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   Autor  Thema: Von Feuern und Feiern (Kulturaustausch mit den Grünhäuten) (Gelesen 1796 mal)
Phelan

Re:Von Feuern und Feiern
« Antwort #90 am: So., 17. Feb 2019, 17:31 »

„Gemeinsam können die Schamanen des Stammes einen Weg öffnen, über den der Feuerbringer zu erreichen ist“, zeigte sich Grashna zuversichtlich. Nicht einmal Phelan vermochte es das leise Zittern eines Zweifels in ihren Worten wahrzunehmen. „Wir können den Zugang offen halten und bewachen, damit kein ungebetenes Wesen ihn in die eine oder die andere Richtung durchschreitet. Außerdem würde mein Sohn euch begleiten, soweit jemals ein Ork diesen Weg gegangen ist. Vielleicht auch weiter, denn ich würde ihm die wichtigsten Zaubermittel des Stammes anvertrauen. Zudem würde ich versuchen mindestens einen der Ahnen zu überzeugen mit euch zu kommen.“ Damit wären ihre Möglichkeiten die Sache zu unterstützen ziemlich ausgeschöpft.

„Es ist ein seltsames Land, durch das der Weg führt, und man kann sich nie ganz sicher sein, was genau einen erwartet. Doch die Geister lieben es jene, die ihr Reich betreten, zu prüfen. Dazu führen sie sie an so seltsame Orte, wie das Kldafbyn, das ‚Was hätte sein können‘. Sich auf solche Prüfungen vorzubereiten ist nicht leicht, aber ich denke Ihr seid dafür gut gerüstet. Ihr habt bereits mehr gesehen als die eine Wirklichkeit, die von den meisten Sterblichen für die einzige gehalten wird. Es ist wahrscheinlich, dass die Schamanen anderer Stämme versuchen würden Einfluss auf Eure Reise zu nehmen. Aus ihren eigenen Gründen und mit ihren eigenen Zielen…“

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Myriel

Re:Von Feuern und Feiern
« Antwort #91 am: Mi., 20. Feb 2019, 09:32 »

Mit ausdruckslosem Gesicht betrachtete Myriel die alte Schamanin. Dafür, das sie gestern erst bemerkt haben wollte, das die Ahnen auf sie reagierten, war ihre Vorstellung davon wie man die Sache angehen könnte schon sehr konkret. Es klang eher so als wäre das Ganze von langer Hand geplant.

Wenn ihr Euren Sohn mitschicken wollt, scheint Ihr die Aussicht auf Erfolg nicht als unmöglich einzuschätzen.

Orks waren ein kriegerisches Völkchen und in einem Zwischenreich zu sterben war sicher kein ehrenvoller Tod für sie.

Ich fürchte die Prüfungen der Geister nicht. Ich werde die Vorbereitungen treffen, die nötig sind. Gibt es einen Zeitpunkt, an dem es am günstigsten ist das Portal zu öffnen?

Oft gab bestimmte Mondstände, die Rituale begünstigten, oder Sternkonstellationen, die benötigt wurden.

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Phelan

Re:Von Feuern und Feiern
« Antwort #92 am: Do., 21. Feb 2019, 07:34 »

„Einen Teil dieses Weges ist fast jeder junge Schamane schon gegangen. Auch ich bilde da keine Ausnahme. Doch wie so viele andere vor mir, war ich zur Umkehr gezwungen“, erklärte Grashna. „Ich hoffe die Ahnen behalten mit ihrer Einschätzung, was euch betrifft, recht. Ja, wir werden einen günstigen Zeitpunkt abwarten. Aber wann der genau eintreten wird, kann ich leider nicht sagen. Die Geister sind launisch und teilen ihr Wissen, wann immer sie es für angemessen halten. Ich werde zu euch kommen, wenn ich mehr sagen kann.“

Langsam schlossen sich die schweren Lider wieder über den trüben Augen der Orkin. War dies ein Zeichen, dass das Gespräch beendet war? Tatsächlich sagte sie: „Euer Gefährte wird ungeduldig. Nur selten nehmen sich Krieger die Zeit, die sie bräuchten, um uns so genau zuzuhören, wie sie es sollten. Und ich muss mich auf das Ritual, für das der Stamm zusammengekommen ist, vorbereiten. Wir sprechen uns wieder, Hoffnungsträgerin.“


