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   Autor  Thema: [Abenteuer] Feuerbringer (Gelesen 1075 mal)
Elvedina Morgenlicht

Re:[Abenteuer] Feuerbringer
« Antwort #45 am: Di., 16. Jul 2019, 15:49 »

Der Himmelswanderer blieb ihr die Antwort schuldig, das mochte am Totenreich liegen in dem das feysala abgeschnitten war vom elfischen Salasandra. Anders als der Heiler leuchtete Elvedinas Gestalt nicht, ihrem undurchsichtigen Wesen entsprechend wandelte sie wie in lichtlose Rinde gehüllt, fähig sich in sich selbst zu verbergen. Auch verspürte sie kein Bedürfnis Befindlichkeit und Beobachtung in Worte zu packen wie die Rundohren und der zweiköpfige Drache, deren Geschnatter in diesem grenzlosen Land weit trug. Manche waren zu ruhelos auch nur eine kurze Strecke zurückzulegen ohne sich in unzähligen Lauten zu sonnen. Schweigsam schritt die Waldelfe am Rand der Gruppe, nahm jede Begebenheit gelassen doch mit umso größerer Aufmerksamkeit. Prüfungen standen ihr bevor, Elvedina war gespannt worum es sich hierbei handelte im Reich der Toten.

Die verlorenen Geister der Orks bedauerte sie, im ewigen Reich der Elfen wurden die Erinnerungen der Seelen bewahrt, waren diese doch der Grund in zahllosen Leben so viel zu lernen wie möglich um bei der letzten Reise ins Ewige Licht von allem gekostet, alles erlebt zu haben und diese Erinnerungen bei sich zu tragen, ohne Schmerz oder Wertung. Der fialgra, der sie führte, Utz, klang traurig, seine Seelenbrüder- und schwestern lebten und vergingen ohne Sinn, für Elvedina fühlte sich dies Reich falsch an.

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Ragno Todbringer

Re:[Abenteuer] Feuerbringer
« Antwort #46 am: Di., 16. Jul 2019, 16:07 »

Ein jeder Zwerg ist auch Erzgestein gemeißelt. Heißt es. Goldauge besah seine Arme und Beine. Sah aus wie verdichteter Staub oder Rauch, ohne Narben. Er blinzelte. Sah er etwa doppelt? Hatte in diesem Reich zwei Augen. Was seinen Gesichtssinn veränderte. Die Perspektive war verzerrt. Ragno strich sich prüfend über den Bart. Die Umrisse waren noch da, fühlte sich aber anders an.

Das Totenreich der Orks hatte nichts von Mahals prächtigen Hallen, wo die Helden mit dem köstlichen Bier gestärkt und dem fettesten Braten verköstigt wurden. Konnten einem leid tun, die Grünhäute. Ragno hielt sich in der Nähe der Magierin. Sie war die einzige mit einem Schatten. Kam dem Zwerg eigenartig vor. War ihm aber egal. Er hatte mit ihr ein Abkommen, egal wie viele Schatten sie warf.

Utz erzählte von Prüfungen. Was das wohl war? Todbringer brummte unverständliches in seinen Geisterbart. Kuldafbyn. Wen interessierte, was hätte sein können. Was nicht war, das ist nicht. Wenig verwunderlich warum die Geister in diesem Ödland feststeckten und verrückt wurden.


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Chiamara

Re:[Abenteuer] Feuerbringer
« Antwort #47 am: Di., 16. Jul 2019, 16:59 »

Das fiese Ziehen in ihrer Schulter lenkte Chiamara erst einmal von dem Geschehen in dieser Zwischenwelt ab. Kurz fragte sie sich, ob diese Welt und die des Dolches dieselbe war, oder ob die andere eine rein böse Welt darstellte.

Aber dann brachte sie das aufgeregte Geplapper von Darius doch dazu sich ihn und dann die Umstehenden anzuschauen. Ob es an der von dem Orkschamanen erstellten Zweithaut lag, oder an dem inneren Wesen des einzelnen konnte die Kriegerin nur raten. Der Anblick von einem weißlich leuchtenden Landolin, einer Schatten werfenden Erzmagierin, einem Drachen mit zwei Köpfen, einem Zwerg mit einem Paar Augen und einer fast unveränderten aber der Umgebung angepassten gräulichen Waldelfe entfachte die Neugier, wie sie wohl aussehen würde.

Viel konnte man nicht sehen, wenn man nur an sich hinabblickte. Aber sie war froh, dass Landolins Licht mehr Aufmerksamkeit erregte wie ihre. Denn die gebürtige Ostländerin war ein Wechselspiel aus hellen Grautönen und einem tief dunklen Grau (oder auch schwarz genannt). Fast wirkte es, als wenn sie eine Strichzeichnung in Grautönen darstellte, bei der jeder Strich ständig in Bewegung war. Eine Stelle auf Höhe des Herzens flimmerte jedoch konstant grau. Ihre Pupillen jedoch, was sie selbst nicht sehen konnte, waren schwarz, genauso wie ihr Tattoo auf dem Schulterblatt.

Den Kopf schüttelnd um ihre Verwunderung über ihr Aussehen abzulegen vernahm sie die Stimme des Schamanen, der Utz nicht gerade freundschaftlich herumkommandierte. Die große Frau wunderte sich, warum Mosh so ungehalten seinem Clanbruder gegenüber war. Noch dazu vor all den anderen Nichtorks.
Sie wusste, dass dies kein gutes Zeichen war – Unfrieden konnte eine solche Mission zunichte machen.
So folgte sie diesem Schamanen auch nicht, als dieser sich in etwas hundähnliches verwandelte. Sie blieb bei Utz, der ihr vertrauenswürdiger vorkam. Immerhin war er mal auch ihr Türsteher gewesen.
Und sie musste bei all den anderen bleiben, wenn ein Schwert gebraucht wurde.

Chiamara folgte dem Blick von Grashna’s Sohn. Auch sie konnte die Schemen erkennen, insbesondere eine, die sich löste. Da der Ork nicht vom Platz wich, tat sie es auch nicht. Auch wenn dieses eine Etwas immer näher kam. Utz schien seine Großmutter kommen zu sehen, wenn man seinen Worten Glauben schenken konnte.
Ähnlichkeiten zu Grashna könnten vielleicht vorhanden sein. Aber Ork ist Ork.

Als sich die Truppe aufmachte dem Geisterwesen zu folgen tat sie den anderen gleich. Sie beachtete den Zwerg gar nicht mehr. Hier in dieser Welt glaubte sie eh nicht, dass man mit einem Angriff wie in ihrer Welt rechnen konnte. Hier tickten die Uhren anders. Die Orks schienen wie Pferdewesen ohne einem Ziel. Und die Wege waren gewunden und brachten einen doch zügig ans Ziel.

