegliche Reaktion, war aber insgeheim schon ein bisschen gespannt darauf, wie der Elf reagierte.

Ein weiteres Spitzohr kam jedoch dazwischen. Erstaunlich ungeschickt für das hohe Volk, vielleicht war es ja auch Absicht gewesen? Jedenfalls schien sie den Adligen etwas zu erden, dafür war Asarra dankbar. Den Quatsch, den die beiden dann auf dem Fusse anstellten, brachte sie beinahe zum lachen.

"Ähem, nur so nebenbei Frau Apothekerin - Ihr brecht grad in ein Haus ein, während die Hauptmann der Wache neben Euch steht..." Die Amazone grinste breit, liess die beiden aber weiter herumprobieren. Ihre nächste Idee wäre gewesen, die Tür einzutreten. Wenn sie so also Zugang zum Haus bekamen ohne dass sie Inventar zerschlagen musste - umso besser.

  Gespeichert  
Secundus M Hora

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Die Hauptstadt
« Antwort #6 am: Mi., 01. Apr 2020, 21:45 »

Runde II



Im Stadtpalais der Familie von Salis


„Ich bin Anduil, der Leiter der Akademie von Drachenauge. Sehr erfreut Herr Eledhwen, stellte sich der zeitlose Druide vor, ehe er begann die Fakten, die ihm über das Wechselbalg bekannt waren, zusammenzufassen: „Das fragliche Wesen soll sich während der letzten Seuche, die Drachenauge dank seiner tapferen Unterstützung zum Glück schnell in den Griff bekommen hat, in die Hauptstadt eingeschlichen haben. Womöglich war die ganze Krankheit vor allem ein Ablenkungsmanöver für diese Infiltrierung, vielleicht diente sie aber auch als eine Art Testlauf. Da sie von einer Kreuzung von Shikaranim und nicht dämonischen Ratten ausgelöst wurde, ist aber eine Beteiligung Taros’ fast sicher. Der Gestalt nach handelt es sich beim Wechselbalg  ungesicherten Quellen zufolge um ein blondlockiges Mädchen mit puppenhaften Gesichtszügen. Vermutlich hat es sich in einer möglichst einflussreichen Familie eingenistet, um dort an Wissen zu gelangen, das gegen Drachenauge und Dragonia eingesetzt werden kann. Da Bäche in der Nähe Quelle am klarsten sind und es sich mit Informationen ähnlich verhält, und weil wir vielleicht übersehen haben, wichtige Fragen zu stellen, sollten wir den Informanten wohl persönlich hinzuziehen.“

Tamir schien den Worten des Gelehrten zuzustimmen, denn er läutete nach einem Diener und trug diesem auf den Spion hereinzuführen. Sie mussten nicht lang warten, bis ein blonder schlanker Mann den Salon betrat. Er war nicht besonders groß, nicht mehr ganz jung, hatte feine Gesichtszüge und seine Bewegungen waren geschmeidig. Der Blick seiner klaren blauen Augen verriet ebenso wenig über ihn und das was er dachte, wie sein Lächeln. „Ihr könnt mich Lynx nennen“, stellte er sich vor und reichte Elessar die Hand. Sein Händedruck war kräftig und wirkte wie einstudiert. „Ich bin hier, um Euch zu warnen.“ Suitbald beobachtet die Szene genau und versuchte schlau aus Lynx zu werden. Der Mann war schon immer schwer zu lesen gewesen, doch inzwischen versteckte er seine Gefühle so perfekt, dass man daran zweifeln konnte, dass er überhaupt welche verspürte.


In der Soldgasse


Am helllichten Tage und im Beisein eines Hauptmannes der Stadtwache, stieg die allseits geachtete Apothekerin Drachenauges durch ein offenes Fenster in ein fremdes Haus ein. Der Baron von Muesig, seines Zeichens Zeremonienmeister der Stadt, leistete ihr dabei aktiv Hilfe und gestand nebenbei, dass er bereits Erfahrungen bei solcherlei Unternehmungen hatte. Naveen, Schneidermeister aus Nuru, stand derweilen Schmiere oder war einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort.

