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   Autor  Thema: [Abenteuer] Fadenspiele - Andere Schauplätze (Gelesen 2193 mal)
Secundus M Hora

[Abenteuer] Fadenspiele - Andere Schauplätze
« am: Mo., 23. Mär 2020, 19:51 »

Fadenspiele


Prolog

Sie stand hinter den Zinnen des höchsten Turms der dunklen Festung und schaute über die karge Ebene, die vor ihr lag. Der Boden wirkte rötlich, als hätte er sich über die Jahrhunderte der Farbe des Blutes angepasst, das auf ihm vergossen worden war. In der Ferne konnte sie das Leuchten des Flammenflusses sehen, auf dessen Oberfläche immer wieder brennende Teppiche einer öligen Flüssigkeit vorbei schwammen. Nachts war das Schauspiel bedeutend beeindruckender, aber jetzt war es Tag und die Sonne brannte unbarmherzig vom Himmel herab, raubte dem trockenen Sandboden das letzte bisschen Feuchtigkeit und ließ nicht als Wüste und ein paar verdorrte Büsche zurück. Als eine tiefe Stimme hinter ihr erklang, drehte sie sich um.

Wonach hälst Du Ausschau, Tochter?

Nach einem Zeichen, dass die Zeit gekommen ist. Ich langweile mich.

Jetzt schon? Nach nur drei Jahren? Ich habe Hunderte von Jahren auf den rechten Moment gewartet, um Dir neues Leben zu schenken.

Drei Jahre waren lang genug. Da, sie kommen. Sieh was ich in drei Jahren geschaffen habe.

Sie deutete mit dem Finger in eine Richtung, in der ein dunkler Fleck am Horizont zu erkennen war, der rasch größer wurde.

Du warst fleißig mein Kind. Die wilde Jagd ist stärker als je zuvor.

Pandeas wolfsgelbe Augen begannen zu glühen. Die Lykantrophen kamen näher, sie konnte es nicht nur sehen, sondern fühlen. Sie waren an sie gebunden, sie beherrschte sie, sie gehörten IHR.

Ja. Und es wird Zeit, dass Dragonia das endlich einsieht. Ich werde es Dir schenken, als Dank für mein zweites Leben.

Die ebenholzfarbene Haut Côrs schimmerte, als sein dunkles Lachen erklang. Es war ein Ton der einem das Blut in den Adern gefrieren lassen konnte, kalt, grausam und unbarmherzig.

Du willst es erobern? Dann bringe Schmerz, Qual und Leid über das Land, und ich werde mich mit Freuden daran laben. Solltest Du es schaffen, gestatte ich es Dir dort zu herrschen.

Er trat einen Schritt näher an Pandea heran und umfasste mit einer Hand ihr Kinn, drehte das auf seine ganz eigene Art wunderschöne Gesicht zu seinem eigenen herum und sah ihr in die Augen.

Doch erwarte keine Gnade von mir, wenn Du versagst.



Runde I


Myriels Kopf drehte sich ruckartig herum, als sie das kratzende Geräusch an der Tür ihrer Hütte hörte. Als die Tür geschlossen blieb und sich nicht öffnete, warf die Schwarzmagierin Phelan und Sâmul einen Blick zu und stand dann auf um nachzusehen. Das Wesen, was sie auf der Türschwelle vorfand, war maximal so groß wie ein Unterarm und ähnelte vom Aussehen her einem kleinen, pechschwarzen Drachen, denn sein Körper war mit Schuppen besetzt, es hatte zwei Flügel, die nun eng an den Körper angelegt waren, und einen langen Hals. Myriel hob es auf, setzte es auf ihren angewinkelten Arm und trug das Tier hinein. Pechschwarze, glänzende Augen sahen sich neugierig in der Hütte um, während es seinen Schwanz um den Arm der Druidin schlang um mehr Halt zu haben. Die zweite Hand der Schwarzmagierin strich über Kopf und Rücken des kleinen Warzars, dessen größere Verwandten Phelan schon einmal hatte bewundern dürfen. An seinem Hinterbein war eine Nachricht befestigt. Myriel löste den Faden, der das Stück Pergament an seinem Platz hielt, faltete es auseinander und las, bevor sie es in die Flammen des Feuers warf, über dem der Kessel hing. Fast beiläufig nahm sie einen Brocken des von Phelan geschnittenen Dörrfleisches und hielt es dem Echsenwesen auf ihrem Arm hin, das zwei spitze Zähne ähnlich denen einer Schlange entblöße und hineinschlug.

Es ist soweit. Die wilde Jagd hält auf Dragonia zu.

Sie sah Phelan bedeutungsschwer an.

Ein Teil kommt durch die Schwanenmarschen auf der Höhe des alten Waldes. In zwei, maximal drei Tagen werden sie da sein.

Und vermutlich war die Vorhut schon längst in Wolfingen angekommen. Es war absehbar gewesen, das sie diesen Ort als ersten Punkt wählten, er lag abgelegen und im alten Wald würden die Lykaner ganz klar im Vorteil sein. Die Frage war wie viel die Bewohner des Ortes bisher mitbekommen hatten.

Du solltest Dir das ansehen.

Mehr sagte die Druidin nicht dazu. Es oblag Phelans Entscheidung was er dort tun würde. Doch einen Moment später setzte sie das Tier von ihrem Arm ab und legte einen Stein vor Phelan auf den Tisch der einem Auge ähnelte. Dann nahm sie eine kleine, leere Phiole aus einem der Regale und schnitt sich mit einem Dolch in den Finger um sie mit ihrem Blut zu füllen.

Wenn Du einen Tropfen Blut darauf gibt, und das Wort „Faic“ aussprichst, werde ich wie durch ein Auge hindurch sehen können. Doch bedenke das es mich einen Teil meiner Kraft kosten wird und nutze es nicht unbedacht.

Es würde ihnen zumindest die Möglichkeit geben in Kontakt zu bleiben, denn so würde Phelan ihr zeigen können wo er war und was dort gerade passierte. Die Schwarzmagierin verschloss die Phiole sorgfältig und reichte sie dem Gestaltwandler. Dann wandte sie sich an Sâmul.

Die Gelegenheit sich erkenntlich zu zeigen, kommt manchmal eher als man glaubt.

Erneut sah sie den jungen Mann einen langen Augenblick nachdenklich an, dann schien sie einen Entschluss zu fassen.

Will der grauen Läufer die blasse Frau nach Taros begleiten, um zu sehen, wie dieses Spiel ausgehen wird? Sie könnte Sâmul den Schrecklichen gebrauchen.

Myriel hatte den Namen mit dem sie Sâmul  bezeichnete, ganz bewusst gewählt. Er hatte einst gesagt mit einer Armee würde er in der Lage sein die Welt in Schutt und Asche zu legen. Die Gelegenheit an eine Armee zu kommen, war selten besser gewesen, und Schutt und Asche war genau das, was sie auf ihrem Weg zu hinterlassen gedachte...