“Ist diese Zwischenwelt immer gleich, oder verändert sie sich?“ fragte sie Utz wie auch den Geist seiner Ahnin. Vielleicht war es ja schon etwas wie eine Prüfung.
Obwohl der Geist von einem Tor gesprochen hatte.
“Müssen wir die Prüfung einzeln bestehen? Und worum geht es bei der Prüfung im Reich Hazbyn. Geht es um meine Erinnerung, also genauso machen oder eventuell anders?“
Wenn aber die anderen nicht hindurch konnten, weil ihre Erinnerung an bestimmte Geschehnisse verblasste, vermutete sie eher ersteres. Aber das brachte ihr nichts bei Kuldafbyn oder Kuldkam. Da gab es doch noch keine Erinnerung.
Verwirrt blickte sie Utz mit den tiefschwarzen Augen an und schien sein Innerstes ergründen zu wollen.
Dann zuckte sie ihre Schultern.
“Ach. Ändern kann ich es eh nicht. Lass ich mich mal überraschen.“

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Runshak

Re:[Abenteuer] Feuerbringer
« Antwort #48 am: Mi., 17. Jul 2019, 00:03 »

Runshak fragte sich, wie lange es wohl noch dauern würde, bis er in der Welt der Geister erwachen würde. Er hatte den Gedanken noch nicht ganz zu Ende gebracht, als er plötzlich merkte, dass er im Freien stand. Es waren jedoch nicht die Marschen, die sie zuvor durchquert hatten. Nein. Das hier erinnerte den grünhäutigen Krieger irgendwie an seine ferne Heimat in den Orkischen Hochlanden. Jedoch wirkte die Gegend eigenartig monochrom. Fast wie ein Schatten, in dem man herumlaufen konnte, den man vielleicht sogar ertasten konnte. Allerdings war das mit dem Ertasten nur eine Theorie. Runshak würde sich schwer tun, in voller Plattenrüstung seinen Tastsinn auszuprobieren. Wenigstens schien er das Gewicht der Rüstung zu spüren. Auch sein treues Breitschwert war ihm auf diese Reise gefolgt und ließ sich wie gewohnt ziehen. Ob es sich auch in der Geisterwelt durch den Blutsvertrag rufen ließ? Eines war jedoch seltsam. Es kam ihm fast so vor, als würde er einen Puls im Heft der Waffe spüren. Oder war es am Ende sein eigener Herzschlag, den er durch die Anstrengung im Arm spürte. Das konnte gut sein. Immerhin hatte das Schwert ein gewisses Gewicht und er hatte seine Muskeln in der Welt der Lebenden zurückgelassen. Ohne Muskeln würde das Halten der Waffe selbstverständlich anstrengender sein.
In diesem Augenblick kam ihm etwas an seinem Gedankengang seltsam vor, konnte jedoch nicht so recht sagen, was es war. Das Gequassel, das plötzlich die Stille des Totenreiches störte, riss ihn jedoch aus seinen Gedanken. „Shht!“ zischte Runshak in Darius' Richtung. „Versuchen wir lieber, die Bewohner dieser Welt nicht unnötig auf uns aufmerksam zu machen. Manche nennen das Totenreich auch die Ewigen Jagdgründe. Und es ist sicher nicht geschickt, die Aufmerksamkeit der sprichwörtlichen Jäger auf sich zu ziehen...“ Einige der Höhlenmalereien sahen zudem danach aus, dass die Geister der Orks hier nicht die einzigen waren, die hier auf die Pirsch gingen.

Die größte Überraschung war für den Ork jedoch, dass Mosh sie begleitet hatte. Er wechselte jedoch nicht viele Worte mit den Anwesenden, sondern schien mit seinem Fellumhang zu verschmelzen und stürmte davon. Utz blieb stehen und schien auf Runshak und die anderen Helfer zu warten schien. Vom Horizont her näherte sich in einer unwirklichen Geschwindigkeit eine weitere Gestalt – offenbar ein Vorfahr von Utz und Grashna, wenn man nach der Familienähnlichkeit ging. Die Geisterfrau wieß die Leute an ihr zu folgen. Sie würde sie zum Tor führen.

Man führte die Gruppe in einem bizarren Zickzackkurs durch das monochrome Grasland. Runshak bekam zunehmend den Eindruck, dass Entfernungen hier nicht das waren, was sie zu sein schienen. Selbiges galt vermutlich auch für den Lauf der Zeit. Immerhin machten sie deutlich mehr Boden gut, als die Route, die sie eingeschlagen hatten, vermuten ließ. Unterwegs erblickten sie was aussah wie eine Herde Wildpferde. Statt Gewieher gingen von den Tieren jedoch Stimmen aus, die die Wünsche und Begierden ihrer Besitzer hinauszuschreien schienen. Die Geister, die sie hier sahen waren wohl so sehr in ihrem Verlangen verhaftet, dass sie sich selbst vergessen hatten und zu leeren Hüllen wurden. Vermutlich erwartete das jemanden, der bei der Prüfung scheiterte, von der die Ahnfrau gesprochen hatte.

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Phelan

Re:[Abenteuer] Feuerbringer
« Antwort #49 am: Mi., 17. Jul 2019, 00:17 »

Eine Bewegung zog Phelans Blick auf den seltsamen Stein, der auf Myriels Stirn ruhte. Hatte sich der Blutstropfen, der darauf dunkel und geheimnisvoll wie eine Pupille schimmerte, gezogen. Hatte sich da gerade etwas bewegt? Irgendwie half ihm das dabei sich der Druidin näher zu fühlen und ein Lächeln, das jemand, der sich gut mit lykantrophischer Mimik auskannte, als zärtlich erkennen konnte, trat auf seine Lefzen. Für andere Leute wirkte es wohl eher gefährlich.

Eine Weile vermochte ihn die gefühlte Verbindung zu beruhigen, dann durchstreifte er die Höhle wie ein gefangenes Raubtier. Es war alles ruhig und friedlich. Die Schlafenden lagen auf ihren Feldbetten, die Schamanen waren mit ihren Trommeln und dem gutturalen Singsang beschäftigt und die Krieger warteten draußen vor der Höhle. Alles war so, wie es sein sollte. Und doch konnte der Wolfsmann seine innere Unruhe kaum bändigen. Waren es düstere Vorahnungen, die ihn quälten, oder doch nur unbegründete Ängste?

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Utz

Re:[Abenteuer] Feuerbringer
« Antwort #50 am: Mi., 17. Jul 2019, 00:18 »

Runde VI


„Mosh ist mächtig“, antwortete Utz in einem Tonfall, als würde das eine Menge erklären. Wieder einmal hatte ihm Myriel bewiesen, dass sie eine kluge Frau war. Wenn sie schon in eine Orkangelegenheit verstrickt wurde, dann wollte sie diese auch verstehen. Also ging der Halboger etwas weiter ins Detail: „Fast so mächtig wie Mutter, sage ich. Etwas mächtiger als Grashna, sagen andere. Sie sind Rivalen – zumal sie an sehr verschiedene Geister glauben. Vermutlich hofft Mosh in dieser Sache mehr Ruhm zu erringen, als meine Mutter ihm zugestehen möchte und sie hätte ihn nicht daran teilhaben lassen, wenn sein Talent mit Schlamm zu spielen nicht von großem Vorteil wäre. Er ist vorangerannt, um die entsprechenden Vorbereitungen zu treffen. Was den Feuerbringer betrifft, verfolgen jedoch alle Uk’Ra’Nuru das gleiche Ziel.“ In seinen letzten Worten lag Überzeugung.

