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   Autor  Thema: [Abenteuer] Der Fürst der Finsternis (Gelesen 801 mal)
Rion

Re:[Abenteuer] Der Fürst der Finsternis
« Antwort #30 am: So., 10. Mär 2019, 01:24 »

„Lieber zu gut als zu schlecht vorbereitet sein“, bemerkte Phelan, der sich bei Chiamaras Blick, als sie den Dolch entgegennahm, seinen Teil dachte. Da die Kriegerin schon so zuvorkommend war ihn mit Myriel allein zu lassen, nutzte er die Gelegenheit, um seine Gefährtin noch etwas inniger zu umarmen und seine Lungen nochmal mit den Duft ihres Haares zu füllen.

„Kommst du noch kurz mit raus? Ich möchte dir jemanden vorstellen.“ Die Erfahrung hatte ihn gelehrt, dass es recht ermüdend sein konnte neben einem Pferd herzurennen und gleichzeitig zu versuchen ein Gespräch mit dem Reiter zu führen. „Und könntest du mir eventuell einen Sattel leihen“, fügte er bei der Erinnerung an den harten Rücken des Tieres hinzu. Ein Dämon mochte das vielleicht tagelang aushalten, doch er war nur ein Sterblicher.

Tatsächlich hatte die Druidin einen Sattel in ihrer Truhe und Phelan ließ es sich nicht nehmen sich zu verwandeln, um ihr als Dankeschön einen richtigen Kuss auf die Lippen drücken zu können. „Du bist ein Schatz!“

Draußen fragte Chiamara sogleich, ob er bereit zum Aufbruch sei. „Fast“, versicherte er. „Ich muss nur noch Elggur satteln. Ich hoffe du hast dein Ross gut im Griff.“ Schon beim Verlassen  der Hütte hatte er eine kleine Knochenpfeife aus der Manteltasche gefischt, der er nun einen unhörbaren Ton entlockte, ehe er sich Myiel in die Hand drückte, damit sie sich das magische Spielzeug ansehen konnte.

Noch während er das tat war ein dumpfer Knall gefolgt von einem dreistimmigen Bellen zu hören. Als sich der nach Pech und Schwefel riechende Dunst legte, der plötzlich erschienen war, offenbarte er einen großen Höllenhund mit struppigen Fell. „Ah, dein Auftritt wird besser“, lobte der Gestaltwandler. „Das ist Myriel, sei brav zu ihr.“ Dieser Anweisung folgte das Untier nur zu gründlich. Während Rion versuchte es zu satteln, war es damit beschäftigt sich bei der Erzmagierin einzuschmeicheln. Vielleicht lag es an dem leichten dämonischen Geruch, der ihr anhaftete, oder an der Macht, die sie sicher für Wesen ausstrahlte, die ein empfindlicheres magisches Gespür als er selbst vorweisen konnten.

„Schleimer!“, tadelte der Krieger, als er mitansehen musste wie Elggur versuchte mit gleich zwei seiner großen Schlabberzungen Myriels Hände zu lecken. Zu allem Überfluss wedelte er dabei auch noch mit einem Reptilienschwanz. „Vielleicht hätte ich dich Fluffy nennen sollen.“ Als der Sattel endlich saß, schwang sich der Gestaltwandler auch gleich hinein. „Was hältst Du von dem Biest?“, fragte er seine Gefährtin, die zum Glück daran dachte ihm die Knochenpfeife, die er fast vergessen hätte, zuzuwerfen. Dann drückte er seinem Hund die Fersen in die Seite. Mit einem großen Satz preschte das Höllenwesen los.

„Ich würde vorschlagen, dass wir den Weg über Sewerin nehmen, der führt mitten durch das Gebiet, das das Pendel angezeigt hat.“ Und direkt über die Gräberhöhen, was irgendwie passend klang. „Was hältst Du davon?“, fragte er Chiamara. Sobald sie sich ihrem mutmaßlichen Ziel näherten, würde er sich zurückverwandeln, um seine raubtierhaften Sinne voll nutzen zu können.

-1 Mana (11/12 MP) für den Gestaltwandelzauber

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Chiamara

Re:[Abenteuer] Der Fürst der Finsternis
« Antwort #31 am: So., 10. Mär 2019, 12:04 »

Elggur? Ein anderes Pferd hatte Chiamara bei ihrer Ankunft gar nicht bemerkt. Eventuell in einem angrenzenden Stall. Doch holte ihr Gildenbruder eine Art Pfeife hervor und ein Knall folgte. Die Ostländerin zuckte bei dem Geräusch kurz zusammen, Draug ließ sich gar nichts anmerken. Auch nicht, als plötzlich ein drei-köpfiger Riesenhund vor ihnen stand. Die Kriegerin schnaubte, als sie Phelans ‚Reittier‘ erblickte.

Während sich das ungewöhnliche Tier mit der Erzmagierin vertraut machte und es gesattelt wurde war sie gedanklich schon auf dem Weg in den Wald der Diebe. Hin zu Armande. Wenn er noch ihr Armande war. Sie wollte einfach nicht länger warten und nickte Myriel kurz zu bevor sie Draug’s Zügel locker ließ und dieser direkt lostrabte.

Elggur war kurze Zeit später an ihrer Seite Chiamara erhöhte das Tempo.

Auf den Vorschlag von Phelan hin nickte die Ostländerin:
“Hört sich nach einem passablen Vorschlag an, auch wenn wir das Feld von hinten aufräumen. Aber wo wir starten ist doch wohl egal.“
Auf diesen Dreikopf deutend fragte sie: “Was ist das denn für ein freundlicher Bursche?“

Danach schwieg sie erst einmal. Ihre Gedanken gingen zu ihrem ehemaligen Geliebten. Jetzt sagte sie schon ehemalig. Verdammter Mist. Er gehörte zu ihr. Sie überlegte sich Worte, die sie ihm sagen würde. Dabei schwankte sie zwischen Anschreien, in die Arme werfen und heulen. Das musste sie noch besser planen.