~ ~ ~

Es war ein sonniger Nachmittag, als Xiyren über das Land flog. Der Frühling hielt Einzug in Dragonia, die Bäume trugen die ersten frischen Blätter, auf den Wiesen sah man bereits farbige Tupfen von den ersten Frühlingsblumen und die Tiere erwachten aus ihrem Winterschlaf. Sonnenstrahlen wärmten die Flügel und den Rücken der Drachin, bis sie über dem alten Wald nördlich von Nuru angelangt war. Dann schob sich eine dicke Wolke vor die Sonne, ließ die Welt unter ihr trist und grau erscheinen. Die Bäume des Waldes waren alt, älter als ein Menschenleben, stumme Zeugen der grausamen Rituale, die hier bereits stattgefunden hatten. Dem alten Wald sagte man viele unheimliche Dinge nach, Waldschrate und andere gefährliche Wesen sollten hier leben, und tatsächlich hatte Xiyren das Gefühl das er etwas unheilvolles ausstrahlte als ob er ein lebendiges Wesen wäre.
Einen Flügelschlag später segelte die junge Drachin über eine Lichtung hinweg, auf der sich etwas bewegte. Bei genauerer Betrachtung würde sie eine Frau erkennen können, die gerade aus dem Unterholz gebrochen war und nun wie von Furien gejagt über die karge Lichtung rannte. Sie strauchelte, als sich ihr Fuß in einer Wurzel verfing die aus dem Erdreich ragte, und schlug lang auf den Boden. Ungeachtet der Schmerzen, die sie haben musste, versuchte sie panisch sich wieder aufzurappeln und blickte über ihre Schulter. Nun wurden auch ihre Verfolger sichtbar: zwei wolfsartige Wesen rannten über die Lichtung und hetzten hinter der Frau her. Sie waren größer als gewöhnliche Wölfe, wirkten irgendwie menschlicher, auch wenn sie deutlich schneller waren. Es konnte sich nur noch um wenige Wimpernschläge handeln, bis sie ihre Beute erreicht hatten...

~ ~ ~

Es war später Nachmittag als es an der Tür der schwarzen Feste klopfte. Der Mann, der davor stand, war von der Kleidung her eher dem einfachen Volk zuzuordnen. Der Umhang, den er trug hatte an der Schulter einen Riss mit einem dunklen Fleck darum, auch die Hose, die darunter hervor lugte, hatte einige Flecken abbekommen und die Stiefel waren alt und abgewetzt. Er wirkte nicht unbedingt verängstigt, doch er blickte sich über die Schulter um während er noch vor der Tür stand und entspannte sich erst ein wenig, als man ihn eingelassen hatte, da er danach fragte den Oberaufseher der Bürgerwehr zu sprechen. Er musste im mittleren Alter sein, denn in den dunklen Haaren zeigten sich bereits die ersten grauen Strähnen. Sein Gesicht war wettergegerbt und wirkte, als ob er viel Zeit im Freien verbringen würde, doch seine Augen glänzten, als ob er Fieber hätte. Als er schließlich vor Merdarion stand musterte er ihn genauso wie Chiamara und Caya, schien einen Augenblick zu überlegen und gab sich dann einen Ruck um seine Geschichte zu erzählen.

Ihr seid also der Oberaufseher der Bürgerwehr, ja? Mein Name ist Janus, und ich komme aus Wolfingen. Dort geschehen Dinge die... die einfach nicht mehr in Ordnung sind. Ich weiß das wir Wolfinger den Ruf haben eigenbrötlerisch zu sein, vielleicht auch seltsam, weil wir die Wölfe so verehren. Aber das, was jetzt dort vor sich geht, hat mit Verehrung kaum noch etwas zu tun. Es ist Wahnsinn!
Ich kann nicht einmal sagen wann genau es begonnen hat, das man nachts wenn der Mond am Himmel stand, die Wölfe heulen hörte. Ihr müsst wissen, das das nichts ungewöhnliches in Wolfingen ist, und es den Bewohnern keine Angst macht. Viele von uns halten einen Wolf wie einen Hund, und wenn der Mond runder wird singen sie zu ihm. Doch vor einiger Zeit mischten sich andere Stimmen in den Wolfsgesang, Stimmen, die nicht aus der Kehle eines Wolfes stammen, sondern menschlicher klingen. Stimmen, die so klingen wie die, die erklangen als die wilde Jagd noch in den Wäldern lebte. Und es werden mehr. Erst waren es nur ein oder zwei, inzwischen muss es wenigstens ein Dutzend sein.
Ich bin nach Nuru gegangen, weil es die nächstgelegene Stadt ist, um die Stadtwache zu alarmieren. Der Soldat am Tor der Kaserne hat mich gefragt ob es Tote gäbe oder Verletzte. Als ich nein sagte hat er mich wieder fortgeschickt. Sie hätten keine Zeit um den Wahnvorstellungen eines alten Zausels nachzugehen hat er gesagt. Aber ich sage Euch: so wie er mich angesehen hat ist da etwas faul. Denn ich hatte kaum die Stadt verlassen, als ich von einem Monster überfallen wurde! Mit Klauen und solchen Zähnen und reichlich Pelz. Ich habe es kaum geschafft ihm lebend zu entkommen, hatte Glück das ich einen Dolch am Gürtel hatte. Den hab ich ihm in den Hals gerammt und dann bin ich gerannt... Ich vertraue keinem Soldaten mehr. Aber ich hatte von der Bürgerwehr hier in Nighton gehört, von der es heißt sie hilft den Bürgern sich selbst zu helfen. Könnt Ihr mir helfen?


Nun sah er Merdarion mit einer Mischung aus Skepsis und Hoffnung an.
« Letzte Änderung: Di., 24. Mär 2020, 20:04 von Phelan »
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Merdarion Ni Hawk

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Andere Schauplätze
« Antwort #1 am: Di., 24. Mär 2020, 17:08 »

Die Übung für den heutigen Tag war beendet, die Freiwilligen längst auf dem Weg in ihr trautes Heim. Zumindest die Meisten, die junge Caya hatte es sich nicht nehmen lassen Merdarion und seinen Besuch hineinzubgleiten. "Was kann ich Euch anbieten? Einen Becher Wein, oder lieber doch Dünnbier?" fragte er an Chiamara und die Bäckerin gewandt.

Kurz darauf klopfte es an der Türe zu der kleinen Arbeitskammer des Oberaufsehers. "Ja?" fragte Merdarion und öffnete dann die Türe. Den Mann der dort stand kannte er nicht, vielleicht jemand neues in der Stadt, der auch bei der Miliz mitmachen wollte. "Ja der bin ich..." konnte er gerade noch antworten als der Fremde zu erzählen anfing. Je länger der Mann redete umso ernster wurde Merdarions Gesichtsausdruck. Lykaner und die Wilde Jagd, war sie zurück? Innerlich verfluchte er sich nicht weiter die Sache mit Endris verfolgt zu haben. Doch waren ihm da die Hände gebunden gewesen, sowohl Ponika die scheinbar total verschossen gewesen war, als auch Myriel hatten es unmöglich gemacht etwas gegen den Alpha zu unternehem. Wenn es denn wirklich die Wilde Jagd war, möglich waren ja auch andere Lykaner....

"Beruhig Euch, darf es ein Becher Wein sein?" Bot er dem Mann den gerade gefüllten Becher an. "Zunächst einmal, die Miliz darf nur innerhalb der Stadtmauern agieren, daher kann sie Euch nicht direkt helfen. Ich nehme an ihr braucht eine Schnelle Hilfe, jemanden der nach Wolfingen reist und sich die Lage ansieht....." Der Minenbesitzer räusperte sich kurz und blickte dann zu seiner Gildenschwester herüber. "Doch... ich habe ein persönliches Interesse an der Sache und wäre bereit Euch nach Wolfingen zu begleiten. Was meinst du?" Die letzte Frage war an Chiamara gerichtet.