„Ich hätte es schon noch ein wenig ausgehalten“, bemerkte Phelan auf dem Weg aus der Höhle, da er sich irgendwie zu Unrecht für seine angebliche Ungeduld gerügt fühlte. Er hatte sogar zugehört, ohne dass seine Gedanken während des Gesprächs allzu weit abgedriftet waren. Draußen waren mehr Trommeln zu hören, als beim Betreten der Grotte. Und sie hatten nun nichts mehr mit wilden Kriegstänzen gemein. Dies waren Rhythmen, die Grenzen überwanden, Brücken schlugen und dazu dienten den Ahnen näher zu sein. Und in ihrer Intensität übertrafen sie alles, was sie bislang gehört hatten.

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Myriel

Re:Von Feuern und Feiern
« Antwort #93 am: Mo., 11. Mär 2019, 14:47 »

Hoffnungsträgerin? Myriel blinzelte erstaunt. Man hatte sie schon als vieles bezeichnet, aber nicht im entferntesten als Hoffnungsträgerin. Die Schwarzmagierin stand auf, verneigte sich leicht vor der alten Schamanin und sagte ein wenig kryptisch:

Bis wir uns wiedersehen.

Dann verließ sie mit Phelan die Höhle, der aus irgendeinem Grund glaubte sich verteidigen zu müssen.

Aber vielleicht hättest Du dann nicht mehr richtig zugehört. Sie hat Dich nicht ohne Grund mit eingeladen. Schamanen tun selten etwas ohne Grund, auch wenn dieser nicht immer offensichtlich zu erkennen ist.

Draußen erklangen die Trommeln wieder, und Myriel fühlte deutlich, das ihr Rhythmus heute eine andere Bedeutung hatte als am Vortag.

Was spürst Du, wenn Du den Trommeln zuhörst Rion?

Interessiert sah sie ihn an. Magie war nicht unbedingt sein Lieblingsgebiet, aber die Lehren, die sich um den Geist drehten waren seiner Gilde nicht unbekannt.

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Phelan

Re:Von Feuern und Feiern
« Antwort #94 am: Mo., 11. Mär 2019, 23:08 »

„Ja, dass sie einfach dazusagt, warum sie etwas tut, scheint zu viel verlangt zu sein“, konnte Phelan nur zustimmen. Da ihm gerade nicht danach war sich groß den Kopf über die Gründe der Schamanin zu zerbrechen, tat er die Sache einstweilen mit einem Schulterzucken ab.

Was spürte er bei den Rhythmen der Trommeln? Unwillkürlich blieb der Wolfsmann stehen, schloss die Augen und verfiel in ein Atemmuster, das er einer Schrift des Ordens des Seins entnommen hatte und das dabei helfen sollte „zu sich selbst zu finden“, was auch immer damit gemeint war.

Die Trommelschläge waren intensiv, die Töne schienen in seinen Körper zu dringen und in Bauch und Lunge mitzuschwingen, so dass er kein feines Gehör gebraucht hätte, um sie zu spüren. Doch es gab auch feine, kunstvoll eingewobene Obertöne, die selbst für ihn an der Grenze des noch wahrnehmbaren schwebten. Und irgendwo in dem Geflecht schien es einen Takt zu geben, der sich seinem Herzschlag anpasste. Oder war es anders herum?

„Ich spüre Nähe“, meinte Phelan, als er nach einer Weile die Augen wieder aufschlug. Doch Nähe wozu? Da war er sich nicht ganz sicher. „Zu etwas das vertraut ist und das doch nicht hier sein sollte… Eine Vertrautheit, die fast beruhigend wirkt, aber eben nur fast.“

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Myriel

Re:Von Feuern und Feiern
« Antwort #95 am: Mi., 13. Mär 2019, 14:31 »

Myriel nickte Phelan zu und lächelte. Sie hatte vermutet das er zu spirituellen Dingen eher einen Zugang fand als zur Magie und hatte damit Recht behalten.

Du spürst Geister Rion. Diese Musik - sie schafft es irgendwie die Grenzen zum Totenreich aufzuweichen. Ich weiß nicht genau wie sie es machen, aber es funktioniert ganz offensichtlich. Das es Dir nicht ganz geheuer ist, liegt daran, das uns nicht alle Geister wohlgesonnen sind. Komm mit. Lass uns eine ruhige Ecke suchen, dann können wir einen Blick hinüber in die Geisterwelt werfen, wenn Du es möchtest.

