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   Autor  Thema: Das Waisenhaus in Sahlhausen (Gelesen 213 mal)
Secundus M Hora

Das Waisenhaus in Sahlhausen
« am: Sa., 10. Aug 2019, 09:26 »

Zwischen den kleinen schmucken Fachwerkhäusern Sahlhausens stach ein Gebäude ein wenig heraus, denn es war nicht so klein und schmuck, wie die umliegenden Gebäude in der engen Gasse. Die Bauart war ähnlich und es war keinesfalls heruntergekommen - seit einer Weile erstrahlte es sogar in so etwas wie neuem Glanz, denn die Spuren, die eine Rattenplage hinterlassen hatte, waren sorgfältig ausgebessert worden und auch andere kleine Schäden waren in diesem Zuge unter frischen Putz verschwunden. Aber es fehlten die kleinen Details: Die liebevoll gepflegten Blumenkästen vor den Fenstern, die aufgemalten Blumenranken auf der Eingangstür, … Was nicht fehlte, war ein Segensspruch, der in eleganten Lettern den Türsturz zierte:

Wachse unter der drei Sänger Hut,
und empfange ihren göttlichen Segen,
geh dann hinaus in die Welt voller Mut,
denn sie begleiten dich auf all deinen Wegen.

Es war ein Haus in dem viele Kinder lebten und doch war es hier nicht so laut wie es hätte sein sollen. Natürlich gab es oft genug Geschrei und Gezeter, doch es klang immer ein wenig gedämpft. Kinderlachen mischte sich etwas zu selten darunter und nicht immer klang es so unbeschwert wie andernorts.

Dies war das Waisenhaus der Stadt und nicht einmal die Priester und die gutmütige Haushälterin Berta konnten genau sagen, was ihren Schützlingen während ihrer noch so jungen Leben bereits widerfahren war. Sie konnten nur versuchen mit viel Geduld Normalität in das Leben der Kinder zurückkehren zu lassen.

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Askladd

Re:Das Waisenhaus in Sahlhausen
« Antwort #1 am: Sa., 10. Aug 2019, 09:27 »

„Paladin erwählt sich seine Diener mit Bedacht“, zumindest entstand für Askladd dieser Eindruck, wenn er sah mit welcher Entschlossenheit und Hingabe Domitia dem Weg folgte, den der Sänger ihr aufgezeigt hatte. „Ich bin mir sicher, dass es dir mit seiner Hilfe gelingen wird, deine Vorsätze zu realisieren.“

Mit seinem dargebotenen Arm schien der Förster die Freiin in Verlegenheit gebracht zu haben. Komisch, er hatte doch auch in diesem Land schon viele Männer und Frauen gesehen, die in solch vertrauter Weise miteinander umgingen. Nun wurde ihm jedoch bewusst, dass er sich nie Gedanken gemacht hatte, in welchem Verhältnis diese Leute wohl zueinander gestanden haben mochten.

Doch die Maßnahme erwies sich als durchaus gerechtfertigt, denn der Bogner hatte unterschätzt wie viel auch heute auf dem Platz los war. Es gelang ihnen das Hindernis gemeinsam zu überwinden und als sie in die Gassen Sahlhausens eintauchten, versuchte Askladd die Priesterin möglichst beiläufig aus ihrer misslichen Lage zu entlassen. Eine Engstelle bot die passende Gelegenheit. Auch hier war es zwar geschäftig, aber seine Größe verschaffte ihm einen gewissen Überblick und in den engen Straßen würde er Domitia schon nicht aus den Augen verlieren.

Sicher führte sie ihn durch das Handwerkerviertel und als sich ihre Schritte schließlich verlangsamten, waren sie ihrem Ziel wohl nahe.

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Domitia di Asturien

Re:Das Waisenhaus in Sahlhausen
« Antwort #2 am: Do., 15. Aug 2019, 12:06 »

Domitia gestand sich ein wie angenehm ihr der Spaziergang mit Askladd behagte. Es war nicht schicklich. Indes, wer beurteilte dies? Ein bisschen bedauerte sie die Trennung an der Engstelle.

