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   Autor  Thema: Forsthaus "Zum Dachsbau" (Bognerei von Askladd Gunnarson) (Gelesen 4184 mal)
Domitia

Re:Forsthaus "Zum Dachsbau"
« Antwort #270 am: Mi., 12. Jun 2019, 16:37 »

Besinnlichkeit und Ruhe waren Teil von Domitias Alltag. Oftmals meditierte sie im Garten oder in ihrer Kammer, soweit ihre Aufgaben dies zuließen.  Im Speisesaal der Kathedrale war es üblich das Mahl in Stille einzunehmen. An der mittäglichen Tafel des elterlichen Heims wurde regelmäßig geschwiegen, sobald Vater in Gedanken versank und nicht dabei gestört werden wollte. Da Askladd ein Mann war, ging die Freiin vom selben Verhaltensmuster aus. Die Schweigsamkeit des Nordmanns war durchaus angenehm zu nennen. Desenthalben wurde sie geradezu aus der Versunkenheit gerissen, als Askladd zu reden abhub und von einem Wettbewerb berichtete.

Domitia blinzelte verlegen, hatte sie doch den Anfang verpasst. Aufmerksam hörte sie zu, nickte gefällig, verlor sich indes in eigenen Gedanken als sie sich fragte, wann Askladd das letzte Mal mittels Beichte seine Seele gereinigt hatte. Weshalb ihr dies durch den Kopf geisterte vermochte die Priesterin nicht zu sagen. Es mochte dem Wunsch entsprungen sein der Freund möge unbelastet von früheren Geschehnissen erhobenen Hauptes durchs Leben wandeln.

Sie fand zurück zu seiner Erzählung, empfand es beruhigend seiner tiefen angenehmen Stimme zu lauschen, beglückt durch sein seliges Lächeln. Domitia kam es in den Sinn sich zu fragen weshalb dieser gutherzige Mann ohne eine liebende Frau sein Leben fristete. Wobei sie andererseits die Problematik des Zusammenlebens kannte, denn ihre eigenen Eltern waren nicht immer allzu glücklich miteinander.

"Hast du je daran gedacht Kindern solcherart Erlebnisse zu erzählen? Ich bin sicher du könntest das gut. Meine Waisenkinder würden sich über einen Besuch bestimmt sehr freuen."

Ich mich auch, dachte sie. Der Gedanke färbte ihre Wangen rosig rot.

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Askladd

Re:Forsthaus "Zum Dachsbau"
« Antwort #271 am: Mi., 12. Jun 2019, 18:32 »

Zwischenzeitlich war sich Askladd nicht so sicher, ob es eine gute Idee gewesen war zu reden, oder ob er Domitia in ihren Gedanken gestört hatte. Zumindest schien sie ihm nur mit halben Ohr zuzuhören. Aber er ließ die Worte anderer auch gerne an sich vorbeirauschen, wenn sie ihm zu viel wurden, und nahm es ihr nicht übel.

Die Frage, die Domitia dann stellte, überraschte ihn ein wenig. Statt um Christian, der auf dem Turnier einen formidablen zweiten Platz errungen hatte, ging es plötzlich um Nachwuchs. „Du hast schon Kinder?“, fragte der Nordmann, der mit dem dragonischen Wort Waisen nichts anfangen konnte, überrascht. Dann fiel ihm auf, dass es unhöflich war so direkt nach dem Familienstand der Freiin zu fragen. Dass diese rot wurde, zeigte deutlich genug, dass er eine Grenze überschritten hatte.

„Nun, nein. Ich bin kein Geschichtenerzähler oder so“, antwortete er, um etwas abzulenken, auf die vorangegangene Frage. Natürlich hatte er früher die eine oder andere Geschichte im Kreise seiner Verwandten erzählt. Da hatte es natürlich auch Zuhörer gegeben, die jünger gewesen waren, als er. Aber er hatte nie gezielt Kinder als Publikum gesucht. „Wenn du es für angemessen hältst, kann ich dich und deine Kinder gerne besuchen kommen. Leben sie in Drachenauge?“
« Letzte Änderung: Mi., 12. Jun 2019, 18:32 von Phelan »
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Domitia

Re:Forsthaus "Zum Dachsbau"
« Antwort #272 am: So., 16. Jun 2019, 20:55 »

"Die Kinder? Wie? Meine? Oh! Nein, nein", wehrte Domitia kichernd ab, eine Hand vor den Mund haltend. "Von den fünfzig Kindleins ist keines mir zuzuordnen. Was wäre ich für eine Mutter, würde ich auch nur eines in der Gosse aussetzen und seinem Schicksal überlassen. Im Waisenhaus leben jene, die ihre Eltern nicht zu benennen vermögen, da diese durch Tod, Krankheit oder Armut außerstande sind sich zu kümmern."