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Phelan

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Andere Schauplätze
« Antwort #2 am: Di., 24. Mär 2020, 21:31 »

„Vielleicht“, erwiderte Phelan schlicht. Er war sich nicht sicher, was der blonde Jüngling unter seinem Pelz vermutete und es interessierte ihn auch nicht sonderlich. Er hatte seine Versuche Sâmul zu verstehen schon vor einer Weile eingestellt. „Die beste Chance die Wahrheit der geflüsterten Stimmen zu ergründen, hat man wohl an dem Ort, von dem sie flüstern.“

Myriels Frage konnte der Lykan nicht mit Sicherheit beantworten. „Mit einer bestehenden Rudelverbindung wäre ich recht zuversichtlich.“ Er hatte nach der Rettung des weißen Wolfes kurz darüber nachgedacht sich mit Endris zusammenzuschließen. Doch sie waren beide zu dominant, als dass das gutgegangen wäre. „Es hängt stark davon ab, wie weit ihn seine Suche schon geführt hat.“ Doch dass es ihm in den Klauen juckte, dieses Artefakt in die Pranken zu bekommen, konnte er nicht leugnen.

Als sich Sâmul als grauer Läufer bezeichnete, musste Phelan einen Moment lang an die Lehren seines Ordens denken. Er konnte seiner Gefährtin nur zustimmen: Grau war keine schlechte Wahl. Einen winzigen Moment dachte er darüber nach das Thema zu vertiefen, doch dann gebrauchte der Blondschopf die Formulierung »Dame seines Herzens«. Reflexartig zogen sich die Lefzen des Wolfsmannes zurück und legten gefletschte Zähne frei. Myriels Hand auf seinem Oberarm halfen ihm ein wenig dabei sich lange genug zu beherrschen, um den Wolf in seinem Inneren zu überzeugen, dass Sâmul krank im Kopf war und ihm nicht sein Weibchen streitig machen wollte – geschweige denn konnte.

„Habt dank“, knurrte er und die Lust zu töten ließ seine Augen dabei leuchten wie glühende Kohlen. „Eure Informationen sind sehr hilfreich.“ Ein Kratzen an der Tür lenkte ihn ab und kurz darauf ließ die Druidin ein kleines schuppiges Wesen ein. Ein Warzar und falls es nicht auch kleinere Arten gab, war dies noch lange kein ausgewachsenes Tier. Erst als die Magierin das Pergament löste, begriff Phelan, dass es sich bei der geflügelten Echsen um einen Boten handelte. Er fragte nicht, wer ihr solche Brieftäubchen schickte. Sollte es für ihn wichtig werden, würde sie es ihm sagen.

„Die Wilde Jagd plant also in meinem Revier zu wildern?“, knurrte der schwarze Wolf. Vergessen waren alle Pläne Endris zu finden und alle Überlegungen Myriel in die dunklen Lande zu begleiten. “Das werde ich mir ansehen.“ Er brachte gerade genug Geduld auf, um sich das Blut und den Stein von seiner Gefährtin geben zu lassen und unterdessen war er bereits damit beschäftigt Dinge aus seinem Rucksack zu werfen, weil er mit leichtem Gepäck reisen wollte. „Faic“, wiederholte er mit einem Nicken, um sich das Wort besser merken zu können. Er hatte einen solchen Stein schon einmal in der Orkhöhle gesehen und die Wirkung erahnt. Den Wert eines solchen Gegenstandes konnte er nicht annähernd einschätzen, aber es war klar als wie wichtig die Druidin die Ereignisse einschätzte.

„Danke und pass auf dich auf.“ Mit einem kleinen Nicken signalisierte er seine Zustimmung, als Myriel den grauen Läufer mit nach Taros einlud – so unnötig diese Geste auch sein mochte. Dann verschwand er kurz im Schlafzimmer, um ein Paar Stiefel aus seiner Truhe zu holen. Vielleicht würde es sich als klüger erweisen in Wolfingen als Mensch aufzutreten, dann spielten solche Details eine Rolle. Außerdem ersetzte er bei der Gelegenheit den verschenkten Knochendolch durch ein Exemplar aus seiner Truhe. „Wir sehen uns wieder und lasst euch die Suppe schmecken“, sagte er, als er zurück in die Stube kam. Schon jetzt lag Sehnsucht in der Stimme und im Blick des Wolfsmenschen. Er zog seine Gefährtin in eine feste Umarmung und beachtete dabei Sâmul nicht weiter. Dann verließ er das gemeinsame Zuhause auf unbestimmte Zeit.

-1 Knochendolch
-1 kl. Braten
-3 Mehl
-3 Kräuter
-1 Brötchen

+1 Fläschchen mit Myriels Blut
+1 Drittes Auge

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Caya Eibenstein

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Andere Schauplätze
« Antwort #3 am: Do., 26. Mär 2020, 10:41 »

Caya war nach der Übung reichlich erschöpft...Chiamara hatte ebenfalls an den Übungen teilgenommen. Sie war bei Merdarion zu Gast und begleitete ihn in seine Arbeitskammer. Die junge Bäckerin fragte, ob sie den beiden noch Gesellschaft leisten durfte, unter anderem um heraus zu finden, wie es Merdarion aktuell ging. Nachdem ihn Cailin wieder verlassen hatte, war alles etwas aus den Fugen geraten, zumindest hatte Caya diesen Eindruck. Doch nun schien er sich ein eigenes Haus in der Stadt bauen lassen. Das deutete sie als einen guten Neubeginn.

Merdarion fragte die Frauen, ob sie Wein oder lieber Bier haben wollten.

"Etwas Wein, dafür wäre ich euch dankbar!"  Immerhin wärmte dieser auch von innen und auch wenn es in der Sonne schon deutlich wärmer geworden war, so war es im Schatten immer noch sehr kühl...

Nachdem Merdarion gerade eingeschüttet hatte, klopfte es an der Tür. Caya setzte sich und schaute gespannt in Richtung der Tür. Merdarion öffnete und ein Mann mittleren Alters fragte nach dem Oberaufseher der Miliz. Dann berichtete er von seinem Dorf „Wolfingen“. Der Mann schien deutlich beunruhigt zu sein und berichtete davon, dass sein Dorf Wölfe verehrte und diese dort auch teilweise als Haustier gehalten wurden. Doch nun schienen dort nicht nur Wölfe zu Vollmond zu heulen, was Caya schon als beunruhigend empfinden würde, sondern es war ein Heulen, dass menschlicher Klang…und es wurde die „wilde Jagd“ erwähnt. Was meinte er nur damit?

Ein menschliches Heulen…Caya musste unwillkürlich an Phelan denken… Ihr Mund öffnete sich. Meinte er etwa Werwölfe?! Aber was war die wilde Jagd???

Der Mann redete weiter. Erst waren es ein oder zwei und jetzt mussten es schon ein Dutzend sein. Ein Dutzend…ein Dutzend?! 12 Werwölfe?! Und es schienen immer mehr zu werden?!

Caya schaute beunruhigt zu Merdarion und Chiamara hinüber.

Zuletzt berichtete der Mann, dass er von einer Bestie angegriffen wurde, als er auf dem Weg hierher war. Er hatte wohl Glück gehabt, dass er entkommen war! Caya dachte an Phelan, als sie ihn in seiner Wolfsgestalt das erste Mal gesehen hatte. Wie mühelos er zu dem Haus hochgesprungen war und wie viel Kraft er hatte…und nun sollen davon mehrere durch die Wälder bei „Wolfingen“ laufen?

Caya schauderte…oder redete er gar von etwas ganz Anderem…keine Werwölfe, sondern…

In diesem Moment bot Merdarion dem Mann ein Becher Wein an. Dann klärte er diesen darüber auf, dass die Miliz nur innerhalb der Stadtmauern handeln darf. Aber er selber schien sich dafür zu interessieren…kannte er vielleicht die wilde Jagd? Caya starrte einen Augenblick die Wand neben der Eingangstür an und hörte die Worte Merdarions: „Was hältst du davon?“ Caya schaute irritiert in seine Richtung, bemerkte dann aber, dass er Chiamara anschaute und nicht sie.