Die Freiin ging dem Bogner voraus und betrat das Waisenhaus. Einer der Mönche kam empfing sie, grüßte und schlug das Kreuzzeichen. Domitia erwiderte die Begrüßung, Askladd anschließend vorstellend. “Kommen wir ungelegen?“, fragte sie der Höflichkeit gebietend. Der Mönch schüttelte den Kopf.
„Das Mittagsmahl ist beendet, die Kleinsten von der Amme zu Bett gebracht. Seid Ihr zur Messe oder zum Unterricht gekommen, werte Domitia?“

“Ich spreche gern den Segen, werter Bruder. Vorrangig möchten wir die Kinder mit einer Geschichte erfreuen.“

Der Mönch zog die Stirn kraus. Er war einer der Gestrengen und missbilligte unangekündigte Unterbrechungen des Tagesablaufs. Domitia stand im Rang über ihm, so behielt er seinen Tadel für sich. „Sehr wohl“, entgegnete er steif und führte die Besucher in den Saal für den Gemeinschaftsunterrricht.

“Paladin zum Gruße, liebe Gemeinschaft“, grüßte die Kriegerpriesterin die Kinder. Ein Raunen, ein freudiger Ausruf, und die Ordnung war aufgehoben. Die Waisen drängten sich um Domitia. Von Neugier erfasst beäugten sie den großen Nordmann. Allesamt waren sie ärmlich gekleidet, indes sauber und ordentlich gekämmt. Der Mönch blickte in aller Strenge tadelnd auf das Durcheinander, sein unterrichtender Bruder indes lächelte wohlwollend.

“Kinder, es erfreut mein Herz euch so eifrig zu sehen. Zur Ausweitung des Unterrichts sollt ihr heute über die Nordlande erfahren. Darf ich euch den werten Askladd vorstellen? Er ist ein gewichtiger Mann im Dienste des Königs und viel herumgekommen.“ Lächelnd blickte Domitia zu Askladd auf.



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Askladd

Re:Das Waisenhaus in Sahlhausen
« Antwort #3 am: Do., 22. Aug 2019, 00:02 »

Die Leute hier im Süden hatten ein Talent dafür eine Sache zu sagen und einem doch das Gefühl zu vermitteln, dass sie etwas ganz anderes meinten. So sagte, der Bruder der sie hereinließ, zwar, dass sie nicht ungelegen kamen, sein Blick jedoch drückte etwas anderes aus. Da Domitia darüber hinweg sah, tat auch Askladd so, als wäre es ihm nicht aufgefallen.

Der Mönch, der die Kinder unterrichtete, war viel freundlicher und der Bogner erwiderte das Lächeln. Als er dann die Neugier in den Augen der Waisen sah, wusste der Nordmann warum ihn die Freiin hierher gebracht hatte. Er konnte nur hoffen sie und die Kinder nicht zu enttäuschen, denn im Augenblick wusste er nicht einmal wo er beginnen sollte.

„Nun, ich fälle zwar des Königs Bäume, habe unseren Herrscher aber noch nie zu sehen bekommen“, erläuterte er zunächst einmal seinen Rang. „Und ja, die Nordlande. Man muss einige Tage mit dem Schiff fahren, um sie zu erreichen. Vielleicht habt ihr mal ein Drachenboot im Hafen liegen sehen. Sie kommen von dort und mit einem solchen Schiff bin auch ich nach Dragonia gekommen…“, begann er seine Erzählung. „Ich habe den Norden verlassen, um irgendwo mein Glück, eine neue Heimat oder etwas in der Art zu finden.“ Was ihm ziemlich gut geglückt war, wenn er sich umsah. In die Richtung einer blonden Priesterin zum Beispiel. „Dort hatte ich nichts, das mich gehalten hätte. Ein Gefühl, das ihr vermutlich kennt.“

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Domitia di Asturien

Re:Das Waisenhaus in Sahlhausen
« Antwort #4 am: Do., 22. Aug 2019, 16:34 »

Askladd kannte den König also nicht persönlich. Eines der Mädchen zupfte den Nordmann am Ärmel, aus großen treuherzigen Augen zu ihm aufblickend. "Sei nicht traurig, wir ja auch nicht."