Als sie sich dem Zielgebiet näherten war es ihr wichtig Phelan diverse Informationen zukommen zu lassen.
“Da Du ja weißt, was Armande ist, brauche ich ja nicht lange um den heißen Brei reden. Auch wenn Myriel glaubt, dass er seinen Instinkten folgt, liegt es wohl nicht im Instinkt eines Vampirs auf dem Waldboden zu nächtigen. Er wird sich eine Behausung angeeignet haben und verlässt sie nur zur Jagd.“
Und Menschen gehörten auch auf seinem Speiseplan – sehr wahrscheinlich sogar noch mehr als die Wildtiere. Ob er schon unschuldige Menschen getötet hatte?
“Oder wenn er weiß sonst was vorhat. Leider könnte ich darüber nur spekulieren. Hatte ja lange keinen Kontakt mehr zu ihm.“

Die Ostländerin atmete tief ein.
“Als ich hier nach Jahren der Abwesenheit ankam geriet ich in eine Art Zeitverschiebung. Verursacht durch eine Uhr eines Herrn von Lüpperdam. Der Turm ist hier in der Nähe. Könnte eine Unterkunft für ihn geworden sein. Die Schattenwelt und gewirkte Nekromantie werden ihn vielleicht angezogen haben. Ein Slivikin hat dort sein Unwesen getrieben. Oder die Gräberhöhen – ein Unterschlupf Nahe seines Jagdgebietes?“

Die blonde Frau stoppte Draug. Ihr Augen wanderten über die Felder bis zum Waldrand.
“Wenn er wirklich seine Kontrolle verloren hat, werden andere auf ihn aufmerksam werden. Vielleicht hätte wir Unterstützung von der Kaserne anfordern sollen. Darius – dem Umstand gedankt, dass ich seine Vorgesetzte war – würde mir helfen. Denke ich.
Übrigens: Falls du irgendwo Männerkleidung an einer Leine vor einem Haus siehst, nimm es bitte mit. Oder hast Du noch Ersatzkleidung? Lesthat braucht etwas unauffälliges.“


Draug ging nahtlos vom Stand in der fliegenden Galopp hinein in den Wald. Chiamaras hellen Haare wehten wild in der Luft und bildeten fast eine Einheit mit seiner Mähne. Auch sonst waren sie sich ähnlich. Stürmisch, emotional und bissig.

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Runshak

Re:[Abenteuer] Der Fürst der Finsternis
« Antwort #32 am: So., 10. Mär 2019, 16:57 »

Serafina und Runshak brachen wenig später in Richtung des ehemaligen Rastplatzes der Zigeuner auf, um den Tatort noch vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Glücklicherweise verlief der Ritt dorthin ohne Vorkommnisse. Der Lagerplatz war ebenfalls leicht zu finden, da frische Wagenspuren und ein Trampelpfad den Weg dorthin zeigten. Allerdings hatten diese Straßenköter nichts mit dem Geschehenen zu tun, außer dass sie die Wasserleiche angeschleppt hatten, deren Ausdünstungen wohl noch eine Weile im Verwaltungsbüro hängen würden. Entsprechend war es unwahrscheinlich, dass man beim Untersuchen der Lagerstelle etwas relevantes finden würde. Daher ließen die beiden Offiziere das Lager links liegen und zogen direkt zum Fluss, aus dem der Körper gefischt wurde.

Als das Ufer erreicht war, wanderten die beiden stromaufwärts in Richtung des Waldes. Serafina ging dabei voran, um Hinweise zu erschnüffeln. Schließlich fand die Lykanerin den Ort, an dem das Menschenweib ihr Leben ausgehaucht hatte. Ein Uferabschnitt außerhalb des Waldes der Diebe. Ein Stein am Flussufer war mit getrocknetem Blut bedeckt. Während die Lykanerin nach weiteren Spuren sucht, sah sich der Ork den Stein näher an und dachte nach „Ob man ihr damit den Schädel eingeschlagen hat? Natürlich. Wieso wäre sonst auch so viel Blut daran.“ Während er überlegte, versuchte er den Gegenstand aufzuheben. Jedoch steckte er dafür zu fest im Boden. „... verstehe. Der Stein hat sie nicht am Kopf getroffen. Ihr Kopf hat den Stein getroffen.“ Daraufhin sah er sich die Fußspuren an, die sie hinterlassen hatte. Der Abstand zwischen den Abdrücken war recht weit, wenn man ihre Körpergröße berücksichtigte. Vermutlich war sie gerannt und nicht gegangen.

Serafina hatte derweil keine weitere Fährte ausmachen können und fragte, ob Runshak etwas gefunden hatte. Dieser rekonstruierte das Geschehene, wie es sich seiner Meinung nach zugetragen hatte. „... daher bin ich mir sicher, dass Menschenweib nicht hinterrücks überwältigt wurde, sondern auf der Flucht vor etwas ausgerutscht und unglücklich gefallen ist.“ „Stellt sich nur die Frage, vor was sie geflohen ist und wieso sie hierher gerannt ist.“ Das fehlen weiterer Fußspuren deutete nach Serafinas Einschätzung auf eine fliegende Bestie hin. Der orkische Krieger nickte und fügte hinzu: „Entweder das oder der Angreifer hing bereits an ihr dran.“

Runshak wurde in seinen Ausführungen von den lauten Flüchen eines fliegenden Zwergs unterbrochen. Darius hatte sie eingeholt und einen offensichtlich wenig begeisterten Ragno im Schlepptau. Nachdem sich die Anwesenden ausgetauscht hatten, beschloss man der Spur der Frau in den Wald zu folgen.

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Secundus M. Hora

Re:[Abenteuer] Der Fürst der Finsternis
« Antwort #33 am: So., 10. Mär 2019, 21:30 »

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Runde 4


Nuru


Elessar hatte seine Untersuchungen an der Leiche fast abgeschlossen, als Nida Grombusch den Raum betrat. Ein Schwall kühler Luft kam mit ihr in den Raum denn es war inzwischen dunkel geworden. Sie trug eine Schüssel mit warmen Wasser, hatte einige saubere Lappen dabei und ein kleines Tongefäß, das trotz des Deckels nach Myrrhe, Zimt und Öl roch. Ein wenig zögernd blieb sie stehen, nachdem sie eingetreten war, den Blick auf Elessar gerichtet.

Ich dachte es wäre gut den Toten zu waschen, bevor wir ihn begraben. Ich wusste nicht, ob ihr ihn salben wollt, Öl wäre zumindest dafür da.

Sie lächelte zaghaft, bevor ihr Blick zu der Leiche wanderte. Einen Moment später stand Verwunderung in ihrem Gesicht geschrieben.

Ich habe diesen Mann schon einmal gesehen. Es war vor ein paar Tagen, da hat er auf dem Marktplatz herum gelungert und nach Almosen gefragt.

Das Stirnrunzeln machte deutlich, das das nicht alles gewesen sein konnte, und auch wenn Nida zuerst zögerte, so rückte sie doch schließlich mit leicht geröteten Wangen mit der Sprache heraus.