„Das Totenreich verändert sich etwa so sehr oder so wenig, wie unsere Welt“, erklärte der Rauswerfer kurz darauf Chiamara. “In gewisser Weise ist es im ständigen Wandel und doch sieht man wenig davon. Es ist Teil des ewigen Kreislaufes, da es sich von den Seelen der Verstorbenen nährt und die Seelen neuer Wesen daraus geboren werden. So lehren es zumindest unsere Schamanen.“

Als es die Kriegerin auf die Prüfung zu sprechen kam, achtete Utz darauf, dass alle in der Gruppe seine Antwort hören konnten. „Wir müssen uns den jeweiligen Prüfungen alleine stellen. Vom Prinzip her sind sie sich sehr ähnlich. Nur wir Sterblichen unterscheiden sie nach der Zeit, die sie uns vorgaukeln. Und es reicht nicht mehr, die gleiche Person zu sein, die du damals warst. Du hast dich verändert. Nochmal in der Vergangenheit zu leben würde sich… falsch anfühlen.“

Langsam ging die Steppe in Marschland über und nun wirkte der Zickzackkurs nicht mehr ganz so unnatürlich. Im Sumpf war es schließlich nicht leicht, gangbare Pfade zu finden. Tatsächlich sanken die Abenteurer auf ihrem Weg nie auch nur ansatzweise ein. Ob es daran lag, dass die nebelhafte Erscheinung ihre Schritte so sorgfältig setzte, oder ob sie in ihren Geistergestalten selbst über Wasser hätten laufen können, war schwer zu sagen.

Andere Wesen, die hier unterwegs waren, bewegten sich allerdings nur mit lautem Plätschern vorwärts. Es handelte sich dabei um nackte Männer und Frauen von nebelhafter Blässe. Ihre Proportionen waren nahezu perfekt, doch sie bewegten sich nicht vorwärts wie Mensch, Elf oder Ork. Wie große ungeschickte Kröten kauerten sie im Schlamm und bewegten sich mit unbeholfenen Sprüngen, die das lichtlose Moorwasser in alle Richtungen davonspritzen ließen, vorwärts. Blind und ziellos schienen sie durch die Marschen zu irren.

Wie zuvor die Pferde ließ die Greisin auch diese armen Seelen achtlos hinter sich. Falls ihr der Gedanke unangenehm war, dass auch sie bald so enden könnte, war es ihr nicht anzumerken. Nach einer Weile wurde immer deutlicher, dass sie auf einen flachen Hügel, der wie eine Insel aus den Sümpfen ragte, zuhielten.

„Das Tor!“, sagte die Geistergestalt der alten Schamanin mit ihrer substanzlosen Stimme und deutete auf zwei mit Runen übersäte Pfähle, die an ihren oberen Enden durch einen ebenso reich verzierten Querbalken verbunden waren. Der Schädel eines großen gehörnten Tieres, dem eines Ochsen nicht unähnlich, war zentral daran angebracht. An Schnüren hingen weitere Knochen, Federn und Perlen daran herunter.

„Das Tor!“, wiederholte die Alte und diesmal schienen erstmals Emotionen in ihren Worten mitzuschwingen – Sehnsucht vielleicht. „Nein“, sagte Utz entschieden. „Dies ist nicht dein Weg. Das Land hinter dem Tor würde dir zum ewigen Gefängnis werden.“

„Und ewige Gefangenschaft ist schlimmer, als allmählich alles zu verlieren, was einen einst ausgemacht hat?“, fragte die Ahnfrau. Doch sie kehrte dem Tor den Rücken und zog von dannen. „Beeil Dich! Sie kommen näher“, rief ihr der Halboger nach. Tatsächlich konnten die Abenteurer nun ferne Schemen, die gezielt auf sie zuzuhalten schienen, erkennen. Und sie konnten ein leises Ziehen an ihren Seelen spüren. Besonders ausgeprägt war es bei Chiamara, Myriel, Darius und Landolin. „Auch wir sollten uns beeilen. Ins Land der Unsterblichen, können sie uns nicht folgen.“

Utz konnte nur hoffen, dass seine Vorfahrin einen sicheren Weg finden und nicht nochmal umkehren würde, sobald er das Tor betreten hatte. Mit einem Räuspern straffte er die muskulösen Schultern und durchschritt das frei auf dem Hügel stehende Gebilde. Es schien nirgendwo hinzuführen und doch war er verschwunden, nachdem er unter dem Querbalken hindurchgetreten war.

***

Forschen Schritte näherte sich Utz einem großen Gebäude, das aussah, als würde es demnächst den Kampf gegen den Zahn der Zeit verlieren. Tatsächlich war im Moment die Hälfte der Räume unbewohnbar und die Renovierungsarbeiten schritten bestenfalls schleppend voran. Dennoch blickte der erste Krieger mit so etwas wie Besitzerstolz auf das bröckelnde Gemäuer. Zusammen mit der angrenzenden Bretterbude, die sie ihren Versammlungssaal nannten, war dies quasi das Zentrum der Uk’Ra’Nuru. Aller Anfang war nun einmal schwer und sie waren noch nicht einmal als Stamm anerkannt. Da gab es kein eigenes Viertel und auch keine Siedlung außerhalb der Stadt…

Utz kam gerade von einem Besuch bei seiner Mutter. Als Schamanin lebte sie zurückgezogen in einer eigenen Hütte. Von ihm, dem ersten Krieger, wurde hingegen erwartet, dass er im Herzen der Gemeinschaft anzutreffen war. Auf dem Flur begegnete ihm sein alter Rivale Kuruk, der ihm mit grollendem Respekt auswich. Utz spürte die Prellungen ihres Zweikampfes noch heute und er nahm an, dass es dem anderen Ork nicht besser ging.

Auf dem Weg zu seiner Kammer tief im Gemäuer, begegnete er weiteren Uk’Ra’Nuru. Auch aus ihren Augen blickten ihm Respekt, Bewunderung und bisweilen Neid entgegen. Irgendetwas störte ihn daran. Er griff danach, wie nach losen Enden im Gewebe der ihn umgebenden Welt und hangelte sich daran entlang. Wo war die Verachtung geblieben? Solche schlug ihm gewöhnlich entgegen, weil… weil… weil er zur Hälfte Oger war. Nie würden ihn die Uk’Ra’Nuru als ihren ersten Krieger akzeptieren. Er war gar nicht hier, sondern…. Im Kuldafbyn. Er musste ins Land der Unsterblichen. Er war im Land der Unsterblichen.

Acht Figuren aus noch feuchtem Lehm warteten schon am Ufer eines gewaltigen Flusses. Zwei davon hatten orkische Statur und daneben stand der hämische Geist eines alten Schamanen mit abgrundtiefen Augen.
« Letzte Änderung: Mi., 17. Jul 2019, 00:36 von Phelan »
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Ragno Todbringer

Re:[Abenteuer] Feuerbringer
« Antwort #51 am: Do., 18. Jul 2019, 19:48 »

Ein gewundener Weg, kürzer als ein gerader. Schreiende Gäule. Blasse hüpfende Tote. Er selbst bewegte sich mit starren Beinen. Kam sich vor wie aus Stein gemeißelt. Da wurde selbst einem Umrix mulmig. Lebende gehörten hier nicht her. Ragno atmete auf als das Tor in Sicht kam. Bloß raus hier. Mit einem Stoßgebet zu Mahal stapfte der Zwerg unter dem Querbalken hindurch.

***

Die Hitze einer Esse. Der Klang gleichmäßigen Hämmerns, als intonierten die Schmiede aller Werkstätten eine gemeinsame Hymne. Über ihm spannte sich das weite hohe Gewölbe der tiefen Höhlen Kurbuls. Ragno hockte auf einem Schemel, ein Pfeifchen in Händen, und paffte. Er wartete auf die Streitaxt, die ihm von Besten aus einem besonderen Erz geschmiedet wurde. Der Schmied prüfte eben die Schneide, polierte das Axtblatt, während sein Gehilfe am Griff arbeitete. Prächtig. Ein ganz besonderes Stück.