Die Schilderung der Boote machte großen Eindruck. "Haben die Boote Flügel und einen Schwanz?"

"Die Berta hat von einem Feuerdrachen im Hafenbecken erzählt", kam ein Einwurf. "Der hat die Piraten gefres -"  Auf den strengen Blick des Mönchs hin verbesserte sich der Junge. "Aufgegessen."

Domitia legte die Hand vor dem Mund um ein Lachen zu unterdrücken. Ihre Augen indes verrieten das Amüsement, das die ernsthaften Bemerkungen der Kinder in ihr auslösten. Den Blick Askladds auffangend nickte sie dem Bogner zu. Er machte seine Sache gut. Die Kinder hingen an seinen Lippen.

"Mich hält auch niemand im Arm. Armer Askladd." Ein Mädchen sah den Förster bedauernd an.

"Fräulein Domitia kann dich doch in den Arm nehmen." Der Vorschlag des Jungen brachte ihm einen Verweis von dem gestrengen Mönch ein. "Aber - aber - das ist doch sehr heilsam, sagt die Berta."

Domitias Wangen färbten sich rot, indes der unterrichtende Mönch versuchte die Situation zu retten. "Die Nordlande sind von rauem Klima, im Winter kalt und dunkel. Von den Nordleuten wird berichtet, sie seien trotzdem ein fröhliches Volk, das in engen Familienverbänden in Langhäusern lebt, stimmt das, Herr Askladd? Wart Ihr ein Seefahrer oder treibtet Ihr Handel mit  Pelzen und Goldschmiedearbeiten? Oder habt Ihr schon immer Holz bearbeitet?"


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Askladd

Re:Das Waisenhaus in Sahlhausen
« Antwort #5 am: So., 25. Aug 2019, 01:19 »

Askladd konnte ein Lachen nicht ganz unterdrücken, als ihn eines der Mädchen „tröstete“. „Man kann vom König auch kaum erwarten, dass er all seine Untertanen kennt. Dafür ist Dragonia zu groß. Und wer weiß, vielleicht lernen wir ihn noch irgendwann kennen…“

Auch die Vorstellung der Kinder von Drachenbooten erheiterte ihn. „Nein, sie haben eigentlich nur geschnitzte Drachenköpfe“, musste er sie leider ein wenig enttäuschen. „Und das von dem Drachen habe ich auch gehört. Eine Seeschlange und ein Meeresriese sollen auch dabei gewesen sein.“

Als die Kinder dann irgendwie auf die Idee kamen, dass ihn Domitia in den Arm nehmen sollte, war auch Askladd seine Verlegenheit anzumerken. „Also so direkt habe ich das nicht gemeint. Es gibt nichts, das mich hier hält – sagt man das in Dragonia nicht so?“ Hilfesuchend wandte sich der Blick des Nordmannes zu dem unterrichtenden Mönch, der mit den Feinheiten der Landessprache wohl vertraut sein sollte.

Als dieser es vorzog das Thema zu wechseln, ging der Förster bereitwillig darauf ein: „Ja die Winter sind dunkel, doch die langen Abende eignen sich gut dazu Geschichten zu erzählen oder gemeinsam Musik zu machen. In den Sommern sind die Tage dafür umso länger und heller. Und ja, in unserem Dorf lebten alle Leute in solchen Langhäusern. Ich habe das Bognerhandwerk von meinem Oheim erlernt…“

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Domitia di Asturien

Re:Das Waisenhaus in Sahlhausen
« Antwort #6 am: Sa., 31. Aug 2019, 13:56 »

"Wenn du doch ein Zuhause hast, wieso bist du denn fortgegangen?" fragte eines des Mädchen aus großen unschuldigen Augen.