Sie reichte Rion die Hand und schritt gemächlich mit ihm gemeinsam zum Lager zurück. Die Stimmung war ruhiger als am Abend zu vor, auch die Orks spürten die Nähe der Verstorbenen und brachten ihnen Achtung entgegen.

Ich glaube inzwischen die Orks nutzen dieses Fest um mit ihren Ahnen zu sprechen. Geister sind nur selten in der Lage sich verständlich zu machen, aber es würde mich nicht wundern wenn sie es heute tun, denn die Trommeln bringen sie sehr nah an uns heran.

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Phelan

Re:Von Feuern und Feiern
« Antwort #96 am: Mi., 13. Mär 2019, 21:12 »

„Geister?“ Phelan war anzusehen, dass ihm ein halbes Dutzend Gegner aus Fleisch und Blut lieber gewesen wären. „Die Grenzen zum Totenreich aufzuweichen hört sich gefährlich an. Ich hoffe, dass die Orks wissen, was sie da tun.“

Nur zu gern ergriff der Wolfsmann Myriels Hand. In dieser Situation ging es ihm nicht nur um die Nähe seiner Gefährtin. Es tat gut die Berührung einer lebenden Person zu spüren. Er musste seinen ganzen Schneid zusammennehmen, um dem Vorschlag der Druidin zuzustimmen. „Gut, werfen wir einen Blick in die Geisterwelt“ bekräftigte er mit einem Nicken und halbwegs gut verborgenem Unbehagen in der Stimme.

Für eine Erzmagierin war ein solcher Ausflug wohl nicht so ungewöhnlich, wie für einen Krieger. Doch er wusste, dass Myriel diese Idee nicht ausgesprochen hätte, wenn sie nicht überzeugt wäre, dass sie für seine Sicherheit sorgen konnte. Und eine gewisse Neugierde konnte er nicht leugnen. Vielleicht würde er so zumindest einen vagen Eindruck davon bekommen, was die Druidin im Totenreich durchgestanden hatte.

„Hoffentlich bilden sich die Elfen nicht ein, die einzigen zu sein, die mit ihrer Musik die Welt verändern können“, bemerkte er mit einem schiefen Grinsen. „Diese Trommeln haben es ja echt in sich.“ Auch wenn er nicht ganz verstand, wieso man die Geister überhaupt so nahe an sich heranlassen wollen sollte.

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Myriel

Re:Von Feuern und Feiern
« Antwort #97 am: Di., 02. Apr 2019, 17:47 »

Die Grenzen bewusst aufzuweichen ist nicht so gefährlich wie es sich anhört. An gewissen Orten passiert das sogar auf ganz natürliche Weise. Auf Friedhöfen zum Beispiel, in der Stunde zwischen Nacht und Tag, wenn die Sonne kurz davor ist aufzugehen aber den Horizont noch nicht ganz erreicht hat und die Nebelschwaden sich noch zwischen den Grabsteinen hindurchziehen wie Spinnweben. Dann sind auch dort die Geister ganz nah und hin und wieder kann man einen von ihnen sehen. Gefährlich wird es erst dann, wenn man einen Übergang erschafft. Stell es Dir wie eine Tür vor die geöffnet wird. Deshalb wird Utz Mutter uns auch nicht begleiten, falls wir uns auf die Suche machen sollten. Sie muss die Tür bewachen, damit nichts hinaus kommt, was dahinter bleiben soll.

Myriel war der Meinung, das Dinge, die man verstand, deutlich weniger Angst machten als das Unbekannte, und versuchte daher möglichst viel zu erklären. Sie lenkte ihre Schritte zu einem Platz in der Nähe der Trommeln, abgelegen genug um niemandem im Weg zu sein, und doch so gelegen das die Schamanen der Stämme sie im Blick hatten und im schlimmsten Notfall eingreifen konnten.

Setz Dich.

Myriel steckte einige Holzstäbchen in den Boden und zündete ihre Spitzen an. Sie glommen merkwürdigerweise nur und brannten nicht, doch Phelans feine Nase erfasste rasch das sie in eine Kräutermischung getränkt worden waren, denn der Rauch der davon aufstieg roch nach Minze, Beifuß, Rosmarin, Kampfer und Birke. Dann setzte sich die Druidin dem Lykantrophen im Schneidersitz dicht gegenüber und gab ihm Anweisungen.