Auf dem Heimweg würde er beim Juwelenschleifer den Ring abholen. Lotte würde Augen machen. Heute sollte es soweit sein. Die Reise nach Kurbul war mehr als nur ein Ausflug in die Heimat. Heute würde er ihr einen Antrag machen. Ja, sie würde Augen machen. Hatte lange genug gedauert, bis sich ein Umrix nach Kurbul wagen konnte. Die Ächtung durch die anderen Stämme war in einem Ratsbeschluss aufgehoben worden. Ragno konnte sich in Kurbul frei bewegen.

Irgendetwas störte ihn daran. Keine Anfeindung mehr. Er war einer von vielen. Ein Zwerg wie alle anderen. Krieger, hm? Schön, bin Edelsteinschleifer, Juwelenfertiger, Tunnelbauer. Wer braucht Krieger. Sind mit niemandem verfeindet. Was sollte er hier? Wer war er? Ein Umrix? War heutzutage ohne Wert. Heutzutage. Wann war das? Er war gar nicht hier. Wollte bloß ins Land der Unsterblichen. Verfluchte Zukunft. Wer wollte schon ein Niemand sein. Hatte schließlich nichts anderes gelernt als anderen den Schädel einzuschlagen. Ragno spuckte aus. Wo ist der vermaledeite Ausgang?

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Myriel

Re:[Abenteuer] Feuerbringer
« Antwort #52 am: So., 21. Jul 2019, 22:40 »

Myriel nickte zu Urz Worten. Er hatte ihr gesagt was er wusste oder woran er glaubte. Die Tatsache das Grashna und Mosh Konkurrenten waren reichte aus, damit die Schwarzmagierin ihn im Auge behalten und misstrauisch bleiben würde. Seine Gestalt hier hatte zu deutlich gezeigt, das er nicht nur mit guten Geistern spielte, und das machte die Druidin wachsam.

Ihr Weg führte durch ein Moor, gesäumt von weiteren verlorenen Seelen. Myriel beachtete sie nicht weiter, sie waren harmlos, bewegten sich ohne Sinn und Verstand. Erst als sie das Tor erreichten und dunkle Schemen in der Ferne sichtbar wurden, als sie ein Ziehen an ihrer Seele spürte oder dem, was davon noch übrig war, drehte sie sich um. Einen langen Moment ruhte ihr Blick auf den dunklen Gestalten, die sich langsam näherten, fast so als wisse sie genau was sie waren. Dann riss sie sich von dem Anblick los, drehte sich um und durchschritt das Tor.

~ ~ ~


Es roch nach faulen Eiern : Schwefel. In der Nähe der Dämonenpforte roch es immer nach Schwefel und sie war an diesen Geruch gewöhnt. Unter sich spürte sie die vertraute Form ihres Throns : er war aus den Knochen eines Drachen gefertigt, ein Teil der skelettierten Wirbelsäule bildete Sitzfläche und Rückenlehne, die Vorderpranken formten die Armlehnen, auf denen sie ihre Hände abgelegt hatte. Rechts und links ragten knochige Schwingen in die Höhe und über ihrem Kopf war der riesige Kopf so plaziert, das er wie eine gehörnte Krone wirkte, wenn die Schwarzmagierin Platz nahm. Dieser Thron war nicht schön oder wertvoll, er war dazu gemacht Furcht zu säen, und die Gerüchte, das seine Besitzerin in der Lage war ihn zu schrecklichem, unheiligen Leben zu erwecken, taten ihr übrigens.  Und Côr wusste, das ihre Kräfte dazu mehr als ausreichten, auch wenn sie selbst eine viel größere Gefahr darstellte als das knochige Wesen unter ihr, sonst hätte sie nicht über ein Heer von Dämonen geherrscht.

Kühl blickte sie in die Richtung der großen Tür, die geöffnet wurde. Ein Rudel der wilden Jagd hatte eine Aufgabe für sie erledigt und sie erwartete einen Bericht von seinem Alpha. Der Lykantroph, der mit zwei weiteren seiner Art eintrag, war groß und so schwarz wie die Nacht. Er blieb kurz vor ihrem Thron stehen, sank auf ein Knie nieder und senkte den Blick.

Es wurde alles zu Eurer Zufriedenheit erledigt Herrin.

Wenn dem so war, warum hatte sie dann das Gefühl das etwas nicht stimmte? Der Lykaner gehörte nicht vor ihr auf die Knie, sondern an ihre Seite.

Kuldafbyn... Was hätte sein können...

Die Worte der Schwarzmagierin waren nur ein Flüstern, doch sie hatte den Schwindel durchschaut.

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Elvedina Morgenlicht

Re:[Abenteuer] Feuerbringer
« Antwort #53 am: Mo., 22. Jul 2019, 21:57 »

Elvedina sass am Herdfeuer ihrer Sippe, umgeben von ihren Schwestern und Freunden. Sie spielten ein Spiel, bei dem es darum ging einen verborgenen Gegenstand durch eine bestimmte Art der Fragetechnik ausfindig zu machen ohne zu wissen welcher der anwesenden Spieler den Gegenstand ausgesucht hatte. Die Waldelfe vermochte sich nur mit halber Aufmerksamkeit auf das Spiel zu konzentrieren, Nyrociel warf ihr laufend Blicke zu, seit etlichen Monden schon, seit sie bei der Jagd einen weißen Hirsch geschont und dieser sich ihr angeschlossen hatte. Der weiße Hirsch als Namensgeber des Var'lacrgya-Clans bedeutete, sie mochte eine Auserwählte sein. Seit vielen Jahren verehrte sie Nyrociel, doch nie hatte er sie beachtet, sie war um vieles jünger und unscheinbarer als ihre gebildeten Schwestern. Seit jener Jagd erwärmte sich der schöne Elf für sie, machte ihr mit romantischen Gedichten den Hof, sang ihr seine wunderschönen Kompositionen vor. Im Gegensatz zu den Jägern widmete sich Nyrociel fast ausschliesslich den schönen Künsten, Jäger hielt er für zu derb im Umgang. Sein Interesse an ihr ehrte Elvedina, es bedeutete ihr viel von ihm beachtet zu werden.

Die Blicke flogen hin und her, bis die Schwestern zu kichern anfingen und Elvedina eine tiefe Röte ins Gesicht stieg. Nyrociels Werben war eine kindliche Verspieltheit, noch war Elvedina zu jung um sich nach einem Seelengefährten umzusehen, doch war es in der Sippe üblich die Zeit bis zur Verbindung mit dem eigentlichen Seelenpartner mit einem Liebhaber zu überbrücken. Sie beendeten das Spiel, an diesem Abend erlaubte Elvedina Nyrociel mit ihr spazieren zu gehen, seine Gedichte liessen ihr Herz höher schlagen, seine zarten Avancen waren voller Wärme und Hingabe. Etwas störte Elvedina an dieser Idylle. Nyrociels Werben, das sie so sehr ersehnt hatte, war nicht ihr gewidmet, sondern Ga'lairje, dem weißen Hirsch, er liebte nicht sie, sondern sonnte sich in ihrem neuen Glanz. Viel mehr noch als sich Nyrociel hinzugeben wünschte sich Elvedina hinaus in die Welt zu ziehen, das Unbekannte kennenzulernen, daher liess sie seine Hand los und wandte sich um, dorthin wo sie jemanden zu finden hoffte der sie um ihrer selbst willen schätzen mochte.