War das eine indirekte Frage, ob sie ihn begleiten wollen würde? Caya überlegte einen Moment, ob sie ihn nicht vielleicht auch begleiten sollte…immerhin konnte sie zaubern, zumindest etwas…aber gegen einen ausgewachsenen Werwolf…Die Bäckerin schluckte.

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Sâmul von Gor

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Andere Schauplätze
« Antwort #4 am: So., 29. Mär 2020, 14:38 »

Der blonde Jüngling hatte sich von dem Klopfen an der Tür der Waldhütte nicht aus der Ruhe bringen lassen, sondern saß noch immer bequem zurückgelehnt da und verfolgte statt Phelan nun Myriel mit seinem Blick, während diese nun zur Tür herüber ging. Als sie diese geöffnet hatte und das kleine, schwarz geschuppte Wesen zu sehen war, musterte Sâmul dieses zwar kurz, aber sein Interesse schien es nicht wirklich zu wecken. Irgendwer hatte das Tierchen offenbar als Bote missbraucht. Die Hexenmeister ließ ihre Augen über die Zeilen wandern, ehe sie das Stück Papier direkt den Flammen überantwortete. Kurz musste Sâmul schmunzeln, als Myriel von Inhalt berichtete, den nur sie kannte und jetzt natürlich die Flammen.

Als sich die blasse Frau mit dem Wolfsmann unterhielt, mischte sich Sâmul nicht weiter ein, stattdessen schien er gelangweilt mit seinen Fingern zu spielen und sah erst wieder auf, als Phelan Myriel bat, gut auf sich aufzupassen. Der blonde Jüngling grinste den Wolfsmann kurz an, als Myriel ihn fragte, ob er sie nach Taros begleiten mochte. »Macht euch keine Sorgen um die Sicherheit eurer Herzdame, mein lieber Meister Wolf, Sâmul wird stets ein Auge auf die blasse Frau haben und manchmal vielleicht sogar zwei. Ihr Wohlbefinden ist also in besten Händen, in allerbesten Händen, vertraut einfach Sâmul. Ihr kennt doch Sâmul, er ist sehr vertrauenswürdig. Sehr vertrauenswürdig.«

Grinsend blickte der blonde Mann Phelan an, ehe sein Blick zu Myriel herüber wanderte und er sich wieder von seinem Stuhl erhob. Mit einer fast grazil-eleganten Bewegung schwurbelte er eine sehr tiefe und kunstvoll-hofische Verbeigung dahin, ehe er sich wieder aufrichtete und mit einem vergnügten Lächeln auf den Lippen verkündete: »Sâmul der Schreckliche steht der blassen Frau vorzüglichst zu Diensten. Verfügt über Sâmul als wäre er euer Wächter und Gefolgsmann.« Zumindest vorerst würde er dies erlauben. Aber diese einfache Wahrheit sprach Sâmul nicht aus. Die blasse Frau kannte sie ja sowieso schon. Er diente ihr, solange es ihm nützlich und interessant erschien.

+1 Knochendolch

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Xiyren

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Andere Schauplätze
« Antwort #5 am: Mo., 30. Mär 2020, 16:04 »

Wenn der Wald unter ihr Xiyren nicht so ein ungutes Gefühl bereitet hätte, wäre sie vermutlich wie sonst gar nicht so aufmerksam geflogen und hätte die Szene unter sich vielleicht nicht einmal bemerkt. Doch so sah sie es, wie diese riesigen Wölfe diese Naka Duskeal verfolgten. War das nicht wie ein Ereignis aus ihren Büchern? Das konnte nur bedeuten, dass sie dabei war in ein Abenteuer zu stürzen. Adrenalin schoss durch ihren Körper als sie regelrecht auf die Lichtung zustürzte, um die arme hilflose Naka Duskeal zu beschützen, wie ein richtiger Protagonist!

Die Silberdrachin war sich zum Glück bewusst, dass sie vermutlich das Überraschungsmoment hätte und dies wollte sie irgendwie auch nutzen. Zielgerichtet landete sie auf einem der Wölfe und versuchte ihn unter sich festzupinnen. Währenddessen knurrte sie den anderen Wolf an, das Geräusch aus einer Drachenkehle war schon bedrohlich, wenn der jetzt umdrehte und sich in den Wald zurückzog, wäre die Silberdrachin glücklich. Sie wollte zwar heroisch sein und der armen Naka Duskeal in Not helfen, aber ganz so viel Lust auf einen richtigen Kampf hatte sie dann eigentlich doch nicht… Verletzungen taten weh…

Ohne aufzuhören zu versuchen den Wolf unter sich unter Kontrolle zu bekommen oder den anderen aus den Augen zu lassen, fragte sie die Naka Duskeal in Gedankensprache: ~Seid Ihr in Ordnung? Ich dachte, dass Ihr vielleicht ein wenig Hilfe gebrauchen könntet.~
Das war in Wahrheit ein Zitat von einem der Helden aus einem Buch, was Xiyren viel zu oft gelesen hatte. Aber dafür musste sie sich nicht selber überlegen etwas formulieren zu müssen und sie fühlte sich regelrecht in ihrer Heldenrolle. Da half der auswendig gelernte Satz und das Adrenalin auch ihre normale Schüchternheit zu vergessen.


(14 Angriffswert)


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Chiamara

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Andere Schauplätze
« Antwort #6 am: Mo., 30. Mär 2020, 17:59 »

Nachdem Chiamara die Apotheke verlassen hatte, suchte sie ihr eigentliches Ziel auf. Die schwarze Feste. Da wieder einer der Trainingstage anstand hoffte sie dort ihren Gildenbruder anzutreffen.

Unverhoffter Weise traf sie am Übungsplatz ein weiteres bekanntes Gesicht. Freundlich begrüßte sie die Bäckerin und überwachte ein klein wenig das Training des jungen Mädchens.
Unabhängig von dem, was Neome und auch ihrer Tochter passiert ist, fand sie es trotzdem noch gewöhnungsbedürftig, dass dieses junge Mädchen und Christian….
Wenn es um Gefühle ging, schlug man nicht immer einen rationalen Weg ein. Und da sie diesbezüglich jemanden zum Reden brauchte war sie eigentlich hierhergekommen.

Nach ein paar Übungen lud Merdarion sie und auch Caya zu einen Schluck Bier oder Wein in sein Arbeitszimmer ein. Ihr Gespräch mit dem Krieger würde die gebürtige Ostländerin somit wieder verschieben müsse.
Sie zuckte mit den Schultern und ergab sich der Situation.
“Ein Bier bitte“, antwortete sie und lehnte sich locker eine der Wände. Überrascht blickte sie zu der Bäckerin, als diese sogar einen Wein bestellte. Ihr kam es bisher so vor, dass ihr diese Getränke nicht so lagen. Der Becher Wein während ihrer Übernachtung war kaum geleert damals.

Kaum, dass sie die Becher in der Hand hatten und sich vielleicht noch zuprosten konnte, klopfte es an der Tür und sie wurden von einem leicht ergrauten Herrn unterbrochen.
Er schien gehetzt und doch nahm er sich die Zeit die beiden Frauen zu mustern, bevor er dann doch sein Anliegen vortrug.
Still hörte die Kriegerin zu, versuchte ihre Mimik neutral zu halten, doch innerlich rumorte es in ihr.
Nicht nur, dass es einen Soldaten in Nuru gab, der einen Hilfesuchenden nicht unterstützte, ihn noch nicht mal zu Hauptmann Runshak ließ. Sondern Wölfe. Viele Wölfe. Sie fühlte sich in den Ballsaal zurückversetzt, wo sie sich auf die netten Worte eines Mannes einließ und im Nachhinein einem Werwolf der wilden Jagd ausgeliefert hatte. Einem ganz speziellen Werwolf, dem Träger eines Seelenteils. So wie Armande ein Teil in sich hatte.
Scheiße, wenn er mit diesem Wolfsrudel etwas zu tun hat… dachte die Blonde und wäre am liebsten direkt zu ihm.