Schließ die Augen. Versuche Dich auf die Trommeln zu konzentrieren und ihren Rhythmus in Dich aufzunehmen. Atme tief und ruhig. Versuche Deinen Herzschlag so sehr zu verlangsamen, wie es nur irgendwie geht.

Dann sagte Myriel für eine ganze Weile lang nichts mehr und überließ es Trommeln und Räucherwerk ihre Arbeit zu tun. Ihr eigener Geruch mischte sich unter den Duft der Kräuter und irgendwann hatte Phelan den Eindruck, das er sie fast sehen konnte, obwohl seine Augen geschlossen waren. Die schmale Hand der Druidin legte sich in seinen Nacken, dann zog sie ihn vorwärts.

Komm.

Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern in den lauten Schlägen der Trommeln, und doch erschien sie ihm deutlicher zu sein als die dumpfen Klänge. Er hatte das Gefühl vorüber zu kippen, die Geräusche der realen Welt hörten sich allmählich so an, als ob er eine dicke Bettdecke über seinen Kopf gezogen hätte. Und als er die Augen öffnete, da war das Lager der Orks um ihn herum verschwunden, obwohl das so ganz nicht stimmte. Er konnte noch immer die Zelte sehen, doch sie schienen nicht wirklich zu sein, sahen aus wie Schattenrisse und hatten all ihre Farbe verloren. Auch die Feuer brannten noch, doch sahen sie wie ein Negativ ihrer selbst aus, strahlten in unnatürlichem weiß in die Dunkelheit ohne Wärme auszustrahlen. Überhaupt schien die ganze Welt kalt zu sein, und auch wenn er selbst nicht fror wusste er, das es so war. Er selbst hatte die astrale Gestalt eines Wolfes angenommen, schimmerte in bläulichem Weiß und konnte, wenn er seine Pfote vor die Augen hielt, fast hindurch sehen, als ob sie unwirklich wäre, kaum mehr als ein Nebelschwaden.
Myriel stand nur einen Schritt von ihm entfernt und beobachtete ihn. Jeder letzte Rest von Farbe schien aus ihrem Gesicht gewichen zu sein. Auch sie strahlte in diesem seltsamen bläulichem weiß, ihr vormals schwarzes Kleid hatte seine dunkle Farbe verloren und nur die langen Haare waren so rabenschwarz wie zuvor. Sie streckte die Hand in Phelans Richtung aus und winkte ihn näher zu sich heran. 

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Phelan

Re:Von Feuern und Feiern
« Antwort #98 am: Di., 02. Apr 2019, 21:01 »

Die Druidin wähle sorgfältig einen Ort, der abgelegen war und sich doch in Sichtweite zu den Schamanen befand. Dort setzten sie sich einander gegenüber im Schneidersitz, einer Position, die der Lykantroph von seinen Meditationen beim Orden des Seins her gewöhnt war, hin. Sie waren einander so nahe, dass sich ihre Knie beinahe berührten und Phelan konnte mit dem Geruch des Räucherwerks auch Myriels Duft in sich aufsaugen. Er folgte ihren Anweisungen und es fiel ihm leicht sich auf seinen Atem und seinen Herzschlag zu konzentrieren. Hierbei spielten wohl die Lehren seiner Gilde eine Rolle. Nach einer Weile glaubte er seine Gefährtin trotz der geschlossenen Lider zu sehen. Lag es daran, dass sich Wolfsmenschen auch auf andere Sinne als das Augenlicht zu verlassen wussten? Aber warum hatte er es dann noch nie in dieser Form erlebt?

Als die Erzmagierin an seinem Nacken zog, wehrte sich der Krieger nicht dagegen. Er ließ sich nach vorne fallen, aus seinem Körper heraus und seiner Gefährtin entgegen. Plötzlich waren die Geräusche um ihn herum gedämpft, als wäre er untergetaucht. Mit Ausnahme von Myriels Stimme zumindest. Nun gab er seiner Neugierde nach und öffnete seine Augen. Sie waren nicht mehr im Lager der Orks. Zumindest sah es nicht mehr so aus, wie er es kennengelernt hatte. Die Welt um sie herum war verblasst. Nur Schemen und Schatten waren von ihr geblieben. Kalte Lagerfeuer brannten in geisterhaftem Weiß ohne die Dunkelheit wirklich zurückzudrängen.