Ihr könnt mich für verrückt erklären, aber ich schwöre bei Gott, wenn er da schon so ausgesehen hätte wie jetzt, hätte ich ihm nicht nur ein paar Münzen gegeben, sondern ihn mit in die Kirche genommen, ihm ein Bad verordnet und ihm zu essen gegeben. Und ich glaube, das hätte jede andere Frau in der Stadt auch getan. Es ist ein ausgesprochen schöner Mann – aber auf dem Marktplatz hat er nicht so gewirkt. Eher wie ein Landstreicher, um den man als Frau besser einen großen Bogen macht.

Sie schüttelte mit dem Kopf, als könne sie ihren eigenen Worten nicht glauben, und tauchte dann einen Lappen ins Wasser und trat damit an den Toten heran um ihn zu waschen. Der Lappen fuhr über den Unterarm des Mannes, einmal, zweimal – und dann griff die Hand des Toten plötzlich nach dem Handgelenk der Messdienerin. Als diese erschrocken aufschrie hatte sich die vermeindliche Leiche bereits aufgesetzt, zog Nida mit roher Gewalt zu sich heran und entblößte zwei viel zu große und äußerst spitze Eckzähne, als sie den Mund öffnete.


Myriels Hütte


Als Myriel mit Phelan zu Chiamara vor die Hütte kam, erwartete die Druidin eine Überraschung in Form eines Höllenhundes auf sie. Erstaunlicherweise leckte das Monstrum ihre Hände ab, was die Druidin sich nur mit dem Schattendämon erklären konnte, der sich stets in ihrem Schatten aufhielt. Vermutlich mochte der dreiköpfige Hund seinen Geruch. Mit einem leicht distanziert wirkenden Gesichtsausdruck tätschelte Myriel erst den einen, dann den anderen Hundekopf und besah sich die Pfeife, die Phelan ihr in die Hand gedrückt hatte, während er dem Hund einen Sattel aufschnallte. Er passte gerade so, wenn man das letzte Loch der Gurte benutzte. Als Rion sie als Dank und zum Abschied vor Chiamara küsste, ließ die Schwarzmagierin es ungewöhnlicherweise zu und legte ihm anschließend für einen Moment die Hand auf die Wange um ihm in die Augen zu sehen. Dann ließ sie ihn los, stand aber noch eine ganze Weile vor der Hütte und sah den beiden Reitern nach, selbst noch als sie längst verschwunden waren. Dann ging ein Ruck durch den zierlichen Körper und ihre Gesichtszüge verhärteten sich. Sie hatte eine Aufgabe zu erledigen, ganz gleich welche Konsequenzen sie nach sich ziehen mochte, und eine bessere Gelegenheit als jetzt würde sich nicht mehr ergeben. Entschlossen ging sie in die Hütte zurück und packte alle Utensilien, die sie brauchen würde in ihren Rucksack. Eine knappe Stunde später flog eine großer schwarzer Rabe von der Hütte in Richtung Nuru davon.

Chiamara und Phelan

Der Weg bis zum Wald der Diebe verlief ereignislos. Als sie dort angekommen waren, verwandelte sich Rion in einen Lykantrophen zurück, um seine Sinne besser nutzen zu können. Doch wo sollten sie anfangen zu suchen? Es gab keine Anhaltspunkte, also folgten sie vorerst dem Weg, der durch den Wald führte. Phelan nahm die Gerüche von einigen Menschen war, die hier entlang gekommen waren, manche waren frisch, andere schon verblast, als ob sie mehrere Tage als waren. Eine Fährte schien erst vor kurzer Zeit entstanden zu sein und gehörte zu zwei Personen. Eine war eindeutig ein Mensch, bei der zweiten war sich der Lykantroph nicht sicher. Sie war irgendwie anders, und doch konnte er nicht sagen was daran so anders war. Sie kamen an einer Weggabelung vorbei, an der die beiden Spuren vom Hauptweg abbogen. Das merkte Phelan allerdings erst einige Meter, nachdem sie an dem ausgefahrenen Weg vorbei waren und er seltsamerweise nicht mehr hätte sagen können, wonach die zweite Person, deren Geruch er aufgespürt hatte, überhaupt gerochen hatte.


Wald der Diebe


Es war nicht sonderlich schwer für Elvedina der Spur des Ghul zu folgen, denn das Wesen war schnell unterwegs und nicht darum bemüht keine Spuren zu hinterlassen. Fußabdrücke und abgeknickte Äste wiesen ihr den Weg. Manchmal gab es Stellen, an denen der Boden recht hart war und sie eine Weile suchen musste, doch sie schaffte es immer die Spur wieder aufzunehmen.
Als es zu dämmern begann, war die Elfe bereits Stunden hinter dem Ghul her, der zwischenzeitlich den Wald verlassen hatte und über freies Feld gelaufen war, um in ein anderen Waldstück wieder einzutauchen. Irgendwann hörte sie Geräusche, die auf andere Lebewesen hindeuteten, und es mussten mehrere sein. Sie war noch zu weit weg, um hören zu können worüber sie sprachen, aber das Stimmengemurmel machte ihr klar, das es sich nicht um Tiere handelte. Irgendwann war sie nahe genug heran gekommen, um sie in Sichtweite zu haben. Es handelte sich um einen Lykantrophen, einen Ork und einen Zwergen.

Serafina, Runshak, Ragno und Darius hatten beschlossen die Spur in den Wald zurück zu verfolgen. Dank Serafinas Nase fiel es ihnen recht leicht, selbst wenn auf dem trockenen Boden unter den Bäumen zwischenzeitlich keine Fußabdrücke zu sehen waren. Die Lykantrophin hatte die Fährte aufgenommen, und auch wenn sie schon knapp zwei Tage alt war, war sie immer noch recht deutlich zu erkennen. Hin und wieder zog sich ein zweiter Geruch wie ein feiner Faden hindurch, der zwar immer gleich blieb, den sie aber nicht richtig zuordnen konnte. Er war menschlich, und auch wieder nicht, und seltsamerweise schien sie ihn jedes mal wieder zu vergessen, sobald sie ihn nicht mehr in der Nase hatte und erinnerte sich erst wieder an ihn, wenn er erneut auftauchte. Es war zum verrückt werden.