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Darius

Re:[Abenteuer] Feuerbringer
« Antwort #54 am: Mi., 24. Jul 2019, 09:53 »

Die Erklärungen von Utz waren einleuchtend, so sehr, dass der Eisdrache still blieb und dessen Unterhaltung mit Chiamara lauschte. Ein Nachleben, welches sich von den Erfahrungen und den Erinnerungen alter Seele ernährte, um neue zu erschaffen. Oder wurden ihnen nur die Erinnerungen genommen, damit sie unberührt von ihrem alten Leben wieder geboren werden konnten? Er selbst konnte diese Frage kaum beantworten. Zumindest für das Nachleben der Orks schienen ihre Schamanen recht zu haben.

Die Nächste Prüfung bestand aus sehr ausgefuchsten Falle. Sie würden mit ihren Sehnsüchten konfrontiert werden, doch in welcher Art und Weise würde sich noch zeigen. Eine gefährliche Falle. Den folgenden Sumpf hätte er wohl selbst durchschreiten können, wenn es sich nicht nur um eine Darstellung gehandelt hätte. Peinlich genau hielt er sich in den Fußstapfen des Weges und warf nur ab und an einen Blick auf die Wesen, welche einmal Orks gewesen waren, doch es lag mehr Neugierde als Mitleid in den Blicken.

Schließlich ließen sie den Sumpf hinter sich und kamen zu dem Tor vor dem sie gewarnt worden waren. Die drei Balken welche im Freien standen sahen unfreiwillig seltsam aus, doch führten sie eindeutig jeden der durch sie schritt an einen anderen Ort, statt nur ein einfacher Durchgang zu sein.

Als Letzter von allen quetschte sich der Drache hindurch...

***

Es war ein schöner Tag, nicht zu warm oder trocken. Er ruhte auf einem Hügel der Insel des Drachenbundes, um ihn herum Yodxkelyryth, welcher sich mit Mirath unterhielt, dann war da auch noch Firtorkas welcher ein Nickerchen hielt und Magnati, welcher gerade wieder aus den Tiefen des Drachenhortes emporstieg. Sie alle hatten den Tag hier mit Warten verbracht und es sollte sich lohnen, als die Wolken sich über ihnen teilten.

Drei alte Drachen kamen von dort oben herunter. Sirnartak, Zephyra, Fenmor. Er freute sich darauf einen jeden von Ihnen zu treffen, ganz besonders Zephyra, welche ihm wieder Unterricht über sein Element erteilen würde. Wie keine Andere hatte sie ihm bisher geduldig beigebracht seinen Eisatem zu gebrauchen, den Elementen zu lauschen und geschickt zu schwimmen. Dass er dabei mit alle den anderen Jungdrachen herumtollen durfte um seine neue Fertigkeiten dann zu erproben machte den Tag perfekt.

Wettfliegen mit Mirath und Yodxkelyryth war stets anstrengend aber spaßig, auch wenn er gegen die beiden geschickten Edeldrachen kaum ankam, Magnatis Geschichten über den Norden zu lauschen war interessant und wenn er müde war oder seine Kraft messen wollte, dann war da auch noch Firtorkas... oder wenn Akulatraxas vorbeikam. Seine Nestlinge waren goldig, besonders die kleine Danglathas. Er konnte sich vorstellen dass sie eines Tages eine sehr schöne Drachin sein würde... Was wohl Irator von all dem halten würde?

Moment. Wer war Irator? Und warum hatte er das Gefühl, dass etwas nicht stimmte?

"Weil es falsch ist.", kam die nüchterne Antwort und die Sicherheit des Traumes verging wie eine Schneeflocke in einer Flamme. Fenmor war nicht hier. Akulatraxas lange fort, bevor er ihn hatte kennen lernen können. Von Yodxkelyryth oder Mirath hatte er seit Jahren nichts gehört. Zepyrah... die alte Wasserdrachin konnte ihn nicht ausstehen. All dies hätte jetzt sein können. Doch nicht in seinem Zustand... und die kleine Danglathas dort war älter, erfahrener. Sie war so wenig ein Nestling wie er es war.

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Chiamara

Re:[Abenteuer] Feuerbringer
« Antwort #55 am: Mi., 24. Jul 2019, 15:48 »

Diese nächste Ebene des seins faszinierte Chiamara. Immer wieder schaute sie, wie schnell sie ihren Weg gingen, obwohl dieser kein direkter zu sein schien. Und auch, wenn alles nur in grau gehalten war, war es hier so wie in der Steppe mit Pferden, die dort grasten.

Von diesen Eindrücken durfte sich die gebürtige Ostländerin nicht beirren lassen. Warnungen hatte sie ja zu genüge erhalten. So widerstand sie auch dem Gefühl sich von der Gruppe zu entfernen um dem Sog ihrer Seele zu folgen. Sie waren erst kurz vorher an einem schlichten Tor angekommen und war dem Ruf Utz zügig gefolgt. Chiamara schritt schon knapp hinter dem Türsteher zwischen die Pfähle hindurch.

***


Die blonde Frau lief aus der Mühle um sich kurz frisch zu machen, da ihr ausgiebiges Liebesspiel mit Armande sie zum Schwitzen gebracht hatte. Sie kümmerte sich nicht darum, dass sie unbekleidet zum Bach gegangen war, da sie um diese Uhrzeit abgesehen von den Tieren niemand sehen würde.

Auf dem Rückweg dachte sie darüber nach, was die beiden noch alles an der Mühle würden reparieren müssten. Das war noch etwas für ein paar Wochen.
Leise kroch sie wieder unter die Decke und kuschelte sich an den Körper ihres Geliebten. Armande drehte sich zu ihr und küsste sie zart auf den Mund.

Wer ist denn da an meiner Seite? Das riecht aber gut. Da bekomme ich richtig Hunger, neckte sie der Schwarzhaarige Mann. Seine Lippen wanderten vom Mund zum Hals, wo er den Mund leicht öffnete. Die ehemalige Soldatin lachte, weil es eine für sie empfindliche Stelle war. Sie versuchte ihn wegzuschubsen, aber er hielt sie mit seinen kräftigen Armen und knabberte kurz mit seinen Zähnen an ihrem Hals.

Nach den kurzen Zärtlichkeiten wand er sich von ihr ab und schwang sich aus dem Bett.
Lass uns aufstehen. Ich habe wirklich Hunger und wir können hier nicht ewig liegen.

Armande lief zum Fenster und griff nach den Vorhängen um sie aufzuziehen.
Plötzlich schmerzte Chiamaras Schulter und sie bekam einen Schrecken.

“Zulassen, Armande. Draußen.., ist es hell, wollte sie ihn warnen, aber er hatte die Vorhänge schon weit aufgerissen und winzige Sonnenstrahlen erhellten die kleine Schlafkammer. Zudem knurrte tatsächlich sein Magen.
Lesthat lachte über ihren Ausruf.

Es ist schon hell. Genau. Langsam müssen wir raus. Unser Abendessen ist schon ausgefallen. Komm, auf mit Dir. versuchte ihr Liebhaber sie zum Aufstehen zu bewegen.

Sie jedoch war verwirrt. Blickte ihn an, wie er im Sonnenlicht stand. Keine spitzen Zähne während er lachte.
Wie kam sie darauf? Hatte Chiamara jetzt wirklich gedacht er wäre ein Vampir? Nur weil er an ihrem Hals geknabbert hatte.

Wieder die Schmerzen in ihrer Schulter und ihr wurde schwarz vor Augen.

Wieder blickte sie Armande an und er blickte sie abwartend an, wie sie nackt im Mondschein lag. Sie war über einen ansehnlichen Mann gebeugt und sättigte sich an ihm. So sollte aufhören, weil sie ihrem Geliebten auch noch etwas von dem jungen warmen Blut versprochen hatte.