Als er an sich selbst herunterblickte, sah er Pfoten, die weit tierischer wirkten als seine üblichen Pranken. Und auch das sein Fell war nicht mehr schattenhaft schwarz, sondern hatte ein gespenstisches Blauweiß angenommen. Eine kalte Farbe, wie er sie vom Ewigen Eis auf den höchsten Gipfeln der Drachenberge her kannte.

Der Nebelwolf rieb seine Schnauze an der Hand der durchscheinend bleichen Myriel, die wie ein Phantom einen Schritt von ihm entfernt gewartet hatte. Ein Wind, den Phelan nicht spüren konnte, schien mit ihrem langen rabenschwarzen Haar zu spielen. Doch das Raubtier interessierte sich vor allem dafür, ob sie auch in dieser Welt einen Geruch verströmte, dem er im Fall, dass sie sich verloren, folgen konnte. Und er fragte sich, ob ihm auch hier seine Klauen und Zähne von Nutzen waren, oder ob er ohne sie völlig hilflos wäre. Aus seinen Augen, in denen hier blaues Feuer brannte, sah er seine Gefährtin an. „Ich folge dir.“ Er war sich nicht sicher, ob er es ausgesprochen oder den Gedanken auf direktere Art geteilt hatte, aber es beruhigte ihn zu wissen, dass er auch in dieser Gestalt kommunizieren konnte.

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Myriel

Re:Von Feuern und Feiern
« Antwort #99 am: Mi., 03. Apr 2019, 23:01 »

Myriels Hand streichelte über den Kopf des Wolfes und blieb dann auf seiner Schulter liegen. Auch ihr Geruch hatte sich verändert, war längst nicht mehr so intensiv wie sonst, roch irgendwie anders, auch wenn er Phelan nicht unvertraut war. Es war eher so, als wären alle lebendigen Teile daraus verschwunden und hätten nur den Hauch des Todes zurückgelassen, der Myriel seit ihrer Wiedererweckung stets unterschwellig anhaftete.

Sanft dirigierte die Druidin ihren Gefährten einen Hügel hinauf, von dem aus sie zumindest ein Stück des schattenhaften Orklagers überblicken konnten. Von hier aus konnte man sehen, das aus allen Richtungen geisterhafte Erscheinungen näher kamen, als ob die Trommeln ein Leuchtfeuer wären, das sie alle hierher lockte. Myriel setzte sich neben den Geisterwolf in das schattenhafte Gras. Einer der Geister zog neben ihnen vorbei, schwebte mehr als das er lief, und hatte eindeutig eine orkische Figur. Doch sein Geruch war anders als der Druidin, scheinbar hatte jeder Tote seinen einenen Geruch, ebenso wie es die Lebenden hatten.

Sie kommen um zu sehen. Und manche, die die stark genug sind, werden sich vielleicht sogar zeigen. Aber ich glaube die meisten Schamanen wechseln hier hinüber um mit ihnen zu sprechen.

Als wäre es das normalste von der Welt hatten sich die Finger der Druidin tief in das durchsichtige Fell vergraben und ihre Hand schien dabei mit dem Nacken des Wolfes zu verschmelzen.

Dies ist ein heiliger Ort für die Orks, auch wenn ich mir sicher bin das sie einen anderen Begriff dafür benutzen. Ich weiß nicht genau wie sie es machen, aber sie halten die "bösen" Geister fern. Verirrte Seelen, rachsüchtige Geister, all die Gefahren die da draußen lauern. Es ist dort nicht überall so hübsch wie hier.
« Letzte Änderung: Do., 04. Apr 2019, 20:52 von Myriel »
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Phelan

Re:Von Feuern und Feiern
« Antwort #100 am: Do., 04. Apr 2019, 20:48 »

Myriels Berührungen beruhigten den Wolf trotz der ungewohnten Umgebung. Zutraulich rieb er seinen Kopf an ihrer Hand. Er roch an ihr vor allem die Noten, die seit ihrer Rückkehr dazugekommen waren. Doch es war zumindest ein Teil ihres vertrauten Duftes und auch wenn die Gerüche hier dünner zu sein schienen, traute er sich zu sie auf Rufweite auch mit verbundenen Augen zu finden. Zufrieden mit dieser Erkenntnis trotte er an der Seite seiner Gefährtin den Hügel hinauf. Oben angekommen setzte er sich auf die Hinterläufe und genoss den auf schaurige Weise schönen Ausblick.