Das Räuspern Merdarions brachte sie wieder in das hier und jetzt und sie versuchte seinen Blick zu deuten. Ein leichtes Lächeln legte sich auf ihre Lippen, als er von einem persönlichen Interesse sprach. Wie bei ihr. Sie nickte.
“Ich bin dabei, Gildenbruder. Ich muss wissen, was in Nuru passiert. Das war mal…“ meine Kaserne wollte sie noch sagen, unterbrach sich jedoch. Die Müllerin seufzte.

Dann wandte sie sich an die andere Frau in dem Raum.
“Caya?“ wandte sich die Frau an das junge Mädchen. “Ich möchte Dich ungern in etwas hineinziehen, was Dich gefährden könnte, aber ich glaube wir brauchen jede Hilfe.“

Und doch wandte sie sich an den hilfesuchenden Janus.
“Janus, ich werde alles tun, was in meiner Macht steht. Ich war einmal Soldatin und Hauptmann der Kaserne in Nuru. Meine Ehre gebietet mir zu helfen. Sagt, was kam Euch so komisch vor bei dem Soldaten? War es nur sein Verhalten, oder etwas in seinen Augen? Waren es nur große Wölfe, oder könnten es Werwölfe sein?“

Bevor sich alle zerstreuten, wandte sie sich nochmals an den Minenbesitzer.
“Kann ich Dich vor unserer Abreise noch unter vier Augen sprechen, Merdarion?“
Vielleicht war es genau jetzt umso wichtiger mit unangenehmen Wahrheiten heraus zu rücken.

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Merdarion Ni Hawk

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Andere Schauplätze
« Antwort #7 am: Mo., 30. Mär 2020, 18:16 »

Merdarion zog scharf die Luft ein als Chiamara Caya vorschlug das sie sie begleiten sollte. Das junge Ding konnte kaum eine Waffe halten, geschwiege denn einen Lykaner aufhalten und auch wenn sie vor kurzem sich entschieden hatte dem Hohenturm beizutreten... die Gefahr das ihr etwas passieren konnte war einfach zu hoch. Doch jetzt war es raus und seine Hoffnung Caya hier rauszuhalten war zunichte gemacht, denn Chiamara jetzt zu widersprechen hätte die Sache nur komplizierter gemacht.

"Gut dann also wir Drei." fasste er knapp zusammen, während er im Kopf schon durchging was er alles brauchen würde.

"Wir treffen uns draußen." Verabschiedete er den Besuch und Caya gleich mit. "Pack schnell und komm wieder hierher." gab er der Bäckerin noch mit.

"Also was gibt es." fragte Merdarion ernst, als er mit seiner Gildenschwester alleine war.

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Caya Eibenstein

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Andere Schauplätze
« Antwort #8 am: Di., 31. Mär 2020, 11:04 »

Chiamara war wohl auch sehr an den Geschehnissen in der Nähe von Nuru interessiert. Dann drehte sie sich zu Caya und deutete an, dass sie jede Unterstützung gebrauchen könnten. Sie hörte, wie Merdarion auf die Bemerkung scharf die Luft einzog. Er hielt sie sicher für ungeeignet...Caya war weder eine Kämpferin noch eine mächtige Magierin... Doch sie konnte wenigstens Verletzte heilen oder einen Sonnenzauber wirken. Den mochten diese laufenden Ungeheuer sicher auch nicht. Aber zu Nahe wollte sie ihnen nicht kommen, mit Ausnahme von Phelan. Aber der war ja auch kein Monster, sondern ein netter, furchterregender Werwolf...und wieso sollte er auch dabei sein?! Sie verwarf ihre letzten Gedanken mit einem leichten Kopfschüütteln. Anschließend nickte die junge Bäckerin zögerlich.

"Ja...es hört sich ganz danach an...Wir reden sicher von Werwölfen ja?"
  Die Frage konnte sie sich schon fast selbst beantworten...es waren sicher keine wilden Wölfe, die würden sowas nie und nimmer tun...

Merdarion war mit ihrer Entscheidung einverstanden und sagte, dass sie alles packen sollte.
"Alles?" Caya dachte kurz darüber nach. Außer warmer Kleidung, ihren Umhang und Verpflegung viel ihr da nicht viel ein...

"Ja! In Ordnung! Dann bis gleich!"

Caya lief in Gedanken versunken zur Bäckerei, informierte ihre Angestellte und packte alle nötigen Dinge. Dann kam sie gemeinsam mit Aswad zurück zur schwarzen Feste. Sie band den Hengst an, streichelte ihn über die Mähne und stand erneut vor dem Zimmer von Merdarion. Sie klopfte an und trat ein.

"Ich wäre dann soweit! Ich habe Brot und einen Kuchen mitgenommen...Alles was noch übrig war. Aswad wartet im Hof."
« Letzte Änderung: Di., 31. Mär 2020, 11:07 von Caya Eibenstein »
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Secundus M Hora

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Andere Schauplätze
« Antwort #9 am: Mi., 01. Apr 2020, 21:35 »

Runde II



In der Waldhütte


Sobald Phelan die Worte „wilde Jagd“ im Zusammenhang mit dem alten Wald vernommen hatte, schien er alles andere, was eben noch wichtig gewesen war, zu vergessen. Er verschwand im Nebenraum um ein paar Stiefel zu holen und packte in aller Eile seine Sachen. Dann zog er sie in eine feste Umarmung, der Myriel sich nicht widersetzte. Sie schlang die Arme um seinen Hals und lehnte für einen Augenblick ihren Kopf an seine Schulter. Sie sparte sich ein „pass auf Dich auf“, denn das wäre nur eine Floskel gewesen. Wenn die wilde Jagd im Spiel war würde es gefährlich werden, und Phelan würde davor nicht den  Schwanz einziehen, das war der Druidin sehr wohl bewusst. Also sagte sie schlicht:

Bis wir uns wiedersehen.

ließ den Lykantrophen los und sah ihm nach, wie er die Hütte verließ, bevor sie sich wieder ihrem Gast zuwandte, der aufgestanden war und nun eine elegante Verbeugung vor ihr machte. Myriel erwiderte Sâmuls vergnügtes Lächeln mit einem kühlen, wohl überlegtem.

Ich brauche Euch nicht als meinen Wächter. Ich brauche Euch als einen meiner Heerführer.

Nach dieser Eröffnung nahm sie zwei Holzschüsseln, füllte etwas von dem Eintopf hinein, stellte eine vor Sâmul auf den Tisch und legte einen Löffel daneben, bevor sie sich mit der zweiten Schüssel auf die gegenüberliegende Seite des Tisches setzte.

Ihr lebt gern gefährlich, scheint mir, sonst hättet Ihr Rion nicht derart provoziert.

sagte die Druidin ruhig, bevor sie über die dampfende Oberfläche pustete und dann einen Löffel von Suppe aß.

In Taros lebt man immer gefährlich. Aber das wisst Ihr ja bereits. Müsst Ihr noch etwas erledigen, bevor wir aufbrechen?