"Ich möchte auch einen Oheim und eine Familie haben",
warf ein kleiner Junge ein und schnäuzte sich in den Ärmel.

Verärgert über die fehlende Disziplin und die Beschmutzung des Kleidungsstücks zog der strenge Mönch dem Jungen die Ohren lang und schimpfte. Beherzt schritt Domitia ein.

"Werter Bruder, ich bitte Euch, lasst ab. Es handelt sich einzig um ein Stück Leinenstoff. Der Schmutz lässt sich mit etwas Wasser umgehend entfernen. Komm mit mir, mein Junge, wir werden unserem verehrten Bruder zeigen wie schnell du wieder sauber bist."

Die Freiin nahm das Kind an der Hand, nicht bemerkend wie der Junge dem Mönch hinter ihrem Rücken frech die Zunge heraus streckte. Askladd einen entschuldigenden Blick zu werfend verließ Domitia den Raum um Berta aufzusuchen und diese zu bitten den Schandfleck auszuwaschen, dem Jungen indes erklärend wie saubere Kleidung Krankheiten fern hielt und zudem die Augen und Nasen von Freunden und Besuchern erfreute. Zudem machte Kleidung Leute, wie es in besseren Kreisen hieß.

Währenddessen baten die versammelten Waisen Askladd um die Geschichte seiner langen Reise und wie es dazu kam in Drachenauge zu landen.

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Askladd

Re:Das Waisenhaus in Sahlhausen
« Antwort #7 am: Sa., 31. Aug 2019, 22:15 »

„Aber mein Zuhause ist doch abgebrannt“, erklärte Askladd und versuchte dabei die Erinnerung soweit zurückzudrängen, dass sie nicht auf seine Stimmung drückten. „Ich war mit meinem Oheim Bögen verkaufen auf der anderen Seite des Fjords – das ist eine schmale tiefe Bucht. Als wir zurückkehrten stand das Dorf nicht mehr. Mein Oheim musste sich eine neue Heimat suchen und weil ich ihm dabei nicht zur Last fallen wollte, beschloss ich auf Wanderung zu gehen, wie es bei Handwerksgesellen Brauch ist.“

Jetzt hatte sich doch ein wehmütiges Lächeln auf Askladds Lippen geschlichen und vielleicht war da ein leichter Glanz in seinen Augen. Dass Domitia mit dem Jungen das Klassenzimmer verlies, bemerkte er kaum. „Ich bin weit herumgekommen, in den Nordlanden. Immer der Küste entlang nach Süden. Etwas milderen Wintern entgegen. Während der kalten Monate musste ich schauen, dass ich ein Dach über dem Kopf habe. Im Frühjahr ging es dann wieder weiter. Und nach ein paar Jahren konnte ich nicht mehr weiter in den Süden. Außer mit dem Schiff natürlich. Also habe ich mein Gesellenstück verkauft, um die Überfahrt bezahlen zu können. So bin ich nach Drachenauge gekommen.“

Wenig war ihm von seinem alten Leben geblieben. Das Säcklein Münzen aus den Nordlanden war ausgegeben, das Bündel Pfeile verschossen, die Kleidung, die er am Leib getragen hatte, zerschlissen. Da waren nur noch die beiden Armbänder, die er übers Meer gebracht hatte. Unbewusst berührte er sie und dachte an seinen Vater und seinen Oheim, die Männer von denen er sie einst erhalten hatte…

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Domitia di Asturien

Re:Das Waisenhaus in Sahlhausen
« Antwort #8 am: So., 01. Sep 2019, 14:38 »

Den Jungen an Berta weiterreichend, kehrte Domitia  im Moment zurück da Askladd seine Erzählung beendete. Auf der Türschwelle stehend registrierte sie mit dem Sinn weiblicher Empathie einen Hauch von Wehmut in der Bewegung, mit der Askladd über die Armbänder strich. Eine Welle der Zuneigung erfasste die Freiin für diesen heimatlosen Mann, tiefgründiger als sie gegenüber den Bedürftigen im Zuge ihrer priesterlichen Tätigkeit empfand. Raschen Schrittes trat sie an den Bogner heran, ihm mitfühlend die Hand auf den Unterarm legend.