Als die Dämmerung einbrach schienen sie endlich ihr Ziel erreicht zu haben, denn vor ihnen tat sich eine kleine Lichtung im Wald auf, auf der ein größeres Holzhaus und eine etwas kleinere Blockhütte standen, daneben befand sich eine Scheune, deren Dach so weit vorgezogen war, das sie eine Art Vordach bildete, unter dem Dutzende von Holzstämmen lagen. Auch in der Nähe der Gebäude gab es einen ganzen Stapel von Holzstämmen, die mehr oder weniger bearbeitet waren, einen dicken Holzstamm, in dem mehrere verschieden große Äxte steckten und der Boden war stellenweise mit einer dicken Schicht von Holzspänen bedeckt, die dunkel und nicht frisch wirkten.
Neben der Tür des Haupthauses stand auf einer Seite eine robuste Holzbank, die aus einem in zwei Hälften gespaltenem Holzstamm mit vier Keilen bestand. Links neben der Tür lehnte ein junger Mann an der Wand, der in die Richtung des ausgefahrenen Weges schaute, der durch den Wald zu den Häusern führte. Er mochte vielleicht Mitte bis Ende Zwanzig sein, hatte dunkelbraunes Haar strahlend grüne Augen. Er war gutaussehend, auch wenn er nur ein einfaches Hemd und schlichte Hosen trug, und ein wissendes Grinsen erschien in seinem Gesicht, als er die Stimmen hörte, die langsam näher kamen.

Einige Augenblicke später erschien ein junges Pärchen auf dem Weg. Er hatte den Arm um ihre Schultern gelegt und flüsterte ihr etwas ins Ohr, woraufhin das Mädchen kicherte und verliebt zu ihm aufsah. Der Mann neben der Tür winkte ihnen zu.

Kommt ihr Turteltauben, das Essen ist gleich fertig.

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Elessar Eledhwen

Re:[Abenteuer] Der Fürst der Finsternis
« Antwort #34 am: Mo., 11. Mär 2019, 14:49 »

Elessar hatte kaum ausgesprochen, als ein Schwall kühler Luft in den Raum wehte und den Duft von Myrrhe und Zimt mit sich brachte. Nida Grombusch trat neben den Paladin und brachte Utensilien mit, um den Toten zu waschen und zu salben. Der Priester blickte auf und wollte ihr mitteilen, dass er noch nicht an ein Begräbnis des Leichnams dachte, ohne am folgenden Tag mit einem Heiler gesprochen zu haben, als er die Verwunderung in ihrem Antlitz gewahrte. Zögernd berichtete sie davon, dass sie dem Mann ein paar Tage zuvor bereits auf dem Marktplatz begegnet war und sich sein Aussehen zu seinen Gunsten verbessert hatte.

Noch während Elessar darüber sinnierte, was der Auslöser für diese Veränderung gewesen sein könnte und wie man das Rätsel lösen konnte, begann Nida damit, den Toten zu waschen. Sie hatte mit dem rechten Unterarm begonnen und das mit der warmen Kräuterlösung getränkte Tuch hatte ihn zweimal berührt, als die Hand des Toten vorzuckte und die Messdienerin am Handgelenk packte. Ihr erschrockener Aufschrei und Elessars Warnung "Tira ten’ rashwe!" erklangen fast zeitgleich und der Paladin reagierte reflexartig, während der Untote die Frau zu sich zog und zwei spitze Eckzähne entblößte.

Der Kriegshammer lehnte an der Wand und war zu weit weg, um ihn rechtzeitig zu erreichen und das Schwert an seinem Gürtel wäre in diesem Moment keine große Hilfe gewesen. So trat der Paladin an die beiden heran, griff gleichzeitig in einer fließenden Bewegung zu seinem Gürtel, um eine kleine Phiole zu lösen, mit dem Daumen zu entkorken und dem Wesen den Inhalt in die Augen zu schleudern. Gleichzeitig versuchte er mit der freien Hand seinerseits das Handgelenk des Mannes zu fassen, wie um den Griff um Nidas Handgelenk zu lockern.

Ohne den Gegner aus den Augen zu lassen, rief er Julius zu:

"Julius, rasch, bringt mir den Kriegshammer!"

Niemand konnte sagen, ob er ihn benötigen würde, aber ihn in Reichweite zu haben, konnte nichts schaden.



-1 Weihwasser
« Letzte Änderung: Di., 12. Mär 2019, 10:42 von Elessar Eledhwen »
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Chiamara

Re:[Abenteuer] Der Fürst der Finsternis
« Antwort #35 am: Mi., 13. Mär 2019, 12:02 »

Der Waldrand war schnell erreicht und Chiamara blickte unschlüssig zu Phelan.
“Wo lang?“ fragte sie ungeduldig, als sie schon einen nahe gelegenen Waldweg nutzte.
“Ist doch eh egal. Jeder Weg ist wie der andere. Starten wir hier.“

Phelan folgte ihr. Schon bald schien er einen Geruch wahrgenommen zu haben. Er stieg von dem Dreikopf ab, der solgleich ins nirgendwo verschwand.
Normalerweise hätte die Ostländerin wohl einen entsprechend bissigen oder spaßigen Spruch auf den Lippen, aber heute war sie dazu gar nicht aufgelegt.
Ihre Augen glitten angespannt über den Waldboden und in die Äste, hoffte irgendetwas erblicken zu können.

So ging es eine Zeitlang einen breiteren Weg entlang.
“Mensch hast Du gesagt?“ hakte sie vielleicht zum dritten Mal bei hm nach, nachdem er von seiner Spur erzählt hatte.
“Zwei Menschen oder was ist dieser andere Geruch?“
Komisch, dass der Lykan diesen zweiten Geruch nicht identifizieren konnte.

Chiamara wusste nicht zu sagen, ob diese Spur zu einem oder besser zu ihrem Ziel führen würde, aber sie folgte ihrem Gildenbruder auch, als er wieder umdrehte um einen Abzweig zu nutzen, den sie kurz zuvor gequert hatten.

Da langsam der Abend Einzug hielt wurde die hellhaarige Frau nervöser und fahrig. Dies übertrug sich auf Draug, der ebenso verstimmt mit den Hufen trippelte während sich der Lykantroph versuchte auf die Spur zu konzentrieren.

“Nur ein Mensch, oder? Und das andere vielleicht ein Tier?“
Als die Fragen gestellt waren, rechnete sie ihren Wegbegleiter hoch an, dass dieser nicht völlig ausrastete bei ihrer dummen Fragerei. Aber sie fühlte sich gerade recht hilflos und ihr schien, als würde die Zeit knapp.