Chiamara wurde übel bei dem Eisengeruch, der ihr in die Nase stieg.
Das konnte nicht real sein. Von einem Brechreiz geplagt rannte sie hinaus aus ihrer neuen Wohnstatt und versuchte wieder Luft zu bekommen und diese Gefühle von sich zu schütteln.

Hier war etwas gehörig falsch.

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Landolin

Re:[Abenteuer] Feuerbringer
« Antwort #56 am: Do., 25. Jul 2019, 01:03 »

Genau wie der Eisdrache senkte Landolin seine Stimme. Es war an einem Ort wie diesem fast ein Reflex, ein unterschwelliges Bedürfnis, die Ruhe nicht zu stören – wie auf einem Friedhof oder im Inneren einer Kirche.
“Kaum ein Lebender kennt mehr als winzige Ausschnitte der Totenreiche. Es ist einem gesunden Geist nicht unbedingt zuträglich, dort zu viel Zeit zu verbringen.“
Der Hohentürmler warf dem doppelköpfigen Drachen einen langen Seitenblick zu. Manchmal reichten schon wenige Augenblicke aus, um enormen Schaden anzurichten…

“Ich bin mir im Übrigen nicht sicher, ob dieses Totenreich wirklich so hart ist, wie es uns erscheint. Die Anderswelt der Menschen wäre für Euch vermutlich ähnlich enttäuschend... Die Welt, die sich uns hier zeigt, muss nicht unbedingt derjenigen entsprechen, die die Geister wahrnehmen. Wir Lebenden gehören nicht hierher – uns fehlt der Blick für die Zwischentöne, die tieferen Ebenen.
Einen Geist, der im Totenreich nur trostlose Dunkelheit vor sich sieht, könnte jeder Novize wiederbeleben. Einen, der von einem leuchtenden Sonnenaufgang und lange vermissten Verwandten spricht, lässt man am besten, wo er ist.
Was ich damit sagen will… ich bezweifle, dass die erwähnten Prüfungen vornehmlich den Toten gelten. Ein jeder Abschnitt der Anderswelt verfügt über seine eigenen Schutzmechanismen und Wächter. Spaziert zu tief in die Reiche Kementaris und Ihr werdet wochenlang Alpträume mit Ottern oder Hirschen in der Hauptrolle haben…“

Woran lag es eigentlich, dass die Gespräche mit Darius so oft auf schwieriges Terrain führten? Der Apotheker konnte es nicht genau benennen, aber er wusste die unbefangene, unvoreingenommene Neugier des Eisdrachen auf jeden Fall zu schätzen.

Weitere Diskussionen und Theorien über dieses orkische Totenreich mussten jedoch warten, denn Utz erklärte ein wenig genauer, was ihnen bevorstehen würde - und der Sumpf der vor ihnen lag, erweckte in Landolin den Drang, etwas besser auf den Weg zu achten, als es vielleicht nötig gewesen wäre, denn keiner seiner Mitreisenden sank auch nur ansatzweise ein.
Die stummen, verirrten Seelen dieses Bereichs ließen sich leichter ignorieren als die Pferde – das dunkle Spritzwasser mied er dennoch als reine Vorsichtsmaßnahme.

Schließlich wurde das zweite nennenswerte Zwischenziel ihrer Reise sichtbar: Das Tor, das sie ins Reich der Unsterblichen führen sollte.
Der Ort besaß zweifelsohne Macht – genug, um selbst die geisterhafte Orkschamanin aus ihrer Lethargie zu reißen. Einige Augenblicke lang musterte der Hohentürmler das reich verzierte Tor, doch die Runen waren zu alt, um sie ohne Hilfsmittel zu entziffern. Außerdem wurde die Gesellschaft langsam aber sicher schlechter.
Das zunehmende Zerren an den lebendigen Seelen, verhieß nichts Gutes und den schnellste Ausweg stellte das besagte Tor dar, das Geister nicht durchschreiten konnten. Dass sie auf der anderen Seite bessere Aussichten erwarteten, bezweifelte Landolin zwar, aber da er selbst einer der größten Anziehungspunkte für die düsteren Schemen war, trat er mit einem letzten Blick auf den gehörnten Schädel durch die Pforte.

***

Widerwillig öffnete Landolin die Augen. Der Raum war von hellem Licht erfüllt und dennoch war es viel zu früh, um nach der langen Nachtschicht von alleine aufzuwachen. Dass er gerade an solchen Tagen immer so lebhaft träumen musste… Diesmal war es sogar noch absurder gewesen als sonst: Irgendetwas von Orks und zweiköpfigen Drachen. Müde schloss er die Augen wieder, doch nur für einen kurzen Moment.
“Papa, aufstehen!“
Daher wehte also der Wind.
“Ich hatte einen langen Tag gestern. Könnt ihr nicht noch zwei, drei Stunden warten?“
„Milyë hat gesagt, wir dürfen dich wecken, bevor wir verhungern.“
“So, hat sie das?“ Vermutlich hatte sie das sogar wirklich… Mit einem tiefen Seufzer setzte sich der Heiler im Bett auf und musterte seine beiden Töchter. Mit dem weißblonden Haar und den unleugbar elfischen Zügen kamen sie eher nach ihrer Mutter als nach ihm, doch das empfand er die meiste Zeit über als Segen.
“Ihr seht nicht verhungert aus“, stellte er nach einigen Sekunden fest und ließ sich zurück in sein Kissen fallen – wohl wissend, dass er die Diskussion bereits verloren hatte.

„Was hast Du denn?“
Landolin war auf halbem Weg in die Küche stehen geblieben, um stirnrunzelnd in einen Spiegel zu starren. Er konnte nicht genau benennen, was ihn störte, aber er litt auch unter Schlafmangel und sein Geist kreiste nach wie vor um den seltsamen Traum mit den Orks und dem runenübersäten Tor auf freiem Feld…
“Nichts. Was wollt ihr denn eigentlich essen?“
„Pfannkuchen!“ „Krautwickel!“, kam es fast gleichzeitig.
“Schnittlauchbrot, ja daran habe ich auch gedacht“, meinte der Hohentürmler nickend und musste ein Grinsen unterdrücken, während er mit möglichst unschuldiger Miene in die vorwurfsvollen kleinen Gesichter sah.
„Bloß weil wir spitze Ohren haben, muss nicht alles, was wir essen, grün sein“, stellte seine Älteste verstimmt fest, doch Landolin wusste es besser, als darauf einzugehen.

„Sie haben Dich aufgeweckt.“
Es war eine reine Feststellung, doch der Blick, mit dem Fjalladis die Kinder strafte, war sonst nur für schwere Vergehen wie das Knicken von Buchseiten oder den hartnäckigen Versuch, ‚Turnier‘ mit nur einem ‚r‘ zu schreiben, reserviert. Dementsprechend schnell waren die Mädchen auch aus der Küche verschwunden…
„Dabei habe ich ihnen gesagt, dass ich nur kurz im Orden bin, um ein paar Bücher zu holen.“
Landolin zuckte lediglich leicht mit den Schultern.
“Sei nicht zu streng mit ihnen. Schon in ein paar Jahren werde ich froh darum sein, wenn sie überhaupt essen wollen, was ich ihnen vorsetze… Sie werden so schnell groß…“
Manchmal fragte er sich, ob es richtig gewesen war, dieses Wagnis einzugehen: Sterbliche Kinder, Wesen, die er mehr liebte, als sich selbst und die er dennoch nicht ewig würde beschützen können…
Unwillkürlich wich er Fjalladis‘ Blick aus, fixierte stattdessen die ordentlich aufgereihten Phiolen, die auf ihre Befüllung warteten, die große Glasdestille und die vielen, kleinen Reflexionen seiner Selbst darin. Stirnrunzelnd sah er noch etwas genauer hin.
„Landolin? Was hast Du?“
“Es gibt so viele Entscheidungen, die ich noch nicht getroffen habe… Aber ich muss sagen, dieses Kuldkam ist gewiss nicht die schlechteste Variante.“
Er sah die Verwirrung, die diese Worte bei der Hochelfe auslösten, doch das Bild des sonnigen Tages im Kräuterkasten verblasste bereits und machte einem breiten Fluss und den Silhouetten der orkischen Schamanen im Land der Unsterblichen Platz.