Im Dachboden war nichts Verdächtiges zu erkennen und so konnte sich Shikra bedenkenlos über die Fensterbank ins Innere schwingen. Auch auf der gegenüberliegenden Seite stand das Fenster offen, wohl um den Speicher zu lüften. So war es auch hell genug, dass sie auf weitere Maßnahmen verzichten konnte. Der Raum unter den Dachschrägen, der ohnehin zu niedrig war, um dort zu stehen, war mit allerlei Habseligkeiten vollgestellt, und zwei gemachte Betten in der Mitte des Dachbodens verrieten, dass hier auch jemand schlief. Die Fensterläden der Gaube waren fest verschlossen und verriegelt.

Über eine schmale Stiege konnte die Elfe ins Erdgeschoss gelangen. Das alte Holz knarzte leise unter ihren Sohlen. Unten angekommen fand sie sich in einem kurzen Flur wieder. Hier kam nur ein wenig Licht vom Dachboden und von der Tür zu ihrer Linken, die nur angelehnt war, herein. Die Tür rechts war verschlossen und geradeaus befand sich die verriegelte Haustüre.

Asarra, die noch vor eben jener Haustür wartete, hatte das Gefühl beobachtet zu werden. Sie konnte den aufmerksamen Blick förmlich zwischen ihren Schulterblättern spüren. Sollte sie sich in die entsprechende Richtung drehen, oder einen ihrer Begleiter auffordern dies zu tun, wäre wohl gerade noch ein rötliches Augenpaar zu erkennen, das zu einem Schemen gehörte, der zwischen Unrat ausgeharrt hatte. Beim ersten Anzeichen, dass er entdeckt worden war, verschwand er in einem Abflussrohr, das die Soldgasse, die hier eine Senke bildete, entwässerte.

  Gespeichert  
Herr von Muesig

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Die Hauptstadt
« Antwort #7 am: Fr., 03. Apr 2020, 16:25 »

Während Shikra seinen Empfehlungen Folge leistete, dachte er über Asarras Replik nach. Zuerst hatte er es für eine weitere ihrer unbeschreiblichen Niederträchtigkeiten gehalten. Aber ein wenig Nachdenken, bevor man sich äußert hat selten geschadet. Das traf auch jetzt zu. „Wenn ich es recht bedenke, war Eure Antwort vielleicht das am wenigsten Beleidigenste, was ich bislang von Euch gehört habe. Von Achtung noch ein ganzes Stück entfernt, aber ein guter Weg. Angefangene Sachen – wie diese Ausbildung -  auf halben Weg abzubrechen, keine gute Idee, muss ich gestehen. Siehst Du etwas Shikra?“ fragte er, nachdem Waldelfe seine Schulter verlassen und durch das offene Fenster verschwunden war. „Und“ nahm er das Gespräch mit seiner Ausbildnerin wieder auf „ was das Schmeicheln anbelangt, ist das gar nicht vonnöten. Euch verschließt sich, wie vielen Maiden es eine ganze Menge bedeutet, mit einem ‚von' die Liegestatt geteilt zu haben. Und von den unzähligen Frauen in den Blütejahren, die von Ihren Männern vernachlässigt werden, nachdem sie sie zuvor jährlich geschw…Was habt Ihr? Ist doch wahr.“ aber es war etwas Anderes. Asarra hatte sich umgedreht und musste etwas gesehen haben. So deutete er jedenfalls ihren Blick. Er folgte ihrer Blickrichtung, aber wenn es etwas zu sehen gegeben hatte, war es jetzt weg. „Was geht hier vor?“ Und ihm fiel Shikra ein: „Wann entsperrt sie die Tür, ihr wird doch hoffentlich nichts zugestoßen sein…“ Die Sorge in seiner Stimme war unverkennbar.
« Letzte Änderung: Fr., 03. Apr 2020, 16:29 von Suffix »
  Gespeichert  
Shikra