Geisterwesen steuerten auf die Erhebung zu, wie Motten auf die Flamme einer Kerze. Phelans eisblaue Augen folgten einem von ihnen, der besonders nahe an ihnen vorüberzog. Trotz seiner schemenhaften Gestalt war noch gut der Ork in ihm zu erkennen. Obwohl ihm der Ritus noch immer etwas unheimlich war,  konnte er dem Gedanken mit den Verstorbenen sprechen zu können, einen gewissen Reiz nicht aberkennen. Welche Ratschläge hätte seine Großmutter heute wohl für ihn? Sie war eine kluge und lebenserfahrene Frau gewesen.

„Dann wird es hier also bald voller?“ Ein gewisses Bedauern schwang in den Worten des Wolfes mit. Er genoss es hier allein mit seiner Gefährtin zu sitzen und die fremdartige Landschaft auf sich wirken zu lassen. Er stieß ein wohliges Grummeln aus, als Myriel sein Nackenfell kraulte. Der Hügel und die darin verborgene Höhle warten tatsächlich besondere Orte. Soviel hatte sogar der Krieger gespürt.

„Die Schamanen schützen den Ort also irgendwie.“ Eine neue Achtung für die weisen Grünhäute war ihm anzumerken. Sie wussten wohl sehr genau, was sie taten wenn sie die Grenzen zum Reich der Geister aufweichten. „Und keine Welt ist überall hübsch. Bedauerst du, dass du ohne gefragt worden zu sein in die unsere zurückgeholt worden bist?“

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Myriel

Re:Von Feuern und Feiern
« Antwort #101 am: Do., 04. Apr 2019, 21:26 »

Myriel hatte den Blick in die Ferne gerichtet und sah Phelan nicht an.

Ich denke schon, das es noch voller wird. Aber sicher weiß ich es nicht.

Von weit weg wurde ein Geräusch herüber getragen, leise, und für Myriel kaum hörbar, doch als Lykantroph hatte Phelan deutlich bessere Ohren als sie.

Hörst Du das? Das ist ein Klageweib. Halte Dich möglichst fern von ihnen, solltest Du jemals in dieser Welt unterwegs sein. Ihr Kreischen lässt Deine Ohren bluten.

Ihre Fingerspritzen strichen vom Nacken hinauf bis zu seinen Ohrenspitzen und wieder zurück.

Ob ich es bereue wieder unter den Lebenden zu sein? Eine interessante Frage, die ich mir noch nicht gestellt habe. Ich hatte ja keine Wahl. Und wenn ich eine gehabt hätte? Vielleicht hätte ich das Totenreich gewählt. Ich habe dort einen alten Bekannten getroffen, der mich beschützt hat, und der selbst hier nichts zu fürchten hatte, denn hier sind die alten Götter noch stark, und einer von ihnen hält seine schützende Hand über ihn.

Eine gewisse Wehmut klang in ihrer Stimme mit, als ob sie über einen geliebten Menschen sprach, den sie vor vielen, vielen Jahren verloren hatte.

Was dagegen hat mich hier erwartet? Ein Gott, der mich lediglich als Hülle und Mittel zum Zweck benutzt hat. Doch wenn ich heute vor der Wahl stehen würde, würde ich mich für das Leben entscheiden. Ich genieße Deine Nähe Rion. Und Deine Wärme. Hier ist es ewig kalt. Und mit der Kälte sterben auch die Gefühle.

Sie zog den geisterhaften Umhang enger um sich, als ob ihr kalt wäre. Dennoch war die Kälte überall, durchdrang die Luft, den Boden, ihre Körper.