"Was uns eint sind die Reise und der Wunsch nach einer neuen Heimat."  Aus ihren Augen sprach ein tiefes Empfinden, das sie selbst nicht einzuordnen verstand. An die Kinder gewandt fügte sie hinzu: "Heimat ist nicht allein der Boden auf dem ihr geboren wurdet, oder die Familie, die ihr verloren habt. Heimat ist zudem der Ort, an dem ihr euch niederlasst, an dem ihr Freunde, Geborgenheit und Liebe findet, wo ihr geschätzt werdet und ihr gutes zu tun vermögt. Die Reise an diesen Ort mag weit und beschwerlich sein, doch Paladin wacht über jeden von uns, und jede Erfahrung auf diesem Weg formt aus uns jenen Menschen, der am Ende des Weges für seinen Einsatz belohnt wird."

Der Mönch, welcher den Unterricht leitete, lächelte, schlug das Zeichen des Paladin und nickte zustimmend. Ungeduldig war einzig der gestrenge Bruder, der von Unruhe ergriffen von einem Bein aufs andere trat. "Der Unterricht sollte alsbald fortgesetzt werden", drängte er, dem eine Unterbrechung der täglichen Routine unangenehm war.

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Askladd

Re:Das Waisenhaus in Sahlhausen
« Antwort #9 am: Mo., 02. Sep 2019, 22:41 »

Askladd schenkte Domitia ein dankbares Lächeln, als diese ihm zeigte, dass sie für ihn da war. Zu ihren Worten über Heimat konnte er nur beipflichtend nicken. Er konnte spüren, wie viel Wert sie darauf legte, dass die Kinder zumindest die Chance bekamen eine solche zu finden.

Als der strenge Mönch wieder zu nörgeln anfing, konnte sich der Bogner ein freches Grinsen nicht verkneifen. „Aber wir haben den Unterricht doch gar nicht unterbrochen. Wir haben nur das Thema ein wenig geändert“, zog er den Mann, der keinen allzu guten ersten Eindruck auf ihn gemacht hatte, ein wenig auf.

„Und eine Kleinigkeit haben wir noch zu erledigen.“ Mit diesen Worten öffnete er einen Stoffbeutel, den er mitgebracht hatte, und holte ein paar Holzfiguren, die er während der letzten Tage geschnitzt hatte, daraus hervor. Eine Hand voll gab er an Domitia weiter, damit sie auch was zum Verteilen hatte.

Es waren zwar keine Kunstwerke, doch sie wirkten stabil und man erkannte die Tiere. Ein Rind, ein Schaf, ein Pferd, ein Bär, ein Fuchs, ein Hirsch, ein Dachs und manches mehr. „Da sollte für jedes von euch eines dabei sein. Aber streitet euch nicht darum, sonst muss ich sie wieder mitnehmen“, sagte er und ließ seinen Blick über die Kinderschar streifen.

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Domitia di Asturien

Re:Das Waisenhaus in Sahlhausen
« Antwort #10 am: Mi., 04. Sep 2019, 14:19 »

Freude leuchtete aus den Gesichtern der Kinder, da Askladd in einem Stoffbeutel Geschenke für sie mitbrachte. In dieser einen Woche, die seit ihrer Verabredung zu diesem Treffen vergangen war, nahm sich der Bogner die Zeit für die Waisen zu schnitzen. Domitia strahlte ob der Herzensgüte des Mannes aus dem Norden. Beglückt nahm sie die Holzfigürchen entgegen und wandte sich den Kindern zu.