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Die Hauptstadt
« Antwort #8 am: Fr., 03. Apr 2020, 20:49 »

Während sich der fliederliche Baron sofort zur Hilfe bereit erklärte, stellte Asarra ihr nicht ganz so rechtmäßiges Vorgehen in Frage, zumindest glaubte das die Heilerin, bis sie in das grinsende Gesicht der Amazone blickte.
„Nur so nebenbei Frau Hauptmann, da drin könnte ein krankes Kind Hilfe gebrauchen.“
erwiderte sie mit einem frechen Grinsen, ehe ihre Züge ernster wurden. Immerhin wurde sie – sogar als Hohentürmlerin – von der Nachbarin gebeten, nach der Familie zu schauen, weil sie sich Sorgen machte und ganz unbegründet waren diese wohl nicht, wenn sie sich extra auf die Suche eines Gildenmitglieds gemacht hatte. Da wollte sie sich nicht gleich von einer verschlossenen Tür  oder einer diensteifrigen Soldatin abwimmeln lassen.
„Ich möchte nur kurz nachsehen, ob ich jemand in diesem Haus helfen kann. Ich stellte bestimmt nichts Unrechtmäßiges an.“
Außerdem, doch das dachte sich die Elfe nur, wollte die Asarra doch auch in das Haus.

„Leicht bekleidete Jungddamen? Das kann ich mir bei dir ja gar nicht vorstellen.“
Doch ihr frecher Gesichtsausdruck  überzeugte den ehemaligen Pferdezüchter eher vom Gegenteil. Vorsichtig setzte sie ihren Fuß in die verschränkten Hände des Adeligen, ehe sie mit etwas Schwung den zweiten auf seiner rechten platzierte. Sie brauchte einen Moment, bis ihre Hände Halt am Fensterbrett fanden und sie hineinschauen konnte.
„Sieht nicht so aus, als ob da jemand da wäre.“
So, als ob sie noch etwas an Höhe gewinnen müsste, tippte sie mit ihrem linken Fuß noch auf Martins Kopf, ehe sie im Inneren verschwand. Das letzte was die drei von unten sahen, war ihr fast knielanger Zopf.
„Hallo? Jemand zuhause? Hier ist Shikra. Aus der Apotheke.“
rief sie – zugegebenermaßen recht leise -  in den halbdunklen Raum hinein.

Ihre Augen gewöhnten sich schnell an die Lichtverhältnisse und sie konnte zwei sauber für den Tag zurechtgemachte Betten erkennen. Während die Amazone und der Baron ihren Disput weiterführten, von dem die Waldelfe entweder nichts mitbekommen hatte oder sich nicht einmischen wollte, suchte sich die junge Hohentürmlerin einen Weg ins Erdgeschoss, nachdem sie sich sicher war, dass niemand auf dem Dachboden war.

Als das erste Brett unter ihren Füßen knarzte, hielt sie kurz die Luft an und versuchte ganz behutsam die nächsten Stufen hinabzugehen. Unten angekommen schaute sie sich zur Orientierung kurz um wiederholte nochmal die Worte, die sie ankündigten und vorstellten und wieder konnte sie keine Reaktion darauf erkennen.
Bevor sie die übrigen Räume nach den Bewohnern absuchen würde, wollte sie zuerst den anderen, die sicher schon ungeduldig wurden, die Tür öffnen.
Sie schob den Riegel zurück und zog vorsichtig die Eingangstür auf.
„Ich glaube hier ist keiner zuhause, aber ich habe auch noch nicht in den beiden Zimmern nachgesehen.“

  Gespeichert  
Elessar Eledhwen

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Die Hauptstadt
« Antwort #9 am: So., 05. Apr 2020, 14:25 »