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Phelan

Re:Von Feuern und Feiern
« Antwort #102 am: Do., 04. Apr 2019, 22:48 »

Phelans Fell sträubte sich in alle Richtungen, als er das Gejammer des Klageweibs hörte. Den Rat Myriels würde er sich zu Herzen nehmen, denn er hatte das Gefühl seine Ohren würden schon bluten, wenn er in einem materiellen Körper hier gewesen wäre. Als sie so wehmütig von einem alten Bekannten im Totenreich sprach, lagen ihm einige Fragen auf der Zunge, doch er entschied sich letztendlich doch dazu über dieses Thema zu schweigen. Es lag in der Vergangenheit, sie beide hatten ihr eigenes Leben gehabt, ehe sie einander so nahe gekommen waren. Er wusste, dass er nicht der erste Mann in ihrem Leben war, aber auch dass er ihr hier und jetzt voll und ganz vertrauen konnte. Doch es blieb ein schales Gefühl von Neid, da er wusste, dass er sie an einem Ort wie diesen nicht würde schützen können wie jener alte Bekannte.

Doch als sie weitersprach, war auch das vergessen. Heute würde sie sich für das Leben, für ihn, entscheiden. Ein größeres Kompliment konnte sie ihm kaum machen. Zutraulich wie ein Hund drängte er sich dichter an ihren schlanken Körper, als könne er sie so mit seinem geisterhaften Fell und seinem immateriellen Körper wärmen. Doch hier in diesem Land ewiger Kälte war es nur eine Geste ohne Wirkung.

„Ich bin froh, dass ich egoistisch genug war mitzuhelfen dich dem Tod zu entreißen“, gab er zu. Das war noch gewesen, bevor er sich seine Gefühle für die Magierin eingestanden hatte. Er hatte als Grund vorgeschoben, dass er sie für seine Rachepläne brauchte. „Und ich bin froh, dass ich deine Geduld nicht überstrapaziert habe. So viele Gelegenheiten hatte ich gar nicht verdient.“

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Myriel

Re:Von Feuern und Feiern
« Antwort #103 am: Fr., 05. Apr 2019, 11:11 »

Manchmal muss man erst das Gefühl haben etwas zu verlieren, bevor man erkennt das man es haben will. Woran hast Du es erkannt? Was hat Dich so lange warten lassen?

Die Druidin schmiegte sich an den Wolf und die Ränder ihrer Gestalten überlappten einander, gingen fließend ineinander über.

Kannst Du spüren wie die Kälte anfängt an Deiner Seele zu nagen? Je länger man hier ist, desto weniger bleibt davon übrig. Ein Teil von meiner ist hier zurückgeblieben, unwiderruflich verloren. Stell Deine Fragen, wenn Du welche hast. Stell sie jetzt, denn hier schmerzen  Erinnerungen nicht mehr. Lange können wir nicht mehr bleiben. Ich höre wie sie anfangen mich zu rufen.

Ihr Blick irrte wieder in die Ferne, als ob es dort etwas gab, das sie zu sich holen wollte. Irgendwo da draußen in der Dunkelheit saß es und lauerte.

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Phelan

Re:Von Feuern und Feiern
« Antwort #104 am: Sa., 06. Apr 2019, 10:42 »

Es war eine faszinierende Erfahrung einander in dieser Geistergestalt so nah zu sein, dass man fast miteinander verschmolz. Und es fühlte sich auf seltsame Weise ziemlich gut an. „Es war wohl mehr als ein Gefühl dich zu verlieren. Aus dem Reich der Toten hätte ich dich nicht zurückholen können, wenn es nicht mächtigeren Wesen gedient hätte. Und auch so war ich nur eine der unwichtigeren Figuren auf ihrem Spielplan.“ Phelan schauderte bei dem Gedanken, wie nahe er daran gewesen war sein momentanes Glück niemals kennenzulernen. „Und es gibt viele Gründe dich zu mögen.“ Für viele Leute hätten solche Worte über die ehemalige Seelenträgerin vielleicht nach Spott geklungen, aber Myriel kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass er sie ernst meinte. „Was genau den Ausschlag gab, ist schwer zu sagen. Ich bin mir nicht einmal sicher, wann es passiert ist. Ich weiß nicht, ob es dir schon aufgefallen ist, aber ich kann unglaublich stur sein. Und ich mag es nicht meine Meinung über andere zu ändern. Einzuräumen, dass ich jemanden falsch eingeschätzt habe.“ Auch wenn sein erstes Bild der Zauberin wohl nicht unbedingt falsch gewesen war. Sein Blickwinkel hatte sich geändert. „Wobei ich zugeben muss, dass ich von Anfang an beeindruckt von dir war – so sehr, dass ich nachts zitternd auf meiner Pritsche lag.“ Heute hatte er selbst bei solchen Erinnerungen an die Erzmagierin ein verliebtes Lächeln auf den Lippen. Etwas, das in rein wölfischer Gestalt nicht leicht war.