“Liebe Kinder, so seht, sind sie nicht wunderbar gestaltet. Welch seltsame Figur, was ist das nur, wer weiß es?“ Viele der Kinder entstammten den ärmlichen Verhältnissen Drachenauges und sahen nie zuvor ein Wildtier. Gegenseitig halfen sie einander die Tiere zu erraten. Da waren ein Pferd, eine Kuh, ein Ziegenbock, aber dies Tier mit den Ästen am Kopf?

„Es wird Hirsch genannt“, verriet die Freiin geduldig, „und sein Kopfschmuck Geweih. Dieser mollige Geselle ist ein Bär. Einem dieser Exemplare begegnet ich einst selbst, meine Furcht war unermesslich, indes Paladin sandte mir seinen Falken und besänftigte den Bären.“

Die Tötung des kranken Tieres verschwieg die Freiin. Es waren ausreichend Figürchen für alle. Hinter ihr trat der Junge mit dem feuchten Ärmel, von Berta entlassen, heran und zupfte an ihrem Ärmel. „Du vergisst mich doch nicht?“

Domitia wandte sich lächelnd um und überreichte ihm den Dachs, der übrig geblieben war. „Niemals könnte ich das. Ich diene dem Gott der Gerechtigkeit,  wie könnte ich da ungerecht handeln. Sieh hier, dies ist Meister Grimbart. Ein ruhiger, besonnener Geselle, nachdenklich und doch streitbar wenn er geärgert wird.“

Der Junge strahlte. „Danke, Herr Askladd“, riefen die Kinder auf ein Zeichen des unterrichtenden Mönchs laut im Chor und lachten vergnügt, da sie sich gegenseitig die Figürchen zeigten und erklärten.

„Haltet dies Geschenk in Ehren, es kommt von einem fleißigen und gütigen Menschen. Es soll euch an diesen Besuch erinnern, wie auch daran dass jede dunkle Stunde eines Tages vorüber geht. Seid tapferen Herzens und frohen Mutes. Möge Paladin über euch wachen und euch segnen alle Tage.“

Ihrem Priesteramt entsprechend schlug Domitia das Kreuzzeichen des Sängers über die gesamte Gruppe und sprach einen Segen.


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Askladd

Re:Das Waisenhaus in Sahlhausen
« Antwort #11 am: Mo., 09. Sep 2019, 22:36 »

Seine kleinen Geschenke kamen besser an, als Askladd sich erhofft hatte. Und auch die Befürchtung es könne Zank um besonders beliebte Tiere entstehen, erwies sich als unbegründet. Alle Kinder schienen mit ihrem Figürchen zufrieden zu sein und zeigten es voller Freude den anderen. Das war eine Ergänzung des Unterrichts, die dem verbissenen Mönch gewiss nicht gefallen würde. Aber der Lehrer konnte damit umgehen und das war die Hauptsache.

Bei ein paar Tieren musste der Nordmann dazusagen, um was es sich handelt. Die Waisen waren wohl zum Teil nicht weit herumgekommen. Oder gab es in Dragonia keine Kampfläufer? Zum Glück reichten die Figuren und als sich alle Kinder artig bei ihm bedankten, grinste der Bogner verlegen. Den Abschiedsworten Domitias hatte er nichts hinzuzufügen und so winkte er nur in die Runde, bevor sie den Raum verließen.

„Ich kann verstehen, warum du die Rasselbande ins Herz geschlossen hast“, meinte er auf dem Weg nach draußen. „Sie haben es echt nicht leicht und doch können sie solche Begeisterung ausstrahlen und sich über die einfachen Dinge im Leben freuen. Oder gerade deshalb?“

Vor der Tür angekommen, brachte die frische Luft den Bogner auf andere Gedanken. „Jetzt bin ich aber gespannt auf den Zuchtstall. Hoffentlich haben sie dort schöne Pferde für uns. Wollen wir direkt dorthin, oder hast du zuvor Appetit auf eine Kleinigkeit?“

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Domitia di Asturien

Re:Das Waisenhaus in Sahlhausen
« Antwort #12 am: Di., 10. Sep 2019, 14:18 »

"Wer wenig Zuwendung erhält und wenig besitzt ist dankbar für Paladins Güte und die Gaben seines Nächsten. Nur wer übersättigst ist in seinem Besitz suhlt sich im Unglauben, giert geradezu nach der Empfindung des Hungers und der Leere, um der Empfindung nach Erfüllung habhaft zu werden. Derart entstehen Neid und Missgunst. Keines der Waisen neidete dem anderen sein Geschenk. Ein begütertes Kind hingegen wäre zänkisch und wollte besitzen, das dem anderen gehört, von dem eigenen unbefriedigt."