~ ~ ~


Erst als sie ihre Mahlzeit beendet hatten und Myriel wusste ob Sâmul noch Vorbereitungen zu treffen hatte holte sie ein Stück Pergament, Tinte und Feder und schrieb ein paar schlichte Worte darauf.

Es ist soweit. Wir treffen uns in der Waldhütte. M.

Es war keine Frage ob Darius sie begleiten würde, denn das hatte er ihr schon längst zugesagt. Sorgfältig rollte die Druidin das Pergament zusammen und band es an einem Hinterbein des Warzars fest, bevor sie ihn nach draußen brachte und ihm ein paar Worte zuzuflüstern und dann in die Luft zu werfen. Das dunkle, geschuppte Tier verschwand rasch mit den Schwingen schlagend hinter den Bäumen. Blieb nur zu hoffen, das der Eisdrache es nicht als Snack verspeisen würde bevor er ihre Nachricht gelesen hatte.

~ ~ ~


Zum vereinbarten Zeitpunkt trafen sich Myriel, Sâmul und Darius in Myriels Hütte wieder. Die Schwarzmagierin hatte einen dunklen Umhang umgelegt, hielt ihren Magierstab in der einen Hand und ein purpurfarbenes Pulver in der anderen. Ihr Gesichtsausdruck glich einer kühlen Maske, ließ sich keinerlei Emotionen anmerken. Statt großer Worte warf sie den beiden Männern nur einen kurzen Blick zu, dann streute sie das Pulver in die Flammen des Kaminfeuers und ein Portal öffnete sich, das Myriel ohne zu zögern durchschritt.


Im alten Wald


Phelans Aufbruch aus der Waldhütte konnte man durchaus als überstürzt bezeichnen, denn er nahm sich nicht einmal mehr die Zeit um gemeinsam mit Sâmul und Myriel die selbst gekochte Mahlzeit zu verzehren. Stattdessen strebte der schwarze Lykantroph dem alten Wald entgegen, auf den angeblich die wilde Jagd zuhielt. Es dauerte dennoch einige Stunden, bis er dort angekommen war, und er musste ein ganzes Stück in den Wald eindringen, bevor er die ersten schwachen Fährten aufnehmen konnte. Es waren zwei, beide männlich, das war für ihn eindeutig zu erkennen, aber beides keine Wölfe denen er schon einmal begegnet war. Und noch etwas war anders als sonst, auch wenn nicht wirklich greifbar war, was genau es war. Etwas unheilvolles lag in der Luft, etwas düsteres, als ob ihn etwas aus dem Wald heraus beobachten würde.
Sollte er der Fährte folgen, würde sich nach einer Weile ein dritter Geruch darunter mischen: der einer menschlichen Frau. An dieser Stelle war die Spur mittlerweile recht frisch, sie mussten vor wenigen Minuten hier vorbei gekommen sein. Sie führte quer durch das Unterholz auf eine Lichtung zu, vor der man ein lautes Knurren hören konnte, das definitiv nicht zu einem Lykantrophen gehörte.

Xiyren hatte sich heldenhaft entschlossen der bedrängten Frau zur Hilfe zu eilen. Die Drachin stürzte wie ein Racheengel aus dem Himmel und landete auf einem der Lykantrophen, den sie mit ihrem Gewicht unter sich begrub. Der Wolf stieß ein schmerzerfülltes, überraschtes Quietschen aus, mit guten Ohren konnten man einige Knochen unter Xiyrens Gewicht brechen hören als sie landete und ihn unter sich festnagelte. Der Gestaltwandler war dadurch nicht mehr in der Lage viel Widerstand zu leisten, doch er öffnete das Maul und biss in das einzige, das er erreichen konnte: Xiyrens Klauen.

Der zweite Wolf hatte sich umgedreht, als er das bedrohliche Knurren der Drachin hinter sich hörte. Doch es sah nicht so aus als ob er flüchten wolle, denn er zog die Lefzen zurück und bleckte selbst die Zähne. Sein Nackenfell sträubte sich, damit er größer wirkte, und er stakste mit steifen Beinen auf die Silberdrachin zu.
Die verfolgte Frau reagierte auf Xiyrens Stimme in ihrem Kopf reichlich verwirrt. Sie sah sich hektisch nach jemandem um, der mit ihr gesprochen haben könnte, fand aber kein für sie eindeutig weibliches Wesen. Stattdessen war auf der Lichtung vor ihr ein riesiger Drache gelandet, den sie nun mit angstvoll aufgerissenen Augen anstarrte. Langsam wich sie weiter zurück, konnte den Blick aber nicht von dem Drachen und den beiden Wölfen abwenden, die miteinander rangen. 


In der schwarzen Feste


Janus griff nach dem Becher, den Merdarion ihm anbot.

Einen Wein nehme ich gerne, habt Dank.

Er schien ihn tatsächlich für nötig zu halten, denn er nahm einen tiefen Zug daraus, nach dem der Becher nur noch halb voll war. Die Enttäuschung darüber, das die Bürgerwehr ihm nicht zu helfen vermochten, stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Erst Merdarions weitere Worte ließen einen Hoffnungsschimmer aufleuchten, und so sah er Chiamara an und beantwortete ihre Fragen.

Ich habe sie in Wolfingen nicht gesehen gute Frau. Ich habe sie nur gehört. Aber ich vermute das es Lykantrophen sind. Das Ding, das mich angegriffen hat, war jedenfalls einer, so wahr mir Gott helfe.

Er setzte den Becher erneut an und leerte ihn endgültig. So viel Hilfe wie eine ganze Stadtwache würden die zwei ihm wohl nicht bieten können, aber es war besser als nichts. Außerdem waren sie bereit sofort mitzukommen, was auch viel wert war. Wenn sie sich nicht beeilten, würde es vermutlich niemanden mehr geben, den sie retten konnten. Merdarion schickte das junge Mädchen zum packen fort. Janus runzelte die Stirn. Ob es klug war ein so junges Ding einer derartigen Gefahr auszusetzen? Aber der Oberaufseher würde schon wissen, wen er mitnahm. Er nickte, als Merdarion ihn bat draußen zu warten, weil die blonde Frau noch mit ihm sprechen wollte.

Gut, ich warte draußen auf Euch.

sprachs und verließ den Raum um wie ausgemacht, im Hof zu warten. Und genau das tat er auch. Als das junge Ding zurück kam, und ihr Pferd festband, hatte sich ein leichter Schweißfilm auf Janus Haut gebildet. Irgendwie war ihm auch entsetzlich warm. Er beobachtete wie sie in das Gebäude ging und überlegte ob er ihr nachgehen sollte. Dann ließ er es bleiben, weil er nicht wollte das sie etwas falsches dachte. Sie hatte vorhin schon so ängstlich ausgesehen. Außerdem tat seine Schulter weh. Da, wo ihn das Biest erwischt und seinen Umhang zerrissen hatte. Es hatte geblutet, und er hatte es notdürftig verbunden, als er sicher gewesen war, das es ihm nicht mehr folgte. Doch jetzt pochte die Stelle, als ob sie sich entzündet hatte. Er hätte sie wohl doch auswaschen sollen. Das die Hand, mit der er zu der verletzten Schulter griff, völlig behaart war, nahm Janus gar nicht war. Er fühlte sich gar nicht gut. Sein Herz schlug so schnell, und irgendwie taten ihm die Knochen weh, als ob er auf einer Streckbank liegen würde. Tatsächlich glaubte er das Knacken von Knochen zu hören und dann hörte er ein Wolfsheulen, doch er war nicht mehr in der Lage zu begreifen, das es aus seiner eigenen Kehle kam...