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Runshak

Re:[Abenteuer] Feuerbringer
« Antwort #57 am: Fr., 26. Jul 2019, 00:55 »

Die Gruppe zog weiter durch das Totenreich. Allmählich ging das Grasland in ein Sumpfgebiet über. Auch darin irrten verlorene Seelen umher, die in ihren Bewegungen jedoch am ehesten Kröten oder Fröschen ähnelten. Der Geist der Ahnfrau führte die Gruppe schließlich zu einem Flachen Hügel mit einer einfachen Holzkonstruktion darauf. Dies musste das Tor sein. Viel Zeit blieb jedoch nicht, um das Bauwerk zu untersuchen. Offenbar waren einige der Bewohner dieses Reichs auf die Fremdlinge aufmerksam geworden. Und allem Anschein nach waren diese schattenhaften Wesen Räuber dieser Ewigen Jagdgründe. Runshak eilte umgehend Utz durch das Tor hinterher. Allerdings verlor der Krieger augenblicklich den Stammesbruder aus den Augen.

Plötzlich fand Runshak sich an einem ihm bekannten Ort wieder. Er stand auf dem Marktplatz von Nuru. Jedoch fehlte das geschäftige Treiben, das den Markt um diese Tageszeit auszeichnete. Ganz fort waren die Leute nicht. Aus einiger Entfernung konnte der Ork Stimmengewirr hören. Dazwischen immer wieder Schreie. Die Bewohner waren in Panik verfallen. Der Krieger lief in die Richtung los, aus der die Stimmen drangen. „Was ist hier los? Wo sind meine Soldaten?“  „WACHEN! ZU MIR!!!“ hallte die Stimme des Orks durch die menschenleeren Straßen. Da bemerkte er, das Teile der Stadt bereits in Flammen standen. „WACHEN!! ANTWORTET MIR!!“ Das einzige was zu hören war, war das Knistern der Flammen. Dann waren auf einmal schnelle Schritte aus einer der Seitengassen zu hören. Jemand kam ihm zügig näher. „Kommandant Runshak! Den Göttern sei Dank. Ihr seid es wirklich!“ Eine Handvoll Leute kam aus der Gasse gelaufen. „Ein geflügeltes Ungeheuer greift die Stadt an!“ „Ihr seid der Einzige, der es noch aufhalten kann.“ „Ich flehe Euch an. Rettet uns!“ die Stimmen der Leute überschlugen sich regelrecht.

Wie lange diente Runshak nun schon dieser Stadt. Wie lange musste er warten, bis er endlich von diesem Pöbel die Wertschätzung erfuhr, die er verdiente – die er sich so sehr wünschte. Endlich würde er sich im Kampf gegen einen würdigen Gegner beweisen können. Und die Leute, die ihn dennoch nicht schätzten, konnten in den Flammen krepieren oder von dem Ungeheuer zerrissen werden. Es kümmerte ihn nicht. Nur eines stimmte hier nicht: Wo war sein Schwert? Es war nirgends zu sehen. Es ließ sich auch nicht durch den Blutsvertrag rufen. Dennoch spürte er seine Präsenz, als wäre es ganz nah bei ihm. „Ach, Ihr sucht vermutlich Euer Schwert.“ wandte sich einer der Zivilisten an ihn und zog eine Waffe. Es war eindeutig Runshaks Schwert. Es gab schließlich keine zweite solche Waffe „Woher habt Ihr das?“ „Ich hab's da hinten gefunden.“ deutete der Unbekannte in Richtung Marktplatz. Der Ork streckte seine Hand nach dem Heft aus. Da durchfuhr ihn die Erkenntnis wie ein Blitzschlag. „Es ist nicht das echte! … “ Er blickte von der Waffe zu den Passanten und bemerkte erschrocken, dass sie alle dieselbe schattenhafte Erscheinung hatten. „Ihr... seid alle nicht echt!“
« Letzte Änderung: Fr., 26. Jul 2019, 00:58 von Runshak »
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Utz

Re:[Abenteuer] Feuerbringer
« Antwort #58 am: Fr., 26. Jul 2019, 01:33 »

Runde VII


Utz betrachtete die acht Lehmfiguren mit ungläubigem Kopfschütteln. Sieben davon stellten eine exakte Kopie ihrer lebendigen Vorbilder da, während bei der letzten, die ihn darstellen sollte, die Ogerzüge bis ins Lächerliche hinein übertrieben dargestellt waren. Hatte sich Mosh so beeilt, um dafür noch Zeit zu finden? Während hinter ihm die Abenteurer durch das Tor traten, näherte er sich seiner Darstellung, schlug ihr mit der flachen Hand ins Gesicht und zischte „Truz!“. Es musste sich dabei um ein Wort der Macht handeln, denn der alte Schamane zuckte zusammen, als hätte der Schlag ihn getroffen. Und als Utz die Hand wieder vom feuchten Ton nahm, glich das Gesicht der Statue dem seinen.

Sobald Myriel das Reich Kuldafbyn verließ, drängten sich Bilder in eine Ecke ihres Bewusstseins. Die Perspektive war ungewohnt, als würde sie liegen und alles um sich herum in seltsam verzerrter Abbildung vor sich sehen: Eine Höhle wurde unstet von einem Feuer erleuchtet. An den Wänden schienen Tiermalereien im flackernden Licht zum Leben zu erwachen und um die Flammen herum schlugen orkische Schamanen ihre Trommeln. Neben ihr lagen Leute, die sie kannte, auf einfachen Betten. Zwischen ihr und Rango hatte ein schwarzer Lykantroph auf dem Boden Platz genommen. Er hatte sich an die Höhlenwand gelehnt, doch nichts an seiner Haltung deutete darin, dass er auch nur ansatzweise entspannt war. Das abgewetzte Leder seiner Rüstung und Narben auf seinen Pranken erzählten von vergangenen Kämpfen und sein Blick war aufmerksam auf die Orks und den Höhleneingang, der hinter ihnen lag, gerichtet.

„Ihr habt es tatsächlich alle geschafft. Sogar die Elfe“, sagte Mosh mit schneidender Stimme. „Deine Aufgabe hier ist getan. Du kannst jetzt gehen, alter Mann“, bemerkte Utz. Kurz sahen sich die beiden Orks in die Augen, dann machte der Schamane auf dem Absatz kehrt und verschwand durch das Tor, das hier ebenso wenig in eine andere Welt zu führen schien, wie von der anderen Seite aus.