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Elvedina

Re:[Abenteuer] Der Fürst der Finsternis
« Antwort #36 am: Mi., 13. Mär 2019, 18:01 »

Elvedina folgte der Fährte nach Osten. Aus dem Wald hinaus, über freies Feld, in einen anderen Wald hinein. Die Elfe war hungrig und durstig, das Wiesel verliess sie zwischenzeitlich um zu jagen, der weiße Hirsch zeigte sich auf dem Feld aber mied den Wald. Elvedina fragte sich warum sie dem Goule folgte, war es Neugier, war es Vorsicht, nach Stunden aufzugeben wäre dumm. Sie hörte Geräusche und erkletterte einen Baum sich zu verbergen. Horchend, pirschend, folgte die Waldelfe dem Gemurmel. In sicherer Entfernung erspähte sie eine absonderliche Gruppe, wie sie nie erwartet hätte, Geschöpfe so verschieden und den Elfen nicht in Freundschaft zugetan. So hatte sie gehört. Ein aufrecht gehender Lara'telor, ein grobschlächtiger Fialgra, ein kurz geratener Boroborinoi.* Elvedina hielt sich versteckt, schlich näher zu hören was sie sprachen. Sie folgten einer Fährte. Dem Ghul? Die Waldelfe zögerte sich zu erkennen zu geben, hielt den Bogen schussbereit, und folgte den twel'fair'fey ungesehen.**

Von ihrer erhöhten Position aus erspähte Elvedina eine Lichtung, darauf Hütten und Rundohren. Den Goule sah sie nicht. Auf ihrem Ast sank die Elfe in die Hocke, beugte sich vor zu sehen, was die Sucher unternahmen.

*Wolfsmensch, Ork, Zwerg
**Wegfindern
« Letzte Änderung: Mi., 13. Mär 2019, 18:02 von Elvedina »
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Phelan

Re:[Abenteuer] Der Fürst der Finsternis
« Antwort #37 am: Mi., 13. Mär 2019, 20:16 »

„Elggur?“ Der Höllenhund spitzte seine sechs Ohren, als er seinen Namen hörte. „Er gehörte einen Dämon, der mir in Taros die Seele aussaugen wollte. Nachdem ich sein Herrchen erschlagen hatte, dachte ich mir, dass das Reittier ja nichts dafür kann. Also habe ich den Burschen unterworfen.“ Bei Rion hörte sich die Geschichte nicht sonderlich aufregend an.

„Vielleicht nicht auf dem Waldboden, sondern im Waldboden?“, erkundigte er sich. Aber womöglich ließ er sich da zu sehr von seinen Vorurteilen über Untote leiten. Gebäude wie den Turm, von dem Chiamara sprach, konnten sie sich noch ansehen, wenn sie auf keine Spur stießen. Doch erst einmal wollte der Gestaltwandler in das Zentrum der Region, die das Pendel vorgegeben hatte. Seinem Gefühl nach war die Wahrscheinlichkeit dort fündig zu werden am höchsten.

„Luftunterstützung ist ein interessanter Gedanke“, räumte der Wirt ein, als seine Gildenschwester Darius ins Spiel brachte. „Aber sehen wir erst einmal, was wir beide ausrichten können. Jetzt zurück zur Kaserne zu reiten würde wertvolle Zeit kosten. Und Wechselkleidung habe ich keine eingepackt. In der Waldhütte hätte ich welche gehabt. Vielleicht trägt dein Lesthat aber schon etwas Unauffälliges.“ Oder gar nichts. Im Moment war alles möglich.

Nach einer Weile schlug Elggur an und noch im Absteigen verwandelte sich Rion zurück in sein wölfisches Selbst. Er brauchte nicht lange, um festzustellen was den drei Nasen seines Hundes aufgefallen war. „Braver Junge“, lobte er und ließ das Tier verschwinden, nachdem er sämtliche Köpfe getätschelt hatte.

„Ein Mensch und etwas anderes“, erklärte er Chiamara nicht nur einmal und klag dabei zunehmend genervt. Auch weil er nicht sagen konnte was genau anders war. Solange er den Geruch in der Nase hatte war ein Unterschied deutlich wahrnehmbar. Aber sobald er redete, wusste er nicht, wie er den zweiten Geruch beschreiben sollte. Solchermaßen abgelenkt wäre er an der Abzweigung, der diese komische Spur folgte, fast vorbeigelaufen. Mit leichtem Knurren in der Kehle kehrte er um und nahm einige Meter weiter einen weniger regelmäßig genutzten Weg.

„Kannst du dein Pferd dazu bringen leiser zu sein?“, konnte er es sich schließlich nicht mehr verkneifen. „Ein Mensch und etwas anderes. Wir kommen der Sache näher, ich höre schon Stimmen und es wird dunkel. Bist du dir sicher, dass du noch weiter und nicht beim Licht eines neuen Tages zurückkehren willst?

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Chiamara

Re:[Abenteuer] Der Fürst der Finsternis
« Antwort #38 am: Do., 14. Mär 2019, 15:14 »

Die Ostländerin schaute der Lykantrophen erstaunt an, als dieser dann doch etwas genervt zu sein schien. Also versuchte sie sich daran ihren Hengst mit leisen wispernden Worten zu beruhigen. Dies war ein schweres Unterfangen, da sich Chiamara selbst dadurch nicht beruhigen ließ. Insbesondere als Phelan etwas von Stimmen erwähnte. Lieber wäre sie losgeprescht und hätte dem Temperament Draugs nachgegeben. Sie zog jedenfalls ein Schwert – reine Vorsichtsmaßnahme.

“Klar wird es dunkel. Ist ja schon spät. Aber meinst Du, dass ER tagaktiv ist? Mitnichten. Shuu! Deine Gefährtin hat es dringend gemacht, also mache ich es auch dringend.“

Sie versuchte leise zu sprechen um den Ärger aus ihrer Stimme zu verdrängen. Nicht, dass sie wütend auf Phelan wäre. Chiamara geißelte sich gerade eher selbst. Da der Verstand nicht über das Herz siegen konnte - und genau Ersteres, jahrelang in Kasernen eingetrieben, verblasste hier in diesem Waldstück.

“Ussta dalninuk*, lass uns schauen, woher die Stimmen kommen. Vielleicht kannst Du dort ja einen oder beide Gerüche identifizieren.“ gab sie erst einmal klein bei. Sie atmete mehrmals tief in ihren Körper, spürte die Luft in ihren Lungen und das Blut, dass durch ihre Adern rann bevor sie dem Eigentümer der roten Laterne folgte.

Auch ihr Streitross war nun ruhiger, nur die Ohren zuckten leicht, weil auch er die Stimmen vernahm. Im Schritttempo näherten sich die beiden den Geräuschen. Kein Ton kam über ihre Lippen, atmete flach, damit auch von ihr nichts zu hören war.
Als erstes erblickte Chiamara zwei Personen ein gutes Stück vor ihnen auf dem gleichen Pfad. Ihr Kopf schwenkte zu Phelan und erwartete ein Zeichen, ob dies die Gerüche sein konnten, die sie verfolgt hatten.