Als der Druide Anduil sich als der Leiter der Akademie zu Drachenauge vorstellte, wurde Elessar wieder einmal bewusst, dass er seit seiner Rückkehr nach Dragonia noch immer nicht in allen Dingen auf aktuellem Stand war. Zu der Zeit, als er damals in seine Heimat gereist war, wurde die Akademie noch von Noq, dem Elfen geleitet. Er zuckte innerlich mit den Schultern, denn es würde ihm wohl nie gelingen, vollständige Informationen zu allen verpassten Ereignissen zu erlangen, denn dafür ereignete sich zu viel Neues und in den letzten Wochen schienen sich die Ereignisse förmlich zu überschlagen, und alle darauf hindeuteten, dass das Böse versuchte, erneut Fuß zu fassen. Ihm war bewusst, dass es unmöglich wäre, das Böse vollständig auszurotten, aber es musste auch dieses Mal gelingen, es soweit zurückzudrängen, dass das Land und seine Bewohner - zumindest die Friedliebenden, denn einige Quertreiber gab es immer - zur Ruhe kamen.

Er lauschte dem Bericht des Druiden - von der Seuche hatte er damals bereits von Domitia vernommen - und begrüßte dann den Spion, der von einem Diener hereingeführt wurde und sich selbst als Lynx vorstellte. Der Paladin erwiderte den Händedruck der gereichten Hand reflexartig, obwohl er diesen menschlichen Brauch alles andere als wohlwollend betrachtete und widerstand dem Drang, sich die Hand an seinem Umhang abwischen zu wollen. Wie der Händedruck wirkte das gesamte Gehabe des Mannes einstudiert und falsch und erweckte in dem Elf den Eindruck eines schmierigen, glitschigen Aals, dem es immer gelang, sich aus allen Widrigkeiten zu winden. So zog der Paladin ob der Warnung des Mannes lediglich eine Augenbraue in die Höhe und erwiderte ruhig:

"Nun, eine Warnung auszusprechen ist ein einfaches Unterfangen, doch seid Ihr auch in der Lage, diese mit stichhaltigen Informationen zu untermauern? Wenn ein Wechselbalg sich einzuschleichen gedenkt, dann plant es dies weit im Voraus. Andernfalls fiele es zu leicht auf! Gibt es Hinweise auf die Familie, in der es sich eingenistet haben soll? Oder weiß man bereits, um welche Familie es sich handelt? War die vermeintliche Mutter bereits in freudiger Erwartung? Ansonsten müsste es der Nachbarschaft auffallen, wenn ein Kind aus heiterem Himmel auftaucht."

  Gespeichert  
Asarra

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Die Hauptstadt
« Antwort #10 am: Mo., 06. Apr 2020, 11:10 »

Asarra hob gespielt abwehrend die Hände. "Na dann Frau Apothekerin, will ich Euch in Eurer höchst löblichen Mission nicht aufhalten", doch, offenbar gab es nebst Naveen auch noch andere erträgliche Elfen. So halbwegs, jedenfalls.

Shikra verschwand im Haus, der lange Zopf baumelte noch einen Moment über dem Fensterbrett. Das musste doch unpraktisch sein, selbst ihr eigener, der ihr bis zum Bauchnabel reichte, wollte sie manchmal gerne absäbeln. Wiederum kam die Apothekerin vermutlich seltener in Situationen, in der sie ihre Frisur stören könnte.

Der Baron riss sie aus ihren Gedanken, als er sich doch noch zu einer Antwort bequemte - und diese war erstaunlich nüchtern, wenn man bedachte, von wem sie kam. Ein wenig Anerkennung lag in ihrem Blick, als sie dem Rothaarigen nun etwas aufmerksamer zuhörte. Doch etwas lenkte sie sogleich wieder ab. Ein seltsames Prickeln im Rücken, als würde sie angestarrt werden. Die grosse Kriegerin war es gewohnt, Blicke auf sich zu ziehen. Aber dieser, dieser knüllte ihr die Eingeweide zusammen und stellte ihre Nackenhaare auf.