„Ein Körper im Land der Unsterblichen, noch dazu aus einer Substanz von hier, ist ein großer Vorteil. Verglichen mit den Einheimischen hier allerdings… Nun, sie leben nicht grundlos im Land der Unsterblichen. Geht davon aus, dass hier jedes Wesen über nicht unwesentliche Macht verfügt“, erklärte der geisterhafte Halboger und schob seinem irdenen Ebenbild einen durchscheinenden Finger in die Nase. Es sah aus, als würde die Statue Atem holen, eine Nebelwolke inhalieren und dann war der Geist verschwunden. Dafür hatte die Skulptur Farbe angenommen und wirkte, als würde Utz in Fleisch und Blut vor ihnen stehen.

„Dieses Land lässt sich wohl am ehesten als ein Reich der Legenden, als ein Spiegel unseres Glaubens begreifen. Jedes Nehmen erfordert ein Geben und umgekehrt. Die Unsterblichen, vor allem die Götter, haben Einfluss auf unseren Alltag. Umgekehrt hat das, was wir über sie wissen, oder zu wissen glauben, Einfluss auf sie. So gesehen ist es auch nicht verwunderlich, dass dieses Land hier in gewisser Weise ein Abbild des Orkhochlandes ist. Das heißt auch, dass es hier nicht viele große Flüsse gibt. Wenn dies der Mückenfluss wäre, würden wir das merken. Am Waldfluss wäre die Landschaft eine andere. Wir befinden und wohl an der Entsprechung des Sonnenflusses.“

Utz blickte sich nochmal um, als wolle er sicher gehen, dass er nichts übersehen hatte. Der Strom wand sich durch eine weite grasbewachsene Ebene und am Ufer sangen fächerförmig auslaufende Klagebinsen ihr winselndes Lied. Am Horizont waren jeweils weiß gekrönte Gipfel zu erkennen. „Flussaufwärts kommen wir wohl zum Ogerberg und Flussabwärts zum Shana, dem der Mondgöttin geweihten Zwillingstempel. Welchen Weg wollt ihr gehen?“

Hoch über ihnen zog ein stattlicher Kondor seine Kreise und stieß einen heißeren Ruf aus. „Macht euch nicht zu viele Gedanken über den Weg. Dies ist ein Reich der Legenden – der Geschichten. Es geht hier um Begegnungen und Ereignisse, die uns voranbringen, letztendlich zum Ziel führen oder uns in angemessener Form scheitern lassen. Nicht um die langen ereignislosen Wege dazwischen…“

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Landolin

Re:[Abenteuer] Feuerbringer
« Antwort #59 am: Mi., 31. Jul 2019, 23:06 »

Waren sie alle mehr oder weniger gleichzeitig auf der anderen Seite des Tores angekommen? Oder war er selbst einer der letzten? Zumindest konnte Landolin neben den beiden Orks geisterhafte Schemen aller Mitstreiter erkennen. Auch der alte Schamane hatte diesen Umstand bemerkt, wie seine unwirsche Bemerkung verdeutlichte. Dass dieser Mosh seine Aufgabe erfüllt hatte und sie nicht weiter begleiten würde, konnte der Heiler nur begrüßen. Weder konnte er der angespannten Stimmung zwischen den Grünhäuten etwas abgewinnen noch legte er gesteigerten Wert darauf, den zwielichtigen Alten noch länger in seiner Nähe zu wissen.

“Jedes Lebewesen? Auch die Pflanzen?“, fragte er bei Utz nach und warf einen misstrauischen Blick auf die säuselnden Binsen und die weite Grasebene. Zunächst einmal hieß es aber wohl, sich einen Körper zu verschaffen.
So wie es der Halboger vorgemacht hatte, trat Landolin an sein eigenes Abbild heran und streckte die Hand nach dem blassen Gesicht aus. Es war ein merkwürdiges Gefühl, sich auf diese Art und Weise selbst gegenüberzustehen: Auf der einen Seite der hohle, leblose Körper, auf der anderen der zögerliche Geist, beide machtlos in dieser fremdartigen Welt – doch der Moment ging vorüber, als sich die beiden Gestalten berührten und verbanden.

Mit großer Aufmerksamkeit lauschte der Hohentürmler Utz‘ geographischen Überlegungen. Es klang durchaus schlüssig, was der Türsteher der "Roten Laterne" sagte: Wenn dieses Reich der Unsterblichen den Orkhochlanden glich, mussten sie sich am Ufer des Sonnenflusses befinden.
Als er vor die Wahl gestellt wurde, ob die Gruppe den Weg zum Ogerberg oder zum Mondtempel einschlagen sollte, zögerte der Heiler jedoch.
Oger galten gemeinhin als primitiv und gefährlich – wollte man herausfinden, was ihre unsterblichen Gegenstücke auszeichnete? Der Tempel Shana dagegen… war er nicht der Göttin des Schmerzes gewidmet? Landolin hatte sich in der Vergangenheit eher für den weiter östlich gelegenen Zwillingstempel Shanu, das Zentrum der orkischen Heilkunst, interessiert…
“Ich würde den Weg zum Tempel vorziehen“, tat er schließlich kund. Die Wahrscheinlichkeit, dort auf jemanden zu treffen, der ihnen bei ihrer Suche weiterhelfen konnte, erschien ihm etwas höher als in der Nähe des sicherlich nicht allzu dicht besiedelten Ogerberges.

Sie waren noch nicht lange unterwegs – oder doch schon seit einer halben Ewigkeit? – als Landolin ein merkwürdiges Zittern im hohen Gras bemerkte. Er hatte die Warnung des Halbogers nicht vergessen, dass die Wesen in dieser Gegend ungewöhnlich mächtig waren, doch die Art und Weise, wie sich die Halme bewegten, ließ ihn stehen bleiben und genauer hinschauen: Etwas Helles tauchte immer wieder über den Grashalmen auf – ein Kopf, eine Flügelspitze… Irgendein Vogel bemühte sich dort, an Höhe zu gewinnen, fiel aber immer wieder auf den Boden zurück.
Land der Unsterblichen hin oder her, wenn einem Heiler Leid direkt vor die Füße flatterte, gebot es die Berufsehre, nicht einfach darüber hinwegzusehen. Wie es sich herausstellte, handelte es sich bei dem verletzten Tier um eine Eule mit herabhängendem Flügel. Ob er gebrochen oder anderweitig lädiert war, konnte Landolin aus der Ferne nicht sagen und so unvorsichtig, sich dem aufgebrachten Raubvogel zu nähern, war er dann doch nicht.
“Schsch…“, brummte er leise und reduzierte seine Bewegungen auf ein Minimum. Vorsichtig tastete er mit seiner Magie nach der Eule und begann damit, die Schäden zu beheben. Die Bewegungen des Tieres normalisierten sich schneller, als er erwartet hatte… und auch sonst fühlte sich der Zauber etwas seltsam an, als würde er auf andere Kraftreserven zurückgreifen als sonst.
“Jetzt kannst Du wieder fliegen“, teilte er der Eule schließlich mit einem angedeuteten Lächeln mit und wandte sich wieder dem Pfad am Flussufer zu. Er würde sich beeilen müssen, um zu den anderen aufzuschließen…

Zum Glück schien er nicht der einzige zu sein, der sich auf dem Weg ablenken ließ. Der zweiköpfige Drache hatte ebenfalls innegehalten und starrte zu Boden.
“Sollten wir unsere Augen nicht eher auf unser Ziel richten?“, fragte der Apotheker und deutete auf eine verschwommene Silhouette am Horizont. Entgegen seinen Worten versuchte er jedoch zu erkennen, was den Eisdrachen so ablenkte.

- 2 Energie => bis zu + 10 LP für die Schädeleule

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