Im Hintergrund ragte ein Holzhaus mit umliegenden Bauten. Es wirkte wie eine gewöhnliche Unterkunft von Holzfällern.
Die beiden Personen vor ihnen brauchten sich nur umdrehen und diese würden sie sehen. Personen – also doch zwei menschliche Gerüche?
Sie forderte ihr Pferd mit einem kurzen Zug am Zügel dazu auf stehen zu bleiben.
Sich die Frage stellend, ob sie dem Weg weiter folgen sollte wandte sich die Frau an ihren Weggefährten. Deutete mit dem Kopf dorthin und hob fragend die Augenbrauen. Chiamara wollte jetzt nicht unbedingt laut sprechen.

Phelan wollte weiter. Und sie haderte mit einer Entscheidung.
“Geh du allein. Ich komme nach,“ flüsterte sie ihm zu.
Und dann gab sie ehrlich zu:
“Ich bin für ein Gespräch nicht zu gebrauchen. Du willst doch kein Blutbad?“




*Mein Bruder

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Ragno Todbringer

Re:[Abenteuer] Der Fürst der Finsternis
« Antwort #39 am: Do., 14. Mär 2019, 17:50 »

Zwerge sind nicht fürs Schleichen geschaffen. Wie die Orks. Hinter der Hauptmann der Nachtjäger her stapfte Todbringer neben Runshak querbeet durch den Wald. Wald! Das Wort allein raubte ihm den Nerv. Stolperfallen aus Wurzeln, Gestrüpp und Dornenranken die sich im Kettenhemd verhakten, Zweige die ins Gesicht klatschten, Mücken in der Nase und glitschiges Laub unter den Stiefeln. Geschenkt! Ragno beäugte die Fußspuren denen sie folgten, zupfte an einem Stofffetzen der im Buschwerk hing, brummelte vor sich hin und dachte an den Nekromanten mit dem untoten Bären. Der jetzt seine alte Kampfaxt als Prothese benutzte. ER ist wieder da, hatte Namtar geantwortet. Es ging Todbringer nicht aus dem Kopf. Sie latschten bis zur Dämmerung. Stießen auf eine Lichtung. Ragnos Rechte legte sich auf den Griff der Streitaxt. Er schnaubte.

"Brotzeit", brummte der Zwerg halblaut in seinen Bart. Sein Magen knurrte. Mit einem Blick zu den Hauptmännern: "Zwei Kerle und ein Weib. Kam unsere Tote von da? Haben die nicht sehr vermisst, was meint ihr? Obacht. Da ist was faul. Ich spür's im Urin!"

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Serafina

Re:[Abenteuer] Der Fürst der Finsternis
« Antwort #40 am: Do., 14. Mär 2019, 18:58 »

Auf allen Vieren, die Schnauze knapp über dem Erdboden, hechelte Serafina voran. Die Erde war trocken, kein Regen hatte die Fährte verwischt oder ausgedünnt. Die Lykana verließ sich weniger auf die Augen, sondern vor allem auf den Geruch. Der sich recht eigentümlich verhielt. Die Duftpartikel der Frau hafteten an Laub, Zweigen, Moosen und Wurzeln, und darüber lagerte ein zweiter Odem. Er war da, und dann wieder nicht, stahl sich in die Erinnerung und wieder daraus davon, war menschlich und doch wieder nicht. Serafina wackelte mit den Ohren und prustete durch die Nase. Was war der Angreifer nur für ein seltsames Wesen? Roch so ein Vampir, wie Darius in dem Angreifer vermutete? Merdarion hingegen roch ganz deutlich nach Mensch. Sein Geruch war es zum Glück nicht. Was die Lykana beruhigte. Seltsam fand sie auch, dass es sonst keine Fährte von dem Täter gab. Als bestünde er aus geruchsarmer Luft.

Mitten im Wald gesellte sich ein dritter Geruch dazu, der sich keinem Wildtier zuordnen ließ. Der Odem wurde aus Windrichtung an die empfindliche Schnauze der Nachtjägerin herangetragen. Mit der Fährte hatte der Duft nichts zu tun. Auch roch er nicht nach unmittelbarer Gefahr. Serafina hielt einen Moment inne, stellte die Ohren auf, drehte sie in die Richtung aus welcher der Geruch kam, und lauschte. Die Rute wedelte nicht, hing starr und angespannt nach unten. Ihr Instinkt warnte sie nicht sorglos zu sein. Mit einem Blick zu dem Kommandanten und dem Kämpen bellte sie leise:

"Ich glaube, wir werden beobachtet. Möglicherweise hat es nichts mit der Fährte zu tun, aber Vorsicht ist besser als Nachsicht."

Dieselbe Information gab sie per Gedanken an Darius weiter, mit einem Zusatz: "Seht Ihr jemanden von oben?" Noch war der Wald nicht belaubt, zwischen den kahlen Ästen war der Wald aus der Luft bestimmt bis zum Boden hin einsehbar. Sie gab dem Drachen die ungefähre Position der Geruchswahrnehmung durch. Da sie dem Kämpen der Todgeweihten in seinem Beisein keine Befehle erteilen konnte, hoffte sie Runshak oder Darius würden Ragno auffordern sich in der Nachhut auf möglichen Feindkontakt vorzubereiten.

Bei Anbruch der Dämmerung erreichten sie eine Lichtung. Hinter einem Busch getarnt richtete sich Serafina auf und gab den Soldaten der Schwarzklaue mit erhobener Pfote Bescheid, dass sie Kontakt hatten. Die geräuschempfindlichen Ohren standen steil aufrecht und drehten sich nach vorn. Die Nachtjägerin schnüffelte. Sie konzentrierte sich auf den Geruch nach Blut. Vor allem dem der Verstorbenen. War die Frau schon hier angegriffen worden?  Sie horchte, ehe sie meldete:

"Es ist hier wie bei der Fährte, ich kann keine deutlichen Gerüche ausmachen. Als ob es Menschen sind und doch wieder nicht. Auch kann ich keinen Küchengeruch wahrnehmen. Was die wohl fressen?"

Die Lykana war misstrauisch. Ragno sprach aus, was sie dachte. Wenn die Frau von hier gekommen war, warum hatte keiner ihrer Freunde ihre Abgängigkeit in der Kaserne gemeldet? Um Hilfe ersucht um sie zu finden? Immerhin hatte sie nichts bei sich gehabt, das Anlass gegeben hätte zu glauben sie wäre verreist.

"Was denkt Ihr?", fragte sie ihre Begleiter. "Sollen wir eine Befragung durchführen oder observ.... serwier... beobachten wir erst? Es könnte auch nur einer von uns in Erscheinung treten und die anderen schleichen sich an die Hütte heran."

Runshak war nicht umsonst der Kommandant. Er würde wissen, welches Vorgehen am besten war.