Sie nickte hie und da auf die Worte des Barons und versuchte sich unauffällig anders zu platzieren, verlagerte das Gewicht auf den anderen Fuss, drehte den Oberkörper leicht - da! Ein rotäugiger Schemen, doch er hatte sie bemerkt und flüchtete sogleich in ein Abflussrohr. "Verdammt!", fluchte Asarra laut, und war mit wenigen Schritten bei besagtem Abfluss. Vielleicht war sie paranoid, doch das Ding war grösser gewesen als eine normale Ratte, und die roten Augen waren auch nicht unbedingt normal. Die alte Rattenbissnarbe begann zu jucken. Ankmirs Worte kamen ihr ihn den Sinn. Es braute sich was zusammen - aber was nur?

  Gespeichert  
Secundus M Hora

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Die Hauptstadt
« Antwort #11 am: Fr., 10. Apr 2020, 22:45 »

Runde III



Im Stadtpalais der Familie von Salis


„Eine Warnung auszusprechen, mag Euch einfach erscheinen“, räumte Lynx mit einem nichtssagenden Lächeln ein. „An die Informationen zu gelangen, war es keineswegs und würde ich auf eigene Faust versuchen, etwas gegen die Bedrohung zu unternehmen, hätten gewiss einige Leute etwas dagegen.“ Er warf Suitbald einen langen Blick zu, doch selbst der war zu ausdruckslos, um eindringlich genannt werden zu können. „Und dieses Wechselbalg hat tatsächlich weit im Voraus geplant. Es ist der Wiege nämlich bereits entwachsen. Ich würde nach einem Kind von… vielleicht zehn Sommern suchen. Alt genug, um bereits zu sprechen und die Eltern mit seinen Worten zu beeinflussen. Und nach der Seuche wurde gewiss mehr als ein Kind von wohlwollenden Leuten aufgenommen. Wer forscht schon wirklich gründlich nach, ob die Eltern eines weinenden Mädchens tatsächlich von der schrecklichen Krankheit dahingerafft wurden? Es könnte einfach zwei beliebige Tote vorzeigen. Und die Brut aus Taros genießt es gerade die nobelsten Eigenschaften der Menschen – wie beispielsweise ihr Mitgefühl – auszunutzen. Sucht, sofern ihr auf meinen Rat hören wollt, nach einem adoptierten Kind. Und sucht, das ist aber eine reine Mutmaßung, im Umfeld des Militärs.“

Der Spion setzte ein entschuldigendes Lächeln auf, doch da weiterhin keine Gefühle seine klaren blauen Augen erreichten, wirkte es so falsch und schmierig wie alles andere an ihm. „Ich wünschte, ich könnte Euch Namen nennen, eine Familie. Aber ich habe nur von den Plänen gehört – und da nicht alles. Wie gut die Umsetzung klappte, vermag ich nicht zu sagen. Solche Vorhaben laufen selten ganz nach Plan. Soviel kann ich aus Erfahrung sagen.“

Tamir von Salis war unterdessen eifrig damit beschäftigt gewesen ein Stück Pergament  vollzuschreiben und immer wieder mit ein paar anderen Schriftstücken abzugleichen. „Ich habe hier eine Liste der einflussreichsten Familien Drachenauges“, verkündete er schließlich und schirmte die Schriftstücke mit den Arm ab, als Lynx versuchte einen unauffälligen Blick darauf zu erhaschen. „Ich denke die sollten wir abarbeiten und überprüfen, ob von Vertretern dieser Familien oder ihnen nahestehenden Personen nach der Seuche ein Kind aufgenommen wurde. Auch die Kaserne und das Wachhaus sollten wir bei der Untersuchung nicht vergessen. Familien mit Einfluss auf das Militär habe ich mit einem kleinen Schwertsymbol gekennzeichnet.“ Er reichte Elessar eine Abschrift der Liste, auf der die Tinte noch feucht war.