Ehe sie den Weg zu Paladin fand hatte Domitia dies am eigenen Leib erfahren, hatte dem Bruder die scheinbare Freiheit missgönnt, die in Adelskreisen dem Jungen gegenüber dem Mädchen gewährt ward. Wie sehr ihr Bruder unter dem strengen Auge des Vaters litt, gezwungen zu Waffentraining und der Lehren von Mathematik, Diplomatie und Geschichte, vermochte das von der Mutter behütete Mädchen nicht zu sehen, von der Langeweile beim Sticken, Singen und dem Geplauder der Frauen erdrückt.

"In den Predigten heißt es, es ist der Arme, der sein kärglich Mahl mit dem Bedürftigen teilt, während der Reiche unachtsam vorüber geht."

Auf der Straße angekommen nahm Domitia die Gelegenheit wahr Askladd persönlich zu danken. Freundschaftlich berührte ihre Hand in zarter Anteilnahme seinen Unterarm.

"Sei bedankt für deine Freundlichkeit. Die Kinder sahen voll Achtung zu dir auf. Du brachtest Sonnenschein in ihre Herzen. Doch nun zu anderem. So du mir die Möglichkeit lässt zu wählen, wäre es mir angenehm zuvor die Kathedrale aufzusuchen mich bequem  zu kleiden. Alsdann wäre der Weg zum Zuchtstall mein bevorzugtes Ansinnen um hinterher den Appetit zu stillen. So dir dies im selben Sinne zupass kommt."


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Askladd

Re:Das Waisenhaus in Sahlhausen
« Antwort #13 am: So., 15. Sep 2019, 11:47 »

-> vom Waisenhaus kommend

Askladd nickte nachdenklich. Vielleicht war Neid wirklich vor allem ein Problem derer, die eigentlich eh schon alles hatten. War er in seiner Jugend stärker davon betroffen gewesen, als während seiner Wanderjahre? Er hatte durchaus mit seinem Bruder um Spielzeuge gestritten, aber das erschien ihm zwischen Geschwistern irgendwie normal.

Domitias dankende Worte trieben dem Bogner etwas Röte in die Wangen. „Das habe ich wirklich gern gemacht“, versicherte er während sie sich auf den Rückweg machten. „Natürlich können wir zuerst die Kathedrale aufsuchen“, stimmte er zu. Er hatte zwar jetzt schon ordentlich Appetit, aber das war ohnehin fast immer der Fall.

Auf dem Markplatz angekommen, zögerte Askladd ein wenig. Er musste fast schreien, um über den Trubel hinweg, der sich inzwischen eingestellt hatte, gehört zu werden. „Soll ich wieder beim Brunnen warten oder kann ich mich vielleicht ein wenig im Kirchenschiff umblicken?“

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Domitia di Asturien

Re:Das Waisenhaus in Sahlhausen
« Antwort #14 am: Mo., 16. Sep 2019, 11:19 »

"Es ist mir angenehm die Priesterrobe zu tragen, indes für den Besuch in einem Pferdestall scheint sie mir ungeeignet. Einzig Wanderprediger treten ungeachtet ihrer Sauberkeit vor die Gläubigen. In der Kathedrale indes wird Wert auf ein tadelloses Erscheinungsbild gelegt. Du magst mich gerne begleiten."

Ein reizendes Lächeln auf den Antlitze gab Domitia ihrem Begleiter zu verstehen ihr zu folgen.

-> Kathedrale

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