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Phelan

Re:[Abenteuer] Der Fürst der Finsternis
« Antwort #41 am: Fr., 15. Mär 2019, 00:59 »

„Myriel sagte, dass wir rasch aufbrechen sollen, falls wir noch ein paar Stunden Tageslicht nutzen wollen“, erinnerte sich Phelan. „Wir haben den größten Teil genutzt, um hierher zu gelangen. Vielleicht sollten wir den Rest nutzen, um uns wieder etwas zurückzuziehen.“ Immerhin musste er nicht wie Chiamara zu einem Schwert greifen, wenn er sich unbehaglich fühlte. Er hatte seine Waffen immer parat und im Moment war er sehr froh darüber. Es gefiel ihm nicht, einen Geruch in der Nase zu haben, mit dem er so wenig anfangen konnte, und sein Nackenfell sträubte sich wie das Stachelkleid eines Igels. „Und wollen wir einen womöglich wahnsinnigen, mächtigen Vampir treffen während er aktiv ist?“

Statt auf seinen Instinkt zu vertrauen, sprach sich seine Gildenschwester dafür aus den Stimmen nachzugehen. „Denk daran, dass die Nacht ihm mehr Vorteile bringt als uns“, gemahnte er noch zur Vorsicht, ehe er mit einem Kopfschütteln nachgab. Er hatte nicht damit gerechnet in dieser Sache mit einer kühl kalkulierenden Frau zusammenarbeiten zu können. Nach einer Weile gab der Wald die Sicht auf eine Holzfällerbehausung und zwei menschliche Umrisse frei. Der Lykantroph beantwortete den fragenden Blick mit einem Schulterzucken. Er konnte immer noch nicht sagen, mit was sie es hier zu tun hatten. „Ich halte es für keine gute Idee dich alleine im Wald zurückzulassen“, wiedersprach er nun offen. Und er hatte keine Lust darauf sich den Bewohnern der Hütte alleine zu stellen. „Lass uns einen Moment abwarten.“ Mit einer Kopfbewegung bedeutete er der Kriegerin den Weg zu verlassen. Er mochte es nicht so auf dem Präsentierteller zu stehen.

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Chiamara

Re:[Abenteuer] Der Fürst der Finsternis
« Antwort #42 am: Fr., 15. Mär 2019, 13:10 »

Musste ihr Begleiter jetzt jedes Wort auf die Goldwaage legen? Und warum versuchte es ein Lykantroph mit Vernunft? Lykantrophen sollten nicht vernünftig sein, sondern übermütig, spontan und instinktgetrieben. Offenbar hatte Phelans Jagdtrieb in den Jahren nachgelassen.

Innerlich zerriss sie die Worte Phelans. Dieser packte zwar ein womöglich davor, aber das wahnsinnig war sehr gut bei ihr angekommen. Auch hatte Chiamara bemerkt, dass sich sein Haar sträubte nur bei dem Gedanken an Lesthat.
Was hatte Lesthat ihm angetan, dass er so reagierte? Sie hätte ihm gerne entgegen geworfen, dass Armande nicht wahnsinnig war und sie ganz sicher nicht angreifen würde. Und ihn als ihren Begleiter auch nicht.
Die Ostländerin hatte keine Angst vor der Nacht – sie begrüßte es fast sogar. Verschwendete keine Gedanken daran, was sie erwarten könnte. Getrieben von Sehnsucht. Und Phelan wollte nächtigen – ein Werwolf.

Und doch brauchte sie ihren Gildenbruder. Nicht nur, weil er ein gutes Gespür hatte, sondern weil sie derzeit nicht fähig war rational zu reagieren.
Immerhin hatte sie diese Erkenntnis. Sie wandte ihren Kopf von ihm ab, unterdrückte ihre Tränen, die sich ihren Weg bahnen wollten. Tränen der Hilflosigkeit.
Ihre Schultern sackten hinab und sie gab dem Drängen ihres Begleiters nach.

“Abseits der Straße ist es nicht besser als hier,“ brachte Chiamara stockend hervor während sie ihr Schwert wieder in der Rückenscheide verstaute.
“Wir können dort in der Hütte auch abwarten, solange wie du Zeit brauchst. Und vielleicht haben die beiden ja etwas mitbekommen.“

Draug vernahm eine kurze Bewegung am Zügel und lief weiter den Weg entlang.
Das große Tier und seine Reiterin waren nur kurz hinter dem Paar, das vor ihnen hergelaufen war. Phelan lief an ihrer Seite.

Nachdem eine männliche Stimme etwas von Turteltauben und Essen gesagt hatte, entdeckte die hellhaarige Kriegerin erst die dritte Person, ein junger adrett wirkender Mann, der an der Wand Holzhütte lehnte.
Dieser Fremde musste sie auch erblickt haben. Immerhin hatte ihr grau-schwarz-weiß meliertes Streitross ein Stockmaß von fast sechs Fuß. Um diesen Holzfäller, wie die Reiterin annahm, und das Paar nicht zu erschrecken versuchte die Ostländerin locker und nicht zu eilig auf die Lichtung zu zureiten.

Doch kurz bevor sie dort ankamen vernahm Chiamara Geräusche von oben, zügelte ihr Ross und blickte nach oben.
Ein Drache - Darius...
Er gab sich als Hauptmann zu erkennen. Das war kein Zufall. Und wo er war... Die Kaserne machte keine Alleingänge. Zurück konnten sie jetzt nicht mehr. Die Ostländerin schaute zu Phelan.

« Letzte Änderung: Sa., 16. Mär 2019, 10:41 von Chiamara »
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Darius

Re:[Abenteuer] Der Fürst der Finsternis
« Antwort #43 am: Fr., 15. Mär 2019, 14:14 »

Schon bald danach hatte er die Naka Duskeal wieder verlassen, nachdem er Ragno sicher am Boden abgesetzt hatte. Irgendwo konnte er den Zwergen verstehen. Seine Art war fürs Fliegen einfach nicht geschaffen. Vorallem nicht derart unvorbereitet. Von oben konnte er jedenfalls wesentlich mehr sehen, als wenn er sich mit den Anderen durchs Unterholz gezwängt hätte. Obendrein waren ihm seine Schuppen momentan lieber, als bloße Haut oder Fell.