In der Soldgasse


Mit einem leisen Klicken öffnete sich die Tür zu dem kleinen Häuschen in der Soldgasse. Offensichtlich war der Riegel, der sie geschlossen gehalten hatte, gut geschmiert. Shikra teilte ihre ersten Eindrücke mit den Wartenden. Das Gebäude schien verlassen zu sein. Aber völlige Sicherheit würde natürlich erst herrschen, nachdem auch die verbleibenden beiden Räume untersucht waren.

~~~


Die Tür zum Schlafzimmer war geschlossen, aber nicht abgeschlossen. Das Doppelbett war, wie die Betten auf dem Dachboden, gemacht. Der Schrank und die Truhe waren aus dem gleichen Holz gefertigt und wiesen die gleiche Machart auf. Die Möbel waren schlicht und zeigten Gebrauchsspuren, aber sie waren stabil und würden noch lange halten. Ein kleines Fenster führte auf den kleinen Garten hinaus. Dort stand ein Apfelbaum, der gerade frische Blätter austrieb, und auch für ein kleines Gemüsebeet war ausrichtend Platz.

~~~


Hinter der angelehnten Tür befand sich die gute Stube des Hauses. Auf dem Herd war wohl vor gar nicht so langer Zeit eine Mahlzeit gekocht worden, denn diese stand noch auf dem Tisch. Es hatte herzhaften Eintopf gegeben und dieser war sogar auf vier Teller verteilt worden. Angetastet hatte den Inhalt der Teller jedoch niemand.

Denn statt einer glücklichen kleinen Familie saßen vier bis auf die Knochen abgenagte Gerippe um den Esstisch. Die Szene sah aus, als wäre sie zu einem ewigen Stillleben arrangiert worden. Einer makabren Karikatur einer Mahlzeit im engsten Familienkreis. Shikra als Heilerin würde unschwer erkennen, dass es sich um die Knochen eines ausgewachsenen Mannes, einer Frau und zweier Kinder handelte. Das kleinste Skelett hatte sogar noch den Löffel in der knochigen Hand.

  Gespeichert  
Herr von Muesig

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Die Hauptstadt
« Antwort #12 am: So., 12. Apr 2020, 13:10 »

Shikra öffnete die Tür und sie war wohlbehalten. Bevor er noch fragen konnte, erzählte sie schon von sich aus, was sie wahrgenommen hatte. Nicht viel, wie sich herausstellte.

Es gab noch 2 Räume, die nicht untersucht worden waren. Mit einigem Unbehagen trat der Adelige ins Schlafzimmer. Ein Schlafzimmer ist nun etwas sehr Privates. Daher widerstand er auch der Versuchung einen Blick in Truhe und Schrank zu werfen. Die Federung des Bettes aber überprüfte er. „Mhmmmm…..“ was nichts über seine Zufriedenheit oder Unzufriedenheit derselben aussagte.

Blieb noch der letzte unbesuchte Raum, der Aufenthaltsraum. Es war angerichtet. Ein Aufschrei. Aber das ausgeteilte Essen würde niemand mehr zu sich nehmen. Die 4 Wesen, die am Tisch versammelt waren…bekleidete Skelette. Er besah sich den Herd. Tauchte seinen Zeigefinge - ganz vorsichtig und gegen die Etikette - in den Topf. Kalt. Aber ein Rest der wohl beim Austeilen auf den Herd getropft war, war noch nicht ganz verkrustet oder von Schimmel überzogen. Genau wie der Inhalt der Teller. „Ich verstehe nicht so viel wie ein Sachverständiger, aber höchstens eine Woche, würde ich sagen. Schneider…die brauchen Deine Dienste nicht mehr.“ Dabei machte er eine luftige Handbewegung über eines der Skelette. Entweder hatte der Luftzug genügt oder er war unbeabsichtigt doch angestoßen. Als Folge davon sackte das Skelett, der Kleidung nach eine Frau, in sich zusammen und die einzelnen Knochen rasselten geräuschvoll zu Boden, das Gewand obenauf. Entsetzte, vorwurfsvolle Blicke. „Ich wollte doch nur….
Shikra bemerkte, dass da nur Magie im Spiel sein konnte. Da pflichtete ihr Martin bei. Am Eintopf konnte es nicht liegen, der war unberührt, was man auch am Besteck sah. „Blitzschlag…Erdbeben…Infarkt…Liebeskummer….scheiden wohl auch aus. Wir dürfen wohl nichts anfassen oder verändern, äh…ja, ich weiß. Oder Asarra…ist das einer Deiner berühmt, berüchtigten Scherze, die Du Dir mit uns erlaubst?“ aber daran glaubte er nicht so recht. „Seht, der hat noch den Löffel zwischen den….Knochen…