„Du bist eine selbstbewusste Frau, die weiß was sie will. Ich brauchte eine Weile, bis ich mir vorstellen konnte, dass eine solche Frau tatsächlich mich wollen könnte. Du hast so viel erlebt, warst einem Gott so nahe… Dagegen fühlte ich mich fast wie ein Welpe, ich hatte das Gefühl mich beweisen zu müssen. Mehr mir selbst, als dir gegenüber. Ich tat mich ja schwer ein paar Wölfe anzuführen. Etwas in mir sträubte sich dagegen Shir Khan den Gefallen zu tun und ein guter Unteranführer für ihn zu sein. Zugleich hatte ich längst einen Weg eingeschlagen, von dem es kein Zurück gab. Ich habe unnötig lange gebraucht, um meinen Teil des Versprechens einzulösen und meine Position im Rudel zu festigen.“ Streng genommen hatte Phelan das Versprechen wohl erst wirklich erfüllt, nachdem Myriel und er ein Paar geworden waren.

„Außerdem haderte ich lange mit meiner Wolfsgestalt und der Zurückweisung durch jemanden, von dem ich das nicht erwartet hätte. Aber schon lange bevor ich es mir eingestanden oder dir gezeigt habe, waren da Gefühle. Du bist die Frau, die mich niemals wie ein Monster ansehen wird. Du wirst niemals meine Schwachstelle sein, wenn ich mir jemanden wie Shir Khan zum Feind mache. Und zugleich habe ich nicht das Gefühl ein nutzloses Anhängsel in deinem Leben zu sein. Ich mag dir nicht in jedem deiner Kämpfe zur Seite stehen können, aber manche Probleme lassen sich mit Muskeln und scharfen Klauen effektiver lösen als mit Magie. Und jeder braucht manchmal eine Schulter, um sich anzulehnen…“ Woran hatte er es nun erkannt? “Ich glaube die Begegnung im Wald, das nächtliche Kartenspiel, damals haben wir den Grundstein für unsere Freundschaft gelegt. Das am Grab des Drachen war ein magischer Moment, bei meinem Kampf warst du an meiner Seite und als wir gemeinsam in Erlbrunn waren, hat bereits ein Teil von mir gehofft die Leute dort lägen mit ihrer Einschätzung richtig.“

Genauer konnte er es nun wirklich nicht eingrenzen. Irgendwann hatte er begonnen zu hoffen, er könne die Lücke schließen, die jene Menschen, die sie verloren hatte, in ihrem Leben hinterlassen hatten. In den Momenten, in denen ihr harter Panzer Risse bekam, wollte er ihr eine Stütze sein. Doch er liebte die selbstsichere, kühle Myriel ebenso sehr, wie die verletzliche. Sie brauchte selten einen Prinzen auf einem weißen Ross und Phelan wäre es wohl auch schnell zu anstrengend geworden für jemanden dauernd den Helden spielen zu müssen. Aus dem Material war er nicht geschnitzt.

Die Worte der Druidin erinnerten ihn wieder daran, wo sie waren. Er hätte sich vielleicht einen romantischeren Ort als diesen aussuchen sollen, um lange Reden zu halten. „Ja, ich spüre die Kälte“, bestätigte er. „Ich glaube allerdings, dass du weniger deiner Seele hier verloren hast, als du meinst. Die Zeit hier mag dich verändert haben, aber sie hat dich nicht… unmenschlich gemacht. Du bist ein harter Knochen und das Totenreich hatte wohl schwer an dir zu nagen. Wenn wir bald gehen sollten nur eine Frage: Was muss man tun, um die Frau die man liebt an solch einem Ort beschützen zu können?“ Vermutlich gab es darauf keine Antwort, die er hören wollte. Sie hatte alte Götter erwähnt und das war wohl kein Weg, den er jemals einschlagen würde. Der in die Ferne schweifende Blick seiner Gefährtin beunruhigte ihn. Er war daran gewöhnt sich auf seine Sinne verlassen zu können und doch hatte er keine Ahnung, was sie da sah. Hier waren wohl andere Methoden der Wahrnehmung gefragt.

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