Die Freiin seufzte. "Es gäbe so viele zu retten.  Indes, es ist nicht möglich. Das Heim wird ausschließlich von der sonnabendlichen Kollekte finanziert, den Spenden der Barmherzigen und Gläubigen. Oft reicht es gerade fürs nötigste. An guten Tagen, ein oder zweimal im Jahr, erscheint ein von den Göttern gesegnetes Ehepaar und nimmt sich eines der Kinder an."

Askladds Unwissenheit über dies Kinderheim zeichnete das Bild vieler Einwohner Drachenauges. "In Sahlhausen richteten die guten Mönche dies Heim für die Verlorenen ein. Ich danke Paladin für das Geschenk der glänzenden Kinderaugen, für jeden meiner Besuche glückselig und dankbar sich zeigend. Was gibt es Schöneres als das mit Zuneigung schlagende Kinderherz. Zudem das Wissen, das junge Geschöpf vor der Verderbnis bewahrt zu haben, das ein Leben auf der Straße birgt."

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Askladd

Re:Forsthaus "Zum Dachsbau"
« Antwort #273 am: Mi., 19. Jun 2019, 22:10 »

„Ah“, offensichtlich verstand Askladd jetzt, was Domitia gemeint hatte. Und er konnte nicht umhin sich die blonde Priesterin inmitten einer Schar aus fünfzig aufgeregten Kindern vorzustellen. Der Gedanke brachte ihn zum Lächeln und er wollte sich das Schauspiel unbedingt mal ansehen. “Dann werde ich die Kinder irgendwann einmal besuchen kommen“, versprach er. „Ob einige von ihnen so etwas wie eine Mutter oder eine große Schwester in Dir sehen?“

Der Nordmann jedenfalls war der Meinung, dass sich diese verlorenen Kinder glücklich schätzen konnten, dass Paladin die Freiin zu ihnen geschickt hatte. Das Leuchten in ihren Augen, während sie von die Waisen sprach, erzählte mehr noch als ihre Worte darüber, wie viel ihr diese Aufgabe bedeutete und mit welcher Hingabe sie ihr nachkam.

„Wann bist Du denn wieder dort anzutreffen?“ Wenn jemand vor Ort war, der wusste wer der Förster war und warum er kam, würde es die Sache gewiss erleichtern. Und er wollte Domitia mit den Kindern erleben.

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Domitia

Re:Forsthaus "Zum Dachsbau"
« Antwort #274 am: Do., 20. Jun 2019, 16:30 »

"Eine Mutter?" Kopfschüttelnd kicherte die Freiin über dem Gedanken. "Nein. Eine älterere Schwester, mag sein. Die meisten nennen mich Muhme, Mutterschwester, wie sie die Mönche mit Oheim betiteln. Ich achte auf ihre Sauberkeit, kräftige Ernährung und anständige Erziehung. Du magst nicht erahnen in welch verwahrlosten Zustand die meisten von ihnen im Waisenhaus landen, selbst von Verwandten direkt abgegeben, denen es nicht gelegen kommt sich um die Waise zu kümmern."

Das mit Bedauern überzogene Antlitz erhellte sich mit neuerlichem Strahlen, da Askladd einen Besuch in Betracht zog. "Oh! Die nächsten Wochen werde ich in Shanurdra verweilen, zur Ausbildung im Dienste Paladins. Besser wird sein erst bei deinem Besuch in der Elfenstadt weitere Überlegungen anstellen."

Die Hände im Schoß lächelte Domitia den Boger glückselig an.

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Askladd

Re:Forsthaus "Zum Dachsbau"
« Antwort #275 am: Do., 20. Jun 2019, 21:26 »

Askladd grinste, verkniff sich aber jeden Kommentar darüber, dass es ihm nicht schwer fiel sich Domitia als Mutter vorzustellen. Wer mit solchem Glanz in den Augen über Kinder reden konnte… „Ich denke, dass ich eine ziemlich genaue Vorstellung davon habe“, erklärte er ernst, als die Freiin ihm vom Zustand der Waisen erzählte. Er hatte während seiner Wanderjahre durch die Nordlande viel zu sehen bekommen.

Der Bogner ließ sich von der Freude, die Domitia versprühte, als sie über den Besuch sprachen, anstecken. „Dann planen wir nächste Woche in Sha’Nurdra weiter“, stimmte er zu und lächelte glücklich in sich hinein. Ein wenig später viel ihm wieder ein, dass sie noch in die Schmiede nach Nuru wollten, und er schlug vor aufzubrechen.

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