Dabei ließ er nicht nur seine Augen suchend über die blattlosen Wipfel des Waldes wandern, sondern auch seine Gedanken. Er strengte sich an seine Sinne weiter auszuwerfen, andere Dinge wahrzunehmen, die sich von dem unterschieden was Serafina mit ihrer feinen Nase und empfindlichen Ohren warnehmen konnte. Nach einigen Minuten begann er ein besseres Gespür für den Wald zu bekommen. Der Wald selbst lag im winterlichem Schlaf, auch wenn er hier und dort bereits aufzuwachen begann. Er konnte die einfachen Gedanken von Tieren spüren, welche an seinem Bewusstsein vorüberzogen. Selbst seine Gefährten am Boden verströmten ihre ganz eigenen Gefühle. In Runshak und Serafina konnte er den Missklang im Lied der Welt vernehmen, welcher noch von der Schöpfung ihrer Rassen zurückgeblieben war, beide hatten eine wilde Seele, bedeckt von ihren eigenen Erfahrungen... Ragno war da anders. Er konnte die Gewalt hinter dem Zwerg spüren, aber auch eine Melodie, wie sie tief aus der Erde kam. Es war wohl nicht übertrieben zu sagen, dass der Zwerg die Knochen der Berge in sich trug. Schroff und hart.

Doch viel mehr konnte er nicht spüren. Vielleicht in einigen Jahrzehnten. Seine sonstige Suche nach dem was er für einen Vampir hielt blieb jedenfalls vorerst erfolglos, bis er in Serafinas Geist Gedanken bemerkte, die wohl für ihn bestimmt waren. Er fing die Stränge auf und erfuhr, dass die Gruppe an Kämpfern der Schwarzklaue beobachtet wurde. Von ihrem Eindruck geleitet suchte er in der Richtung, in welcher sie den Beobachter vermutete. Zuerst sah er nichts als Äste, Stämme und Kräuter. Wer immer sich da versteckte... da! Linien die zu gerade waren um natürlich zu sein. Da er nun ein Ziel hatte fixierte er seinen Blick. "Ja, wir haben einen Beobachter. Lasst mich einmal spüren, mit wem wir es zu tun haben..." , sandte er an die Schattenjägerin.

Mit seinen Gedanken tastete er nach dem Wesen, welches sich dort unten verbarg. Zu seinem Glück befanden sie sich nicht in der Stadt, wo sich ein intelligentes Geschöpf unter vielen Anderen verbergen konnte. Das Eichhörnchen in dem Baum konnte er jedenfalls ausschließen, auch wenn durch den kurzen Kontakt aufschreckte und zetternd aus seinem Bau geschossen kam. "Aiya, Eldar*. Ihr braucht euch vor uns nicht zu verbergen. Die Naka Duskeal** dort unten sind mit uns unterwegs um einen Mord aufzuklären. Wir wollen weder euch noch dem Wald ein Leid zufügen." , ertönte es - so sanft er dies für eine Elfe machen konnte - hinter den Schläfen von Elvedina.

Dem Stoßtrupp der Kaserne sandte er einfach in die Köpfe. "Es ist eine Elfe. Eine Waldelfe, wenn ich raten müsste. Ich weiß jedoch nicht, ob sie zu dem Klan gehört, welcher damals gegen die Drow in der Gegend gekämpft hat. Vielleicht vermag sie uns zu helfen."

***

Ihre Suche ging noch eine ganze Weile weiter, sodass die Sonne bereits im Untergang begriffen war, als sie auf eine Lichtung stießen. Von seiner hohen Warte aus, konnte Darius deutlich die Hütte und die Menschen sehen. Serafinas Nase nach führte die Spur zu dieser Lichtung. Was die Menschen hier wohl mit den Ereignissen zu tun hatten? Immerhin konnte er durch den Gedankenkontakt mitbekommen, was am Boden entschieden wurde, auch wenn es sich eher anfühlte, als wären seine Begleiter vorsichtig, was diese Menschen anging. Nun, in dem Fall...

"Nun Kommandant Runshak, wenn wir nicht wissen, was uns erwartet, dann schlage ich folgendes vor. Lasst mich ein paar Wellen in diesem dunklen Teich schlagen und wir werden sehen, was an die Oberfläche kommt."


Vielleicht war es nicht die elegante Art, aber so kamen sie schneller an Ergebnisse. Er wusste ja selbst wie nützlich es war subtil vorzugehen. Daher wusste er auch wie anfällig eine solche Fassade sein konnte. Wie ein Ast unter seinen Klauen.

Kaum hatte er Runshaks Antwort bekommen, winkelte er seine Flügel nach vorne und ging in einen Sturzflug über. Er wollte nicht gleich auf der Lichtung aufschlagen, sondern sie einmal überfliegen, bevor er landete. Die Wipfel der Bäume und die Hütte kamen schnell näher und er breitete seine Flügel wieder aus. Mit einem Rauschen flog er über die Lichtung hinweg, legte ein paar Drehungen und einen unvollendeten Looping hin um an Geschwindigkeit zu verlieren und schlug schwer mit seinen Flügeln, sodass er fast auf der Stelle flog, wodurch er auf die Menschen bei der Hütte hinabsehen konnte.

Mit einem weiteren Mannöver - diesmal einem einfachen Landeanflug - setzte er auf der Lichtung auf. "Seid gegrüßt, Menschen." , begann er, nachdem er sich in die Richtung der drei umgedreht hatte und nutzte den Schockmoment aus. "Ich bin Hautpmann Darius der Schwarzklaue von Nuru. Es gibt einige Fragen, die ich euch stellen muss."

*Kind der Sterne
**Nicht-Drachen
« Letzte Änderung: Sa., 16. Mär 2019, 13:32 von Darius »
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Serafina

Re:[Abenteuer] Der Fürst der Finsternis
« Antwort #44 am: Sa., 16. Mär 2019, 10:16 »

Es wurde entschieden, dass zumindest einer von ihnen in Erscheinung trat und eine Befragung durchführte. Darius als der eindrucksvollste Hauptmann der Schwarzklaue legte eine spektakuläre Landung auf der kleinen Lichtung hin. Die Lykana wackelte beifällig mit den Ohren.

Hingegen sie selbst umrundete die Begrenzung der freien Waldfläche im Schutz des Unterholzes, weg von dem Weg auf dem das Pärchen schlenderte, um von der Rückseite so nah wie möglich an die Hütte zu gelangen. Blut vom Tatopfer war nirgendwo zu riechen. Dass die Frau von hier gekommen war hingegen schien gesichert. Serafina wollte die Hütte von innen inspizieren, ehe einer der Kerle auf die Idee kam sich zurückzuziehen und eventuelle Hinweise verschwinden zu lassen, welche eine Aufklärung der Vorgänge zuließen. Oder aber es gab einen unterirdischen Tunnel unter der Hütte, welcher eine Flucht ermöglichte. Darius passte in seiner Gestalt nicht in die Hütte und würde niemanden verfolgen können. Mit Glück gab es ein offen stehendes Fenster, durch das sie springen konnte.

Was es mit der Waldelfe auf sich hatte, von der Darius gesprochen hatte, überließ sie Ragno und Runshak.

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