Im schwarzen Turm - Taros


Auf der anderen Seite des Portals wurde das Trio ebenfalls durch Flammen empfangen, doch auch von diesen schien für den Moment keine Hitze auszugehen. Der Raum, in dem sie ankamen, war nicht gerade riesig, bot für drei Leute aber ausreichend Platz. Nicht nur die Erzmagierin sondern auch Sâmul und Darius waren schon einmal hier gewesen. An einer Wand hing eine Karte von Taros, ansonsten gab es in dem Raum ein Regal, in dem Dutzende verschiedener Töpfchen und Tiegel standen, einen Tisch mit zwei Stühlen, auf dem ein dreiarmiger Kerzenständer mit fast heruntergebrannten Kerzen stand, die nicht angezündet waren, und einen verschlossenen Schrank. Die Tür war im Moment geschlossen. Doch entweder hatte auf der anderen Seite eine aufmerksame Person mit guten Ohren gewartet, oder die Diener hatten es sich hier zur Gewohnheit gemacht auch in vermeintlicher Abwesenheit ihrer Herrin immer anzuklopfen und es war Zufall, dass gerade jetzt jemand die Kammer aufsuchte.

„Seid Ihr da, Herrin?“, fragte eine schüchterne weibliche Stimme auf Drow. Erst nachdem ihr die Erlaubnis dazu erteilt worden war, trat die Dunkelelfe ein und verneigte sich tief vor Myriel. Ob es eine reine Geste der Ehrerbietung war, oder ob sie auch dazu diente das ebenholzfarbene Gesich hinter einem Schleier silberweißen Haares zu verbergen, war nicht mit Sicherheit zu sagen. Auf jeden Fall waren nicht einmal auf diese Weise die Spuren vergangener Misshandlungen zu vertuschen. Ihr linkes Jochbein war mindestens einmal gebrochen worden und nie mehr richtig zusammengewachsen und das lavendelfarbene Auge darüber war milchig und trüb. „Es warten Gäste auf Euch, Herrin.“ Erklärte sie, nachdem sie den verwandelten Drachen und den blonden Menschen vorsichtig beäugt hatte. „Novizinnen aus dem Tempel von N’Xar’Ruul, die eine Botschaft ihrer hohen Priesterin überbringen sollen. Sie sind vor zwei Tagen hier angekommen und bestehen darauf Euch persönlich zu sprechen, Herrin. Wir haben sie in einem der Gästezimmer untergebracht.“
« Letzte Änderung: Mi., 01. Apr 2020, 21:35 von Phelan »
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Amarok

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Andere Schauplätze
« Antwort #10 am: Do., 02. Apr 2020, 12:56 »

Die Nachricht von Myriel hatte ihn erreicht, als er gerade von Danglathas Hort zurückkam. Er hatte ihr mitgeteilt, dass er eine Weile auf eigenen Geschäften fort sein und solange unterwegs sein würde. Er vernichtete die Nachricht indem er sie schluckte und verscharrte die Überreste des Warzars. Dann kümmerte er sich darum seinen Hort gut zu verstecken. Keinesfalls wollt er diesen nach Taros mitnehmen, doch er nahm einige Artefakte mit sich, wie den Mantel der Drow und die Maske des Vampirs. Er konnte diese wohlmöglich noch brauchen. Mit einem letzten Blick auf seine Höhle machte er sich dann auf den Weg. Bevor er sich mit Myriel traf, musste er noch eine Nachricht in der Kaserne für Magnus de Nighthill hinterlassen...

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Der Drache landete bei Myriels Hütte und verwandelte sich sogleich. Weder als Wasserdrache, noch als Hochelf würde er gut in Myriels Begleitung ankommen, daher wählte er seine Lykantrophenform. Kurz testete er seine Sinne aus, indem er ein wenig um die Hütte trabte und schnüffelte. Es roch hier nach einem anderen Wolf. Phelan. Myriels Gegenwart konnte er mehr spüren als riechen. Schließlich klopfte Amarok an der Tür der Hütte an und trat ein.

Drinnen warteten bereits Myriel und... Sâmul? Der Krähenmann würde wohl ebenfalls mitkommen. Seine Gedanken streiften kurz die Gedanken der beiden Naka Duskeal und er hob seinen Kopf leicht zur Begrüßung, seine Kehle kurz entblößt. Dann war es auch schon soweit und Myriel warf ein Pulver in die Flammen ihres Herdes. Amarok ließ Sâmul den Vortritt und dann tat er selbst den entscheidenden Schritt in die purpurnen Flammen.

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Schoneinmal hatte er diesen Raum auf der anderen Seite des Portals betreten. Damals jedoch aus einem anderen Grund, der viel leichter zu begründen war. Ohne Zweifel würde es diesmal schwerer werden. Irator verschloss ihre Gedanken und dämpfte seine Präsenz so gut er konnte. Von hier an würde er vorsichtig sein müssen... Ein wenig sah er sich um, als sei der Raum neu für ihn. Besonders die Karte an der Wand erweckte wieder seine Aufmerksamkeit und da er diesmal mehr Zeit hatte, nahm er sich diese um die Karte genauer zu studieren, zumindest bevor sie von einer Stimme unterbrochen wurden. Sein rechtes Ohr richtete sich auf und drehte sie leicht in die Richtung, auch wenn er die Worte nicht verstand, die gesprochen wurden, wandte jedoch nicht seinen Blick ab.

Erst als die Tür sich öffnete nahm er wieder seine Position ein weniger hinter und zur Seite von Myriel ein und ließ gerade genug Spielraum für sich selbst, dass er ihre Gedanken vernehmen konnte.

-1 Mana für Verwandlung,+4 CHA
« Letzte Änderung: Do., 02. Apr 2020, 12:56 von Darius »
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Chiamara

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Andere Schauplätze
« Antwort #11 am: Do., 02. Apr 2020, 17:49 »

Kaum waren Caya und der Dörfler aus dem Arbeitszimmer verschwunden, fragte ihr Gildenbruder nach, was los sei.

Chiamara kam direkt auf den Punkt, da sie weg wollte.
“Wir haben nicht viel Zeit. Also kurz: Ich werde mich anschließen, aber ich weiß nicht, ob Du mit meiner Arbeitsweise einverstanden sein wirst, Merdarion. Ich habe vielleicht andere Beweggründe, als Du.
Ich würde Dich bitten, mein Pferd mit in Richtung Wolfingen zu nehmen. Ich muss vorher woanders hin, Informationen einholen. Nach Nuru und vielleicht zu meinem Gefährten, Merdarion - Du kennst ihn.“


Jetzt war es raus. Bis auf den Namen. Sie wusste nicht, ob der Minenbesitzer bestimmte Puzzleteile selber zusammen setzten würde. Ihr ernster Blick zeigte ihm aber sicherlich, dass es niemand ist, der ihn erfreute.


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Merdarion Ni Hawk

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Andere Schauplätze
« Antwort #12 am: Do., 02. Apr 2020, 20:57 »

Ein dünnes Lächeln machte sich auf Merdarions Gesicht breit, als Chiamara zweifelte ob er mit ihrer Arbeitsweise klar kommen würde. So wenig wusste sie über ihn, er aber auch über sie. Gerade wollte er sie beruhigen, als seine Lippen sich doch wieder schlossen.

Ihr Gefährte, ja sie hatte ihn bereits einmal erwähnt, aber nie wer es war, oder was er tat. Jetzt wo er darüber nachdachte war das schon merkwürdig, dass seine Gildenschwester so ein Geheimnis darum machte. So etwas tat man nur wenn... wenn man etwas schützen wollte....entweder sie hatte ein Verhältniss mit einem verheirateten... nein Chiamara hätte niemals wegen so etwas... aber was war es dann?