Er sah sich nochmals um. Nein, da war nichts Auffälliges.

  Gespeichert  
Shikra

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Die Hauptstadt
« Antwort #13 am: Do., 16. Apr 2020, 00:40 »

Da sich der Baron der verschlossenen Tür annahm, wandte sich Shikra der angelehnten Tür zu. Behutsam öffnete sie sie, machte einen Schritt in den Raum und blieb abrupt im Türrahmen stehen. Das Bild der Familie, das sich ihr bot, war zu surreal, um es zu begreifen. Die eine Hand noch an der Klinke, musste die Heilerin von den Nachfolgenden beiseitegeschoben werden.
Sie konnte ihren Blick nicht von den Skeletten, die gerade dabei waren ein gekochtes Mittagessen zu sich zu nehmen abwenden und langsam näherte sie sich dem Tisch und kniete sich neben das jüngere Knochenkind. Fast wie in Trance griff die Apothekerin nach dem Löffel, denn die knöcherne Kinderhand fest umschlungen hatte.
Während Martin am Herd eine erste Eingrenzung des Tatzeitpunkts unternahm, versuchte sie - warum auch immer - den Suppenlöffel mit leichten Drehbewegungen zu befreien, doch sie scheiterte, das Besteck ließ sich nicht befreien, ohne das Skelett zu beschädigen.

Das Skelett… erschrocken richtete sich Shikra wieder auf. Was war los mit ihr? Anstatt zu helfen oder zumindest eine Erklärung zu suchen, hatte sie nichts Besseres zu tun, als dem Kind den Löffel abzunehmen?
Ihr Blick wanderte nochmals über die unwirkliche Szenerie einer heilen Familie, bestehend aus Mutter, Vater und den beiden Kindern, dann versuchte sie, wie Christian es ihr erklärt hatte, sich zu konzentrieren. Vielleicht hatten sie Glück und der schreckliche Mord war noch nicht lange her? Dann hätte sie vielleicht noch die Chance eines Auferstehungszaubers, dessen Grundzüge sie erst kürzlich von ihrem Gildenbruder gelernt hatte?
Doch so sehr sie danach suchte, sie konnte keine der Seelen, weder des Mannes, noch der Frau, noch der beiden Kinder, wahrnehmen. Hatte sie sich gründlich genug nach ihnen umgesehen?

Die junge Apothekerin intensivierte die Bemühungen, als sie von einem scheppernden Geräusch aus ihrer Konzentration gerissen wurde. Der Baron hatte eins der Skelette zerlegt.
„Martin! Kannst du nicht aufpassen?“
Asarra untersuchte die Übrigen nach einer möglichen Todesursache und die Hohentürmlerin gab ihren Rettungsversuch auf: zulange war der Moment der Trennung von Seele und Körper vorbei.
„Ihr Tod muss schon vor einer Weile eingetreten sein. Eine Wiederbelebung ist nicht mehr möglich.“
Bis zu diesem Moment hatte sich die Heilerin geweigert an Mord zu denken, doch:
„Vielleicht wurden alle vier gleichzeitig durch Magie getötet. Eine Mutter würde doch nicht ruhig sitzen bleiben, während ihre Kinder oder ihr Mann…“
Sie beendete den Satz nicht, denn ihr war ein viel grausamerer Gedanke gekommen. Sie wurde blass und fragte mit einem leichten Zittern in der Stimme:
„Oder wurden sie…. wurden sie erst nach ihrem Tod zu einer glücklichen Familie am Esstisch hin drapiert?“
Es lief ihr kalt den Rücken hinab. Einerseits weil die Vorstellung so absurd war, andererseits, weil sie neben vier Leichen, von denen eine nur noch ein Knochenhaufen war, mit der Amazone und dem Adeligen die möglichen Todesumstände diskutierte.