Wenn es nicht darum ging ein kleines schmutziges Geheimnis zu beschützen.. Moment, hatte sie gerade gesagt er kenne ihn?

Die Augen des Minenbesitzers wurden schmal, wenn jetzt herauskam das dieser Endris... immerhin war auch Phelan mit Myriel...

"Wer?"

sein Tonfall war beherrscht, auch wenn es in ihm drinnen gerade zu rumoren begann.


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Phelan

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Andere Schauplätze
« Antwort #13 am: Do., 02. Apr 2020, 23:28 »

Phelan hatte schon seit einer Weile gespürt, dass sich die ruhigen Tage dem Ende zuneigten, dass es schwerer werden würde die gemeinsame Zeit mit Myriel zu genießen. Aber jetzt da es soweit war, traf es ihn stärker als erwartet. Er hätte den Kampf, der ihnen bevorstand, gern an ihrer Seite ausgetragen. Aber er konnte die Wilde Jagd so nahe an ihrem Zuhause nicht ignorieren und sie verstand das. Und er verstand, dass sie ihren Platz in Taros einnehmen musste. Nach dem Verlassen der Hütte glaubte er noch einige Momente lang er könne die Wärme der Umarmung auf seiner Haut spürten, doch sie verflog schnell in der Frühlingsluft.

Der Wolfsmensch klammerte sich in Gedanken noch ein wenig an den besonderen Stein, den seine Gefährtin ihm mitgegeben hatte. Es war eine Verbindung, die ihnen Blieb. Eine Möglichkeit, wie zumindest er ihr etwas mitteilen konnte. Und er wusste, dass auch das kleine Fläschchen Blut, mit dem er das Artefakt aktivieren konnte, eine wertvolle Gabe war. Keine Schwarzmagierin wollte, dass ihr Blut in falsche Hände geriet und dass sie ihm etwas davon anvertraut hatte zeugte von Vertrauen. Er hatte nicht vor sie zu enttäuschen.

Dann wandte er sich der Aufgabe zu, die vor ihm lag. Jagd auf die Vorhut von Shir Khans Wölfen zu machen war nicht ungefährlich. Aber er hatte Vertrauen in seine Fähigkeiten und es waren nicht mehr viele der alten Monster, die einst einen guten Teil der Wilden Jagd ausgemacht hatten, übrig. Der Weg war lang, aber es fiel dem Tiermann nicht schwer über Stunden mit Reitern mitzuhalten, wenn es darauf ankam.

Abseits des Weges drang er in den alten Wald vor. Lykaner hatten es nicht nötig sich an Straßen zu halten und Shir Khans Späher würde er eher auf Wildwechseln antreffen. Er musste in das Gehölz vorstoßen, bis die Stämme der umliegenden Bäume dicker und knorriger wurden und ihre ineinander verwobenen Äste den Waldboden in tiefe Schatten hüllten, durch die nur selten ein Sonnenstrahl schnitt wie eine schmale Elfenklinge, ehe er den ersten Hinweis auf zwei andere Wolfsmenschen erschnüffelte. Ihre Gerüche waren ihm fremd, was es unwahrscheinlich erscheinen ließ, dass sie schon lange Teil der Wilden Jagd waren. Phelan heftete sich an ihre Fährten, wie ein Bluthund.

Der alte Wald machte hier seinem Namen wirklich alle Ehre. Er wirkte düster und bedrohlich, der schwarze Wolf fühlte sich beobachtet. Es war eine Weile her, dass ein Gehölz solche Gefühle in ihm geweckt hatte. Inzwischen war er daran gewohnt der gefährlichste Jäger des Waldes zu sein. Machte er sich mehr Sorgen um die Vorhut, als er sich eingestehen wollte, oder versuchte ihn sein Instinkt vor etwas anderem zu warnen? Reichte Pandeas Schatten am Ende gar bis nach Dragonia?

Ein weiterer Geruch kam der Fährte hinzu und der Lykan beschleunigte seine Schritte. Zum einen machte es der intensive Geruch von Furch leichter der Spur zu folgen, zum anderen war der Menschenfrau vielleicht noch zu helfen, wenn er sich beeilte. Sie war erst vor kurzer Zeit hier vorbeigekommen und manchmal zogen Mitglieder der Wilden Jagd die Hatz absichtlich in die Länge.

Ein beeindruckendes Knurren ließ in nochmal einen Zahn zulegen, er hatte keine Zeit zu überlegen aus was für einer Kehle es wohl stammten mochte, und ein wenig später brach ein schwarzer Schatten aus dem Unterholz hervor auf die Lichtung. Am Ende seines Sprunges landete Phelan auf dem Wolf, der nicht von einem Drachen in Schach gehalten wurde.

Der Überraschungsmoment war auf seiner Seite und er hätte die Sache wohl gleich beenden können, aber er federte seinen Schwung ab, weil er dem Lykaner gar nicht das Genick brechen wollte. Einen Moment lang herrschte Chaos. Fell, Klauen, Zähne, zwei Körper die auch Waffen waren und es war nicht zu sagen wo der eine anfing und der andere aufhörte. Offen gesagt war Phelan geschockt, dass Shir Khan schon wieder so starke Wölfe aufbieten konnte. Doch es reichte nicht. Als sich die Lage beruhigte drückte der einstige Soldat den Kopf und den Oberkörper des Gegners mit seinen Hinterläufen in den weichen Boden der Lichtung und hatte eine der Pranken fest im Griff. Er nutzte den Arm des Rivalen als Hebel und übte genug Druck darauf aus, dass dem anderen Tiermann klar sein musste, dass er ihm jederzeit die Schulter auskugeln konnte.

„Bleib!“, wandte er sich in befehlsgewohnten Tonfall an die Frau. Es lag Macht in seine Stimme. Auf Lykaner hätte sie wohl besser gewirkt, doch manchmal reagierten auch Menschen darauf. Und es wäre ihm lieb ihr nicht nachlaufen zu müssen, wenn auf der Lichtung alles geklärt war. „Ich bin hier um zu helfen“, sagte er dann zu dem Jungdrachen. Er hoffte mit der Einschätzung richtig zu liegen, dass dieser ähnliche Ziele verfolgte wie er. „Unterwirf dich mir, wenn du leben willst“, knurrte er dann seinem niedergerungenen Gegner zu. Wieder schwang Autorität in seiner Stimme mit, der sich ein Wolf kaum vollständig entziehen konnte. Mehr noch als zuvor, als er mit der Frau gesprochen hatte.

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Chiamara

Re:[Abenteuer] Fadenspiele - Andere Schauplätze
« Antwort #14 am: Fr., 03. Apr 2020, 09:05 »

Kurz seufzte Chiamara und schaute ihren Gesprächspartner an. Er war sichtlich angespannt.

“Marquis de Lesthat, ehemaliger Statthalter von Nuru.“

Es lag ihr auf der Zunge noch mehr zu sagen, aber sie schwieg. Sollte Merdarion erfahren, dass Armande Vampir war? Nein, es reichte, dass Lesthat an der Seite des dunklen Gottes war. Das sagte genug aus. Und das würde der Minenbesitzer sicherlich mindestens aus den ganzen Erzählungen wissen.

“Das heißt nicht, dass ich nach seiner Nase tanze, aber ich werde ihn auch nicht gefährden und notfalls mit meinem Leben verteidigen, Merdarion. Nur, damit das klar ist.“

Und auch wenn ihr Liebhaber ein gefährliches Biest sein konnte, sie hoffte, dass ihm Nuru noch etwas bedeutete und er vielleicht mehr wusste.

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