  Gespeichert  
Elessar Eledhwen

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Die Hauptstadt
« Antwort #14 am: Sa., 18. Apr 2020, 13:15 »

Elessar lauschte den Worten von Lynx und seufzte dann innerlich, da er den Eindruck hatte, dass dieser seine Entgegnung nicht verstanden hatte. Wie von dem Paladin erwartet, hatte der Spion keine wirklich stichhaltigen Informationen, sondern stellte lediglich Mutmaßungen an. Aber auch diese mochten bereits eine Hilfe sein, da der Paladin während der Seuche nicht in der Hauptstadt gewesen war und somit nur auf die damaligen Berichte von Domitia und Barbelin zurückgreifen konnte.

In der Zwischenzeit hatte Tamir von Salis ein Pergament mit Namen gefüllt, welches er nun dem Elf aushändigte und dabei einige Erläuterungen dazu machte, während er gleichzeitig mit dem Arm versuchte, Lynx davon abzuhalten, einen Blick auf die Liste zu werfen. Auch wenn Elessar nicht sicher war, ob der Spion nicht bereits mehr wusste, als auf dem Pergament zu sehen war, schob er sich zwischen ihn und von Talis, um ebenfalls seinen Teil dazu beizutragen, die Informationen vor den Blicken des Spions zu bewahren. Er ließ seinen Blick über die Liste schweifen - nur wenige Namen waren ihm geläufig - und blickte Tamir dann fragend an:

"Nun, die Liste ist recht lang und es ist kaum machbar, alle Familien aufgrund der gebotenen Eile alleine aufzusuchen. Könnt Ihr mir ein, zwei vertrauenswürdige Personen zur Seite stellen? Und habt Ihr möglicherweise Hinweise, wo wir beginnen sollten? Vielleicht Einträge im Stadtbuch zu Neugeborenen oder Totgeburten zur Zeit der Seuche? Ansonsten müssten wir die Liste in der Tat Punkt für Punkt abarbeiten..."

Er wandte sich an Anduil und fügte hinzu:

"Oder kennt Ihr möglicherweise einen Zauber, der uns beim Aufspüren des Dämonenkindes weiterhelfen könnte?"

Er ließ seinen Blick zwischen Tamir und Anduil hin und her schweifen, während er auf eine Antwort wartete. Sollte es keine andere Möglichkeit geben, würde er sich auf den Weg machen und der ersten Familie auf der Liste einen Besuch abstatten.


  Gespeichert  
Seiten: [1] 2 3 4 Alle | Nach oben Antwort
Legends of Aylann  |  Legends of Aylann - Das Spiel  |  Abenteuer in Legends of Aylann |  Abenteuer  |  Thema: [Abenteuer] Fadenspiele - Die Hauptstadt<< zurück weiter >>
 

Legends of Aylann | Powered by TIBBS 1.35 PE (Personal Edition) (Origin: YaBB SE)
Hosted by www.legends-of-aylann.de - All Rights Reserved.
Take a look at our imprint and data protection policy for further details and credits.

Die Administration distanziert sich ausdrücklich von den hier geäußerten Meinungen. Die Textbeiträge geben nicht die Meinung der Administration wieder. Kontakt: webmaster@legends-of-aylann.de